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Editorial

Der Predigtpreis am Wendepunkt

Lieber Leser, liebe Leserin,


unversehens steht der deutschsprachige Ökumenische Predigtpreis an einem Wendepunkt: Udo Hahn, der Vorsitzende der Jury, wird sein Engagement mit der diesjährigen Preisverleihung in wenigen Tagen beenden. Er wechselt ins Kuratorium und bleibt dem Preis darüber verbunden. Doch markiert sein Wechsel einen Einschnitt. Udo Hahn ist im vergangenen Jahr zum Direktor der Evangelischen Akademie in Tutzing am Starnberger See berufen worden.

Seit der Gründung des Predigtpreises 1999 war Udo Hahn dessen Ideen- und Impulsgeber. Er sprach den Verleger Norman Rentrop an, da der Verlag für die deutsche Wirtschaft bereits über Erfahrung mit einem Preis für rhetorische Leistung verfügte, dem Cicero-Rednerpreis. Daraus erwuchs das Projekt, eine Auszeichnung auch für gute Predigten ins Leben zu rufen und damit der Predigtkultur in Deutschland ein Forum des Austauschs und eine Anregung zur Weiterentwicklung zu geben. Das wurde dadurch erleichtert, dass mit Karsten Matthis ein theologisch ausgebildeter Lektor zum Verlag gestoßen war. Heute arbeitet Matthis in der Jury des Predigtpreises mit. Von Beginn an führte Udo Hahn die derzeit zwölfköpfige Gruppe, die jedes Jahr die wachsende Vielfalt der Einsendungen durchsieht und sich auf die nach ihrer Ansicht besten Predigten verständigt. Und von Jahr zu Jahr ist es spannend zu beobachten, wie er die Jury, die in ihren Prägungen die Unterschiedlichkeit der Einsendungen spiegelt, mit Entschlossenheit und Einfühlung zu einem gemeinsamen Entschluss führt. Denn die Jury hat sich darauf festgelegt, einmütige Entscheidungen zu treffen. Es gibt weder Kampfabstimmungen noch knappe Mehrheiten. Und Udo Hahn schafft es zusammen mit dem Team des Predigtpreises, dass sich die Teilnehmer auf gemeinsame Sitzungen freuen. Der Widerhall bei Ihnen, der Fachwelt und dem Freundeskreis des Preises, hat die Qualität der Entscheidungen bestätigt. Wenn Helmut Graf, der Vorstand des Verlags, alljährlich die Teilnehmer der Preisverleihung begrüßt, zeigt ein wachsendes Auditorium das Interesse, das dem Projekt entgegengebracht wird.

Unter Udo Hahns Leitung hat sich der Predigtpreis zu einer der am meisten beachteten ökumenischen Auszeichnungen entwickelt. Sie ist heute in den beiden großen Kirchen, den evangelischen Freikirchen und den Landeskirchlichen Gemeinschaften eine anerkannte Größe. Vielleicht zählt die ökumenische Ausrichtung zu den wichtigsten Merkmalen des Preises. Die Datenbank, die aus den vielen Einsendungen entstanden ist, dient als Archiv und Anregungsquelle für Prediger und Predigerinnen aller Konfessionen.

Deshalb soll hier ein Dank stehen für das lange Engagement, die inspirierenden Jurysitzungen und seine gewinnende Führung über zwölf Jahre. In wenigen Tagen, am 21. November, werden die Preise für 2012 verliehen. Dann wird Zeit für persönliche Worte sein.

In diesem Newsletter kommt der katholische Religionssoziologe Paul Michael Zulehner zu Wort. Und der Prediger Dr. Arndt Elmar Schnepper sagt, warum die vergessene Kunst der freien Rede unsere Predigten besser machen kann.

Herzlich grüßt

Ihr

Wolfgang Thielmann
Jurymitglied des PREDIGTPREISES

Aktuelle Themen:

Ökumene: Vergeben – vergessen? Der Buß- und Bettag – Feiertag der Vergebung“
Paul Zulehner: „Das Heil gibt es auch im atheistischen Modus“
Gastkommentar: „Vergesst das Manuskript!“
Predigt des Monats: „Predigt über Matthäus 12,33-37“
Surftipps: Ökumene-Preis 2013, gute-trauer.de, ebu.de
Kunst und Predigt: „Tugenden und Laster“
Veranstaltungstipp: „Emkongress 2013“
Buchtipp: „Was das Kreuz bedeutet“

Die Botschaft übersetzen:

Die Botschaft übersetzen von Udo Hahn


Pfarrer Udo Hahn über ausgezeichnete Predigten und die Kunst, Menschen abzuholen

Die Predigt des Petrus am Pfingsttag zeigte ungeheure Wirkung. Wie er Gottes Taten verkündete, das verstand jeder. Über Verständlichkeit und überzeugende Predigten äußert sich Pfarrer Udo Hahn, Juryvorsitzender des ökumenischen Predigtpreises.

Hier lesen Sie den vollständigen Bericht

Ökumene
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Vergeben – vergessen?“
Der Buß- und Bettag – Feiertag der Vergebung

Vegeben Vergessen

Der Buß- und Bettag ist für evangelische Christen ein Tag der Besinnung und Neuorientierung im Leben. Der Gedenktag dient dem Nachdenken über individuelle und gesellschaftliche Irrtümer wie beispielsweise Ausländerhass, Umweltzerstörung und die Ausgrenzung von Armen und Obdachlosen.

Der Feiertag wurde vor einigen Jahren allerdings zum politischen Zankapfel: Der protestantische Buß- und Bettag, erstmals 1532 im mittelalterlichen Straßburg offiziell eingeführt, wurde 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung in allen Bundesländern außer in Sachsen als gesetzlicher Feiertag ersatzlos gestrichen.

Der Bußtag hat seinen festen Platz im kirchlichen Festkalender jedoch nicht verloren. Viele Gemeinden laden meist am frühen Abend zu Andachten ein, um so auch Berufstätigen die Teilnahme zu ermöglichen. Die hohe Resonanz auf dieses Angebot belegt, dass der Bußtag im Leben vieler Menschen nach wie vor tief verwurzelt ist.

So liest man auf der eigens für diesen Feiertag eingerichteten Webseite der EKD unter http://www.ekkw.de/busstag/busstag.php interaktive Angebote. Texte, Gebete, und Online-Seelsorge laden ein.

Es gibt mehrere theologische Gründe für den Bußtag: Die Kirche leistet vor Gott Fürbitte für die Schuld der Gläubigen, sie macht öffentlich auf Fehlentwicklungen der Gesellschaft aufmerksam – und schließlich gibt der Tag dem Einzelnen Gelegenheit, vor Gott sein Gewissen zu prüfen. Obwohl auch die katholische Kirche Bußtage kennt, wird der Buß- und Bettag vor allem von den evangelischen Kirchen begangen. Im Mittelalter ordnete der Staat Bußtage an, wenn Notzeiten bevorstanden, etwa Krieg oder Hungersnöte. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland 47 regional unterschiedliche Bußtage. Schließlich einigte man sich auf den Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag, legte den Tag also auf das Ende des Kirchenjahres. Er ist zwar seit 1995 nur noch in Sachsen arbeitsfrei, bleibt aber dennoch ein Tag des Innehaltens, an dem über persönliche und gesellschaftliche Irrtümer nachgedacht wird. Das können politische Themen wie der Umgang mit Flüchtlingen sein, manchmal stehen aber auch persönliche Fragen im Vordergrund. In der Regel laden die Kirchengemeinden zu Abendgottesdiensten ein. Neben der Bitte um Vergebung geht es dort auch um Umkehr zu Gott und die Sehnsucht nach einem neuen Anfang.


Ralf Birkner, Dipl.- Theologe
Theologischer Berater des PREDIGTPREISES
Das Interview
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„Das Heil gibt es auch im atheistischen Modus“

Paul Zulehner

Zulehner

Der österreichische Priester und Theologe gilt als einer der bekanntesten Religionssoziologen. Zudem hat er sich als origineller katholischer Denker profiliert. Nach dem Theologiestudium war er Kaplan in Wien und Professor in Bamberg, Passau und Wien. Über seine Emeritierung 2008 hinaus ist er bis heute an Lehr- und Forschungsprojekten beteiligt und international als Vortragsredner gefragt.

Interview mit Prof. Dr. Paul Zulehner



Predigtpreis: Herr Prof. Dr. Zulehner, was ist Spiritualität?


Prof. Dr. Paul M. Zulehner: Spiritualität hat mit Geistigem zu tun. Sie bleibt nicht vordergründig an den materiellen Dingen hängen. Der Mensch hat die Fähigkeit, die Dinge geistig zu durchdringen und seinem Leben und der Wirklichkeit einen Sinn abzugewinnen. Der Theologe wird sagen: Das hat etwas mit der Sophia zu tun, der Weisheit, die wir als Moment an Gottes Wesen verstehen. Der spirituelle Mensch hat Anteil an der Weisheit Gottes. Daher lebt er weise in der Welt.


Predigtpreis: Welchen Stellenwert hat beim weisen Leben das gesprochene und gehörte Wort?



Zulehner: Ein Leben ist erst intensiv, wenn der Mensch verschiedene Ebenen zusammenbekommt - die Ebene des realen Lebens, des Tuns, und des Reflektierens, das Einstehen und das Eingestehen. Und er hat die Möglichkeit, das Gelebte absichtslos zu feiern; auch wenn das manchen Menschen abhandengekommen ist. Alles zusammen verleiht dem Leben Intensität. Manchmal kann es helfen, eines davon vorwegzunehmen, etwa Vergebung in Worten auszusprechen, bevor ich sie im Gefühl vollzogen habe oder im Sakrament begehen konnte. Aber erst in der abgestimmten Gemeinsamkeit bekommen sie größere Tiefe.


Predigtpreis: Glaube, sagt Paulus, kommt aus dem Hören auf das Wort. Das klingt intellektuell. Sieht er das zu einseitig?


Zulehner: Der Satz darf nicht enggeführt werden. Das Wort muss in einen Menschen förmlich einziehen, es muss in ihm wohnen. Das ist mehr als das bloß intellektuelle Hören und Verstehen. Von der anderen Seite aufgerollt: Jesus sagt, dass mich nicht das gehörte Wort rettet, sondern das Tun, die gelebte Solidarität, die Liebe. Das Wort, von dem Paulus redet, besteht ja letztlich in der Zuwendung Gottes zum Menschen. Diese muss ich in mich aufnehmen.


Predigtpreis: Wenn ich das auf die Kirche anwende, bedeutet das: Es reicht nicht, Ge- und Verbote aufzustellen, sondern Kirche muss diese Zuwendung mit ihrem Leben ausdrücken, sie muss Menschen begleiten?


Zulehner: Sie muss Räume aufbauen, wo dieses christliche Leben gelebt werden kann. Dabei machen Menschen auch Fehler und können scheitern. Alle diese Dinge führen in der Spiritualität zum Reifen. Paulus sagt einmal: Trage den Mist deines Lebens zu den Bäumen des Lebens, dann wird daraus etwas wachsen. Gott kann mit den Scherben, mit den Fragmenten eines Lebens gut wirtschaften.


Predigtpreis: Auf Ihrer Homepage bieten Sie eine spirituelle Reise an, mit Teresa von Avila und Meister Eckart. Was kann man von den beiden lernen?


Zulehner: Die beiden Mystiker sind große spirituelle Vorläufer theologischer Konzeptionen, die in der jüngsten Vergangenheit etwa von den Theologen Karl Rahner oder Hans Urs von Balthasar entwickelt wurden. Sie haben auch das Zweite Vatikanische Konzil beeinflusst. Etwa mit dem Gedanken, dass Gott im Leben jedes Menschen reuelos und unbeirrbar am Werk ist und den Menschen dafür gewinnen möchte, so zu werden, wie er gedacht ist, und der zu werden, der er ist. Das ist bereits das Spiritualitätskonzept des Mittelalters gewesen. Wir sind in der Aufklärung leider mystikvergessen geworden. Tragischerweise blieb deshalb nur die Moral übrig. Auch aus diesem Grund ist die Kirche für viele Menschen nur ein dunkles Moralsystem. Ich bin Benedikt XVI. dankbar, dass er die Kirche als Ort der tiefen mystischen Erfahrung beschreibt, in der der einzelne Gott begegnen kann. Karl Rahner hat die Aufgabe der Kirche als Mystagogie beschrieben: Sie soll den Menschen wieder hinführen zu dem Geheimnis, welches sein Leben im Grunde immer schon ist. Das kann man bei den Mystikern des Mittelalters sehr gut lernen. Als ich einmal Texte von Mystikern zusammenstellen wollte, da fand ich sie eher bei Menschen außerhalb der Kirche und weniger in kirchlichen Kreisen. Es tut der Kirche gut, wenn wir diese unverbrauchten alten mystischen Schätze wieder heben.


Predigtpreis: Sind die christlichen Mystiker aus der Kirche ausgewandert?


Zulehner: Das ist eine gute Formulierung, der ich sehr viel abgewinnen kann.


Predigtpreis: Wenn Mitglieder heute über Kirche reden, dann über die Zusammenlegung von Pfarreien, über Priestermangel und ausfallende Eucharistiefeiern.


Zulehner: Es ist schon ein Problem: Wir versuchen, einen sterbenden Kirchenbetrieb herunterzufahren.


Predigtpreis: Warum?



Zulehner: Weil wir keine innovative Fantasie zu entwickeln bereit sind. Die Kirche muss genau wie der einzelne Mensch lernen, dem überraschenden Wirken Gottes zu trauen.


Predigtpreis: Wo könnte das hinführen?



Zulehner: Zum Beispiel zu neuen Formen des Priesteramtes. Es sollte nebenamtliche und ehrenamtliche Priester geben, verheiratete und unverheiratete. Wenn kein Priester da ist, sollte die Gemeinde auch ohne ihn Eucharistie feiern, so wie es in den frühen Jahrhunderten der Christenheit üblich war, wie der Kirchenlehrer Tertullian für das Karthago von 209 selbstverständlich voraussetzt.



Predigtpreis: Das kann lange dauern.



Zulehner: Nein, das müsste man schnell vom Tisch bekommen. Denn die eigentliche Aufgabe, nämlich den Menschen in Berührung zu bringen mit dem Geheimnis Gottes, bleibt wegen der unerledigten Nebenthemen weithin auf der Strecke. Mir sagen Leute in Pfarrgemeinderäten und Diözesanräten: Wir reden nur noch von Geld und Strukturen, aber nicht mehr vom Geist und von Gott. Das bedeutet eine Abdankung der Kirche in ihrem innersten Kern.



Predigtpreis: Was können die Bischöfe dagegen tun? Sie haben ja in der katholischen Kirche das Sagen.



Zulehner: Den Bischöfen sind die Hände gebunden, weil sie sich nicht mit den Gläubigen solidarisieren und nicht mit dem Papst gemeinsam die Kirche regieren, sondern Funktionäre des Vatikans vor Ort sind. Besser, sie würden die Strukturreform rasch erledigen. Sie müssen größere Pastoralräume bilden, keine Frage. Aber sie müssten vielfältigere Entscheidungsmöglichkeiten einräumen. Wenn diese Reformen erledigt wären, dann könnte man wieder das tun, was zu tun ist, nämlich Orte der Mystagogie schaffen, des Eintauchens in das Geheimnis Gottes. Ich finde es gut, dass sich schon Bildungshäuser und Kirchengemeinden mutig auf diesen Weg gemacht haben. Die Kirchenleitungen träumen davon, dass wir wieder zu diesen Aufgaben zurückkehren. Aber sie müssten dafür ihre zweitrangigen Hausaufgaben schneller erledigen.



Predigtpreis: Die Kirche hat also zu viele Leute, die in Gedanken am Bestehenden festhalten?



Bitte lesen Sie das vollständige Interview hier weiter


DER GASTKOMMENTAR
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Vergesst das Manuskript!

Dr. Arndt Elmar Schnepper ist Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Hamburg-Bahrenfeld und Autor des Buches „Frei predigen – ohne Manuskript auf die Kanzel“. Er wurde promoviert mit einer Arbeit unter dem Thema „Goldene Buchstaben ins Herz schreiben. Die Rolle des Memorierens in religiösen Bildungsprozessen“. Sie ist jetzt ebenfalls als Buch erschienen.

von Arndt Elmar Schnepper


Ein Plädoyer für die freie Predigt

Ich werde nicht vergessen, wie ich als Student das erste Mal eine freie Predigt erlebte. Der Pastor trat mit seinem Handmikrofon und sonst nichts an die Kanzel. Und er predigte. Er sprach sage und schreibe etwa 40 Minuten, ohne dass in mir je ein Gefühl der Länge oder Langeweile aufkam. Er predigte frei und konnte deshalb die Zuhörer ansehen und sich ihnen zuwenden. Ich war fasziniert und merkte, dass diese Form der Predigt ein echter Quantensprung gegenüber der Predigtpraxis war, die ich bisher erlebt hatte. Wer so spricht, das war mein Eindruck, der braucht sich keine Sorgen um die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer zu machen. Später nahm ich als frischgebackener Pastor an einer Studienfahrt in die USA teil. Dort begegnete ich dem Phänomen der freien Predigt wieder. Mit dem Unterschied, dass ich es eher als Normalfall denn als Ausnahme erlebte. In vielen Kirchen lag außer der Bibel nichts auf der Kanzel. Ob Männer oder Frauen, Lutheraner, Reformierte, Baptisten oder Pfingstler – sie predigten fast alle frei. Und sie straften das heimliche Vorurteil Lüge, freie Reden seien inhaltsleer. Das Gegenteil war der Fall. Glasklare Gedanken paarten sich mit tiefen Gefühlen und sprachlicher Eloquenz.

1900 Jahre lang wurden Predigten in der Regel frei gehalten. In der alten Kirche waren es Männer wie Origenes, Johannes Chrysostomos und Aurelius Augustinus, die hier von sich reden machten. Angestellte Stenografen schrieben viele der von ihnen erhaltenen Predigten auf. Ähnliches wird von Martin Luther berichtet. Wir kennen rund zweitausend seiner Predigten. Das sind nur etwa zwei Drittel seines tatsächlichen Predigtschaffens. Der Reformator hat seine Predigten zwar stets vorbereitet. Aber meist geschah dies nur gedanklich. In einer seiner Tischreden - die von Schülern und Gästen aufgeschrieben wurden - erläutert er ziemlich präzise seine Vorgehensweise: „Ich pflege nicht alle Stücke in Sonderheit zu fassen, sondern allein den Hauptpunkt, darauf die Summe der ganzen Predigt steht. Danach im Reden fällt mir solches ein, darauf ich zuvor nicht sonderlich gedacht habe.“ Bis ins 20. Jahrhundert gehört die freie Predigt zum kirchlichen Standard. Die allgemeine Überzeugung lautete: Damit eine Predigt wirklich zur Predigt wird, muss sie frei vorgetragen werden. Lediglich die Frage der Vorbereitung wurde unterschiedlich beantwortet: Manche Prediger bevorzugten ein ausformuliertes Predigtkonzept, da sie verinnerlichen und dann frei vortragen, andere hielten nur die wichtigsten Stichwörter schriftlich fest, wieder anderen reichte eine rein meditative Vorbereitung. Für viele Prediger wurde die Formel des Bonner Theologieprofessors Theodor Christlieb (1833-1889) wegweisend: „Erst konzipieren und wörtlich memorieren, dann immer weniger wörtlich memorieren und frei vor der Gemeinde reproduzieren.“

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PREDIGT DES MONATS
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Predigt über Matthäus 12,33-37

von Diakoniedirektorin und Kirchenrätin Susanne Kahl-Passoth (ev)

Liebe Gemeinde, heftig, diese Rede, hart – wer möchte schon als Schlangenbrut bezeichnet werden? In der Haut der Adressaten möchte ich nicht stecken, zumal die Rede so klingt, als ob sie ein für allemal festgelegt sind auf die Kategorie „böser Mensch“, keine Chance haben für Umkehr und Buße. Heißt das, wir können uns zufrieden zurücklehnen? Mit unserem Leben hat das doch nichts zu tun? Nichts da! Beim genaueren Hinsehen und Hinhören kommen Fragen zutage, die auch unser Reden und Tun, vor allem ihre Beziehung zueinander, hinterfragen, uns zur Rechenschaft vor uns selbst herausfordern. Die Vorgeschichte zu dieser Rede Jesu ist schnell erzählt: Jesus befand sich in einer Auseinandersetzung mit den Pharisäern, mit denen ihn ja durchaus einiges verband. Deren Hang zur Verrechtlichung des Glaubenslebens – ein Festhalten am Gesetz, komme, was da wolle – und die daraus folgende Hartherzigkeit machten ihm zu schaffen, Menschen nach und nach den Gesetzen und Vorschriften anzupassen und nicht umgekehrt. Jesus hatte Menschen geheilt – auch am Sabbat – zuletzt einen Besessenen, der blind und stumm war. Die Pharisäer wussten nicht, was sie davon halten sollten. Das alles passte nicht in ihr Denken. Jesus steht auf der anderen Seite: Er stellt unsere Ordnungen in Frage. Mit dem, was er tut, bringt er die Menschen durcheinander.

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Die Auszeichnung des PREDIGTPREISES
„Sehnsucht nach Befreiung“
SURFTIPP
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PREDIGTPREIS-Surftipps:

















von Stephan Bolzenius


Ökumene-Preis 2013 der ACK
Die Auszeichnung wird in diesem Jahr das erste Mal verliehen. Das Anliegen des Preises ist es, zur Einheit der Christen beizutragen und ein gemeinsames Engagement von Gruppen und Gemeinden verschiedener Konfessionen zu fördern. Er richtet sich an alle deren Engagement über Kirchen- und Konfessionsgrenzen hinausgeht und ist mit 3000 Euro dotiert.

http://www.oekumene-ack.de









Das Internetprojekt „gute-trauer.de“ möchte zum einen Informationen zum Thema Trauer zugänglich machen und zum anderen Menschen in die Lage versetzen, eigenverantwortlich und natürlich mit Lebenssituationen wie Tod und Trauer umzugehen. Ihr Anliegen ist es des Weiteren bei der wachsenden Fülle an Angeboten der Trauerbegleitung, -beratung und -therapie Transparenz schaffen und Trauernde, wenn sie sich Unterstützung wünschen, bei der Suche nach Hilfe unterstützen. Hierbei wird es in allen Belangen von der Verbraucherinitiative Aeternitas e.V. empfohlen und gefördert.

http://www.gute-trauer.de








Der Herrnhuter Stern als Symbol des Weihnachtssterns von Betlehem ist wohl den meisten bekannt, da er an Heiligabend in vielen Wohnzimmern das Weihnachtsgeschehen in sein besonderes Licht taucht. In ihrem Buch „...und leuchtet in die ganze Welt“ möchte die Autorin Dorothee Theile nun selbst den Stern und seine Geschichte beleuchten. Für alle, die im Herrnhuter Stern mehr als eine reine Advents- und Weihnachtsdekoration sehen, ist dieses kleine Büchlein ein wertvoller Gewinn.

http://www.ebu.de/sterne/sternebuch/

KUNST UND PREDIGT
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„Tugenden und Laster“

Sabine Böhm - Gemälde Herzenshärte

© Sabine Böhm Herzenshärte

Sabine Böhm - Gemälde Barmherzigkeit

© Sabine Böhm Barmherzigkeit

Bildpaar aus dem Buch „Tugenden und Laster - Wegweisung im Dialog mit Hildegard von Bingen“ von Klosterkunst.de Format 22 x 28 cm, 152 Seiten Gebunden € 24,90 inkl. MwSt, zzgl. Versandkosten.

 

Dr. Barbara Stühlmeyer (Text) und Sabine Böhm (Bilder)

Wegweisung im Dialog mit Hildegard von Bingen

Die Herzenshärte spricht: Ich habe nichts hervorgebracht und auch niemanden ins Dasein gesetzte. Warum sollte ich mich um etwas bemühen oder gar kümmern? Die Barmherzigkeit antwortet: Den Gebrochenen helfe ich auf und führe sie zur Gesundung. Eine Salbe bin ich für jeden Schmerz. Das selbstgewählte Gefängnis Unabhängig zu sein gilt als erstrebenswerte Eigenschaft. Deshalb erscheinen uns die Worte der Herzenshärte so nachvollziehbar. Gott hat schließlich alles geschaffen, soll er sich doch darum kümmern. Was nützt es uns, wenn wir uns einmischen. Wir müssen doch zunächst einmal sehen, was es uns bringt, wenn wir uns für jemanden oder etwas engagieren. Wenn ein Mensch für uns zur Belastung wird, tun wir uns heute leicht damit, uns von ihm oder ihr zu trennen. Schwierigkeiten auszuhalten, sich auch dann verantwortlich zu fühlen, wenn es widrig und hart zugeht, erscheint als nutzlose Liebesmühe. Edel zweifelsohne, aber doch so ganz ohne Spaßfaktor. „Was für ein Leben müsste ich führen, wenn ich auf alle Stimmen der Freude oder Trauer antworten wollte“, fragt sich die Herzenshärte. Ein bewegtes, ein bewegendes Leben könnte die Antwort sein. Eins, dass in völligem Gegensatz zur Erstarrung steht, in die die Herzenshärte sich zurückgezogen hat. Bemerkenswert treffend schildert Hildegard ihre Erscheinung, deren Merkmal die Gestaltlosigkeit ist. Eine Zusammenballung dunklen Rauchs ist sie, Produkt eines formlosen Lebens, in dem keine schöpferische Kraft wirksam ist. Unbeweglich verharrend sind ihre aus der Finsternis starrenden Augen zu einer Randexistenz verurteilt.

Lesen Sie bitte den vollständigen Beitrag hier weiter

VERANSTALTUNGsTipp
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Emkongress 2013

EMKongress 2013

 

 

Der diesjährige EMK Kongress findet unter dem Motto statt: „Wer glaubt, bleibt anders“ Die Evangelisch-methodistische Kirche Deutschland, Schweiz und Österreich lädt mit allen Arbeitszweigen und Werken zu einem Kongress für Erwachsene jeden Alters ein. In Reutlingen trifft man sich dieses Jahr zu Konzerten, Bibelarbeiten, Gottesdiensten oder aber auch um einfach miteinander zu reden und zu beten.

http://www.emkongress.info/

Buchtipp
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Was das Kreuz bedeutet

Jesu Tod und unser Leben

© Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig

Auflage: 2011 208 Seiten | 12 x 19 cm Paperback ISBN 978-3-374-02845-0 12,80 EUR (inkl. 7 % MWSt. zzgl. Versand)

 

von Walter Klaiber

(Predigtpreis-Preisträger „Lebenswerk“ 2012)

Warum musste Jesus sterben? Brauchte Gott wirklich ein Opfer, um mit unserer Schuld fertig zu werden? Warum vergibt er nicht einfach? Diese Fragen bewegen viele nachdenkliche Zeitgenossen. Strittig ist auch, was die Bibel wirklich dazu sagt. Hat Jesus selbst seinen Tod als Opfer verstanden? Und was bedeuten Vorstellungen der frühen Christenheit von Opfer, Sühne oder Lösegeld wirklich? Auf diese Fragen antwortet das neue Buch von Walter Klaiber. In einer für alle verständlichen Sprache werden die biblischen Aussagen erklärt. Klaiber zeigt, wie mit den alten Begriffen grundlegende Sachverhalte angesprochen werden, die uns heute so zentral betreffen wie die Christen vor uns. Das Ergebnis ist kein geschlossenes System, das erklären will, warum Gott gar nicht anders handeln konnte. Aber es wird deutlich, wie sich im Neuen Testament das Geheimnis erschließt, dass in Jesu Sterben Gott mit seiner Liebe den Menschen ganz nahegekommen ist. So überwindet Gott ihre Gottesferne und macht den Weg frei zu einer ganz neuen Gemeinschaft mit ihm.

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