Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir Theologiestudenten haben den Kommilitonen verrissen, gnadenlos. Er war an der Reihe gewesen mit der Probepredigt. Und er war keine Leuchte. Der Professor hatte sich mit auf den Weg gemacht und ihn auf Video aufgenommen. Wir sahen ihn mit seinem hölzernen Auftritt und den linkischen Bewegungen. Als ob ihm die Arme zu lang gewesen wären. Ruckartig ging immer wieder der Kopf nach vorn: Die Körpersprache eines Verlegenen. Die unkreative Sprache. Und der Inhalt erst! Wahrscheinlich hatte er sich die Übersetzung aus dem griechischen Grundtext gespart, argwöhnten wir. Eine schlampige Textauslegung, Allerweltsgedanken in Kirchensprache, die zu fast jedem Bibeltext gepasst hätten. Liebe und Freude gegen Sorgen und Nöte. Man konnte die Predigt, die wir schriftlich vor uns hatten, Satz für Satz auseinandernehmen. Und er reagierte nicht. Das stachelte unsere Kritiklust weiter an. „Ich hätte es diplomatischer, aber in der Sache ähnlich gesagt“, meinte der Professor, als unsere Häme-Artillerie ihr Pulver verschossen hatte. „Aber am Sonntag habe ich die Kamera eingepackt und bin getröstet aus der Kirche gegangen. Erst jetzt, wo ich den Text vor mir sehe, kann ich die Kritik teilen.“

Ich habe daraus einiges gelernt: Etwa, dass ich mich auf jede Predigt so gut es eben geht vorbereite. Aber um zu predigen, also um Gottes Wort in die Gegenwart weiterzutragen, braucht es etwas, was ich selber mit keiner Anstrengung bewirken kann. Ich habe Respekt gewonnen vor Predigerinnen und Predigern, die einfach reden können, und denen es gelang, so zu predigen, dass sich Menschen ändern.

Beides soll das Thema dieses neuen Newsletters sein. Initiatoren, Jury und Träger des ökumenischen PREDIGTPREISES wollen mit Ihnen zusammen ergründen, was gute Predigten ausmachen. Wie sich Kreativität und Qualität entwickeln lassen. Und wie uns, die wir predigen und Predigten hören und sehen, das Geheimnis anrührt, dass Gott selber durch die Predigt spricht.

Ihr

Wolfgang Thielmann -
Jurymitglied des PREDIGTPREISES

Aktuelle Themen:

Leserfoto des Monats:

Irmgard Scheibert „der lachende Mönch“ oder
versuchs mal mit Gelassenheit!
(Schloss Salem, Bodensee)

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Ökumene
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Perspektive 2017 - Zentral ist und bleibt die Frage nach Gott

© www.evangelisch.de An dieser Stelle wird der Newsletter des Ökumenischen Predigtpreises theologische und kirchenpolitische Themen mit dem besonderen Blickpunkt der Ökumene besprechen.

Luthers Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 ist das entscheidende Datum der Reformation. Der 500. Jahrestag im Jahr 2017 soll kein bloßer Gedenktag sein. Darum hat die Evangelische Kirche in Deutschland eine Lutherdekade ausgerufen. Mit der Lutherdekade sollen in jedem Jahr inhaltliche Schwerpunkte definiert und in Form von Großveranstaltungen, Landesausstellungen, wissenschaftlichen Kongressen und Tagungen, Kulturveranstaltungen umgesetzt werden. Weitere Informationen unter www.luther2017.de.

Der PREDIGTPREIS wird die Themen, die aus der Sicht der Homiletik und Predigtpraxis mit dieser Dekade verbunden sind in ökumenischer Ausgewogenheit begleiten. Der PREDIGTPREIS selbst wird Impulse weitergeben an Hauptamtliche und Laien in allen christlichen Kirchen, von Predigern für Prediger und für Suchende nach dem Wort und Beispiel Christi. Bitte lesen Sie den Beitrag hier weiter

Das Interview
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Dr. Jörg Zink
(Pfarrer und Publizist) Vita lesen

„Schweigen ist die Voraussetzung der Predigt“
Interview mit dem Theologen und Publizisten Jörg Zink

Predigtpreis: Herr Zink, sind Sie immer noch ein Prediger? Sie sind als Pfarrer über den Rahmen einer Ortsgemeinde hinausgewachsen, 1980 aus den Diensten der württembergischen Landeskirche ausgeschieden und vor allem als Buch- und Filmautor bekannt geworden.

Jörg Zink: Ja, ich sehe mich nach wie vor als Prediger. Ich will mit meinen Büchern und wollte mit den Filmen nichts anderes als mit dem gesprochenen Wort erreichen und Menschen auf Gott ansprechen.
Und ich vermute, dass die Kirche in den nächsten Jahrzehnten mehr und mehr von Laien geleitet und verwaltet wird. Sie müssen also mehr wissen als sie normalerweise mitbringen. Ich möchte zu einer Literatur über den Glauben beitragen, auf die sie zurückgreifen können. Laien, Menschen ohne theologische Vorkenntnisse, sollen den Glauben verstehen können. Noch nie habe ich für Theologen geschrieben.


Predigtpreis: Ihr neues Buch "Vom Geist des frühen Christentums" trägt den Untertitel „Den Ursprung wissen – das Ziel nicht verfehlen.“ Es ist eine Mischung aus früher Kirchengeschichte und Folgerungen für Christen heute. Wer soll es lesen?

Jörg Zink: Auch hier wollte ich, dass Laien die Geschichte kennen, die oft nur Fachleuten bekannt ist, und aus dem Geist des frühen Christentums ihr eigenes Ziel bestimmen können. Die Geschehnisse der Bibel und des frühen Christentums zeigen Menschen von heute den Weg. Sie sagen: Wo Gottes Geist am Werk ist, da gewinnen Menschen Zuversicht, da ändern sie sich selbst und ihre Umwelt. Was sie dann tun, ist Ausdruck der Liebe, die sie empfangen haben. Dann werden sie fähig, ihren Glauben in Worte zu fassen und ihn anderen Menschen gegenüber auszusprechen.

Predigtpreis: Ist das Buch Ihr Vermächtnis?

Bitte lesen Sie das Interview hier weiter

Veranstaltung
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Mit Predigten die Welt verändern?

Prophetische Kanzelrede in säkularer Gesellschaft
6. Begleittagung zur ökumenischen Predigtpreis-Ausschreibung


Nicht nur mit sozialpolitischen Grundsatztexten, sondern auch durch die Predigt nehmen die Kirchen in der Öffentlichkeit Stellung zu Fragen der Gerechtigkeit und des Friedens. Sie mahnen zu mehr Wahrhaftigkeit in der Politik und fordern ein menschengemäßes Wirtschaften und ein Ende der Gewalt. Dies ist Teil ihres Auftrages. Seit ihren Anfängen in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts hat sich die damals hoch umstrittene Praxis der politischen Predigt verändert. Dennoch ist sie nach wie vor keine Selbstverständlichkeit.

Welche theologischen Vorstellungen verbinden sich heute mit kirchlicher Verkündigung zu Fragen kirchlicher Mitverantwortung für das gesellschaftliche Zusammenleben? Was sagen die großen Mitgliederbefragungen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) über die Reaktionen und Erwartungen von Kirchenmitgliedern und Gottesdienstbesuchern beim Thema „politische Predigt“? Welche Persönlichkeiten verkörpern den Typus des politischen Predigers bzw. der prophetischen Predigerin? Weitere Informationen und Anmeldung

Landespfarrer Peter Mörbel (vorn r.), Tagungsleitung
Predigt des Monats
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Meditation 1. Könige 19,9-15 von Jörg Zink

Begegnung mit dem leisen Gott
Und er kam dort in eine Höhle und blieb dort über Nacht. Und siehe, das Wort des Herrn kam zu ihm: Was machst du hier, Elia? Er sprach: Ich habe geeifert für den Herrn, den Gott Zebaoth; denn Israel hat deinen Bund verlassen und deine Altäre zerbrochen und deine Propheten mit dem Schwert getötet, und ich bin allein übrig geblieben, und sie trachten danach, dass sie mir mein Leben nehmen…
Aber der Herr sprach zu ihm: Geh wieder deines Weges durch die Wüste nach Damaskus…
1. Könige 19, 9.10.15

Dies ist die Geschichte von Elia, dem Propheten, der sein Amt, dessen Gefahr und Last er nicht mehr tragen wollte, und es Gott vor die Füße warf. Es war rund 800 Jahre vor Christus. Das Reich Davids war zerfallen, und die Israeliten lebten in zwei getrennten Staaten, da kam aus der Wüste im Osten Elia, der Prophet. Er kam aus dem heutigen Jordanien in die Städte Israels und sah ein sattes Volk, eine korrupte Priesterschaft, ein selbstherrliches Königtum. Er kam als ein Kämpfer für den alten Glauben, den die Söhne Israels einst aus der Wüste mitgebracht hatten, als ein Kämpfer gegen den Niedergang von Recht und Sitte, gegen die Anmaßung des Herrschenden und die Vermischung der Religionen. Er war Staatsfeind Nummer eins. Man suchte ihn, man jagte ihn. Immer wieder erschien er plötzlich und fegte unvermutet weg, was ihn störte. Souverän. Kompromisslos. Hier lesen Sie die vollständige Predigt

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Die Auszeichnung des PREDIGTPREISES
„Sehnsucht nach Befreiung“
(© Atelier Gerz)
Kunst und Predigt
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Skulptur FREUNDE, Fred Gerz

© Atelier Gerz, Freunde „Werte in Form bringen“.
Für Fred Gerz steht der Mensch in seinen verschiedenen Lebenssituationen im Mittelpunkt.

... wo zwei oder drei in meinem Namen – im Hören auf Gottes Wort – versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“.
(Mt 18,20)


Zum Künstler Fred Gerz gelangen Sie hier

Menschliche Beziehungen

Es gibt nur einen echten Luxus, das sind die menschlichen Beziehungen...

Wenn ich unter meinen Erinnerungen die heraussuche, die ihren köstlichen Geschmack behalten haben, wenn ich die Bilanz der Stunden mache, die in meinem Leben gezählt haben, dann sind es mit Sicherheit solche, die mir kein Vermögen der Welt verschafft hätte.

Die Freundschaft eines Mermoz, eines Gefährten kann man nicht kaufen, mit dem gemeinsamen bestandene Prüfung einen für immer verbinden.

Antoine de Saint-Exupery

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