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Editorial

Lieber Leser, liebe Leserin,

predigen Pfarrer, Prädikantinnen und Katecheten die Kirchen leer? Der evangelikale Nachrichtendienst „idea“ hat darüber eine Kontroverse entfacht. Steffen Kern, der Vorsitzende des Altpietistischen Gemeinschaftsverbandes, antwortet mit Ja. Der Mitgliederrückgang in der evangelischen Kirche, so ist er überzeugt, liege auch an einer „geballten Belanglosigkeit“ vieler Predigten: „Zu viele Frauen und Männer auf den Kanzeln politisieren, psychologisieren und schwadronieren.“ Belanglose Predigten schreckten viele Menschen vom Kirchenbesuch ab. Udo Hahn vertritt die Gegenmeinung. Er, der Leiter der renommierten Evangelischen Akademie in Tutzing am Starnberger See, ist auch Juryvorsitzender des ökumenischen Predigtpreises. Die sinkenden Mitgliederzahlen lägen vor allem am Bevölkerungsrückgang, macht er geltend. Und es sei wohlfeil, Prediger und nachlassende Qualität für den Rückgang verantwortlich zu machen. Er sagt, was wir, die wir uns für den Predigtpreis engagieren, immer wieder bemerken: Dass sich Predigerinnen und Prediger eher mehr Mühe mit dem Wort Gottes geben. In Zeitungen, die Gottesdienste beurteilen, etwa im Berliner Tagesspiegel, gibt es nur wenige Ausreißer. Unser Respekt vor denen, die die Bibel auslegen, ist mit den hunderten Einsendungen gewachsen, die uns jedes Jahr zur Begutachtung erreichen. Was denken Sie? Wir sind gespannt auf Ihre Erfahrungen: Schreiben Sie mir an info@nl.predigtpreis.de Stichwort: "Predigtqualität". Vielen Dank.


Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen gehört zu denen, die sich Predigten viel Zeit kosten lassen. Im Interview gesteht er, dass jede große Predigt ihm immer noch acht bis zehn Stunden Vorbereitung abverlangt. Den Gastkommentar steuert Friedrich Schorlemmer bei, der Prediger des kirchlichen Widerstandes in der DDR. Unter dem Thema „Wofür ich mein Leben geben würde“ legt er Rechenschaft über seine innersten Überzeugungen ab. Wir wünschen Ihnen eine ertragreiche Lektüre

Herzlich

Ihr

Wolfgang Thielmann
Jurymitglied des PREDIGTPREISES

Aktuelle Themen:

Ökumene: „Humor ist, wenn man trotzdem betet!“
Bischof Algermissen: „ Vielleicht sind wir zu diplomatisch“
Gastkommentar: „Es muss einer sagen, was wahr ist“
Predigt des Monats: „Leipziger Narrenpredigt von Rüdiger Lux“
Verantstaltung: Mehr als tausend Worte…
Bibel to go für den Alltag

Predigtfoto des Monats:

© Grafik von F.J.Lux

Leipziger Narrenpredigt „Wer soll das bezahlen? – Eine Auslegung des Zehnten Gebots“ von Professor Dr. Rüdiger Lux, Leipzig

 

Anm. des Autors: Zum besseren Verständnis sei angemerkt, dass ich in meiner Narrenpredigt die Kunstfiguren von Heinz Unglaub (siehe Grafik!) und seiner Frau Rosamunde erfunden habe, zwei Leipziger Urtypen, die philosophierend und theologisierend von ihrem Sofa in der größten Plattenbausiedlung Leipzigs aus die Weltlage kommentieren. Die holprigen Reime – frei nach der Devise des Dichters Kurt Bartsch »Die Zeit der Reimer ist im Eimer« – mögen Sie nicht stören. Das ganze ist als Spaß und nicht als Dichtung zu verstehen.


Sprechende, „predigende“ Bilder –
teilen Sie Ihr eindruckvollstes Foto mit uns.

Schicken Sie uns bitte eine Email mit dem Betreff „Predigtfoto“. Fügen Sie Ihr Foto(s) bei mit einem kurzen Begleittext und Ihrer Adresse an predigtfoto@nl.predigtpreis.de.

Ökumene
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Humor ist, wenn man trotzdem betet!

Diakon Willibert Pauels ©Michael Schopps

Vital lesen

In den christlichen Kirchen gibt es in der Karnevalszeit zumindest in den Regionen, in denen der brauchtümliche närrische Ausnahmezustand Tradition hat, Gottesdienste mit närrischen Elementen. Predigten werden gereimt, Tollitäten, Vereine und Kinder dürfen in ihren Ornaten, Uniformen und Kostümen in die Kirche kommen. Nicht allen ist dabei die direkte Verbindung zwischen der sogenannten fünften Jahreszeit, wie es im Rheinland heißt und dem Kirchenjahr bewusst. Und angesichts der für den diesjährigen Straßenkarneval zu erwartenden eisigen Temperaturen wird es wohl in bestimmten säkularen Brauchtumskreisen wieder eine Diskussion darüber geben, ob man den Karneval nicht in den Sommer verlegen kann.


Für den katholischen Diakon und Büttenredner Willibert Pauels aus Köln ist es kein Zufall, dass die Karnevalssession am 11.11. losgeht. Der Karneval hängt stets mit Fastenzeiten zusammen. So liegt der Karneval vor Aschermittwoch vor der großen Fastenzeit. Aber es gibt auch die kleine Fastenzeit: die Tage vor Weihnachten. Und diese kleine Fastenzeit beginnt am 12. November. In diesem Sinne ist der Martinsabend ein Fastenabend - ein Fastelovend.


Für ihn gibt es den wahren Humor nur in Verbindung mit einem lebendigen Gottesglauben. Der Humor kommt in dem Augenblick, wo man in sich selber ruht. «Geborgenheit im Letzten gibt Gelassenheit im Vorletzten», lautet ein Satz von Romano Guardini, den er immer wieder auch in seinen närrischen Büttenreden in den Hochburgen des Kölner Karnevals zitiert. Wer sich absolut geborgen weiß, der kann allem Vorletzten mit Gelassenheit begegnen. Und der schönste Ausdruck von Gelassenheit ist der Witz, das strahlt Willibert Pauels mit jeder Silbe seines gekonnten jecken Vortrages aus, der in Teilen manchmal sogar Predigtqualität hat.


Der Karnevalsexperte, Buchautor und Kinderpsychologe Wolfgang Oelsner betont den inneren Zusammenhang zwischen Karneval und Tod. Im Mittelalter wurde der Tod oft als Narr dargestellt und umgekehrt. Die theologische Botschaft lautete: Mensch, sei kein Narr, verspiel nicht dein letztes Stündlein und sterbe nicht unvorbereitet. Aber weil wir Menschen nun mal auch Triebhaftes in uns haben, hat die Kirche gut reagiert: Man lebt die Narrheit für eine umgrenzte Zeit aus - um sie im Aschermittwoch zu überwinden.


Für alle, die noch auf der Suche nach Anregungen für eine gereimte Predigt für einen Karnevalsgottesdienst sind, bietet die Predigtdatenbank des PREDIGTPREISES einen reichen Fundus an. Klicken Sie einfach das Stichwort Karneval/Fasching an.

 

von Ralf Birkner

Das Interview
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„Vielleicht sind wir zu diplomatisch“

© Lisa Boscheinen / Erzbistum Freiburg

Heinz Josef Algermissen ist seit 2001 Bischof in Fulda. Im Fuldaer Dom, seiner Bischofskirche, befindet sich das Grab von Bonifatius, dem „Apostel der Deutschen“. Seit 2002 amtiert Algermissen auch als Präsident der katholischen Friedensbewegung „Pax Christi“. In der katholischen Deutschen Bischofskonferenz gehört er die Ökumene- und der Liturgiekommission an. Zuvor war er Weihbischof in Paderborn und Pfarrer in Ostwestfalen, wo er sich auch ökumenisch engagierte. Geboren wurde er 1943 in Hermeskeil bei Trier..


Predigtpreis: Herr Bischof, braucht Deutschland einen neuen Bonifatius?

Bischof Heinz Josef Algermissen: Bonifatius ist eine historische Gestalt. Er war zu seiner Zeit als Kirchenreformer und Missionar erfolgreich. Es gilt heute, die Grundprinzipien, nach denen er gelebt, hat, neu zu entdecken. Bonifatius hat missioniert als einer, der völlig überzeugt war von seiner Botschaft. Nach Predigt und Taufspendung hat er überall geistliche Stützpunkte hinterlassen, kleine Benediktinerklöster. Solche geistlichen Stützpunkte finden wir heute nur noch wenige. Die Zahl der Klöster nimmt ab, weil sich kaum noch Frauen und Männer finden, die im Kloster leben wollen. Uns fehlen solche Zellen, wo der Glaube anschaulich wird, in die man einkehren und den Glauben mitfeiern kann. Sie müssten wie ein Netzwerk über ganz Deutschland verstreut sein. Und der Kirche fehlt es nicht an guten Aussagen über Missionierung heute. Es gibt hingegen das Gefühl, dass der Funke nicht überspringt.

Predigtpreis: Warum springt der Funke nicht über?


Algermissen: Vielleicht sind wir zu diplomatisch, zu pragmatisch, manchmal auch zu gleichgültig. Bonifatius ließ, so sagt eine Erzählung, in der Nähe von Fritzlar die dem germanischen Gott Donar geweihte Eiche fällen. Er wollte zeigen: Es gibt nur einen Gott. Heute finden wir solche konsequente Eindeutigkeit eher selten. Etwa beim Lebensschutz, für den ich mich besonders engagiere. Mir macht Angst, wie viel Gleichgültigkeit herrscht, in Medien, in der Politik, in der Gesellschaft. Nur wenige kämpfen entschieden für die Würde des vorgeburtlichen wie kranken und sterbenden Lebens. Bonifatius hat in einem Brief gesagt: „Wir dürfen keine stummen Hunde sein“. Die Kirche muss sich melden, sie muss eindeutig sein und nicht pragmatisch lavieren. Wir haben hier und da zu sehr die Sprache und den Comment der Politik übernommen. Bonifatius würde von uns eine große Revision de vie fordern.

Predigtpreis: Wo machen es sich die Kirchen zu leicht? Predigen sie ein Wohlfühlevangelium?

Algermissen: Mitunter habe ich da meine Befürchtung. Wenn die Predigt so aufbereitet wäre wie Cola light, nichts mehr forderte und die Zuhörer nur noch harmlos einlullen würde - das wäre eine Sünde gegen die Botschaft der Bibel, die im eigentlichen Wortsinn immer radikal ist.

Predigtpreis: Wo sehen Sie diese Gefahr?

Algermissen: Das passiert sicher immer dann, wenn Prediger versuchen, sich selbst, aber nicht Gott zu Wort kommen zu lassen. Wir sind Werkzeuge. Eine gute Predigt lässt Gott zu Wort kommen - zwar durch das Medium einer Person, wenn aber der Prediger nicht durchlässig ist für Gott, hat er seinen Beruf verfehlt.

Durchlässig kann er aber nur sein, wenn er auch Gottsucher sein will. Wer immer diese Suche aufgäbe und etwa einen harmlosen Gott verkündete, der nichts abfordert, wäre auf dem Holzweg. Mitunter, wenn ich Predigten anhöre, gewinne ich den Eindruck, dass uns dieser Kardinalfehler unterläuft: Es wird wohl zu wenig gefragt, wie Gott in den Texten der Heiligen Schrift entgegenkommt.

Predigtpreis: Sie übertreiben.


Algermissen: Wie viel tausend Predigten werden in unserem Land gehalten, und wie viel Wirkung haben sie? Predigt kann nur dann wirken, wenn das Wort mir selber, dem Prediger, Umkehr und Nahrung schenkt. Wenn nicht, dann werde ich leicht zum Entertainer, der auf den nächsten Effekt bedacht ist. Wir haben den zu verkündigen, der auch immer der ganz Andere ist. Das muss eine dauernde Herausforderung bleiben.

 

Predigtpreis: Wie bekommen wir mehr Ehrfurcht vor Gott?

Algermissen: Wenn ich eine Predigt vorbereite, muss ich je mit dem Wort kämpfen, und das Studieren geht am Ende in ein betrachtendes Beten über. Weil wir mit Gott, der sich in Jesus Christus auslegt, der uns Heil und Rettung schenkt, doch nicht zu Rande kommen. Wer einmal mit Gott fertig ist, der hört auf, gläubig zu sein. Mir ist lieber, ein Mensch lehnt sich gegen Gott auf und macht ihm Vorwürfe, wie Hiob im Alten Testament, aber er ist gewiss, dass ihn jemand hört. Unsere Predigten sind oft zu rund und kantenlos. Sie enthalten wenig, das aufregt und Fragen inspiriert. Dabei darf die Aufregung nicht dem Prediger gelten. Er hat nicht das Recht, Menschen im Gottesdienst vorzuführen. Aber Prediger wie Zuhörer müssten öfter erschrecken über die Begegnung mit dem Allmächtigen, der uns in seinem Wort und in der Feier der Eucharistie begegnet. Aus diesem Erschrecken könnten Aufbrüche erwachsen. Solche Aufbrüche brauchten wir heute nötiger als Texte, die abgelegt werden.

 

Predigtpreis: „Einen neuen Aufbruch wagen“ lautet das Motto des Gesprächsprozesses, den die Bischöfe derzeit mit den Laienvertretungen führen. Eine erste Gesprächsrunde liegt hinter Ihnen. Wie viel Hoffnung haben Sie, dass dort ein Aufbruch gelingt?


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DER GASTKOMMENTAR
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Es muss einer sagen, was wahr ist

© Friedrich Schorlemmer

Vita lesen

Wofür ich mein Leben geben würde

Der Prediger der DDR-Bürgerrechtsbewegung über seine Motive

In der Chronik der Braunschweiger Kirchengemeinde St. Pauli, in der ich als junger Pfarrer tätig war, heißt es von einem meiner Vorgänger aus den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts, dass bei seinen Predigten regelmäßig 500-600 Gottesdienstbesucher anwesend waren. Die Predigten dauerten nahezu eine Stunde. Manche davon riefen so viel positive Resonanz hervor, dass sie gedruckt werden mussten. Heute klingen solche Berichte, als seien sie Geschichten aus einer fernen Kirche und nicht gerade erst fünfzig Jahre alt.

 

Niemand kann Extremsituationen simulieren und sein eigenes Verhalten vorbedenken. Man kommt in Situationen, in denen man dann besteht oder nicht besteht. Aber innerhalb dieser Grenzen sage ich: Ich wäre bereit, mein Leben einzusetzen, wenn ich Menschen verstecken könnte oder müsste, die in Diktaturen abgeholt werden. Hätte ich es nicht getan, ich würde es mir mein Leben lang nicht verzeihen. Mir hat sich das eingeprägt, seit ich als Fünfzehnjähriger das Tagebuch der Anne Frank gelesen habe. Und von Heinrich Böll habe ich den schönen Satz gelesen, er schaue einen Menschen danach an, ob er ihn verstecken würde. Ich will ein Mensch sein, von dem andere wissen: Der würde mich notfalls verstecken. Für mich hat der Einsatz für derart Bedrängte mit einem der mir wichtigsten Sätze Jesu aus dem Neuen Testament zu tun, den Luther so übersetzt hat: Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Und Schaden an sich selbst erleidet man auch durch unterlassene Hilfeleistung.

Einmal bin ich dem ausgewichen. Und frage mich bis heute: Warum bin ich im Februar 1989 nicht nach Berlin gefahren, zur Kaserne des Wachregiments Felix Dschersinksij, mit einem Transparent: „Mörder!“ und dem Namen von Chris Gueffroy, des - wie wir heute wissen - letzten Opfers des Schießbefehls an der Berliner Mauer? Ich hätte unter Ausschluss der Öffentlichkeit protestiert, ich hätte Zuchthaus in Bautzen riskiert. Trotzdem: Dass ich es nicht gemacht habe, das habe ich mir oft vorgeworfen.

Aber am 19. April 1989 waren einige, darunter Rainer Eppelmann und ich, bereit, “aufs Ganze” zu gehen, auch wenn wir verhaftet würden. In Rainer Eppelmanns Gemeindeküche formierte sich die erste Opposition gegen die Diktatur des Honecker-Regimes. Wir haben damit gerechnet, dass Straflager für uns vorbereitet sind, ohne zu wissen, dass das tatsächlich so war, bis hin zu den Schuss Munition, die für diejenigen schon eingeplant war, die mich abholen sollten.


Vor vierzig Jahren habe ich als Studentenpfarrer in Merseburg das zehnte Kapitel des Matthäusevangeliums in der Übersetzung von Walter Jens gelesen, als wäre es für mich geschrieben: „Ihr seid wie Schafe; ich schicke euch unter die Wölfe. Ihr sollt klug sein wie die Schlangen und ohne Schuld wie die Tauben.“ Das antwortete direkt auf unsere Fragen, ob und wie wir unseren Widerstand gegen die Diktatur vorbringen sollten, die uns umgab: Klug abzuwägen, was wann geht, und dann freimütig die Wahrheit sagen. Und ich habe die Sätze aus dem Mund Jesu als persönliche Botschaft genommen: „Fürchtet euch nicht! Erkannt werden wird das Geheimnis. Was euch gesagt wird im Dunkeln, das sagt im Hellen, und was euch ins Ohr geflüstert wird, das schreit herab von den Dächern“ – das hat uns Mut gemacht und unsere Sorge darauf gelenkt, dass die Lautsprecher der Wahrheit nicht verstopft bleiben. Es musste einer sagen, was wahr ist. Diese Worte haben uns aufgerüttelt und gefordert. Aber ihnen zu folgen gibt dem Leben auch Würde.

 

Das hat mit meinem zweiten Maßstab zu tun: Wenn man sich seine Würde nicht mehr bewahren kann, muss man Freimut wagen, selbst wenn man die Konsequenzen nicht übersehen kann und nicht weiß, ob man die Kraft zum Durchhalten hat. Wir haben immer wieder dafür gebetet. Ich habe mich an einen Satz Dietrich Bonhoeffers gehalten: Ich glaube, daß Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus. Ich würde mein Leben auch aufs Spiel setzen, wenn man mir verweigern würde, mich meines eigenen Verstandes, meiner Einsicht, meiner Worte zu bedienen. Ich würde mir nie den Mund verbieten lassen für etwas, das gesagt werden muss. Es hat mich als Christ und als Pfarrer geprägt, dass Luther auf dem Reichstag in Worms gesagt hat: Gegen das Gewissen zu handeln ist unmöglich, unheilsam, schädlich. Deshalb konnte er seine Lehre nicht widerrufen.

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PREDIGT DES MONATS
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Leipziger Narrenpredigt von Professor Dr. Rüdiger Lux, Preisträger 2011

Wer soll das bezahlen? – Eine Auslegung des Zehnten Gebots

Da seid ihr wieder, ihr Schlawiner,
glaubt mir, ich hab euch wirklich oft vermisst.
Am Ausgang macht ihr brav ’nen Diener
und denkt: einmal im Jahr, das reicht dem Christ.

Ihr Halunken, ich nehm euch das nicht übel.
Jedoch die Sonntagspflicht ist eine Tugend,
die schadet kaum, am wenigsten dem Rüpel,
dem hohen Alter nicht und nicht der Jugend.

Drum hat man vor alter Zeit in Stein gehauen,
was der homo sapiens Anstand, Sitte nennt,
Zehn Gebote auf zwei Tafeln anzuschauen,
damit er sich in seinem Leben nicht verrennt.

Du sollst nicht andre Götter haben neben mir,
den Namen deines Herrn auch nicht missbrauchen,
den Feiertag, den sollst du heiligen – auch hier! –,
die alten Eltern nicht zusammenstauchen.

Du sollst nicht töten und auch nicht ehebrechen,
nicht stehlen, und kein falsches Zeugnis geben,
denn solch Bosheit wird sich eines Tages rächen,
dann jaulst du laut: Mein Leben ging daneben.

Wenn dieses alles dir nicht schnuppe ist,
mag das letzte der Gebote dich belehren.
Denn mein Freund bedenke als Mensch und Christ,
was bedeutet jenes: Du sollst nicht begehren?

In diesem ist fein säuberlich gebündelt,
was alle Zehn im Kern zusammenhält.
Ja, Freunde, es ist wahrlich nicht geschwindelt:
das Begehren ist das Übel dieser Welt.

Sogar in Sachsen kennt man diese Plage,
der das Musterländle fällt zur Beute.
Und in Leipzig liest man dieser Tage,
selbst im Wasserwerk gäb’s solche Leute.

Cross-Border-Leasing sind so ungereimte Sachen,
die mag verstehn, wer will, sapperlot, potzblitz!
Doch nun vergeht den Leipzigern das Lachen,
und Frau Kudla meint im Ernst, es sei kein Witz!

Ein Klagelied hallt durch die Heldenstatt
und alles schreit: »Ist das nicht unerhört?
Die Gier der Manager wird niemals satt!«
Doch einen lässt das völlig ungestört.

Heinz Unglaub sitzt mit seiner Rosamunde
behaglich auf dem alten Kanapee,
am Sonntagnachmittag zur blauen Stunde
mit einem Zwetschkenkuchen und Kaffee.

Dies Ritual ist ihnen hoch und heilig,
die Zeit steht still, der Weltenlauf er ruht.
Nur Rosas Zunge plappert immer eilig:
»Ach Heinz, mei Baba, die Welt, sie ist nicht gut.«

Ihr Heinz denkt: »Uffgepasst, jetzt wird’s gefährlich!«
Er senkt sein Haupt tief in die Sonntagszeitung.
»Ja, Rosas Klagelieder sind entbehrlich,
am besten ist: Ich schalt uff lange Leitung.

Denn ich erahne, was nun kommt, und sehe
den Weltschmerz, der drückt ihr schwere uff’s Gemüt.
Und immer endet das bei unsrer Ehe,
unsre Liebe bischpert’s, sei doch längst verblüht.«

Rosa seufzt: «Nu, Heinz, mei oller Knuffel,
was studierste denn mit aller Macht?
Sei am Sonntag wenigstens kein Muffel,
hast den ganzen Tag noch nicht gelacht.«

«Ach, Röschen, worüber sollt’ ich wohl lachen,
was der Pastor am Morgen hat gepredigt?
Das waren wahrlich all zu schlimme Sachen,
die hat mein oller Kopp noch nicht erledigt.

Wie er den Finger in den Himmel bohrte,
Adam, den Mensch, als Sündenpfuhl beschwor,
versagten selbst dem Herrgott alle Worte,
und stille schwieg der hohen Engel Chor.

Wie er den Satan bei den Hörnern packte,
ihn laut bedrohte, in die Enge trieb,
ihn fertig machte und zu Kleinholz hackte,
das war dem frommen Publikum recht lieb.

Wie er die Welt in gut und böse teilte,
das war famos, ein wahres Zauberstück,
und wie er der Zerknirschten Seelen heilte,
da stöhnte ich: ›Oh unfassbares Glück!‹

Und weiterhin mit süßem Wortgeklingel
hat er die Sünderherzen uns massiert.
Ich wähnte mich im Himmel schon, ich Schlingel,
doch – weit gefehlt, denn nun ist es passiert,

dass er erst recht uns in den Abgrund stieß,
tief, tief hinab in das Verderben
und kräftig noch ins Höllenfeuer blies,
da dachte ich, ich müsse sterben.

Drauf schrie er: ›Unglaub, das ist der sichre Tod‹,
da schwanden mir, die letzten Lebensgeister,
ich flüsterte ein Stoßgebet: ›Oh große Not,
der Kanzelredner ist ein wahrer Meister‹.


Hier lesen Sie die vollständige Predigt


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„Sehnsucht nach Befreiung“
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Mehr als tausend Worte…

Das Team der Evangelischen Akademie im Rheinland

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Zum Verhältnis von Wort und Musik im Verkündigungsgeschehen


7. Ökumenische Begleittagung zur PREDIGTPREIS-Ausschreibung 2012

Kirchenmusik und Gemeindegesang sind vollwertige Verkündigungselemente, keineswegs schmückendes Beiwerk zur Predigt. Nicht immer ist ausgemacht, welche Verkündigungsweise erfolgreicher ist. Moderne Kirchenmusik, insbesondere in Jugendgottesdiensten, erreicht ihr Publikum anders und bisweilen besser als die klassische Predigt.

Auch hat Musik im Gottesdienst längst nicht nur dienende Funktion. Eine sorgfältige Liedauswahl und gute Absprachen zur musikalischen Gestaltung des Gottesdienstes sind unerlässliche Faktoren für die Verkündigung. Wort und Musik werden in der Regel von Berufsgruppen repräsentiert, zwischen denen ein Weisungsgefälle besteht. Selten wird kirchenmusikalische Arbeit als gleichwertig mit pastoralem Dienst wahrgenommen. So gibt es manchmal eine Art Wettstreit im Dienst am Evangelium, häufig ist zudem ein Element von Konkurrenz im Spiel. Auch innerhalb der Kirchenmusik schwelt der Richtungsstreit der Stile.

Die Tagung geht der Frage nach, wie sich unsinnige Konkurrenzen überwinden und mehr Synergien zum Lob und zur Ehre Gottes und zum Aufbau der Gemeinde freisetzen lassen. Im Jahr „Reformation und Musik" der Lutherdekade möchte sie Anregungen zum konstruktiven Umgang mit musikalischer Vielfalt vermitteln und Auswahlkriterien zeigen. Weitere Informationen zur Tagung lesen Sie hier

KUNST UND PREDIGT
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Bibel to go für den Alltag

© Eva Jung, Cannes-Preisträgerin

 

„Die Bibel ist ein fantastisches Buch voller guter Worte. Absolut lesenswert. Sie enthält die wertvollsten Worte, die es gibt. Gottes Worte. Seine Botschaft an uns.“

 

Die beste Botschaft der Welt auf den Punkt gebracht.


Der Zugang zur Bibel ist nicht unbedingt immer einfach: Ein sprichwörtlich vielseitiges Buch - unzählige Seiten voller Lebensweisheit und Menschheitsgeschichte. Ausgewählte Bibelsprüche sind nichts Neues - aber die Bibel als „Wertvollwort“, angereichert mit wachrüttelnden Schlagworten unter die Menschen zu bringen, erscheint ungewöhnlich. Wir kennen so etwas aus der Werbung und nicht in kirchlichen, „frommen“ Zusammenhängen. Doch was spricht dagegen, für die beste Botschaft der Welt möglichst viel Aufmerksamkeit zu erzielen?


Ein Wort, das den Bibeltext zusammenfasst, macht die Tür auf und verschafft dem Betrachter ein Aha-Erlebnis, zaubert ein Lächeln oder ein Stirnrunzeln ins Gesicht. Es inspiriert, fordert heraus oder gibt einfach neue Perspektiven zum Nachdenken.

 

Eine Website voller Wertvollworte - zum Durchklicken und Verschicken. Kostenlos.

 

Einige ausgewählte Karten sehen Sie hier


Daneben sind die Wertvollworte auch zu je 31 bunten Karten in Schachteln verpackt im gut sortierten Buchhandel oder hier online erhältlich.“

(Text: wertvollwort.de)

 

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