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Editorial

Wie ökumenisch wird der neue Papst?

Lieber Leser, liebe Leserin,


wer wird neuer Papst? Und wie wird er die Schwerpunkte setzen? Wie wird er das Verhältnis zu anderen Kirchen gestalten, und welchen Stellenwert wird es bei ihm bekommen? Diese Frage beschäftigt die Kirchen, die Medien und die Öffentlichkeit zwischen diesem und dem nächsten Newsletter. Der zurückgetretene Papst Benedikt XVI. hatte die Ökumene zu den Schwerpunkten seiner Amtszeit gerechnet. Doch er hat die Frage danach dialektisch zugespitzt. Auf der einen Seite führte er Gespräche und suchte Kontakt mit den anderen christlichen Konfessionen. So hat der Vatikan 2011 mit dem Weltkirchenrat und der Weltweiten Evangelischen Allianz einen Verhaltenskodex für missionarisches Engagement (hier auf der Seite des Vatikans) verabschiedet. Benedikt hat für eine „Ökumene des Gebets“ geworben und darin – ganz modern - ein Christentum der persönlichen Entscheidung vertreten. Damit vertiefte er auch die Freundschaft zu evangelikalen Theologen, die er seit den Zeiten der Stundentenunruhen von 1968 pflegte.
Auf der anderen Seite stand er für den Kurs, den der frühere Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, Wolfgang Huber, als „Ökumene der Profile“ eingestuft hat. Im Bemühen, die Einheit der katholischen Kirche zu bewahren, setzte Benedikt auf eine Rekatholisierung aus frühen Quellen und eine starke Zentralmacht in Rom. Damit zog er eine theologische Konsequenz aus seiner Überzeugung, dass die Zeit von einem geistigen Verfall geprägt sei. Da blieb nur die Möglichkeit, die Kompetenz in Rom zu konzentrieren, um sich gegen die Auflösungstendenzen zu stemmen. Der Protestantismus, der die Einheit der Kirche gesprengt hatte, erhielt bei Benedikt die Rolle dessen, der für den Verfall mitverantwortlich ist. So hat er es in seiner Vorlesung über Glauben und Vernunft 2006 an der Regensburger Universität gesagt. Noch seine letzte offizielle Begegnung mit Protestanten im September 2011 im Erfurter Augustinerkloster spiegelte Freundschaft und Distanz zugleich wider. Er kam ins heute evangelische Kloster und würdigte Martin Luther als Gottsucher. Aber im Gottesdienst lehnte er ökumenische Gespräche ab – mit einem Argument aus der Enzyklika „Mortalium Animos“ aus dem Jahr 1928, die jedes Engagement in der damals jungen ökumenischen Bewegung verbot.
Die Konsequenzen aus den Reden, die sein Pontifikat prägten, hatte er schon als Präfekt der Glaubenskongregation gezogen. Er verhinderte die Unterschrift unter die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre im Jahr 1999. Das Dokument, das ohne Konsequenzen blieb, wurde damit zum Scheitelpunkt der evangelisch-katholischen Ökumene. Zwei Jahre später band der Vatikan Bibelübersetzungen und andere liturgische Veröffentlichungen an die Zustimmung des Vatikans. Die Instruktion dazu enthielt ökumenekritische Sätze wie etwa die Warnung davor, einen Wortschatz oder Stil zu wählen, „die das katholische Volk mit dem Sprachgebrauch nichtkatholischer kirchlicher Gemeinschaften oder anderer Religionen verwechseln könnte". Im Zweifelsfall sollte die Vulgata, also die lateinische Bibelübersetzung, als Maßstab dienen. Aufgrund solcher Vorgaben stieg die evangelische Kirche 2005 aus der Revision der Einheitsübersetzung der Bibel aus. Für sie war und ist es undenkbar, dass Rom und dass die katholische Tradition das letzte Wort über eine Bibelübersetzung sprechen. Auch katholische Theologen haben den römischen Zentralismus im Blick auf Übersetzungen kritisiert. Der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann sprach im vergangenen Oktober von einem Einbruch Roms ins Liturgierecht, den man sich eigentlich nicht gefallen lassen dürfe. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“ forderte der Theologe Thomas Söding (ein Mitglied der internationalen Theologenkommission des Vatikans) einen „Aufstand der Exegeten“. Anderenfalls werde die Ökumene der Bibelübersetzung ohne die beiden Kirchen stattfinden. Dann entscheide der Wettbewerb darüber, welche Bibel die Gläubigen läsen.

Die Ökumene ist nicht von ungefähr bei der Heiligen Schrift, ihrer Übersetzung und ihrer Auslegung am weitesten gediehen. Die Bibelexegese kennt keine Konfessionsgrenzen. In Kommentaren und Lexika werden die Autoren nach Kompetenz und nicht nach Konfession ausgewählt. Und jedes Übersetzungs- und Revisionsprojekt der Bibel hat mindestens Gäste der anderen Konfession. Jeder Theologe auf der Welt, der die Bibel in den Grundsprachen Griechisch und Hebräisch liest, greift auf Ausgaben aus dem Institut für Neutestamentliche Textforschung in Münster zurück. Es gehört zur evangelischen Fakultät. Aber das hat noch für keine Konfession je eine Rolle gespielt. Die Bibel ist die Bibel.

Unser Thema, die Predigt, hängt direkt und unmittelbar von dieser Ökumene der Bibel ab. Jede und jeder, der Predigten vorbereitet, greift auf Kommentare und andere Literatur zurück, die in ökumenischer Bemühung um das Verständnis der Bibel entstanden sind. Daher haben Predigerinnen und Prediger ein Interesse an der Ökumene – und an einem Papst, der sie ungeteilt unterstützt. Das andere Anliegen Benedikts, dass nämlich die Ökumene aus dem Gebet und dem Leben mit der Bibel erwächst, teilen Predigerinnen und Prediger aus tiefstem Herzen.

Herzlich

Ihr

Wolfgang Thielmann
Jurymitglied des PREDIGTPREISES

Aktuelle Themen:

Weltgebetstag der Frauen 2013
Werner Thissen:„Bei mancher Predigt wünschte ich mir Widerspruch“
Gastkommentar: Mission geht nur gemeinsam
Predigt des Monats: „Predigt über Markus 1, 12-15“
Surftipps: Online Glauben, Vernetzung von Religionspädagogen, Bildimpuls
Kunst und Predigt: WIE VIELE BROTE HABT IHR?
Buchtipp: flirten mit Gott

Predigende Bilder

Briefumschlag

© Walter Starzmann

Der kleine Christus von Erpfenhausen

Eine Meditation von Walter Starzmann

Der Christus von Erpfenhausen hat keine Hände, keine Füße mehr.

Sie sind ihm irgendwann abhanden gekommen. Wie und wann weiß niemand. Der Restaurator vom Württ. Landesmuseum meint die Christusfigur von Erpfenhausen hat jemand ein Leben lang in der Hosentasche herumgetragen. So haben sich die Hände und Füße abgenutzt. Vielleicht sind es über die Jahrhunderte auch mehrere Menschen gewesen. Ich habe eine Replik auch mal eingesteckt über mehrere Tage. Es hat was! 75 Figuren davon hab ich bearbeitet, abgefeilt, gespritzt…eine wunderschöne Arbeit.

Sich versenken in das Bild Jesu Christi!

Jeder sollte es einmal tun.

Jeder sollte das Gewicht der Figur in seiner Tasche spüren.

Christus neben meinen Taschentüchern und meinem Geldbeutel.

Der Gekreuzigte in meiner Hand, an meinem Körper!

Gott ganz nahe.

Das Heil aller Menschen, fühlbar, spürbar….. Gott in meiner Hand.

Jesus mir ausgeliefert, klein und unscheinbar.

Aber.

Er stirbt damit ich ewig lebe.

Er bleibt bei mir auch im Tod.

Nicht er gehört mir – ich gehöre ihm.

So wird alles gut.

Diese Meditation sandte uns Dekanin Gerlinde Hühn Eine Predigt von Gerlinde Hühn lesen Sie hier.


Sprechende, „predigende“ Bilder – teilen Sie Ihr eindruckvollstes Foto mit uns. Schicken Sie uns bitte eine E-Mail mit dem Betreff „Predigtfoto“. Fügen Sie Ihr Foto(s) bei mit einem kurzen Begleittext und Ihrer Adresse an predigtfoto@nl.predigtpreis.de.

Ökumene
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Weltgebetstag der Frauen 2013

Weltgebetstag der Frauen 2013

WGT e.V.

Ich war fremd – ihr habt mich aufgenommen; Anne-Lise Hammann Jeannot

In diesem Jahr wurde die Gottesdienstordnung des internationalen „Weltgebetstag der Frauen“ von Christinnen aus Frankreich verfasst. Unter dem Motto „Ich war fremd - ihr habt mich aufgenommen“ werden sich Kirchengemeinden verschiedener Konfessionen in Deutschland mit der Situation im Nachbarland auseinandersetzen.

In Frankreich ist die strikte Trennung von Staat und Religion in der Verfassung verankert. Das Land ist seit 1905 ein Modell für einen laizistischen Staat. Laut Statistiken zufolge sind 50 bis 80 Prozent der Bevölkerung römisch-katholisch.

Aktionen und Gottesdienste jetzt planen!

Der Weltgebetstag findet traditionell am ersten Freitag im März statt. Weltweit nehmen 170 Länder daran teil. Die Projektarbeit des Weltgebetstags finanziert sich aus der jährlichen Kollekte der Gottesdienste. Es gibt Projekte in Afrika, Asien, Lateinamerika, im Pazifik und in Europa. Seit 1975 hat das Deutsche Weltgebetstag-Komitee fast 6.000 Projekte in rund 150 Ländern mit mehr als 61 Millionen Euro unterstützt.

Engagement für Gerechtigkeit – Informiert beten – betend handeln ist das Motto der Weltgebetstags-Bewegung. Es bedeutet, dass die Feier des Weltgebetstags-Gottesdienstes und das Engagement für Gerechtigkeit und Frauensolidarität untrennbar zusammengehören. Das zeigt sich ganz konkret in der weltweiten Förderung von Frauenprojekten. Dafür wird der Großteil der Kollekte eingesetzt, die bei den Weltgebetstags-Gottesdiensten in Deutschland jedes Jahr am ersten Freitag im März zusammenkommt.

Füreinander einstehen!

Solidarisch teilen!

Einander auf Augenhöhe begegnen!

Respekt vor der jeweils anderen Kultur haben!

Das sind die Ziele, für die sich das Deutsche Weltgebetstags-Komitee als Teil der weltweiten ökumenischen Frauenbewegung im gesellschaftlichen Zusammenleben engagiert!

Die Projektarbeit des Weltgebetstags (WGT) finanziert sich ausschließlich aus der jährlichen Kollekte der WGT-Gottesdienste. Unterstützt werden Projekte in Afrika, Asien, Lateinamerika, im Pazifik und in Europa. Projekte aus dem Land, aus dem die jeweilige WGT-Gottesdienstordnung kommt, werden besonders berücksichtigt.

Informationen zum Mitmachen unter:
www.weltgebetstag.de


Ralf Birkner, Dipl.- Theologe
Theologischer Berater des PREDIGTPREISES
Das Interview
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„Bei mancher Predigt wünschte ich mir Widerspruch“

Werner Thissen

Foto: privat

Werner Thissen ist seit 2002 Erzbischof von Hamburg und Metropolit der Norddeutschen Kirchenprovinz, zu der auch die Bistümer Hildesheim und Osnabrück gehören. Davor war Thissen, der in Kleve am Niederrhein geboren und aufgewachsen ist, Weihbischof in Münster. Bei der Deutschen Bischofskonferenz leitet er die Unterkommission für das Hilfswerk Misereor.
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Interview mit dem Hamburger Erzbischof Werner Thissen



Predigtpreis: Herr Erzbischof Thissen, welche Anforderungen würden Sie in die Stellenanzeige für den nächsten Papst schreiben?


Erzbischof Werner Thissen: Niemand kann alles gleich gut. Ich finde es schön, dass gerade die beiden letzten Päpste unterschiedliche Persönlichkeiten waren. Zu Beginn der letzten Papstwahl 2005 habe ich mir etwas Sorgen gemacht: Hoffentlich kommt keiner, der den gerade verstorbenen Johannes Paul II. kopieren will. Doch Benedikt XVI. hat das Amt völlig anders ausgefüllt. Es tut der katholischen Kirche gut, wenn sich nicht immer dieselben Persönlichkeitsprofile an der Spitze finden.


Predigtpreis: Wird der Rücktritt, wie manche vermuten, die katholischen Kirchenämter stärker funktional prägen? Bisher redet man vom Heiligen Vater, und ein Vater kann nicht zurücktreten.



Thissen: Es ist ein richtiges Empfinden, dass das Amt auch ein Seinsverhalten hat. Es geht nicht in der Funktion auf. Aber zu ihm gehören auch Funktionen. Beim Papst sind es so viele und so fordernde, dass er an seine Grenzen kommen kann. Ich finde es beachtlich, dass Papst Benedikt die Kraft hatte, zurückzutreten. Es zeigt Souveränität.


Predigtpreis: Man hat mitunter gesagt, der Papst habe etwas geradezu Protestantisches in seiner Amtsführung, etwa sein Konzept, die Kirche zu leiten durch die Auslegung der Bibel, durch Predigten und Katechesen. Zu Recht?


Thissen: Seine Predigten und Ansprachen werden zu den Langzeitwirkungen seines Pontifikates gehören. Ich selber zitiere daraus oft und gern. In vielen steckt tiefer Gehalt, den Benedikt in der jeweils aktuellen Rede gar nicht ausführen konnte. Sie zeigen einen Gedankenreichtum, der noch lange nachwirken wird und aus dem noch Manches zu schöpfen sein wird.


Predigtpreis: Der Papst hat ein Lehramt, und in Gemeinschaft mit ihm übt es jeder Bischof aus. Wie üben Sie das Lehramt aus?


Thissen: Indem ich die katholische Glaubenslehre verkündige. Ich muss gestehen, dass mich diese Frage überrascht. Im Grunde ist das für mich etwas Selbstverständliches.


Predigtpreis: Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ein Lehramt funktioniert, weil es an bestimmte Ämter und damit Personen gebunden ist. Kann ein Bischof sagen, was richtig ist? Muss er dazu nicht mindestens ein überragender Theologe sein?



Thissen: Ja, das muss er sein. Und wenn er es selbst nicht ist - keiner hat alle Begabungen -, dann muss er Theologen um sich haben, mit denen er sich bespricht. Denn das Lehramt ist in der Tat ganz fundamental eine Frage der Theologie.


Predigtpreis: Welchen Stellenwert haben dabei Predigten?


Thissen: Jeder, der predigt und damit am Lehramt teilnimmt, hat den Menschen die Botschaft des Evangeliums vorzulegen - so, dass sie zustimmen können. Seine Predigt muss natürlich in Übereinstimmung stehen mit den Aussagen des allgemeinen Lehramtes in der Kirche. Aber jeder Prediger soll auch seine individuellen Fähigkeiten nutzen, wenn er anderen den Glauben anbietet.


Predigtpreis: Es gab in der letzten Zeit mehrere Talkshows, die sich mit Kirchen befassten. Und manche Bischöfe mussten dort heftigen Widerspruch über sich ergehen lassen. Offensichtlich sind manche das nicht gewohnt. Braucht das Lehramt den geschützten Raum der Kirche?



Thissen: Der Auftrag lautet, das Wort zu verkündigen, ob gelegen oder ungelegen. Das gilt innerhalb des Kirchenraums und außerhalb. Und es hat ganz unterschiedliche Formate gefunden. Das zeigt sich etwa auch bei Papstaudienzen. Sie geschehen in der Öffentlichkeit. Oder wenn ich in Hamburg auf der Mönckebergstraße stehe und fair gehandelten Kaffee anbiete. Auch das enthält einen Aspekt des Evangeliums: Es geht um die Sorge für die Armen im Süden.


Predigtpreis: Sie sagten eben: Die Menschen müssen der Botschaft Gottes zustimmen können. Müsste die katholische Kirche nicht ganz anders um Akzeptanz werben, ihre Botschaft erklären und ihre Positionen begründen? Und möglicherweisen überprüfen? Reicht der Hinweis, bestimmte Lehren seien ihr nun einmal offenbart worden?



Thissen: Die Ansichten in unserer Gesellschaft verändern sich sehr stark. Das betrifft auch kirchliche und christliche Überzeugungen. In der Tat müssen wir prüfen, was unaufgebbar ist und wo Veränderungen möglich sind. Aber das ist eigentlich nichts Neues. In der Kirchengeschichte hat es das immer gegeben. Ich vermute, dass der Wandel heute nicht einmal besonders stark ist im Vergleich zu früheren Jahrhunderten. Anders ist nur, dass heute öffentlich darüber diskutiert wird, dass man alles sofort nachlesen kann. Daher beteiligen sich alle am Diskurs. Aber darin liegt auch eine Chance.

Predigtpreis: Welche? Hätten Sie es gern, dass man Ihnen widerspricht?


Bitte lesen Sie das vollständige Interview hier weiter


DER GASTKOMMENTAR
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Mission geht nur gemeinsam

Benjamin Lassiwe

© Foto privat

Benjamin Lassiwe ist freier Journalist und lebt in Berlin.

von Benjamin Lassiwe


Noch vor ein paar Jahren hätte niemand in der deutschen Kirchenlandschaft mit so einer Veranstaltung gerechnet: Auf einem dreitägigen Zukunftskongress informierten sich in dieser Woche mehr als 1000 Multiplikatoren aus der evangelischen hannoverschen Landeskirche und dem katholischen Bistum Hildesheim über neue Modelle der Gemeindearbeit, über Wachstumsperspektiven und missionarische Erfolgsgeschichten. Ökumene – das wäre damals die immer leidigere Frage nach dem gemeinsamen Abendmahl gewesen, gut gewürzt mit den Themen Zölibat und Frauenpriestertum, und das alles durch den Mixer gequirlt mit den Rechten der Indios in Guatemala. Alles wichtige Themen, zweifellos.

Aber dass man sich gemeinsam Gedanken über die Zukunft der Ortsgemeinden macht, von Best Practice-Modellen lernen will und die praktische Gemeindearbeit vor Ort zum Schwerpunktthema eines mehrtägigen Kongresses wird, ist neu. Und gut. Und richtig. Denn die Kirchen hierzulande haben ähnliche Probleme, von denen das größte und wichtigste die demographische Entwicklung ist. Die Gemeindeglieder sterben weg, die Kirchenbänke werden immer leerer. Wirklich volkskirchliche Verhältnisse gibt es vielleicht noch in Oberbayern, in der katholischen Sorbei oder in Ostfriesland, kurz: An den ländlich geprägten Rändern dieser Republik. Umso nötiger ist es, dass kreative Modelle der Gemeindeentwicklung Allgemeingut werden. Waren es früher lediglich die „üblich verdächtigen Frommen“, Evangelikale, Pietisten und Anhänger des Neokatechumenalen Wegs, die sich Gedanken um die Volksmission machten, waren also Veranstaltungen wie die Kölner Missionale reine Spartenprogramme für die, die sich sowieso schon immer mit den Themen Mission und Evangelisation beschäftigen, breitet sich das Thema nun unaufhaltsam aus. Und zwar in beiden großen Kirchen. Beide haben zum Teil ganz ähnliche Möglichkeiten parallel entwickelt. „Nur bei ganz wenigen Ideen hatte ich das Gefühl, dass das bei uns nicht gehen würde“, sagte ein engagierter katholischer Pfarrer aus Münster zur Frage, was sein Eindruck von den protestantischen Best Practice-Modellen ist.

Und das ist gut so. Denn schon längst können die Menschen nicht mehr zwischen Rom und Wittenberg, zwischen Evangelisch und Katholisch unterscheiden. Eine niedersächsische Pastorin sagte während des Kongresses, immer wieder würden sich Gemeindeglieder bei ihr über Äußerungen des Papstes beschweren, in der irrigen Annahme, dass auch die evangelische Kirche irgendwie mit dem Bischof von Rom verbunden sei. Theologisch ausgedrückt heißt das: Der Leib Christi hat viele Glieder. Leidet ein Glied, leiden die anderen mit. Keine Kirche kann Missionsarbeit künftig noch für sich allein gestalten. Klingeln nervige Bibelverteiler an der Haustür, macht der Wohnungsinhaber auch die Gemeinde von gegenüber dafür verantwortlich – selbst wenn in Wirklichkeit irgendein selbsternannter Missionar und Hobbyprediger aus dem Westerwald, dem Erzgebirge oder von der Schwäbischen Alb dahinter steckt. Oder es gar die Zeugen Jehovas sind. Schon deswegen ist es sinnvoll, sich abzustimmen, Pläne und Vorhaben zu koordinieren. Nicht jede Gemeinde am Ort muss alles machen, nicht jede Konfession braucht ein echtes Vollprogramm. Aber alle müssen voneinander wissen, und sich im Fall der Fälle helfen können. Denn nur gemeinsam sind die Christen stark – in einer Ökumene der Mission.


PREDIGT DES MONATS
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Predigt über Markus 1, 12-15

von Gefängnisseelsorger Dietmar Jordan (rk)

ausgezeichnet mit der „Bronzenen Taube“ vom Predigtpreis

Wer hält uns aus?

„Glück und Glas – wie leicht bricht das.“ So sagt es ein Sprichwort. Glas ist ein empfindliches Material, mit dem man vorsichtig umgehen muss. Wie schnell gibt es da Risse, Brüche oder gar Scherben. Glas gleicht in Vielem dem zerbrechlichen Stoff unseres Lebens: Wir alle sind Menschen aus Fleisch und Blut. Jeder mit einer ganz eigenen Geschichte, mit einem ganz eigenen Lebensweg. Manchmal gelungen und schön anzusehen. Nicht selten aber auch erbärmlich, entstellt und kaputt. - „Glück und Glas – wie leicht bricht das.“ Wir alle sind Menschen aus Fleisch und Blut, keine Roboter und keine Maschinen. Und weil das so ist, sind wir alle auch zerbrechlich, verwundbar und verletzlich.

Jeder von uns trägt die Risse und Wunden seines Lebens am eigenen Leib. Jeder von uns kennt seine Bruchlandungen. Zu jedem von uns gehören auch seine Niederlagen, die Enttäuschungen und Bitterkeiten seines Lebensweges. Jeder von uns kennt oder ahnt zumindest auch seine Widersprüche, die Sackgassen und Ausweglosigkeiten seiner Persönlichkeit und seiner Geschichte.

Manchmal ist in uns und um uns ganz viel zerbrochen. Manchmal sind Gräben entstanden, die kaum zu überwinden sind. Manchmal haben sich Abgründe aufgetan, in die wir am liebsten gar nicht hineinschauen. Hier im Knast brauch´ ich das nicht weiter vertiefen.

Die spannende Frage aber ist und bleibt: Was machen wir eigentlich mit den Bruchlandungen, mit den Rissen und Wunden unseres Lebens? Müssen wir sie verdrängen? Müssen wir uns Masken zulegen, die uns schützen und so tun als ob alles gar nicht so wäre? Müssen wir unsere Scheußlichkeiten in mühsamer Anstrengung verleugnen? Müssen wir ihnen davonlaufen – solange bis uns der Atem ausgeht und wir zusammenbrechen?

Manche halten es ja mit dem Betäuben – in Drogen und Alkohol oder anderen legalen und illegalen Drogen. Da kann man sich selbst und die Welt einigermaßen ertragen. Da hat man wenigstens ein Weilchen Ruhe und eine schöne Scheinwelt.

Nicht wenige empfehlen uns heute die Psychologen, den Psychiater oder andere Therapeuten. Da heißt es: Sich stellen, alles aufarbeiten, alles aufdecken, verstehen und erklären … Das macht Sinn. Aber: bei allem Respekt: Ist der durchschaute und therapierte Mensch schon ein angenommener und geheilter?

Noch einmal: Wo bleiben wir mit dem Dreck, mit dem Dunkel und mit der Vergeblichkeit unsres Lebens? Was machen wir mit der Schuld, die wir auf uns geladen haben? Was wird mit den Widersprüchen, aus denen wir manchmal kaum noch heraus kommen? - Wer hält das aus? Wer hält mich aus – so wie ich wirklich bin? Wer hält uns aus? Wer läuft da nicht weg? Wer steht zu uns? Wer geht mit uns? Und wer bleibt bei uns – so wie wir sind?

Hier lesen Sie die vollständige Predigt

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Die Auszeichnung des PREDIGTPREISES
„Sehnsucht nach Befreiung“
SURFTIPP
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PREDIGTPREIS-Surftipps:




















von Stephan Bolzenius

Online Glauben
Inhaltlich lehnt sich die Internetseite an den seit 2010 auf dem Markt befindlichen Kurs „SPUR8“ an.
Als Nutzer kann man sich hier Schritt für Schritt durch die acht Stationen des Glaubenskurses führen lassen. Wer tiefer einsteigen möchte, findet in der Regel ausführlichere Textversionen oder sogenannte Pop-up-Fenster mit Hintergrundinformationen. Über markierte Bibelstellen gelangt man auch direkt zum Bibeltext, um den Kontext studieren oder einfach in der Bibel weiterlesen zu können. Der Online-Glaubenskurs der EKD könnte für Menschen auf Reisen oder deutsch Sprechende, die im Ausland leben, ebenso interessant sein wie für Menschen, die aufgrund ihrer Lebenssituation nicht an einem Kurs vor Ort teilnehmen können.

http://www.online-glauben.de






Vernetzung von Religionspädagogen
Die Seite wird von der Deutschen Bischofskonferenz getragen und vernetzt Religionspädagogen/-innen untereinander und mit den religionspädagogischen und katechetischen Einrichtungen in den Diözesen.
Das Portal greift die Chancen und Möglichkeiten der neuen Bildungsmedien auf, um Materialien über das Internet bereit zu stellen. Durch die Plattform soll somit der Zugang zu elektronisch verfügbaren Hilfen für die Gestaltung des Religionsunterrichts und die religiöse Bildungsarbeit erleichtert werden.

http://www.rpp-katholisch.de






Bildimpuls.de
Ist eine private und ehrenamtliche Initiative zur Glaubensverkündigung im Dialog mit der zeitgenössischen Kunst im Internet. Viele Kunstwerke besitzen das Potential, wertvolle Impulse zum christlichen Glauben zu geben - und haben die Kraft, unter die Haut zu gehen, als "Bild im Puls" uns zu bewegen. Solche Kunstwerke, vorzugsweise aus den vergangenen fünf Jahren, werden hier gezeigt. Alle zwei Wochen wird ein neues Kunstwerk vorgestellt. Eine kurze spirituelle Hinführung soll dem Betrachter helfen, das Bild in seiner Fülle zu sehen, es im Licht der Bibel zu verstehen und für den eigenen Glauben zu erschließen.

Bildimpuls kostet keinen Eintritt und ist vollkommen werbefrei. Dennoch steigen die Kosten für Datentransfer, Webspace, Sicherheit und Kommunikation. Wer die Arbeit finanziell mittragen und dadurch auch fördern will, kann dies deshalb gerne unter der Rubrik „Pro bildimpuls“ tun.

http://www.bildimpuls.de

KUNST UND PREDIGT
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WIE VIELE BROTE HABT IHR?

Das neue MISEREOR-Hungertuch 2013 / 2014

MISEREOR Hungertuch

Foto: © MISEREOR

Das MISEREOR-Hungertuch 2013/2014 „Wie viele Brote habt ihr?“ von Ejti Stih

Die Künstlerin
Ejti Stih, eine international bekannte Künstlerin aus Santa Cruz de la Sierra / Bolivien, gestaltete das MISEREOR-Hungertuch. Die Malerin wurde 1957 in Slowenien geboren. Ihr Vater Bojan Stih war einer der Begründer des slowenischen Avantgarde-Theaters, ihre Mutter ist eine bekannte Buch-Illustratorin. Sie studierte in Ljubljana „Fine Arts“ und erwarb ihren Master in Zagreb als Meisterschülerin von Prof. Krsto Hegedusic. Seit 1982 lebt und arbeitet sie in Santa Cruz de la Sierra. Nach ihrer Heirat mit dem Architekten Fernandez de Cordova erwarb sie die bolivianische Staatsbürgerschaft. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit ist sie Mitbegründerin der Non-Profit-Galerie „Manzana 1“ in Santa Cruz, sie unterrichtet Malen und Zeichnen und ist eine gefragte Illustratorin von Büchern, Magazinen, Tageszeitungen und Plakaten. Außerdem hat sie für mehr als 45 Theater- und Opernaufführungen die Kostüme und Bühnenbilder entworfen.

www.ejtistih.com
www.manzanauno.org.bo

 

Dr. Claudia Kolletzki / MISEREOR


Eine Frage

Eine alltägliche Frage ist es, die Jesus seinen Freunden stellt. Tausende von Männern, Frauen und Kindern umringen ihn seit Stunden, um ihm zuzuhören. Nun sind sie hungrig.
Wie viele Brote habt ihr? Wir kennen die Geschichte von der Brotvermehrung gut, sie ist einer der grundlegenden Texte des Christentums. Eine einfache Frage bringt die Menschen aus ihrem gewohnten Trott und zwingt zum Handeln.

Hunger haben – das kennt jeder Mensch. Ein lebensnotwendiger Reflex. Hier in Europa meinen wir damit meist ein Ziehen im Magen, das uns signalisiert: Es ist Zeit für eine Mahlzeit. Dann öffnen wir den Kühlschrank und nehmen uns etwas zum Essen heraus.

Rund 900 Millionen Menschen können das nicht tun, denn sie haben weder einen Kühlschrank noch das Geld, um die nötigsten Lebensmittel zu kaufen. Sie hungern. Sie sind nicht nur in diesem Moment hungrig, sondern sie hungern tagelang, manchmal sogar monatelang. Ein Skandal angesichts der Tatsache, dass genügend Nahrung für alle wächst und trotz steigender Weltbevölkerung niemand Mangel leiden müsste. Hunger ist Mangel. Hunger ist konkret. Hunger schmerzt. Hunger tötet. Der Kampf gegen Hunger bleibt weiter eines der zentralen Anliegen, für das MISEREOR sich mit den Armen in zahlreichen Projekten in Afrika, Asien, Lateinamerika und auf politischer Ebene intensiv einsetzt. Das neue MISEREOR-Hungertuch trägt in sich die Spannung zwischen leidvollem Mangel und verheißener Fülle für alle.


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Buchtipp
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firten mit Gott

Warum Christsein Sinnlichkeit und Leidenschaft braucht. Ein Weckruf.

Flirten mit Gott - Warum Christsein Sinnlichkeit und Leidenschaft braucht

© Verlagsgruppe Droemer Knaur

München: Pattloch 2012
geb., 90 S., € 10,00
ISBN: 978-3-629-13017-4

 

von Dr. phil. Christoph Quarch,

Philosoph, Theologe und Religionswissenschaftler; er arbeitet freiberuflich als Publizist.

„Das realexistierende Christentum steckt in einer Krise, weil es ihm an Sinnlichkeit mangelt.“

Eine Rezension von Deutschlandradio Kultur lesen Sie hier

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