Predigt über Römer 1,16-17
Pfarrer Wolfgang Sickinger
Reformationstag 2003
Liebe Gemeinde,
es gibt eine zentrale Frage, die Martin Luther sich und anderen gestellt hat - wir haben heute etwas zehn Minuten Zeit, darauf eine Antwort zu finden:
- Wie komme ich zu Gott in den Himmel?
Anders formuliert:
- Wie erreiche ist es, dass der gerechte Gott mir sündigem Menschen gnädig ist?
Es kann sein, dass einige Menschen sagen:
„Ich will gar nicht in den Himmel, Gott ist mir gleichgültig. Ich will lieber überall hin, wozu ich Lust habe.“
Denen, die so denken und reden, kann ich jetzt nicht helfen. Wir habe nicht die Möglichkeit, das auszudiskutieren. Martin Luther hätte darüber auch nicht diskutiert. Manchmal war er etwas grob, so dass ich vermute, er würde solchen Menschen sagen: „Ohne Gott kommst du überall hin - aber am Ende landest du in der Hölle!“
Uns würde Martin Luther sagen: „Gott will dich im Himmel haben! Wie du dorthin kommst, darauf musst du eine Antwort finden!“
Er selbst hat lange um seine Antwort gekämpft.
Wir werden es im Film sehen... Als Mönch im Kloster hat er um den Weg zu Gott gerungen, als Professor in Wittenberg hat er in der Bibel angeklopft, als Priester hat er im Gottesdienst mit der Gemeinde nach Antworten gefragt.
Dass er 95 Thesen verfasst und damit Streit angefangen hat mit dem Papst, dem Kaiser und den fürstlichen Autoritäten seiner Zeit, hing mit seiner Antwort auf die Frage nach Gott zusammen.
Denn als er seine Antwort gefunden hatte, war sie ihm wichtiger als Papst, Kaiser und alles andere auf der Welt.
Luther hat zunächst gedacht: Ich muss einiges dafür tun, um in den Himmel zu kommen. Ich muss mich anstrengen und gute Werke vollbringen, um vor Gott mit meinem Leben bestehen zu können.
Das denken nicht wenige Menschen heute auch: In den Himmel komme ich, wenn ich mich im Leben anständig verhalte.
Luther sagt uns: Nein, das geht nicht! Denn ich weiß nie, ob ich mich anständig genug verhalte! Vielleicht reicht - trotz meiner Anständigkeit - mein Bemühen nicht aus. Vielleicht muss ich noch mehr dafür tun, damit Gott mir den Himmel öffnet.
Martin Luther ist fast verzweifelt über der Suche nach einer Antwort auf diese Frage! Immer wieder las er in der Bibel, dachte nach, betete, forschte und fragte.
Die ihm ein Licht aufging: In den Himmel komme ich durch das Vertrauen auf Gott.
So sagt es der Bibelvers auf der Karte, die wir alle bekommen haben:
... ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben ... Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben ... (Römer 1, 16.17)
Ich selbst kann nichts dazu tun, um mir den Himmel zu verdienen.
Gott hat alles getan, durch Jesus Christus.
Ich darf auf Jesus Christus vertrauen, mein Leben an ihn hängen, mein Leben von ihm bestimmen lassen.
Diese Einsicht hat Martin Luther völlig verändert.
Er wurde ein neuer Mensch.
Er wusste: Mein Leben hängt nicht von meiner Anständigkeit ab. Es hängt auch nicht von der Erfüllung kirchlicher oder sonstiger Vorschriften ab. Sondern allein durch das Vertrauen auf Christus steht der Himmel offen.
Luther verstand: Für alles, was ich falsch gemacht habe, kann ich Gott um Vergebung bitten. Gott sagt mir seine Vergebung zu durch das Kreuz und die Auferstehung Jesus Christi.
Wer darauf vertraut, ändert sein Leben von Grund auf.
Für Martin Luther war Gottes Wort das Wichtigste in seinem Leben. Er hatte begriffen: Den Weg zu Gott kann ich mir nicht erkämpfen, nicht durch Ablass erkaufen, nicht durch die Kirche vermitteln lassen.
Sondern Gottes Gnade darf ich in Christus als Geschenk annehmen.
Als er dies erkannt hatte, hat Martin Luther dafür gearbeitet und gelebt, dass Menschen den offenen Himmel finden:
- Er hat die Bibel durch seine Übersetzung verständlich gemacht.
- Er hat sich von den Mächtigen seiner Zeit nicht abschrecken lassen.
- Er hat vom Vertrauen auf Gottes Gnade in Christus geschrieben und geredet.
Liebe Gemeinde,
es ist gut, dass Sie heute hier im Kino sind. Wäre sie zu Hause geblieben, hätten Sie die Frage Luthers nach Gott nicht gehört und vor allem seine Antwort versäumt.
Martin Luther sagt uns:
Der Himmel steht für uns offen. Gott lädt uns ein, zu ihm zu kommen.
Aber er zwingt uns nicht.
Jeder kann glauben, was er will, jeder kann leben, wie er will.
Wenn du aber zu Gott kommen willst, wenn du mit Gott leben willst, dann wage das Vertrauen auf Christus! Hänge dein Herz an ihn und lass dein Leben von ihm erneuern und prägen!
Wie komme ich in den Himmel?
Gott sei Dank - wir wissen es jetzt, heute hier im Kino.
Jetzt kommt es darauf an, dass wir unser Wissen umsetzten und praktizieren.
Amen.
Zurück zur Übersicht | Zum Seitenanfang

