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Editorial

Lieber Leser, liebe Leserin,

herzlichen Glückwunsch: Klaus Opitz hat den ersten Preis unseres Wettbewerbs "Predigtwerkstatt" gewonnen. Wir hatten Sie eingeladen, uns Fotos der Plätze zu schicken, an denen Ihre Predigten entstehen. Ihre Einsendungen zu bewerten bedeutete eine knifflige Aufgabe für die Jury, bestehend aus dem Juryvorsitzenden Pfarrer Udo Hahn und dem Predigtpreis-Team. Zuerst hat uns die Unterschiedlichkeit der Orte beeindruckt, die Sie inspirieren. Klaus Opitz, der im vergangenen Jahr im badischen Schopfheim als Prädikant eingesegnet wurden, schickte uns ein Foto seines Brennholzplatzes mit Sägebock und Holzspalter. "Zumindest ein Teil meiner Predigten entsteht hier", schrieb er uns. "Während ich die Säge in gleichmäßigem Rhythmus durchziehe, ordnen sich meine Gedanken, die ich zuvor beim Lesen des Predigttextes angerissen habe." Sein Preis: Eine Einladung zur Predigtpreisverleihung am diesjährigen Buß- und Bettag in Bonn, samt Übernachtung und Festessen.

Josef Ernst, Schulpfarrer in Münster (welche Konfession hat wohl jemand, der Josef heißt?), schickte ein Bild von sich am Schulcomputer, zwischen Turnschuhen. Seine Predigten, schreibt er, "entstehen im Unterricht, im Gespräch mit Kindern und Jugendlichen." Seine Einsendung bestätigt eine alte Erfahrung: Wer den Austausch mit seinen Hörern pflegt, muss sich um Themen nicht sorgen. Wir bedanken uns bei ihm mit einem handgearbeiteten Schreibgerät.

Der dritte Preis, ein Bildband des Lebenswerk-Preisträgers Bischof Reinhold Stecher (hier sehen Sie ein Video mit ihm), geht an den evangelischen Pfarrer Martin Jung in Götterswickerhamm am Niederrhein. "Viele meiner Predigtideen entstehen auf dem Fahrrad", schreibt Martin Jung und ließ sich auf dem Rad ablichten. "Oft komme ich nach Hause und brauche die Predigt nur noch aufzuschreiben." Lesern des Predigtpreises ist er kein ganz Unbekannter. An dieser Stelle, im Editorial des Newsletters im Dezember 2011, haben wir schon über ihn berichtet, weil er auf seiner Homepage Rechenschaft darüber ablegte, wie er in den Jahren seit 1994 seine Weihnachtspredigt gestaltete.

Alle Einsendungen zum Wettbewerb sehen Sie auf dieser Seite.

Wir wünschen allen Einsendern, besonders den Preisträgern, weiter Inspiration, auch die, die keine Situation und kein Mensch schenken kann. Besonders Klaus Opitz, dessen Foto uns zugleich die gefahrenträchtigste Situation zu zeigen schien. Einem guten Freund, ebenfalls Pastor, glitt im Frühjahr beim Holzhacken die Axt aus und bohrte sich in den Fuß. Inzwischen schreitet, glücklicherweise, seine Genesung fort. In der Datenbank des Predigtpreises ist er mit einer gereimten Predigt vertreten.



Herzliche Grüße

Ihr

Wolfgang Thielmann
Jurymitglied des PREDIGTPREISES

Aktuelle Themen:

Ökumene: „Nordkirche Weltweit –Zentrum für Mission und Ökumene
Gesine Weinmiller: „Ich verwirkliche einen Traum – ich baue eine Kirche“
Gastkommentar: „Brannte nicht mein Herz?“
Predigt des Monats: „Predigt über 1. Korinther und den Begriff ‚Sola gratia‛“
Surftipps: Medienzentralen, Gott.net, Lust auf Gottestdienst
Kunst und Predigt: „Grenzgänge“
Buchtipp: „Meine Sprache und ich“

Die prämierten Fotos der "Predigtwerkstätten" sind:

1. Preis: Klaus Opitz, Schopfheim



2. Preis: Josef Ernst, Münster



3. Preis: Matthias Jung, Voerde

Ökumene
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Nordkirche Weltweit –Zentrum für Mission und Ökumene

„Seit der Gründung der Nordkirche am Pfingstfest 2012 tritt das "Zentrum für Mission und Ökumene" mit einer neuen Erscheinung an die Öffentlichkeit. Das ehemalige Nordelbische Missionszentrum (NMZ) heißt per Beschluss der Generalversammlung seit Jahresbeginn "Zentrum für Mission und Ökumene – Nordkirche weltweit". Die Kernaufgaben des Zentrums für Mission und Ökumene bleiben die gleichen wie die des Nordelbischen Missionszentrums: Pflege der internationalen Beziehungen zu den Partnerkirchen der Nordkirche, Förderung des interreligiösen Dialogs im Bereich der Nordkirche, entwicklungspolitische sowie ökumenisch-missionarische Bildungsarbeit.

Pastor Dr. Detlef Görrig, Beauftragter für christlich-islamischen Dialog der Nordelbischen Kirche schreibt zum Beginn des Ramadan 2012: Liebe muslimische Schwestern und Brüder, zum beginnenden Monat Ramadan sende ich Ihnen die herzlichen Grüße aus dem Referat für christlich-islamischen Dialog in der neugegründeten Nordkirche. Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und Gemeinden einen friedlichen Ramadan, Geduld und Besinnung auf das, was vor Gott im Leben wichtig ist. Meine Gedanken gehen in diesen Tagen auch zu den muslimischen Geschwistern, die sich für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit einsetzen, ob in Syrien oder in anderen Ländern des nahen und mittleren Ostens. Darüber vergesse ich nicht, dass es auch in Deutschland Grund zur Sorge gibt. Die erschreckenden Enthüllungen über die rechtsterroristische Mordserie und wiederholte Anschläge auf Moscheen zeigen, dass das friedliche Miteinander zwischen Menschen unterschiedlicher Religiosität oder Herkunft offenbar alles andere als selbstverständlich ist.

Umso wichtiger ist es, die begonnenen und bewährten interreligiösen Dialoge auf allen Ebenen fortzusetzen. Auch der Monat Ramadan bietet dazu gute Gelegenheiten, und ich bin dankbar dafür, dass es bei vielen Iftarempfängen auch zu Begegnungen zwischen Muslimen und Christen kommen wird. Die beste Antwort, die eine multireligiöse Gesellschaft auf Islamfeindlichkeit, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit geben kann ist es, sich nicht auseinanderbringen zu lassen, sondern Anteil am Leben anderer zu nehmen und auch die religiösen Feste und Traditionen aufmerksam und respektvoll zu begleiten. In diesem Sinne Ihnen allen einen gesegneten Ramadan, Ramadan kareem und mubarak! (Quelle: www.nmz-mission.de)

Der Fastenmonat Ramadan gehört zu den fünf Säulen des Islam - wie das Glaubensbekenntnis, die täglichen Gebete, die Armensteuer und die Pilgerfahrt nach Mekka. Der Ramadan wandert durch das Kalenderjahr und wird in diesem Jahr vom 20. Juli bis 18. August gefeiert, am 19. August folgt das Fest des Fastenbrechens. Im Ramadan sind die Gläubigen aufgerufen, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr zu verzichten. Das Fastengebot gilt in gleicher Weise für Männer und Frauen. Befreit vom Fasten sind Alte und Kranke, Kinder, Schwangere und Reisende sowie Soldaten im Krieg. Der Ramadan ist auch der Monat der guten Taten und der Läuterung von Körper und Seele. Mitmenschlichkeit und Versöhnung werden großgeschrieben, die Gläubigen entrichten die Armensteuer Zakat oder unterstützen Bedürftige. Sie widmen sich außerdem besonders dem Gebet, in den Moscheen finden Koranunterweisungen statt. Abends treffen sie sich mit Freunden und Verwandten zum gemeinsamen, oft üppigen Essen.


Ralf Birkner, Dipl.- Theologe
Theologischer Berater des PREDIGTPREISES
Das Interview
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„Ich verwirkliche einen Traum – ich baue eine Kirche“

Foto: privat

Gesine Weinmiller, geboren 1963, zählt zu den bedeutendsten Architekten in Deutschland. Nach ihrem Architekturstudium war sie 1989 in der Meisterklasse von Paul Kleihues. Seit 1992 hat sie ein eigenes Atelier in Berlin. Sie ist Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg und lehrt an der Hamburger Hafencity-Universität. Zu ihren Bauten gehört der Umbau des Wohnsitzes des Bundespräsidenten, das Bundesarbeitsgericht in Erfurt, der Umbau des Amtssitzes des Bundeskanzlers und das Justizzentrum Aachen. Im Oktober 2009 wählte die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sie in den Rat, das höchste Leitungsgremium der evangelischen Kirche.

Kirche Aachen Innenbereich

Interview mit der Architektin Prof. Gesine Weinmiller,
die auch zum Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gehört


Predigtpreis: Frau Prof. Weinmiller, wie ist der Stand der Renovierungsarbeiten an der Wittenberger Schlosskirche, an die Luther seine Thesen angeschlagen hat und in der er begraben liegt?


Prof. Gesine Weinmiller: Ein Büro ist dabei, die Renovierung voranzubringen. Die Bauaufgabe ist aus architektonischer Sicht nicht sehr kompliziert. Es geht ja um nichts Neues, sondern nur darum, dass das Alte anständig wieder hergerichtet wird.


Predigtpreis: Welchen Stellenwert hat für Sie die Schlosskirche?



Weinmiller: Das ist schwierig zu sagen. Bauhistorisch und architektonisch ist sie nicht das wichtigste Haus am Ort. Sie hat viel mit der Geschichte zu tun, mit der man Bilder verbindet.


Predigtpreis: In den neuen Bundesländern renovieren Mäzene viele alte Kirchen, in denen sie getauft oder konfirmiert wurden, auch wenn sich kaum noch Menschen darin versammeln. Warum gibt es das Geld nicht für Neubauten da, wo sie gebraucht werden?


Weinmiller: Offensichtlich ist die Kirche mehr als ein Ort der spirituellen Wahrnehmung oder des Gebets. Viele Leute können mit dem Glauben gar nicht viel anfangen. Sie sind aber bereit, für den Wiederaufbau ihrer vertrauten Kirche Geld zu spenden. Es ist interessant, dass sie sich mit Orten identifizieren, auch wenn sie inhaltlich nicht dem entsprechen, was sie für richtig halten.


Predigtpreis: Warum ziehen der Berliner Dom oder die Dresdner Frauenkirche so viele Menschen an, die aus Trümmern wieder aufgebaut wurden? Früher hätte man die Trümmer abgebrochen und eine moderne Kirche gebaut. Für den heutigen Berliner Dom wurde ein Vorgängerbau abgerissen, an den Karl Friedrich Schinkel mitgebaut hatte.


Weinmiller: Das stimmt. Aber da stand das Kaiserhaus als Auftraggeber im Hinter- oder besser im Vordergrund, so dass der Name Schinkel nicht so wichtig war. Vielleicht bekommen wir ja wieder einen König, der einen Schinkel seiner Zeit neu beauftragt ...(lacht). Interessanterweise empfinden die Leute den Berliner Dom als ein altes, ehrwürdiges Gebäude. Bei der Frauenkirche ist es anders. Da hat man noch im Kopf, dass sie praktisch neu aufgebaut wurde. In 200 Jahren wird das keine Rolle mehr spielen, da werden die Menschen den Eindruck einer zwar unterbrochenen, aber doch einheitlichen Geschichte haben.


Predigtpreis: Mir fiel daran auf, dass derzeit mehr Bereitschaft besteht, Geld und Ideen in die Wiederherrichtung aller Kirchen zu stecken als in Neubauten. Warum?


Weinmiller: Es gibt nur eine Summe X zu verteilen. Und der Druck wächst im Lauf der Zeit, Gebäude instand zu halten. Da die Kirche mit weniger Geld klar kommen muss und durchaus mit Gebäuden gesegnet ist, ist es sinnvoll, das zu sichern, was man von den Vätern ererbt hat.


Predigtpreis: Warum? Warum verkaufen Kirchen nicht drei alte Gemeindezentren aus den Sechzigern, um eine neue Kirche für heute und morgen zu bauen? Wie viel Impulse gehen von einem Neubau aus!


Weinmiller: Ich denke schon auch, dass das Bauen eine größere Rolle in der Kirche spielen könnte. Ein wenig ist das Problem, dass nicht wie früher auf Anordnung von oben gebaut wird. In der evangelischen Kirche sind Gemeindeausschüsse für Bauten verantwortlich. Diese Dezentralisierung nimmt in Kauf, dass Laien mit solchen Aufgaben betraut werden. Das ist nicht immer zielführend.


Predigtpreis: Müsste es nicht im Baubereich Leuchtturmprojekte geben und nicht bloß bei Predigt und Gottesdienst?


Weinmiller: In den Städten gibt es meist schon richtig gute Kirchen. In Berlin wäre kaum Bedarf für einen Neubau, in Frankfurt oder Bonn ebenfalls. Leuchtturmprojekte entstehen dort, wo ein faszinierendes Programm angeboten wird. Neubauten sind vielleicht kein Topthema dieser Zeit, könnten aber die corporate identity der Kirche durchaus stärken.


Predigtpreis: Suchen wir in alten Kirchen unsere Glauben von früher? Haben wir Skrupel, heute zu bauen und heute zu glauben?


Weinmiller: Es gibt eine Menge Gemeinden, die liebend gern eine neue Kirche in Auftrag geben würden. Aber dafür braucht man zunächst einmal Geld, das derzeit nicht zur Verfügung steht. Es wird aber auch neu gebaut. Ich habe gerade einen Wettbewerb gewonnen für den Neubau einer evangelischen Kirche in Aachen. Dort verkaufen zwei Gemeinden ihre jeweiligen Gemeindehäuser, weil sie nicht mehr passen. Gemeinsam bauen sie ein Gemeindezentrum mit Kirche.


Predigtpreis: Ein Mehrzweckhaus?


Weinmiller: Nein, sie wollen keinen Multifunktionsraum. Zu dem Zentrum gehört eine Kirche, die nur Kirche ist.


Predigtpreis: Wie gestalten Sie diese Kirche?



Bitte lesen Sie das vollständige Interview hier weiter


DER GASTKOMMENTAR
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Brannte nicht mein Herz?

© Andreas Peters

Andreas (Andrej) Peters, geboren 1958 in Tscheljabinsk/Ural, verbrachte Kindheit und Jugend in Kirgisien. Seit 1977 lebt der Lyriker und Erzähler, Kinderbuchautor und Liedermacher in Deutschland. Studierte Theologie, Philosophie und Krankenpflege in der Schweiz, Gießen und Frankfurt/Main. Master of Divinity. Bis 2001 war er Pfleger und Seelsorger an der Universitätsklinik Gießen auf einer Leukämie-Intensivstation. Er war Pastor in Bad Reichenhall, Autor von mehreren Büchern und Veröffentlichungen. 2004 in die "best german underground lyriks" des Acheron Verlags aufgenommen, erhielt er 2005 den "Preis des Lebens" (Internationaler deutschsprachiger Literaturpreis) und wurde Preisträger der "best german underground lyriks" 2005.

von Andreas Peters

Warum ich predige

Wir schreiben das Jahr 1972. Jugendtreffen im Tienschan-Gebirge in Kirgisien, der heutigen Republik Kirgistan. Organisiert von Baptisten im Untergrund in der Sowjetunion. Bis zu 500 junge Christen kommen zusammen. Nachts marschieren wir 20 Kilometer, damit die Behörden keinen Verdacht schöpfen. Vorbei an Dörfern, Pionierlagern, Kolchosen. Hundegebell. Auf dem Treffen wechseln sich Predigten, Theaterstücke und Gedichte ab. Und das Wort Gottes spricht mich an. Ich merke: Gott meint mich. Ich rutsche auf den Knien den Berg hinunter, ohne es wirklich zu realisieren. Ich bin angesprochen, ich weiß mit zwölf Jahren: ich muss Buße tun. Ich bin ein Sünder, der umkehren muss. Doch die Polizei ist uns auf die Schliche gekommen. Am kommenden Morgen werden wir von Polizisten und Behördenvertretern überrascht. Die eifrigsten Kommunisten trampeln auf dem Essen herum, das auf dem Boden zum Frühstück gerichtet ist. Einige werden handgreiflich. herum, das auf dem Boden zum Frühstück gerichtet ist. Einige werden handgreiflich. Sie reißen uns Bibeln aus den Händen und werfen sie ins Feuer. Doch mutige Christinnen greifen sich die Bibeln, Brandscheiten gleich, aus der Glut und drücken sie an ihre Brust. Die Polizisten wagen es nicht, sie deswegen anzugreifen. Die Prediger werden verhaftet. Wir müssen zurück. Doch auf dem Rückweg ruft einer unserer Betreuer: "Da möchte sie noch jemand bekehren!" Eine Rast wird eingelegt, wir hören laute Gebete, Weinen und Lachen. Damals habe ich nach und nach den Satz aus Psalm 12, 7 begriffen: "Die Worte des Herrn sind lauter wie Silber, im Tiegel geschmolzen, geläutert siebenmal." Als ich die Geschichte von den Emmaus-Jüngern las, wurde ihre Frage zu meiner: "Brannte nicht mein Herz in mir, als er mit mir redete auf dem Wege und mir die Schrift öffnete?" Jesus wurde mein Lehrer - und der britische Baptistenprediger Charles Haddon Spurgeon, der vor tausenden sprach.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie hier

PREDIGT DES MONATS
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Predigt über 1. Korinther und den Begriff „Sola gratia“

von Dr. Lars Klinnert (ev)

Liebe Gemeinde, noch zwei Wochen bis zu den Olympischen Winterspielen. Gehören Sie auch zu den Menschen, die sich dann plötzlich für jede noch so verrückte Randsportart interessieren? Also, ich schaue mir nachts um zwei auch schon mal Curling oder Skeleton an. Irgendetwas Faszinierendes ist ja doch daran, wenn Sportlerinnen und Sportler einander im Wettkampf vergleichen. Jeder will der Beste sein, jeder will seine Topleistung abrufen, jeder will letztlich nur eins: gewinnen. Leider wissen wir auch: Nicht jeder kämpft mit fairen Mitteln. Auch in Vancouver wird es wieder den einen oder anderen Dopingfall geben, das scheint jetzt schon sicher. Der Beste zu sein, das ist offensichtlich ein so attraktives Ziel, das mitunter sogar in Kauf nimmt, sich selbst und andere darüber zu täuschen, ob man es wirklich auf ehrliche Weise erreicht hat.

Nun scheint für viele Menschen auch das Leben eine Art sportlicher Wettkampf zu sein. Allein Leistung zählt. Jeder ist seines Glückes Schmied. Ohne Fleiß kein Preis. Das sind erst einmal richtige und wichtige Gedanken. Denn unser gesellschaftliches Zusammenleben funktioniert ja nur dort, wo möglichst alle Menschen ihre besonderen Fähigkeiten in bestmöglicher Weise einsetzen. Wenn der Bäcker keine Lust mehr hat, Brötchen zu backen, und der Lehrer es leid ist, jeden Morgen um acht vor seiner Klasse zu erscheinen, dann haben wir alle ein Problem. Und umgekehrt: Die meisten Menschen leiden darunter, wenn ihre Arbeit nicht mehr gebraucht wird, wenn ihre Leistung keine gesellschaftliche Anerkennung mehr findet; sie fühlen sich dann in ihrer ganzen Persönlichkeit entwürdigt, weil sie sich selber als nutzlos empfinden. Darum ist es wichtig, dass unsere Gesellschaft Leistung belohnt, aber eben auch überhaupt ermöglicht.

Schwierig wird es am oberen und unteren Ende der Leistungsskala. Auf der einen Seite stehen die Menschen, die nur noch sich selber sehen, die nur noch danach streben, ihren eigenen Status zu verbessern und dabei das Gemeinwohl aus dem Blick verlieren. Sie vergessen jeden vernünftigen Maßstab, weil sie nur noch Geld, Macht und Anerkennung sehen. Es ist ihnen egal, wie sie dort hingelangen; es ist ihnen egal, ob sie anderen Menschen mit ihrem Verhalten schaden. Hier wird der Leistungsgedanke pervertiert zu grenzenlosem Egoismus.

Auf der anderen Seite stehen die Menschen, die aus verschiedenen Gründen keine Leistung erbringen können. Auch sie fallen hierzulande in aller Regel nicht ins Bodenlose, und doch sind sie an vielen Stellen von gesellschaftlicher Teilhabe ausgegrenzt. Wollen wir sie nur mit Almosen abspeisen, damit sie nicht verhungern und verdursten, oder sind wir bereit, auch den Hartz-IV-Empfänger, den Asylbewerber, den Sonderschüler als ein wertvolles Mitglied unserer Gesellschaft anzusehen?



Hier lesen Sie die vollständige Predigt


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Die Auszeichnung des PREDIGTPREISES
„Sehnsucht nach Befreiung“
SURFTIPP
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PREDIGTPREIS-Surftipps:
















von Stephan Bolzenius

Medienzentralen

Die Medienzentralen stellen Ihnen ein umfangreiches Mediensortiment für Ihre Arbeit in Kirche, Gemeinde und Schule zur Verfügung und beraten Sie in allen Fragen rund um die Arbeit mit Medien, der Medienpädagogik und Medientechnik. Dieser neue Service stellt eine Ergänzung der Angebote im Medienverleih der AVMZ Diözesen dar (www.avmz.de) und soll zunächst auf die Dauer von drei Jahren erprobt werden..

http://www.medienzentralen.de









Gott.net

Gott.net versteht sich selbst als "sein Schwarzes Brett im Internet". Der 2002 gegründete Verein - ein Zusammenschluss evangelischer, katholischer und freikirchlicher Christinnen und Christen - hat sich mit dieser initiative zum Ziel gesetzt Gott ins Gespräch zu bringen. Auf der Internetseite finden sich wöchentlich wechselnd Informationen zu Gott, Jesus, Glauben und Bibel - auch für Menschen, die sich von Kirche und Gemeinde weniger angesprochen fühlen. .

http://www.gott.net







Lust auf Gottestdienst

Aufgabe dieses Projektes ist es die Initiierung neuer Gottesdienstteams zu begleiten, Konzeptionen regional abzustimmen und zu vernetzen. Durch Pfarrerin Natascha Reuter werden dabei viele Gemeinden im Dekanat unterstützt, die neue Wege in der Gestaltung ihrer Gottesdienste gehen wollen. Man findet unter anderem Informationen zu besonderen Gottesdiensten, ein Material- und Literaturverzeichnis sowie Dokumentationen über besondere Projekte. "Lust-auf-Gottesdienst" animiert dazu sich Gedanken darüber zu machen, wie Gottesdienste gestaltet werden können und wie sie Lust auf Gemeinde und Glauben machen können.

http://www.lust-auf-gottesdienst.de

KUNST UND PREDIGT
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„Grenzgänge“

Alles Edle ist von einfacher Art. Die Formenvielfalt in der Wüste lässt uns staunen. © Andrea Vogel

 

Almut Haneberg (Gedicht) und Andrea Vogel (Foto)

Wer das Ziel kennt, muss den Weg wagen

 

den Weg wagen
wegen des Ziels

 

das Wagnis eingehen
wegen des Weges

Wege wagen
Und zu gehen beginnen

Mit dem Wagnis des Weges
dem Ziel näher kommen
es im Wagnis ergehen
ertasten, erleben
erahnen, erfahren

mich einlassen
auf den Weg
das Wagnis das Ziel
meinen Weg
mein Wagnis
mein Ziel

und den Weg des Werdens
weiter gehen

Almut Haneberg

Quelle: mit freundlicher Genehmigung von ferment.ch, Ausgabe "Grenzgänge"

Buchtipp
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„Meine Sprache und ich“

Meine Sprache und Ich Buchtipp  

von Theodor von Stockert

Ein anregend geschriebenes Buch über die differenzierte Wirkung unserer Sprache. Es zeigt uns, welche kleinen Details in unserer alltäglichen Rede bewirken, ob ein Argument ankommt oder nicht und ob der Sprecher überzeugend wirkt oder nicht. Anders als beim Inhalt ist uns Form und Struktur unserer Rede meist nicht bewusst. Auf viele Details in unserer Sprache achten wir nicht. Sie enthalten eine eigene Botschaft, die der Sprecher unbewusst mitliefert und der Hörer ebenso unbewusst aufnimmt. Und dennoch hat sie eine differenzierte Wirkung. Der Autor stellt das Lingva-Eterna Sprach- und Kommunikationskonzept anschaulich und lebendig dar. Als Mediziner arbeitet er seit 2004 mit der Sprachwissenschaftlerin Frau von Scheurl-Defersdorf an der Weiterentwicklung dieses Konzepts. Er bringt es in einem historischen und biologischen Rahmen mit der Bestimmung des Menschen und endet mit einem Appell zur Lösung aktuell drängender ethischer und gesellschaftlicher Fragen.

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