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Editorial

Endspurt auf der Suche nach der besten Predigt

Lieber Leser, liebe Leserin,


Im Juli entscheidet es sich. Denn der Juli ist Predigtpreis-Monat. Am 15. ist Einsendeschluss für zwei Kategorien: Die allgemeine und das Sonderthema. Für letzteres ist die Jury auf der Suche nach den besten Predigten zu Pfingsten, dem Geburtsfest der Kirche. Darüber hinaus können Prediger und ihre Zuhörerschaft Predigten einsenden, die ihnen wichtig sind - oder die sie angerührt oder auf einen neuen Gedanken gebracht haben, die ihr Leben oder eine Entscheidung beeinflusst haben. "Wir freuen uns auf Predigten, die evangeliumsnah, authentisch, intellektuell ansprechend und glaubwürdig sind", heißt es in der Einladung auf der Homepage des Predigtpreises. Dort finden sich auch die wenigen Vorgaben zur Form der Einreichung.

Sofort nach dem Einsendeschluss macht sich die Jury an die Arbeit. Jedes Mitglied hat viele Predigten zu lesen - wie viele, das entscheidet sich nach der Zahl der Einsendungen. Maßstäbe werden angelegt, es wird telefoniert und verglichen, und im August trifft sich die Jury. Bis zur letzten Sitzung bleibt alles offen. Bisher übrigens hat die Jury der Versuchung widerstanden, allgemeine Richtlinien zu entwickeln und zugrunde zu legen. Bisher ist es dem Ergebnis zugute gekommen. Doch muss sich die Jury dadurch auch bei jedem Treffen wieder auf Kriterien einigen. Ein anspruchsvolles Unterfangen. Am Ende der Sitzung stehen die Preisträger fest und werden mit Familie und Freunden zur Preisverleihung am Buß- und Bettag eingeladen.

Doch auch wenn die - nach Ansicht der Jury - besten Einsendungen ausgezeichnet werden, der Predigtpreis kennt eigentlich nur Gewinner: In der Broschüre zur Verleihung werden auch die Predigten veröffentlicht, die es bis in die Endrunde geschafft haben. Und - in der Regel - alle Einsendungen werden in die Predigtdatenbank aufgenommen. Dadurch kann die Arbeit im Studierzimmer und in einer Gemeinde weit über ihren ursprünglichen Kreis hinaus Wirkung entfalten. Die Datenbank ist zu einem Herzstück des Predigtpreises geworden und aus der Predigtkultur der Kirchen im deutschsprachigen Raum nicht mehr wegzudenken. Viele Predigerinnen und Prediger holen sich hier Inspirationen. Ich gehöre übrigens dazu. Und darüber hinaus suchen viele andere tragende Gedanken, Impulse aus der Bibel und Orientierung in den Fragen, die sie bewegen.

Die Jury freut sich jedenfalls auf Ihre Einsendung. Oder darauf, dass Sie einer Predigerin oder einem Prediger den Hinweis geben, dass ihre oder seine Predigt in die Datenbank und in die Bewerbung gehören.



Herzlich

Ihr

Wolfgang Thielmann
Jurymitglied des PREDIGTPREISES

Aktuelle Themen:

Ökumene: Ökumene ist unserer Rettung“
Franz-Josef Overbeck: „Die Kommunionbank ist kein Richtstuhl“
Gastkommentar: „Tiersegnung“
Predigt des Monats: „Predigt über „Ich bin dann mal weg – weite Wege um Gott zu finden?!“
Surftipps: geistreich.de, wibilex.de, bellnet.de
Kunst und Predigt: „Kirchenfenster im Kloster Neuburg“
Buchtipp: „Frei geben“

Predigtwerkstatt Fotowettbewerb:

„Kleo, unsere Hundedame ist eine geduldige Zuhörerin“

„Brennholz für den Ofen und Predigt für die Kanzel.“

© K. Makowsky

Eine Predigt von K. Makowsky lesen Sie hier


Wir haben Sie gefragt, wie und wo erblicken PREDIGTEN das Licht der Welt, welches Umfeld brauchen SIE als Predigerin und Prediger, um eine Predigt entstehen zu lassen. Wie sieht IHRE PREDIGT-WERKSTATT aus?

Wir stellen Ihnen hier eine weitere Einsendung vor!

Die Jury wird Ende Juli 2012 die Gewinnerin – den Gewinner auswählen!
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

In der August-Ausgabe stellen wir Ihnen die drei prämierten „Predigtwerkstätten“ vor.

Die Fotogalerie und die attraktiven Preise finden Sie hier

Ökumene
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Ökumene ist unsere Rettung

Foto: ZDK

„Wir können gar nicht anders als ökumenisch“, sagt Franz Meurer, katholischer Pfarrer von Höhenberg und Vingst in Köln und bekannt für seine soziale Tatkraft. Das Sternsingen, der gemeinsame Kirchenchor, die alljährliche Ferienmaßnahme Hövi-Land für 500 Kinder: „Die Praxis muss entscheiden.“ Als Pfarrer wolle er Menschen in ihrem eigenen Glauben wachsen lassen: „Wir müssen dafür sorgen, dass Religion positiv rüberkommt.“

Weil es in der Gemeinde keine Gemeindereferentin und keinen Kaplan mehr gibt, ist die Ökumene die Rettung. Die evangelische Jugendleiterin ist sozusagen der
Kaplan im Viertel. Sie wohnt auch mit ihrem Mann und vier Kindern in der Kaplanei. Seit 18 Jahren leitet sie mit einem Team die Kinderstadt in den Sommerferien mit 600 Kindern. Jedes Jahr bildet sie knapp 100 Jugendliche zu Leiterinnen und Leitern für die Kinderstadt aus, unterstützt von Menschen aus der Gemeinde, z. B. macht der Arzt den Erste-Hilfe-Kurs. Gut 250 erwachsene Helfer und Helferinnen machen drei Wochen in den Sommerferien mit. 17 Frauen in der Küche, 50 Rentner als Nachtwachen im Wechsel, andere waschen die Spültücher, begleiten die Ausflüge, backen Kuchen. Die Kinder schlafen zu Hause, so können sich die jugendlichen Leiter erholen. Jeweils drei oder vier Jugendliche leiten eine der 27 Kindergruppen. Die intensive Begegnung in den drei Wochen bewirkt, dass sie die Kinder danach auch
im Alltag kennen. Viele singen das jedes Jahr neue Mottolied der Kinderstadt, wenn sie die LeiterInnen im Viertel treffen.

Sozusagen die Erkennungsmelodie: Wir halten zusammen im Veedel (Viertel). Die Kinderstadt hat den Namen HöVi-Land nach den beiden Stadtteilen Höhenberg und Vingst. Aus der Sommeraktion ist die ökumenische Familienwerkstatt entstanden. Das ganze Jahr über ein Programm ähnlich einer Familienbildungsstätte, nur ohne angestelltes Personal. Hier gilt, was auch für die Kirchenreinigung zutrifft: wenn viele anpacken, klappt es gut. Also sind die Menschen im Veedel selber die Experten. Ob beim Familienwochenende, beim Väter-Kinder-Klettern, beim Familienfußball oder beim Wellness-Tag der Mütter - jede und jeder trägt bei, was er gut kann. Nach dem Motto keiner kann alles, niemand kann nichts.

Nähere Informationen im Internet unter www.hoevi-land.de.


Ralf Birkner, Dipl.- Theologe
Theologischer Berater des PREDIGTPREISES
Das Interview
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„Die Kommunionbank ist kein Richtstuhl“

Foto: Bistum Essen

Näheres über den jüngsten katholischen Diözesanbischof Dr. Franz-Josef Overbeck
lesen Sie hier.

Interview mit dem Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck

Predigtpreis: Herr Bischof Overbeck, Sie haben gerade ein Familienfest in Ihrem Bistum hinter sich. Wie lautet seine Botschaft?

Bischof Franz-Josef Overbeck: Das Bistumsfest war Teil der Familienkampagne, die wir im Ruhrbistum Anfang des Jahres gestartet haben. Sie mündet ein in einen Familienkongress im November. Das zentrale Ziel der Kampagne wird im Motto deutlich: „ Bindung macht stark.“ Es geht mir darum, Anschlussmöglichkeiten zu zeigen und zu erzeugen zwischen dem katholischen Familienideal und einer vielfach sehr plural gelebten Wirklichkeit. Wir wollen zeigen, wie wir als Ruhrbistum Anbieter und Vernetzer sind. Das machen wir auf verschiedenen Ebenen deutlich, wissenschaftlich, durch Reflexionsveranstaltungen, eine Preisverleihung und durch das Fest.

Predigtpreis: Katholisch sein geht nur in der Familie, habe ich gelernt. Ist die Kirche gefährdet, wenn die Familie nur noch eine Lebensform unter vielen ist?


Overbeck: Familienstrukturen verändern sich radikal. Das sind die großen Herausforderungen, vor denen wir stehen. Die Säulen, auf denen das kirchliche Leben in der Volkskirche geruht hat, waren Schule, Familie und Gemeinde. Alle drei bekommen eine neue Sozialgestalt. Das Christentum muss sich daher verändern und kann nicht mehr auf Tradition und Gewohnheit setzen. Die Familie bildet nach meinen Erfahrungen zwar immer noch den größten Resonanzraum für ein Leben im Glauben. Aber wenn dieser Raum nicht von den einzelnen mitgetragen wird, fällt es vielen schwer, Christ zu sein und zu bleiben. Den bisherigen Platz der Familie nehmen andere ein, Freundeskreise, Bekannte, Menschen, die mitsuchen, und oft auch solche, von denen man vielleicht nicht geahnt hat, dass sie denselben Weg mit einem gehen.

Predigtpreis: Zur Wirklichkeit von Familien gehört, dass sie heute öfter auseinanderbrechen und sich neu zusammensetzen. Ihr Kollege Rainer Woelki in Berlin hat Erleichterungen für wiederverheiratete Geschiedene gefordert. Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch spricht mit Priestern, die zum Ungehorsam im Blick auf die Eucharistie bei dieser Gruppe aufrufen. Teilen Sie deren Anliegen?

Overbeck: Gesetzt ist für uns die Vorstellung der Ehe als Gemeinschaft von Mann und Frau, angelegt auf Treue und Lebenslänglichkeit und offen für Kinder. Grundlegend wichtig ist zudem, zur Verbindlichkeit eines Lebensentwurfs zu stehen. Seit Jahrzehnten wissen wir aber auch, dass wir sowohl mit der Prozesshaftigkeit des partnerschaftlichen Lebens als auch mit der Möglichkeit des Scheiterns umgehen müssen. Die Zahl der Ehen, die nicht gelingen, nimmt ein bedrückendes Maß an. Nach den Statistiken bricht fast die Hälfte der neu geschlossenen Ehen wieder auseinander. Das steht in einem Spannungsverhältnis zum katholischen Verständnis der Ehe als Sakrament. Danach kann sie vor Gott nur einmal geschlossen werden und dauert, bis der Tod die Partner trennt. Daher führen wir momentan intensive Diskussionen im Blick auf die Teilnahme Wiederverheirateter an der Eucharistie, und wir suchen nach pastoralen Antworten. Sie sind aber nur weltkirchlich zu finden, denn die Ehe ist ein Sakrament. Das gehört zu unserem Selbstverständnis.

Predigtpreis: Können Priester, die ihrem Gewissen folgen und gegen die Vorschriften der Kirche Geschiedenen und Wiederverheirateten die Kommunion gewähren, zu einer Lösung beitragen?


Overbeck: Positiv sehe ich es einerseits als einen seelsorglichen Hinweis darauf, dass wir auf das Scheitern des Lebensentwurfs keine einfachen Antworten haben. Auf der anderen Seite ist Ungehorsam gegenüber der Kirche und dem Bischof immer ein schlechter Ratgeber im Blick auf die Loyalität, die uns als Kirche insgesamt trägt. Insofern plädiere ich dafür, dass wir die pastoralen Bemühungen in diesem Feld wahrnehmen, anerkennen und nach vertretbaren Lösungen suchen. Wenn hinter diesen Bemühungen eine Ungeduld steht, die Dinge voranbringen will, kann ich damit kreativ umgehen.

Predigtpreis: Der Papst hat vor kurzem dem in zweiter Ehe lebenden bayerischen Ministerpräsident Horst Seehofer die Kommunion gereicht. Wie erklären Sie das?


Overbeck: Der Papst wird dasselbe getan haben, was wir Priester und Bischöfe auch tun: nämlich erst einmal seelsorglich handeln und annehmen, dass derjenige, der vor einem steht und die Kommunion empfangen will, dies mit einem geprüften und geläuterten Herzen tut. Dann sind wir diejenigen, die mit dem Reichen der Kommunion sagen: Du gehörst zur Gemeinschaft mit Gott, die er dir selber schenkt. Die Kommunionbank ist weder der Richtstuhl noch die Disputierbank für Dogmatiker.

Predigtpreis: Hinter dem Auseinanderklaffen zwischen der katholischen Eheauffassung und der Lebenswirklichkeit steht auch die Frage nach der Überzeugungsfähigkeit der Kirche. Bedrückt es Sie, dass die Prägekraft der kirchlichen Lehre schwindet?


Overbeck: Das wirft die Frage auf: Wie stellen wir uns zur Pluralisierung der Gesellschaft und der Lebensentwürfe, und wie verhalten wir uns selber dazu? Durch die Pluralisierung wird die Stimme der Kirche als eine unter vielen wahrgenommen. Das gehört zu den Bedingungen des Lebens der Kirche in der nachmodernen Zeit. Ich habe kein Problem damit.

Predigtpreis: Hat die Kirche insgesamt eigentlich begriffen, dass sie nicht mehr Mutter Kirche neben Vater Staat ist?


Overbeck: Das ist so vielschichtig wie die Kirche durch Generationen und Individuen geprägt ist. Mancher, ob in der Kirchenführung oder in der Seelsorge, wünscht sich Zeiten zurück, von denen ich nicht weiß, ob sie so je existiert haben. Es gibt heute eine sehr differenzierte Wahrnehmung der Gesellschaft. Und es gibt deshalb viele Antworten, wie sich die Kirche durch Verkündigung und ein glaubwürdiges Leben in der nachmodernen Gesellschaft positioniert.


Predigtpreis: Die katholischen Bischöfe haben sich in einen Dialogprozess mit den Laien begeben. Kaum jemand hat ihn so klar strukturiert wie Sie - und damit Erwartungen auf Veränderungen geweckt. Welche Ergebnisse kann der Dialogprozess zeitigen? Wo wird das Ruhrbistum am Ende anders aussehen?


Overbeck: Der Dialogprozess, so wie ich ihn im Bistum Essen initiiert habe, zeigt, dass wir in einem geistlichen Findungsprozess begriffen sind. Es geht darum, eine neue Gestalt des Christseins im Alltag zu finden. Wo man diesen Grund- und Zielsatz annimmt, da wird deutlich, dass wir uns in einen Prozess hineinbegeben haben, der vieles erst im Gehen entwickelt. Eine der Formen, dies unter heutigen Bedingungen der Pluralisierung, Demokratisierung und Anschlussfähigkeit zu erkennen, ist der Dialog…

Predigtpreis: Eine Reihe von Bischöfen hat Erwartungen damit gedämpft, dass das Gespräch Grenzen hat ...


Overbeck: ... und zwar ein echter Dialog, der den anderen hört und sich konstruktiv auseinandersetzen will. Wir führen ihn auf den Feldern der Diakonie, der Liturgie und der Martyrie, also des Zeugnisses. Wir könnten uns am Ende auf einigen Feldern einigen, wie wir uns als Bistum profilieren wollen: Dass wir etwa Schwerpunkte setzen in der Caritas, dass wir Gottesdienste und Messen so gestalten, dass Menschen gerne kommen und sich an Orten versammeln, an denen es genügend Gläubige gibt, und vielleicht verständigen wir uns auf Modelle der Glaubensvermittlung, die Erwachsene stärker im Blick haben. Dann wäre meiner Ansicht nach viel gewonnen. Auf dem Weg dahin bieten wir auch wissenschaftliche Begleittagungen an. Ich nehme dort in Vorträgen und Diskussionen Stellung. Wir suchen also auch den gesellschaftlichen Dialog.


Predigtpreis: Sucht die Kirche zu wenig das direkte Gespräch mit Andersdenkenden?



Bitte lesen Sie das vollständige Interview hier weiter


DER GASTKOMMENTAR
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Tiersegnung

© Dr. Herwig Herte

Pater Heribert Arens ofm ist Guardian der Franziskaner in Vierzehnheiligen, PREDIGTPREIS-Preisträger von 2000 und KURATORIUMS-Mitglied seit 2010.

Hier hören Sie das Lied „Schwester Sonne“ vom Hl. Franz von Assisi

von Heribert Arens, ofm

Einmal im Jahr, am Vortag des Franziskusfestes, finden sich auf dem Basilikaplatz in Vierzehnheiligen (Oberfranken) viele Menschen mit ihren Haustieren ein: Pferde, Hunde, Katzen, Hamster, Wellensittiche... Sie möchten ihre „Lieblinge“ segnen lassen. Wir Franziskaner laden jedes Jahr dazu ein. Ähnliches geschieht zu unterschiedlichen Terminen an verschiedenen Orten.

Tiere segnen – ein sprechendes Zeichen. Es weist darauf hin, dass Tiere Geschöpfe Gottes sind, die wie wir Menschen unter Gottes Schutz stehen. Tiere – Geschöpfe Gottes! Ihnen gebührt Ehrfurcht, weil diese Ehrfurcht allem Geschaffenen gilt. Die Ehrfurcht vor ihnen ist nicht zuletzt Ausdruck der Ehrfurcht vor ihrem Schöpfer.

Franz von Assisi (1182 – 1226) hat diese Ehrfurcht gelebt. Sein Sonnengesang, der zur Weltliteratur zählt, besingt die Schönheit, die Gewalt, die Fruchtbarkeit, die Großartigkeit der ganzen Schöpfung. Sonne, Mond und Sterne, Feuer und Wind, die Erde mit allem was darauf wächst: das alles ist ihm Abbild des Schöpfers. Darum fühlt er sich allen Geschöpfen geschwisterlich verbunden. Darum predigt er den Vögeln, darum redet er mit dem „Bruder Wolf“, darum hebt er den Wurm von der Straße auf, damit ihn niemand zertritt. Weil er Ehrfurcht vor dem Schöpfer hat, ist ihm die gleiche Haltung den Geschöpfen gegenüber selbstverständlich.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie hier

PREDIGT DES MONATS
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Predigt über „Ich bin dann mal weg – weite Wege um Gott zu finden?!“

von Pfarrerin Natascha Reuter (ev)

Ich bin dann mal weg – so beginnt Hape Kerkeling sein Erfahrungsbericht über das Pilgern auf dem Jakobsweg im Sommer 2001. Ich bin dann mal weg. Er hat es wahr gemacht. Er war dann einfach mal weg. Und nun – nun hat er einen riesigen Boom ausgelöst. Sein Buch steht schon lange auf er Bestseller Liste ganz oben. Obwohl es literaturgeschichtlich nicht auf oberstem Niveau rangiert. Nein – faszinierend ist natürlich einmal sein Witz, dazu kommt das er prominent ist, aber das wichtigste scheint: der Erfahrungsbericht scheint authentisch, einfach und authentisch. Und nun: Pilgern ist zur regelrechten Modeerscheinung geworden. Plötzlich laufen alle: Kirchentreue aus allen Konfessionen, Sportbegeisterte, Wanderer, Kirchenferne und Kritiker, Esoteriker, Menschen vor dem Beginn einer neuen Lebensphase oder in einer Lebenskrise. Auch bei Hape Kerkeling war eine gesundheitliche Krise ausschlaggebend sich eine Auszeit zu nehmen. Ja – Auszeiten. Die sind heute beliebt wie nie. Laut Umfragen wünscht sich jeder zweite Arbeitnehmer eine Auszeit. Rauskommen – Handyloch – kein ich muss – Einfachheit – allein sein. Einfach mal weg, dass können viele nachvollziehen – ich auch. Für jene, denen das Dschungelcamp zu voyeuristisch ist, Teneriffa zu laut, jenen bleibt dann noch das pilgern.

HAUPTTEIL
Bei manchen kommen dann doch schnell die Zweifel. Mittlerweile ist es nämlich gar nicht mehr so einsam auf dem Jakobsweg. Bei Massen an Pilgern jährlich, überfüllten Herbergen und allzeit schmerzenden Füßen kommt schnell die Frage auf: Warum tue ich mir das an? Was um Himmels willen hat mich eigentlich dazu getrieben, mich gerade auf eine Pilgerreise zu begeben, fragt Hape Kerkeling schon auf der ersten Seite seines Erfahrungsberichts. Was hieße das für uns. Wer bekommt schon 6 Wochen Urlaub, kann sich von Kinder, Familie, Freunden, Verpflichtungen einfach mal so abkoppeln. Großaufwand würde ich sagen. Ich schaffe das nicht – jedenfalls die nächsten Jahre nicht. Muss man das erlebt haben – nur weil das alle machen? Und ich wäge ab, bringt das denn wirklich was? Warum muss ich bis nach Spanien oder sonst wohin? Wenn man ein paar Nachforschungen anstellt gibt es viele Gründe, die das Pilgern zumindest erklären oder aber auch sehr reizvoll machen.

1. Zum Beispiel im Mittelalter. Da war es noch klar, warum man sich auf den Weg machte. Wallfahrten, Pilgern. Die Märtyergräber, Reliquien, Heilung zogen die Menschen an. Man pilgerte vornehmlich nach Jerusalem, nach Rom, nach Lourdes. Und dabei gab es auch Versprechen. So wie wir es aus anderen Religionen auch kennen. Einmal im Leben dort sein – das heißt die Sünden sind vergeben. Ja, im Mittelalter war das Pilgern eng mit dem Ablasswesen verknüpft. Aber - Martin Luther hat es aus diesen Gründen auch strikt abgelehnt. Ebenso wie das Ablasswesen und die Reliquienverehrung. „Das Geläuff“, pflegte er abschätzig zu sagen. „Man weiß nit, ob Sankt Jakob oder ein toter Hund oder ein totes Ross da im Grab liegt. Darum: Lass reisen, wer da will – bleib du daheim!“ Für evangelische Christen gibt es keine heiligen Orte. So hat es auch später der berühmte Theologe Karl Barth formuliert. Das kann wohl heute nicht mehr der Grund sein aus dem ich mich auf den Weg machen sollte.

2. Natürlich würden mich jetzt viele belehren. Mit Heiligenverehrung und Ablasswandern hat das Pilgern heute nur noch wenig zu tun. Viele geben an, es geht schlichtweg um das Laufen. Die ganzheitliche Erfahrung von Geist und Körper. Das an die Grenzen stoßen, über die eigenen Grenzen hinausgehen. Sich eben zu bewegen, sich auf den Weg machen. Gut, das „sich auf den Weg machen“ hat biblische Tradition. Abraham bekommt von Gott den Auftrag: Geh aus deinem Land, in ein Land das ich dir zeigen will. Der Prophet Elia bekommt in der Wüste zugesprochen: Steh auf und iss, denn du hast einen weiten Weg vor dir. Gott weißt uns an uns auf den Weg zu machen. Damit ist aber wohl eher der Lebensweg gemeint, nicht per se der Auftrag zum 6wöchigen Pilgern in Spanien. Geist und Körper spüren, körperliche Grenzen akzeptieren – gut, das passiert bei mir schon beim Joggen um den Aartalsee. Vielleicht liegt das jedoch daran, dass ich das nur alle Schaltjahr mal tue.

3. Heiligenverehrung und körperliche Fitness ist wohl nicht der wahre Grund. „Der Weg ist das Ziel“. So behaupten viele, die sich auf den Pilgerweg begeben. So titelt es auch ein Buch über den Jakobsweg. Der Weg ist das Ziel. Das scheint plausibel, passt in die Welt der postmoderne. Wahrscheinlich könnte Hape Kerkeling dem auch zustimmen. Es geht um neue Erfahrungen. Durchaus nicht nur körperlich – auch geistig. Vielleicht auch geistlich. Nach dem Motto: ein bisschen Religion kann schließlich nicht schaden. Der Weg an sich ist, so beschreiben viele, eine Suchbewegung. Die Suche nach dem Ich. Es muss noch mehr geben als Alltag und Stress. Wer bin ich? Wie bin ich eigentlich – ohne Job, ohne das ganze Tamtam, ohne Maske? Wie bin ich ursprünglich. Und um das zu entdecken, muss ich mich auf die Suche begeben. Brauche Einsamkeit, Entschleunigung, Zeit, muss auch lieb gewonnenen Luxus ablegen, damit ich frei werde. Symbolisch alles ablege, was mich belastet und maskiert. Auf dem Weg, da habe ich die Hoffnung mir zu begegnen. Früher gehörte Pilgern zum Christenleben dazu heute zur Identitätsfindung. Der Weg, so beschreibt es auch Hape Kerkeling, verändert und erweitert die Perspektive. Menschen gehen nicht nur an ihre Grenzen, sie machen Erfahrungen in und mit der Natur, lernen Demut ganz neu zu buchstabieren und haben Raum und Zeit zur Begegnung. Es geht aber nicht nur um die Suche nach dem Ich. Auch das Du wird möglicherweise in einer ganz anderen Weise entdeckt. Auf dem Weg passiert viel. Nicht nur sich selbst, sondern auch andere kennen lernen – in ganz anderer Umgebung, unter ganz anderen Umständen als im Alltag. Hape Kerkeling berichtet darüber, welch skurrile Persönlichkeiten ihm begegnen. Menschen, die er ansonsten für abgedreht erklärt hätte, ihnen aus dem Weg gegangen wäre, denen begegnet er hier und lernt sie auf ihre Weise zu schätzen. Der Weg ist das Ziel. Er ermöglicht die Begegnung mit mir selbst, mit anderen Menschen und möglicherweise auch mit Gott. Wir haben es im kurzen Ausschnitt aus dem Erfahrungsbericht eben gehört. Erfahrungen des Getragensein, gerade dann wenn einem selber die Kraft verlässt. Innere Einkehr, Meditation, gerade ermöglicht durch das stete Gehen. Der Weg ist das Ziel. Das scheint einleuchtend. Einleuchtender als Heiligenverehrung und Fitness. Das wäre der gute Grund sich auf den Weg zu machen.



Hier lesen Sie die vollständige Predigt


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„Sehnsucht nach Befreiung“
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von Stephan Bolzenius

Geistreich

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Wibilex
WiBiLex ist das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet. Hier entsteht in Kürze als Projekt der Deutschen Bibelgesellschaft ein kostenlos zugängliches wissenschaftliches Lexikon zur gesamten Bibel. Autoren sind Fachwissenschaftler unterschiedlicher Sachgebiete (z. B. Theologie, Alte Geschichte, Altorientalistik).

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KUNST UND PREDIGT
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„Lichtkleider“

© Maria-Theresia v. Fürstenberg
Kirchenfenster im Kloster Neuburg“

 

von Maria-Theresia v. Fürstenberg, Glaskunst


War es die Erdanziehungskraft
oder hat der Himmel Übergewicht bekommen?
Wollte der Gemengemeister in diesem Glas
Stadt, Land, wogende Felder und Gras
mit Sonnenstrahlen und Regengüssen
zusammenmischen?
Ein goldener Fluss, der kommt und geht
und in der Mitte dem Menschen Frage und Antwort steht,
leuchtet, - nicht stolz, wie das Gelb mitunter, -
honigsüß rollt´s mir die Kehle herunter.
Soll dies vielleicht die Antwort sein?


Weitere Arbeiten der Künstlerin sehen Sie hier

Buchtipp
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Frei geben

Frei geben Buchtipp  

von Reinhard Feiter / Hadwig Müller (Hg.)

Pastoraltheologische Impulse aus Frankreich


Übersetzt von Hadwig Müller und Wilhelm Rauscher

Das Evangelium hat mit der Gesellschaft, in der wir leben, mehr zu tun, als jene, die berufsmäßig mit Kirche und Pastoral zu tun haben, oft meinen. Denn in vielen Erfahrungen heutiger Menschen scheint die Weise auf, in der Jesus von Nazareth verschüttetes Leben in seinen Mitmenschen freigab. Doch müssen diese Erfahrungen neu entdeckt werden!
Die Texte dieses Buches spannen den Bogen von konkreten Erfahrungen kreativer Gemeinwesenarbeit bis zu theologischem Nachdenken. So führen sie an die Wurzel der christlichen Botschaft: Sie eröffnen Freiheit.
Reinhard Feiter und Hadwig Müller machen ein weiteres Mal Texte französischer Pastoraltheologie zugänglich und ermutigen dazu, die stilbildende und freigebende Kraft des Evangeliums fruchtbar zu machen.

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