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Editorial

Lieber Leser, liebe Leserin,

Ein Leben, das predigt

Der November ist der Monat des Predigtpreises. Am Buß- und Bettag, in diesem Jahr am 16., versammeln sich Preisträger, Jury und Kuratorium und eine von Jahr zu Jahr wachsende ökumenische Gemeinde in Bonn, um die Auszeichnung feierlich zu begehen. Ich bin immer wieder darauf gespannt.

 

In diesem Jahr freue ich mich besonders auf Erzbischof Alfons Nossol, der für sein Lebenswerk geehrt wird. Der Begriff „Lebenswerk“ passt bei ihm besonders. Denn sein Leben ist eine Predigt. Alfons Nossol ist in Oberschlesien geboren, er besitzt einen polnischen und einen deutschen Pass. Und er hat den deutschen nicht abgegeben, als er 1977 Bischof in Oppeln wurde, obwohl die Regierenden ihn dazu gedrängt haben. Drei Jahre später lud er den Augsburger Bischof Josef Stimpfle zur ersten deutschsprachigen Predigt nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem oberschlesischen St. Annaberg ein. 1989 begann er selbst mit deutschsprachigen Gottesdiensten in seiner Diözese. Er gab damit den Deutschen Heimat in der bis dahin verfemten Sprache ihres Glaubens und trug damit zur Versöhnung mit den polnischen Nachbarn bei. Kurz später lud er den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und den polnischen Präsidenten Tadeusz Mazowiecki zu einem Versöhnungsgottesdienst auf das Gut Kreisau ein. Damit erinnerte er an den Widerstand gegen das NS-Unrecht, das von diesem Ort ausging, der Heimat von Helmuth und Freya von Moltke. Dass es diesen Widerstand gab, hat in Polen das Bild von Deutschen verändert. In diesem Newsletter lesen Sie von einer Begegnung mit dem Erzbischof.

 

Nossols Habilitationsschrift befasste sich mit der Theologie des Protestanten Karl Barth und seiner Wirkung auf die katholische Kirche. Ein geraumer Teil seiner Kraft gehörte der Aussöhnung mit den evangelischen Kirchen. Und nicht zuletzt verdankt die Stadt Oppeln ihm ihre Universität. Deren Vorläufer gründete er gegen allen Druck des kommunistischen Regimes.

 

Sein Leben liest sich wie eine Illustration der Predigt des Apostels Paulus im zweiten Korintherbrief: „Gott versöhnte in Christus die Welt mit sich selber. So bitten wir nun an Christi Stelle: Lasst euch versöhnen mit Gott“. Alfons Nossol hat sich der Versöhnung verschrieben, die Menschen zueinanderbringt, weil sie sie zu Gott bringt.

 

Der Predigtpreis kann das unterstreichen. Damit hilft er, diese faszinierende Einladung zur Versöhnung zu stärken. Darin liegt für die Beteiligten eine starke Motivation, sich im Auswählen, Beurteilen und im Austausch über die aus ihrer Sicht gelungensten Predigtbeispiele zu engagieren.

 

Wenn Sie eine Predigt erleben, die Ihnen Einsichten vermittelt, die Sie getröstet oder begeistert aus dem jeweiligen Gottesdienst gehen lässt: Vielleicht ermutigt es die Predigerin oder den Prediger, wenn Sie ihr oder ihm einen Tipp geben, dass das, was Sie gehört haben, eine Einsendung lohnt. Manche Predigt hat es dadurch schon bis zum Festakt am Buß- und Bettag geschafft und ist zu einem ansteckenden Beispiel des Redens über Gottes Versöhnung geworden.



Ihr

Wolfgang Thielmann
Jurymitglied des PREDIGTPREISES

Aktuelle Themen:

Predigtfoto des Monats:

© J. Esch, Mülheim

„Meine lieben Schwestern und Brüder Vögel", sagte Franz von Assisi. „Gott hat euch die Freiheit geschenkt. Ihr könnt fliegen, wohin ihr wollt. Ihr findet überall reichlich Futter, Bäume, in denen ihr eure Nester bauen und Bäche und Seen, aus denen ihr trinken könnt. Und Gott hat euch ein wunderschönes Federkleid geschenkt. Seid ihm für alles dankbar und lobt ihn mit eurem wunderbaren Gesang.“ Dann sagte Franz zu seinen Freunden: „Von den Vögeln können wir lernen. Lasst uns wie sie Gottes Lob durch die ganze Welt tragen.“


Sprechende, „predigende“ Bilder –
teilen Sie Ihr eindruckvollstes Foto mit uns.

Schicken Sie uns bitte eine Email mit dem Betreff „Predigtfoto“. Fügen Sie Ihr Foto(s) bei mit einem kurzen Begleittext und Ihrer Adresse an predigtfoto@nl.predigtpreis.de.

Ökumene
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Perlen des Glaubens

© www.perlen-des-glaubens.de

Wir stellen Ihnen mit den Perlen des Glaubens ein spirituelles Projekt in ökumenischer Projektpartnerschaft der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche und des Erzbistums Hamburg vor. Es geht um eine konkrete Hilfe dafür, den Glauben sichtbar zu machen: Hilfe zum Stillsein, zur Versprachlichung des eigenen Glaubens, zur inneren Freiheit, zur Ganzheitlichkeit, zur lebenspraktischen Spiritualität, und zum persönlichen Gebet.

Das Perlenband besteht aus 18 Perlen, die sich an einem Band aneinander reihen. Sie bilden einen Kreis, dessen Anfang und Ende durch die größte Perle golden leuchtend gesetzt wird. Die Perlen unterscheiden sich in Form, Farbe und Größe und weisen mit ihrem Namen auf ihre Bedeutung hin. Die Perlen können als Lebensweg Jesu gedeutet werden und zum Sinnbild für das eigene Leben werden. Mit den Perlen des Glaubens kann der Alltag für einen Moment unterbrochen werden. Das Perlenband ist ein Hilfsmittel für die Seele. In der kirchlichen Tradition wird dieses „Einkehr“ genannt. Damit ist nicht die Flucht vor der Realität gemeint, sondern Konzentration: Wenn die Finger die Perlen ertasten, können sich Pulsschlag und Atem beruhigen. Wir können uns Zeit lassen für das, was uns bewegt.

Ökumenische Ausrichtung
In den christlichen Konfessionen und nicht-christlichen Religionen gibt es Gebete, die an Zählketten verrichtet werden. Dabei wird gelegentlich die Bezeichnung „Rosenkranz“ auch unabhängig vom Ursprung des Begriffs in der Marienverehrung verwendet. In der orthodoxen Kirche hat der Rosenkranz als Zählkette für das Jesusgebet eine lange Tradition. Die Anglican Prayer Beads kombinieren Elemente des katholischen und orthodoxen Rosenkranzes. Der lutherische Christusrosenkranz ist in Anlehnung an das katholische Rosenkranzgebet entstanden. Im Islam ist das der Tasbih, im Buddhismus und Hinduismus die Mala. Die Perlen des Glaubens – das soll bewusst kein evangelischer Rosenkranz sein. Natürlich liegt der Vergleich nahe, weil beides als Gebetsschnur mit Perlen betrachtet werden kann. Doch anders als der katholische Rosenkranz, dessen Gebete festgelegt sind, eröffnen die Perlen des Glaubens die Reflexion des eigenen Lebensweges und die individuelle Gottesbeziehung und gehen damit darüber hinaus. Diese Freiheit legt auch den Gebrauch der Perlen des Glaubens für Protestanten und Katholiken nahe und fördert den gegenseitigen Austausch und die Kommunikation.

Einführung von Ralf Birkner, theologischer Berater des PREDIGTPREISES

Nähere Informationen zu den Perlen des Glaubens lesen Sie hier

Das Interview
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„Den Gottesdienst stark machen“
Interview mit der Theologin Margot Käßmann

Foto: Monika Lawrenz/ LVH

Vita lesen

Margot Käßmann war bis 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und hannoversche Landesbischöfin. Derzeit hat sie eine Gastprofessur an der Ruhr-Universität in Bochum inne. 2012 wird sie Beauftragte der EKD für das 500. Jubiläum der Reformation im Jahr 2017.


Predigtpreis: Frau Käßmann, alle Kirchen wollen die Mission beleben. Protestanten und Katholiken veranstalten darüber Synoden. Sie sind mit dem Glauben unterwegs. Sind Sie eine Missionarin?

Margot Käßmann: (lacht) Der Begriff hat für viele ein Geschmäckle. Aber ich erlebe, dass Menschen Sehnsucht nach Sinn haben und nach Glauben fragen. Ich gebe aus meiner christlichen Grundüberzeugung heraus Antworten. Damit können sie sich auseinandersetzen – ja, das hat schon etwas Missionarisches.

Predigtpreis: Es gibt nicht viele Missionare, die so viel Erfolg beim Publikum haben wie Sie. Wissen Sie, woran das liegt? Was kann ein Prediger, der resignieren möchte, von Ihnen lernen?


Käßmann: Ich fände es überheblich, wenn ich Rat erteilen wollte, wie die christliche Botschaft am besten unter das Volk zu bringen ist. Ich bemühe mich darum wie andere Pfarrerinnen und Pfarrer auch. Vor kurzem habe ich in Kassel gepredigt. Da hatte ich ein persönliches Heimatgefühl: Ich gehöre zu einer Kirchengemeinde, auch wenn ich gar nicht am Ort wohne, ich singe mit ihr, ich kann mit der Gemeinde beten, und ich versuche mein Bestes in der Predigt: Das, was die Bibel über den Glauben sagt, mit unserer Situation heute zu verbinden. Wenn das gelingt – es gelingt auch bei mir nicht immer – dann entsteht ein Grundgefühl: Hier finde ich Stärkung für die Seele, Kraft für den Alltag, Beheimatung im Glauben. Das spüre ich auch als Predigerin, und es gibt auch mir Kraft.

Predigtpreis: Sie sprechen in Volksbanken, in Buchhandlungen und Bibliotheken. Gibt es mehr Möglichkeiten, von Gott zu reden, wenn man nicht in einer Kirche ist?

Käßmann: Ich predige schon noch sehr oft. Aber es reizt mich auch, etwa bei der Jahresversammlung einer Volksbank von christlichen Werten zu reden, oder auf der Buchmesse, also im säkularen Raum, christliche Themen aufzugreifen.

Predigtpreis: In den meisten Titeln Ihrer Bücher tauchen zwei Begriffe auf: Leben und Spiritualität. Ist das Ihr Lebensthema?

Käßmann: Das ist so, weil ich auch Seelsorgerin bin, und weil Menschen sich fragen: Wie will ich die Jahre, die ich habe, verantwortlich leben? Das Christentum gibt darauf relevante Antworten, etwa: Du musst nicht selbst um den Sinn deines Lebens kämpfen, sondern dir ist schon Lebenssinn zugesprochen; daher gestalte dein Leben in Verantwortung. Neulich erzählte mir eine Frau – auf der Damentoilette! –, ihr Bruder sei gestorben, und da habe sie fünfmal das Kapitel „Sehnsucht nach Trost“ aus einem meiner Bücher gelesen. Das habe ihr so viel Halt gegeben. Ich bin überzeugt, dass viele Menschen heute mit der Begrenztheit des Lebens nicht mehr umgehen können, mit Tod, Sterben, Leid und Krankheit. Sie fragen, welche Antworten der christliche Glaube gibt.

Predigtpreis: Müssten dann Pfarrer nicht viel mehr davon reden?



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DER GASTKOMMENTAR
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Meine erste Begegnung mit Bischof Alfons Nossol

© Roman Konzal

l.: Joachim Kardinal Meisner, Abt A. Kurzeja O.S.B., Erzbischof Nossol

Es war im Juli 1977. In meiner oberschlesischen Heimat wartete man nach dem Tod des Oppelner Bischofs Franciszek Jop im September 1976 mit Spannung auf die Ernennung eines Nachfolgers, die angesichts der schwierigen kirchenpolitischen Situation unter dem kommunistischen Regime und der heiklen Volkstumsprobleme Oberschlesiens nicht einfach war. Am 25. Juni 1976 wurde der Theologieprofessor an der Lubliner Katholischen Universität, Alfons Nossol, ein Oberschlesier, zum neuen Bischof von Oppeln/Opole ernannt. In der Diözese herrschte große Freude. Ich erfuhr die Ernennung aus der Presse, und da ich zu seinem Vorgänger und zur Oppelner Kurie gute Verbindung hatte, richtete ich wenige Tage später spontan ein Gratulationsschreiben an den Neuernannten, den ich in Oppeln vermutete, der aber zu Gastvorlesungen an der Mainzer Universität in Deutschland weilte. Mitte Juli kehrte einer unserer Mitbrüder von einem Kuraufenthalt in Freiburg zurück und sagte zu mir: „Ich bringe Ihnen Grüße von Ihrem neuen Bischof“. Meine Überraschung war perfekt! Er hatte seine Erholung im gleichen Kurheim mit dem Bischof verbracht und ihm berichtet, dass ich vor einigen Wochen zum Abt von Maria Laach gewählt worden sei. Das war eine günstige Gelegenheit für mich, den neuen Bischof persönlich kennen zu lernen.

Bitte lesen Sie den vollständigen Beitrag hier weiter

PREDIGT DES MONATS
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Predigt über „Perspektiven der Kirche“

Drei Tage vor Weihnachten, ich saß am Strand an der Südküste Südafrikas, da ereilte mich ein Anruf aus Deutschland: „Brümmer/Landeskirchenamt“ freundlich-präzise, wie immer: „Ich will es kurz machen, Ihre Einheiten laufen ja auch - würden Sie eine Andacht bei der Landessynode übernehmen?“

Wenn man so weit weg vom Alltag entspannt am Meer sitzt, sagt man wohl - bei aller Überraschung - leicht mal ja, aber dann kam es: „Thema: Perspektiven der Kirche“.

Was hatte ich mir da angetan? Die Gedanken fingen an zu wirbeln - Strukturausschuss, Prioritätendiskussion, Perspektivkommission, Kirche der Freiheit - Leuchttürme - lag ja nahe am Meer… Und dazwischen kam mein fünfjähriger Enkel angerannt, halb schreckensbleich, halb triumphierend: „Im Wasser da sind die Wellen von allen Seiten gekommen und ich konnte überhaupt nichts mehr sehen und dann bin ich doch rausgekommen!“

 

Perspektiven der Kirche? Überflutung von allen Seiten durch Modernisierungs- Anpassungs-, Umstrukturierungswellen… Folge: Orientierungslosigkeit, aber irgendwie kämpfen wir uns schon durch? Oder passt eher das hingegeben Spiel der Kinder im Sand - zurückgezogen auf sich selbst. Mag die Welt um uns tosen, wir haben uns erstmal in unsere Strukturen vergraben, jeder baut sich seine kleine Burg… das dauert eben.

Warum übrigens eigentlich gerade ich?

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Die Auszeichnung des PREDIGTPREISES
„Sehnsucht nach Befreiung“
Veranstaltung
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12. PREDIGTPREIS-Verleihung 2011


Der feierliche Festakt wird am 16. November 2011 (Buß- und Bettag) live ab 11 Uhr bis ca. 13.30 Uhr auf www.predigtpreis.de übertragen.

Sie sind herzlich zur virtuellen Teilnahme eingeladen.

Die Festschrift steht Ihnen auch als Download ab dem 16. November hier zur Verfügung.

KUNST UND PREDIGT
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Das Antlitz

M. Dufner, Gips-Sperrholz-Karton- Acrylfarbe, 130 x 110 cm ©
www.klepacki-gallery.de.

Das Antlitz ist bewusst aus gebrauchten Materialien, aus Alltagsstoffen gefertigt: ein Kartonkasten, der als Versandverpackung diente; eine Obstschachtel; Sägeabfälle von Spanplatten; Gipsbinden.

 

Das Antlitz wird vom Leben geformt; das Gebraucht- und Verbrauchtwerden macht es.

 

Die Erarbeitung des Objektes musste in Eile geschehen, da die Gipsbinden schnell aushärten. Es ist daher der spontane Handgriff zu sehen.

 

Auch sieht man die Gipslappen, die aus 2m Entfernung in das Gesicht geschleudert wurden. So sollte der Vorgang der Schmähung real ins Bild kommen.

 

Die Krone aus Sägeabfällen verwandelt diese zu etwas Wertvollem. Je nach Lichteinfall bildet die Heftklammer auf der Stirn einen Lichtpunkt wie ein Edelstein.

 

(Der Text stammt von Pater Meinrad Dufner)

 

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