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Editorial

Was hat sie, das ich nicht habe?

Lieber Leser, liebe Leserin,


die evangelische Pfarrerin in unserer Familie lebt auf dem Dorf. Vier Kirchen, die mit Gottesdiensten und Gemeindeprogramm versorgt werden wollen. Und vier Kindertagesstätten. Eine Kollegin, ein Pfarrvikar, eine Gemeindepädagogin. Der Pfarrer-Personalschlüssel liegt nah am Durchschnitt der evangelischen Kirchengemeinden mit 1600 Mitgliedern pro Pfarrstelle. Es müssen in den nächsten Jahren mehr pro Stelle werden. Weil weniger Geld vorhanden sein wird.

Die Pfarrerin beneidet die Freikirchen, von denen es in ihrer Umgebung viele gibt. In jedem Dorf eine freikirchliche Gemeinde. Zwischen 80 und 200 Mitglieder. Jede finanziert ihren eigenen Pastor, die an ihrem Ort sogar einen Jugendpastor zusätzlich. Die freikirchlichen Pastoren können sich, sagt sie, sorgfältig auf jede Predigt vorbereiten. Und müssen sonntags nicht mehrmals auf die Kanzel steigen, meist nicht einmal jeden Sonntag. Es gibt ehrenamtliche Prediger, es gibt eine Menge Leute, die mithelfen. Freikirchler haben nur wenig Beerdigungen zu halten, und sie kennen jeden, der gestorben ist. Sie dagegen muss jede Woche um die Zeit für die Predigtvorbereitung kämpfen. Muss sich bei vielen Beerdigungen erst durchfragen, sich erzählen lassen, sich auf Angehörige einstellen. Überlegen: Wo soll die Feuerwehr ihr Gedenkwort sprechen, wo der Offiziersverein? Und dann die Verwaltungsarbeit. Sie ist Vorgesetzte. Personalgespräche, Pläne, Vorgaben, Fortbildung.

Ich kenne auch die freikirchlichen Kollegen. Die beneiden ihre landeskirchliche Kollegin um die Hauptamtlichen. Sie selbst müssen ehrenamtliche Helfer gewinnen, sonst bewegt sich nichts. Und die Pfarrerin verdient mehr, auch wenn die Unterschiede kleiner geworden sind. Gerade ist bei einem freikirchlichen Kollegen die Ehe in die Brüche gegangen. Jetzt hängt es von der Gemeinde ab, ob er bleiben kann oder gehen muss. Pfarrer sind da geschützter. Und in den Städten beneiden manche Freikirchler ihre landeskirchlichen Kollegen um deren größeres Ansehen. Denn diese müssen nie erklären, woher sie kommen und dass sie zu keiner Sekte gehören. Und manchmal gibt es innerevangelisch Reibung, weil sich freikirchliche Pastoren besser mit ihren katholischen Kollegen verstehen. Mitunter werden freikirchliche Pastoren in landeskirchliche Pfarrkonvente eingeladen. Aber das ist noch selten.

Wie läuft die Ökumene der Ordinierten und Geweihten bei Ihnen? Welche Wünsche hätten Sie? Wenn Sie mögen, schreiben Sie uns an info@nl.predigtpreis.de.


Herzlich grüßt

Ihr

Wolfgang Thielmann
Jurymitglied des PREDIGTPREISES

Aktuelle Themen:

Ökumene: Ökumenische Aktion Friedenslicht 2012
Ralf Meister: Jenseits von 15 Minuten wartet Langeweile
Gastkommentar: Warum Prediger Bilder lieben
Predigt des Monats: „Gott-Inkognito“
Surftipps: Weihnachtsmannfreie-Zone, Sieger Köder „Der Film“, Familien234
Kunst und Predigt: Altartücher mit Symbolen der Schöpfung
Buchtipp: Christliche Theologie im Horizont der Einen Welt, Prof. Dr. Dr. Claude Ozankom“

Gesegnete Weihnachten wünschen wir unseren Leserinnen und Lesern des PREDIGTPREIS-Newsletters

Die Botschaft übersetzen von Udo Hahn

© R. Stecher, Tyrolia Verlag, Innsbruck

Möge der Stern von Bethlehem sie allzeit sicher führen und geleiten.

Ihr Redaktionsteam

Ökumene
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Ökumenische Aktion Friedenslicht 2012

Friedenslicht

Auch in diesem Jahr bringen Pfadfinderinnen und Pfadfinder zu Weihnachten das Friedenslicht aus Betlehem in unsere Gemeinden. Das Licht, das vom ORF in Betlehem entzündet und in Wien an Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus ganz Europa und darüber hinaus weitergereicht wird, ist längst zu einem besonderen Symbol der Nähe Gottes und seiner Zuwendung geworden.

Am dritten Advent (16. Dezember 2012) wird das Licht von Wien aus mit dem Zug in rund 30 Städte in ganz Deutschland gebracht. In zentralen Aussendungsfeiern wird es weitergereicht an Gruppen und Gemeinden. Wer das Licht empfängt, kann damit selbst die Kerzen von Freunden und Bekannten entzünden, damit an vielen Orten ein Schimmer des Friedens erfahrbar wird, auf den die Menschen in der Weihnachtszeit besonders hoffen.

An Weihnachten wird das Licht in vielen Kirchen und Häusern brennen. Pfadfinderinnen und Pfadfinder tragen es in die Familien, in Kirchengemeinden, Krankenhäuser und Schulen, in Verbände, öffentliche Einrichtungen, in Altersheime und zu den Obdachlosen, in benachbarte Moscheen und Synagogen und zu Menschen, die im Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens stehen – und zu denen am Rande.

„Mit Frieden gewinnen alle” steht über der Friedenslichtaktion 2012 in Deutschland. Es geht um die kleine Flamme, die sich von der Geburtsgrotte Jesu Christi in Betlehem auf den Weg macht, um allen Menschen in der Adventszeit als Zeichen für Frieden und Völkerverständigung zu leuchten. Die Pfadfinderinnen und Pfadfinder reichen dazu das Licht in einer Stafette in viele Länder Europas weiter und zeigen dabei, dass es beim Frieden keinen zweiten und dritten Platz, sondern nur Gewinner gibt.

Allen die das Friedenslicht aus Betlehem entgegennehmen, weitertragen und erhalten soll dabei bewusst werden, dass Frieden auf der Welt nicht durch einen Wettkampf oder alleine, sondern nur als gemeinsame Aufgabe erreicht werden kann. Egal welche Nationalität, Kultur und Religion ein Mensch angehört, ob er mit oder ohne Behinderung lebt, jung oder alt – reich oder arm ist oder welche Sprache gesprochen wird, für alle gilt gleichermaßen: Mit Frieden gewinnen alle!

In Zeiten in denen viele Menschen und Staaten nur auf sich selber schauen sowie Geld und Siege wichtiger als Solidarität und Gemeinschaft sind, zeigt das Friedenslicht aus Betlehem, dass es auch anders gehen kann. Gemeinsam kann jede/r dazu beitragen, dass mit Frieden alle gewinnen können.

Die 220.000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder in Deutschland wollen mit der Weitergabe des Friedenslichtes aus Betlehem an „alle Menschen guten Willens“ ihren Beitrag zum Frieden leisten und dabei auch dem Auftrag des Pfadfindergründers Lord Robert Baden-Powell folgen: „Niemand weiß, welche Form der Frieden haben wird. Eines ist aber wesentlich für einen dauerhaften Frieden: Der Wechsel zu engerer gegenseitigen Verständigung, der Abbau von Vorurteilen und die Fähigkeit, mit dem Auge des anderen Menschen in freundlicher Sympathie zu sehen.“

In Deutschland wird das Licht als Gemeinschaftsaktion des Bundes der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP), der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG), der Pfadfinderinnenschaft Sankt Georg (PSG), des Verbands Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) sowie des Verbands Deutscher Altpfadfindergilden (VDAPG) weitergeben.

Hinweise auf Aktionen vor Ort und viele weitere Informationen finden Sie auf:

www.friedenslicht.de


Ralf Birkner, Dipl.- Theologe
Theologischer Berater des PREDIGTPREISES
Das Interview
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Jenseits von 15 Minuten wartet Langeweile

Ralf Meister - Landesbischof von Hannover

Foto: LVH/Jens Schulze

Ralf Meister gehört zu den profiliertesten evangelischen Predigern der Gegenwart. Er ist seit knapp zwei Jahren Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers – und seither nicht mehr Sprecher des Wortes zum Sonntag, weil eine Vereinbarung der ARD Bischöfe von dieser Aufgabe ausschließt. Zuvor war er Generalsuperintendent in Berlin, Propst in Lübeck und Mitarbeiter beim Rundfunkreferat der norddeutschen Landeskirchen. In Hamburg und Jerusalem hat er evangelische Theologie und Judaistik studiert. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung charakterisierte ihn als einen der Menschen, „die schnell, aber sanft einen Raum einnehmen“.

Interview mit dem hannoverschen Landesbischof
Ralf Meister



Predigtpreis: Sie waren lange Sprecher des Wortes zum Sonntag. Predigen Sie jetzt anders?


Landesbischof Ralf Meister: Ich habe beim Wort zum Sonntag das Sprechen in der kurzen Form gelernt. Mir war es schon vertraut durch Rundfunkandachten, die ich in den 15 Jahren davor zu gestalten und zu betreuen hatte. Für die Predigtpraxis bedeutete es einen weiteren Schritt, dass man mich jetzt auch sehen konnte. Es ist harte Arbeit, in wenigen Minuten schlüssig und konsistent zu reden. Die Erfahrung hilft mir heute, bei Grußworten und Empfängen fast noch mehr als bei Predigten, einen Gedanken zu entwickeln und mich darauf zu konzentrieren.


Predigtpreis: Wie lang dauert die ideale Predigt?



Meister: Das kann ich nicht sagen. In Afrika habe ich Predigten von mehr als einer Stunde erlebt. Gerade hörte ich eine Schallplatte mit einer Weihnachtspredigt meines Vorgängers Hanns Lilje: Eine knappe halbe Stunde. Vielleicht ginge das heute gerade noch, aber es würde wohl mit den Erwartungen der Zuhörer brechen.


Predigtpreis: Wie lang predigen Sie?


Meister: Meist zwischen 13 und 16 Minuten. Das ist ein Zeitraum, der noch geht, auch wenn er schon viel verlangt. Damit kann die Dramaturgie gelingen, und die Zuhörer bleiben aufmerksam. Ganz selten predige ich länger. Wenn ich Predigten höre, geht es mir ähnlich. Jenseits von 15 Minuten ist die Chance groß, dass ich mich langweile.


Predigtpreis: Das tröstet mich.


Meister: Es ist so: Die Konzentration lässt nach. Deshalb ist mir die kleine Form so wichtig. In Jugendgottesdiensten muss ich mich mitunter auf zehn Minuten beschränken. Die Tendenz geht zur Kürze, nicht nur bei der Predigt.


Predigtpreis: Ein evangelischer Gottesdienst ist - gefühlt - eine Predigt mit Vorprogramm und Nachspiel. Einer meiner Hamburger Freunde sagt: "Ich gehe in die Predigt", wenn er sich zum Gottesdienst aufmacht. Kann ein Gottesdienst gehaltvoll sein, wenn die Predigt misslingt?


Meister: Die Gesamtdramaturgie eines Gottesdienstes muss stimmen. Dann fängt sie sogar eine weniger gelungene Predigt auf. Liturgisch muss es nicht überkorrekt zugehen. Es muss Linien geben, so dass man sich nicht verloren fühlt, sondern von einem zum nächsten geht. Das ist in der klassischen Agende gut aufgebaut. Aber ein Gottesdienst kann auch gelingen, wenn man davon abweicht. Zudem bleibt für mich entscheidend, dass gute Kirchenmusik erklingt. Je besser sie ist, umso mehr “darf“ die Predigt Schwächen zeigen. Wir leben in Gottesdiensten von den Menschen in der Verkündigung: Lektoren, Kirchenmusiker und Prediger, jeder mit seinem Schwerpunkt. Für mich verbindet sich das alles.


Predigtpreis: Es geht auf Weihnachten zu. Dann werden viele Menschen in den Gottesdiensten wortlos die Liturgie verfolgen, weil sie sie nicht mehr kennen. Muss man ihnen die Liturgie beibringen?


Meister: Weitestgehend werden die Gottesdienste am Heiligabend als Kasualgottesdienste gefeiert, das heißt: Mit einer sehr reduzierten Liturgie. Die wenigsten Gottesdienste bekommen eine streng liturgische Form. Im Kern bestehen sie aus hervorragender Kirchenmusik, aus dem Hineingehen in die alten, vertrauten Weihnachtslieder, aus dem Hören der Weihnachtsgeschichte, in der Auslegung dieses oder eines anderen Schlüsseltextes. Und es gibt ein Gebet und das Vaterunser. Aber die Gottesdienste folgen keinem engen liturgischen System. Der Weihnachtsgottesdienst eignet sich nicht für das Einführen in die Liturgie. Am ersten oder zweiten Weihnachtstag kann das anders sein. Weihnachten, besonders der 24., hat ein besonderes Publikum. Da braucht es große Berührungsflächen mit eigenen, selbst erfahrenen Geschehnissen um Kirche und Weihnacht.


Predigtpreis: Ist es ein Glück für die Kirche, dass die Gottesdienste an Heiligabend überfüllt sind und die Menschen mit massiven Erwartungen kommen?


Meister: Natürlich ist es ein Glück, ein wunderbares Geschenk, dass Menschen am Heiligen Abend sagen: Kirche gehört dazu, damit es Weihnachten wird. Sie hören die Geschichte und ihre Auslegung, sie singen die Lieder. Sie kommen mit dem Geschehen in Berührung, dass Gott Mensch wird. Sie beten, sie sprechen zu Gott. Das macht mich glücklich.


Predigtpreis: Ist die Kirche nicht damit überfordert, zur guten Stimmung beitragen zu müssen?



Meister: Nein. Es stimmt, dass die Menschen eine Erwartung mitbringen. Aber die Erwartung Gottes ist viel größer. Und er kommt den Menschen entgegen. Die Kirche formuliert zu Weihnachten die wunderbarste Begrüßung Gottes an die Welt: Hier bin ich, mitten unter euch. Mehr gibt es nicht zu tun als diese Begrüßung sichtbar, hörbar zu machen. Und diese Begrüßung springt unmittelbar über. Die Kirche kann sich diesem Auftrag nicht entziehen. Und sie wird ihm immer gerecht werden, wenn sie ihm so nachkommt, wie Christus es selbst getan hat. Ich sehe da gar keine Belastung. Viele Pastoren empfinden es genauso: es ist für sie ein großes Geschenk, an Weihnachten Gottesdienst zu gestalten. Auch nach 20 Jahren bewegt mich der Weihnachtsgottesdienst immer noch am meisten: Er rührt mich an, weil er eine so tief empfundene Begegnung mit Gott und den Menschen bedeutet, wie es sonst kaum vorkommt.


Predigtpreis: Sitzt ein Bischof noch unter Kanzeln und hört Predigten



Meister: Leider zu selten. Predigten zu hören hat mir viele Anregungen gegeben. In jedem Gottesdienst, den ich als Teilnehmer erlebe, entdecke ich Nachdenkenswertes, auch in den Abläufen und Ordnungen, den Bewegungen der Liturgen. Das fehlt mir. Ich musste eine Zeitlang in Prüfungen Predigten "abnehmen", also hören, kritisch prüfen und bewerten. Jetzt kann ich die Gelegenheiten an einer Hand abzählen, an denen ich Predigten höre. Wenn der Bischof kommt, soll er predigen, Sonntag für Sonntag.



Predigtpreis: Worüber würden Sie gern eine Predigt hören?




Bitte lesen Sie das vollständige Interview hier weiter


DER GASTKOMMENTAR
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Warum Prediger Bilder lieben

Peter Otten aus Köln

© Foto privat

Peter Otten, geboren 1969, ist geistlicher Leiter der Katholischen jungen Gemeinde im Erzbistum Köln. Der Theologe arbeitet für den ARD-Hörfunk und verschiedene Zeitschriften, unter anderem für „Publik-Forum“. Im Januar 2013 erscheint im Gütersloher Verlagshaus sein aktuelles Buch „Bibel reloaded“. Außerdem ist er Autor des Blogs „Theosalon“.

von Peter Otten


Vor ein paar Tagen habe ich mit Jugendlichen einen Gottesdienst gefeiert. „Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen“, lautete der Text des Tages bei Lukas, „und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.“ In der Vorbereitungsgruppe hatten wir uns gefragt, wie man die apokalyptischen Endzeitbilder, die Lukas verwendet, wohl für ein heutiges Publikum verständlich machen, übersetzen könnte. Also sammelten wir. „Mir wird der Boden unter den Füßen weggezogen“, fanden manche, „etwas zerbricht in mir“, oder „mein Fundament zerbricht“. Dann beschrieben wir Situationen, die für junge Menschen apokalyptisch werden können: Eine innere Emigration, die in eine Depression führt. Die Ökonomisierung der Schul- und Freizeit, die überfordert. Eine Generation von jungen Menschen in Spanien oder Griechenland, die keine Arbeit findet und von anderen Europäern verspottet, beschimpft und gemobbt wird. Diese Geschichten – bestehend aus Ellipsen und gestammelten Worten - wurden im Gottesdienst in sehr kurzen Monologen vorgetragen. Dazu ließ jeder Sprecher mit lautem Geschepper einen Teller auf dem Boden zerbrechen. Als zum Schluss die Situation arbeitsloser Jugendlicher vorgetragen wurde, zerbrach gleich ein ganzer Tellerstoß . Zurück blieb nichts als ein Haufen Scherben. Über den später der Priester stieg, um das Evangelium zu lesen und darüber zu sprechen, in dem es ja auch heißt: „Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.“

Ich mag Bilder. Wie diesen knirschenden Scherbenhaufen. Vor allem deswegen mag ich die Bibel, denn sie ist voll davon: Schätze in Äckern, Ähren auf Feldern, verlegte Perlen, Lichter unter Scheffeln, Dämonen in Schweinen, Witwen an Opferkästen. Ein Kind in einer Futterkiste. Ich mag Bilder: Wie oft schon stand ich staunend und, ja, sagen wir ruhig: ergriffen im Kölner Diözesanmuseum vor der Munitionskiste von Joseph Beuys, an die eine vertrocknete und entästete Fichte angelehnt ist - ein Bild, das auch „ohne Titel“ so viel sagen kann über diese absurde Hoffnung jenseits aller Hoffnung, die aus dieser Kreuz/Weihnachtsbaum-Ikone spricht. Habe mir wieder und wieder eine Szene aus dem Dokumentarfilm „Young@Heart“ angeschaut: Wenn der sterbenskranke Fred Knittle auf die Bühne tritt, mit Klappstuhl und Sauerstoffgerät, das alle paar Sekunden wie ein Metronom zischend Luft in seine Nase bläst. Während er mit einer müden Johnny-Cash-Stimme den Coldplay-Klassiker „Fix you“ intoniert, der so geht:

„Lichter werden dich nach Hause führen
und deine Knochen werden Feuer fangen,
und ich werde versuchen, dich zu heilen.“

Den vollständigen Beitrag lesen Sie hier

PREDIGT DES MONATS
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Predigt zum Thema „Gott-Inkognito“

von Dr. Ulrich Engel OP

ausgezeichnet mit dem Predigtpreis 2004

„Lieber Gott, lass mich jetzt hier nicht feierlich werden. Amen“ – mit diesem Stoßgebet beginnt der Schriftsteller Adolf Muschg seine „Geschichtenweihnacht“. Ich möchte mir den Satz zueigen machen; das heißt: nicht zu feierlich soll es heute Abend zugehen! Und um diesem meinem guten Vorsatz treu zu bleiben, habe ich einen prominenten ‚Aufpasser’ mitgebracht; er soll meine Predigt begleiten.

Ich stelle Ihnen vor: Heinrich Böll. Böll (1917-1985) war eine schillernde Figur: Kölner mit Haut und Haaren, aus der Kirche ausgetretener Katholik, humanistischer Schriftsteller, politischer Querkopf, geehrter Nobelpreisträger, pazifistischer Überzeugungstäter; von kirchlichen Kreisen als Nestbeschmutzer angefeindet, der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verdächtigt, ordnungsgemäß und katholisch beerdigt in Merten in der Nähe unseres Klosters Walberberg.

Oftmals während meines Studiums bin ich zu seinem Grab gegangen, über die Felder führte der Weg und durch die kleinen Straßen der typischen Vorgebirgsdörfer. Ich habe seine mit buntbemalten Steinen geschmückte Grabstelle besucht, weil mich dieser Mann als Schriftsteller faszinierte und immer noch fasziniert. Vor allem aber: Böll hat etwas ganz zentrales von unserem Glauben verstanden, das uns kirchlichen Insidern oftmals abhanden gekommen ist. Dieses ‚etwas’ möchte ich bezeichnen als das menschgewordene Inkognito Gottes.

Ein Beispiel: 1961 verfasste Böll das Drehbuch zu einem Fernsehfilm über Irland. An einer Stelle wird eine Kneipenszene gezeigt. Zu dieser Szene schrieb Böll folgenden Text: „Wo (wie in Irland) kein Wein wächst, [wo] importierter Wein seine Blume verliert, wo die Aufklärung kein Publikum fand, da dürfen die Heiligen sich Christus als Biertrinker vorstellen.“(1)

Und Böll kommentiert seinen Text so: „Sicher wird manch römischer Kragen platzen angesichts der wilden Vorstellung, Bier könne ‚sakramentsfähig’ sein und als Ewigkeitsgetränk zulässig.“(2)

Aber Obacht: Verurteilen wir diese Äußerung nicht vorschnell als Blasphemie oder gar als die gotteslästerliche Spinnerei eines ehrfurchtslosen Gesellen! Immerhin kann sich Böll an dieser Stelle auf eine leibhaftige Heilige berufen. Im 5. Jahrhundert lebte die in Irland: Brigida von Kildare ist ihr Name. Verehrt wird sie als Patronin Irlands, der Kühe und der Wöchnerinnen.(3)

Und dieser heiligen Nonne wird das folgende Gedicht zugeschrieben:
„Ich möchte die Männer des Himmels
bei mir zu Gast haben
und große Fässer voll Fröhlichkeit
ihnen kredenzen.
Sie sollen lustig sein beim Trinken,
auch Jesus soll mit ihnen
bei mir hier zu Gast sein.
Einen großen See von Bier
will ich bereit haben für den König der Könige.
Ich möchte die heilige Familie
trinken sehen in alle Ewigkeit.“(4)

Sie merken: Böll findet sich in gar nicht so schlechter Gesellschaft; und eine heilige Nonne ist wohl kaum der Blasphemie zu verdächtigen. Zugegeben, die Vorstellung von der Heiligen Familie, die per omina saecula saeculorum – in alle Ewigkeit(5) weiter trinkt, entspricht nicht unbedingt unseren vertrauten Weihnachts- und Krippenbildern. Aber das hatte ich Ihnen ja zu Beginn meiner Predigt versprochen: Es soll heute nicht gar so feierlich werden!

Hier lesen Sie die vollständige Predigt

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Die Auszeichnung des PREDIGTPREISES
„Sehnsucht nach Befreiung“
SURFTIPP
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PREDIGTPREIS-Surftipps:










von Stephan Bolzenius


Weihnachtsmannfreie Zone
Dies ist eine Aktion des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken e.V., dem Diasporahilfswerk der Katholiken Deutschlands. Sie wurde im Jahr 2002 ins Leben gerufen und möchte mit dieser Internetseite aktiv dabei dazu beitragen, den heiligen Nikolaus in der Gesellschaft wieder in den Vordergrund zu stellen und einer Verwechslung mit der populären Kunstfigur des Weihnachtsmannes entgegen zu wirken. Auf der Websitefindet man verschiedene Materialien wie CDs, Aufkleber oder auch Kinderbücher. Zudem kann man sich einen Kurzfilm ansehen, der einen kleinen Überblick über die Aktion geben soll.

http://www.weihnachtsmannfreie-zone.de



Der Film zeigt Sieger Köder, völlig versunken und ganz konzentriert bei der Arbeit, er fängt die spärlichen Unterhaltungen ein und dabei kommt Herrn Köders versteckter Humor glänzend zum Vorschein. Der Film soll in Deutschland, in Teilen der Schweiz und in Österreich in Filmkunstkinos, Kommunalen Kinos und in Gemeindehäusern zu sehen sein. Daher folgende Bitte an die Besucher der Seite: Vielleicht kennt ja jemand aus Ihrem Bekanntenkreis einen Kinobesitzer in Ihrer Stadt, und macht ihn auf den Film aufmerksam. Für Leute, die auf dem Land wohnen gibt es immer noch die Möglichkeit den Film im Gemeindehaus vorzuführen.

http://sieger-koeder-film.de/der-film/



Familien234.de
ist ein Projekt des Erzbistums Köln. Auf dieser Seite stehen Fragen im Vordergrund wie "Wohin fliegt der Christi an Himmelfahrt?" oder "Wer geht wem an Pfingsten auf den Geist?" Das Projekt 'Ein Jahr im Leben von Familien' ist ein Projekt für große und kleine Menschen, die gerne mit anderen gemeinsam Feste feiern möchten.

Die Zielgruppe der Aktion sind große und kleine Menschen, die es stört, dass der Osterhase schon ab Aschermittwoch durch die Fastenzeit hoppelt und die außerdem dem Sinn christlicher Feiertage auf die Spur kommen möchten.

http://www.familien234.de/index2.php

KUNST UND PREDIGT
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Altartücher mit Symbolen der Schöpfung

Sonja Weber - Altartücher  

Sonja Weber (Antependien) und Dr. Uwe Vetter (Text)

Violett ist die Farbe der Adventszeit, der Passi- onswochen und des Buß- und Bettags. Das ist erstaunlich, in der Bibel gibt es nämlich kein eigenes Wort für Violett! Aber der Regenbogen kennt diesen Farbton zwischen blau und rot. Im Orient gewinnt man ihn aus dem Sekret der Purpurschnecken, und je nach dem Verdünnungsgrad entstehen aus einem einzigen Rohstoff ein Rosa oder ein Scharlachrot, ein Grün oder rot schimmerndes Schwarz, und eben das Violett. Vier der fünf liturgischen Farben stammen aus einer Quelle.

Sie stehen dem Weiß, der 'Farbe' des Christuslichts, gegenüber und treten erst unter diesem Licht aus dem grauen Einerlei heraus. Strenggenommen hat erst das 16.Jahrhundert die Zuordnungen der liturgischen Farben zu den Jahresfestzeiten vorgenommen. Doch sie enthalten uralte biblische Farbgeschichten. Das Zelt der Begegnung, das tragbare Heiligtum der Wüstenwanderung, war in den Purpurtönen blau und rot gefärbt, um farblich den Unterschied zwischen profan und heilig zu markieren.

König Salomo ließ zum Bau des ersten Tempels nach einem Kunsthandwerker suchen, „der mit blauem Purpur arbeiten kann“. Violett, das Kind von blau und rot, ist die Farbe der Gottesannäherung. Das violette Antependium in der Johanneskirche zeigt Muster, wie versickernde Wasserläufe sie hinterlassen. Wie Meer bei Ebbe im Sand fligrane Furchen hinterlässt, zeichnen sich Linien ab, die sich in den Altarraum öffnen. Das Wogen und Rauschen ist verebbt, alles wirkt still. In die Antependium. violett. fachen Senken duckt sich der Schatten eines Lichts, das an die frühste Morgenstunde erinnert.

Das Nachtschwarz hebt sich, das Morgenrot beginnt als Dämmerblau, und violett färbt sich die Zeit vor Tagesanbruch. So muss Mose das Farbenspiel jener vierzig Nächte und Tage miterlebt haben, als er sich hoch oben auf dem Berge Sinai auf die Offenbarung der Zehn Gebote vorbereitete. Violett mag sich das erste Morgendämmern aus der Nacht gelöst haben, als Jesus für vierzig Tage und Nächte in der Wüste fastete, um in der Lautlosigkeit ein Gehör für die Stimme Gottes zu entwickeln. – Es hatte also einen biblischen Grund, dass die Kirche die Farbe violett für die Bußzeiten wählte.

Die Adventswochen und die Fastentage vor Ostern haben etwas von Rückzug, Stille und Verharren, bevor wieder etwas Neu- es, Kraftvolles heranbrandet. Die Bußzeiten des Kirchenjahrs rufen auf, sich zurück zu nehmen und in sich und in seiner Lebenswelt Raum zu schaffen für etwas, das neu beginnt. Bußzeiten sind Zeiten des Verzichts, um hervortreten zu lassen, was zu andern Zeiten von profanen Dingen überfutet wird.

(Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Dr. Uwe Vetter, Johanneskirche, Düsseldorf)

Weitere Altartücher von Sonja Weber sehen Sie hier

 

Buchtipp
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Christliche Theologie im Horizont der Einen Welt

Jesu Tod und unser Leben

© Verlag F. Pustet

Erscheinungsdatum: 09.2012
248 Seiten | 23,3 x 15,7 cm
Paperback 978-3-7917-2462-1
24,95 EUR (inkl. 7 % MWSt.)

 

von Dr. theol., Dr. phil., Claude Ozankom,

Professor für Fundamentaltheologie, Religionsphilosophie und Theologie der Religionen an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

In seinem neuen Buch geht Claude Ozankom den Auswirkungen der Globalisierung, insbesondere im multikulturellen und interreligiösen Kontext, nach.

Das stelle die Theologie und Kirche der Gegenwart u.a. vor besondere Herausforderungen in der Begegnung mit anderen Religionen.

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