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Editorial

Handyspiele im Gottesdienst?

Lieber Leser, liebe Leserin,


während der ehemalige Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt vorbereitete, war es mir vergönnt, eine Woche in Israel zu verbringen. Am Sonntag besuchte ich mit meiner Gruppe eine orthodoxe Kirche in der alten Kreuzfahrerstadt Akko in Galiläa. Ein unscheinbares Gebäude im Südwesten der Altstadt, aus dem 17. Jahrhundert, die erste orthodoxe Kirche, die unter türkischer Herrschaft in Israel gebaut wurde, auf den Ruinen eines Vorgängerbaus aus der Kreuzfahrerzeit. Sie war dem heiligen Georg geweiht, der im vierten Jahrhundert in Lydda weiter südlich gelebt und als Märtyrer gestorben sein soll.

Beim Eintreten zeigte sich, dass es ein Missverständnis gegeben hatte: Wir kamen eine Stunde zu spät zur Göttlichen Liturgie. Aber das machte nichts. Wir hatten noch drei Stunden Gottesdienst vor uns. Mittendrin wurden wir verhalten, aber herzlich begrüßt. Und setzten uns hinten in den Raum, der wie alle östlich-orthodoxen Kirchen von einer Kuppel überwölbt war. Gottesdienst wie in den ersten christlichen Jahrhunderten, manchmal mit Gesang und Rezitation hinter der Ikonostase, der Bilderwand an der Front, so dass die Gemeinde nichts sah, dann wieder erschien der Priester in der zentralen Tür. Ein geistliches Theaterstück, so wie das Leben, wo wir das Heilige oft nicht sehen, aber seine Wirkung ahnen.

Links, im bestimmt hundert Jahre alten geschnitzten Gestühl, unter den energiesparlampenbestückten Leuchtern, saßen Kinder und Jugendliche. Sie hörten den endlosen Gesängen zu und sangen nicht mit, wenn die Gemeinde dran war. Sie mussten auch nicht still sitzen, sondern konnten ab und zu herumlaufen. Die Mädchen hatten ihre Handys dabei. Zwischendurch checkten sie, was sich auf ihrer Facebook-Pinnwand tat. Mitunter ging eine Mutter auf die andere Seite der Kirche. Da stand, an einem Pfeiler gegenüber einem Ikonenschrank, ein Wasserspender. Die Mutter zapfte einen Becher und brachte ihn zu ihren Kleinen. Die Größeren konnten sich selber Wasser holen. Und während wir der Kommunion zusahen und uns nachher einen Bissen Antidoron, geweihtes Freundschaftsbrot, abholten, verfolgten die Kinder das Geschehen, wurden gesegnet, und schauten wieder ins Handy.

Nachher empfing der Priester seine Gäste im Nebenhaus. Es hieß, er habe es eigenhändig dafür ausgebaut. In einem ebenfalls überwölbten Raum, größer als die Kirche selber und vielleicht ebenso alt, kam die Gemeinde mit den Gästen des Sonntags bei Kaffee und Bonbons zusammen. Der Priester erzählte vom Zusammenleben in der mehrheitlich arabischen Stadt. Noch immer herrschte das Millet-System der früheren osmanischen Herrscher: Jede Kirche, jede Religion hat in der Gesellschaft ihr Reservat und kann nach ihren Vorstellungen leben. Neue religiöse Gruppen haben es damit schwer. Die Gemeindemitglieder grüßten den Priester ehrerbietig, und zugleich war er einer von ihnen. Dass die Kinder nach wie vor mit ihren Handys hantierten, störte ihn überhaupt nicht.

Mittelalter und Postmoderne gingen eine Symbiose ein, die Erziehung trug antiautoritäre Züge. Kinder sollten sich wohler fühlen in der Kirche. An einem Punkt aber war die Disziplin groß: Nie klingelte ein Handy im Gottesdienest oder bei der Begegnung nachher. Alle Geräte waren stumm geschaltet. Und Anrufe waren tabu.

Seit ich das gesehen habe, muss ich nachdenken, wenn bei uns in der Kirche streng darauf hingewiesen wird, die Handys auszuschalten. Und mir tun die Kinder leid, die halbe und Dreiviertelstunden still sitzen müssen, weil wir ein so intellektuell geprägtes Verständnis von Gottesdiensten haben. Vielleicht brauchen wir eine neue Kultur im Umgang mit Kindern, nachsichtiger, nur ein paar Verabredungen müssen halten.

Was denken Sie? Wir freuen uns über Ihre Meinung. Schreiben Sie uns an info@nl.predigtpreis.de.

Herzliche Grüße

Ihr

Wolfgang Thielmann
Wolfgang Thielmann
Jurymitglied des PREDIGTPREISES

Aktuelle Themen:

Die deutsche Ökumene hat einen neuen Vorsitzenden
Ulrich Fischer: „Wir brauchen unabhängige Kirchenjournalisten“
Gastkommentar: Predigten dürfen sexy sein
Aus aktuellem Anlass: „ Die Predigt des Papstes zur Amtseinführung“
Surftipps: ökum. Zeitschrift „Kunst und Kirche“, Inland Records, Gloria Musik
Kunst und Predigt: God's eye view
Veranstaltung: PREDIGTPREIS- Ausschreibung 2013
Buchtipp: Religiöse Sprachlehre

Predigende Bilder

Evang. Kirchengemeinde Eggenstein

© Evang. Kirchengemeinde Eggenstein

Predigt über Genesis 32,23-33 und über das Gedicht "Wer immer weiß..." von Erich Fried

Zweifle nicht
an dem
der dir sagt
er hat Angst
Aber hab Angst
vor dem
der dir sagt
er kennt keinen Zweifel .

(Quelle: Erich Fried, „Angst und Zweifel“ aus dem Band Gegengift von 1974)

Die Predigt von Pfr. Christoph Lang lesen Sie hier.


Sprechende, „predigende“ Bilder – teilen Sie Ihr eindruckvollstes Foto mit uns. Schicken Sie uns bitte eine E-Mail mit dem Betreff „Predigtfoto“. Fügen Sie Ihr Foto(s) bei mit einem kurzen Begleittext und Ihrer Adresse an predigtfoto@nl.predigtpreis.de.

Ökumene
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Die deutsche Ökumene hat einen neuen Vorsitzenden

Bischof Karl-Heinz Wiesemann

Bistum Speyer

Bischof Karl-Heinz Wiesemann, der neue Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland.

Der katholische Bischof Karl-Heinz Wiesemann löst seinen evangelischen Kollegen Friedrich Weber ab

Die Papstwahl hat es überdeckt: Die deutsche Ökumene, die Arbeitsgemeinschaft Christliche Kirchen (ACK), hat einen neuen Vorsitzenden. Turnusgemäß übernahm der katholische Bischof von Speyer, Karl-Heinz Wiesemann, die Leitung für die nächsten drei Jahre aus den Händen des braunschweigischen evangelischen Landesbischofs Friedrich Weber. Stellvertretende Vorsitzende sind der kurhessische Bischof Martin Hein aus Kassel und die methodistische Bischöfin Rosemarie Wenner (hier ihr Interview mit dem Predigtpreis) aus Frankfurt/Main.

Bischof Wiesemann, der neue Vorsitzende, ist 1960 im ostwestfälischen Herford geboren, einer Wiege der evangelischen Posaunenchormusik. 2002 wurde er in Paderborn zum Weihbischof geweiht und 2007 zum Bischof von Speyer ernannt. Er gehört auch zur Ökumenekommission der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und ist zugleich der katholische Jugendbischof.

Für die, die einen lebendigen Eindruck vom neuen ACK-Vorsitzenden gewinnen wollen: Meine Kollegin Christiane Florin hat Bischof Wiesemann auf dem Katholikentag 2012 in Mannheim interviewt.

Im Interview in Mannheim musste er sich die kitzlige Frage eines Katholikentagsbesuchers gefallen lassen, warum er ökumenische Gottesdienste am Sonntag vehement ablehne. Das wollte er so nicht stehen lassen. Er wies auf die gemeinsame Linie der katholischen Bischöfe, nach der die Eucharistiefeier für Katholiken den Sonntagsgottesdienst darstellt. Mit ökumenischen Gottesdiensten können Katholiken daher ihre Sonntagspflicht nicht erfüllen. Doch Wiesemann machte sich auch stark für gemeinsame Aktivitäten und Feiern beider Kirchen am Sonntag, solange sie der Eucharistie nicht in die Quere kommen. Und er stellte in Aussicht, dass die Bischöfe gemeinsam „da noch etwas bewegen“.

Die Frage berührte einen wunden Punkt zwischen den beiden großen Kirchen. Wiesemanns Vorgänger bei der ACK, der evangelische Bischof Friedrich Weber, hatte noch im vergangenen Herbst erklärt, die evangelische Kirche hoffe auf Bewegung. Die Kirchen seien verpflichtet, in der Ökumene das gemeinsam zu tun, „was geht und nicht weniger“, argumentierte Weber. Katholische Bischöfe hatten in der Vergangenheit mehrfach ökumenische Gottesdienste am Sonntag, die sich an manchen Orten etabliert hatten, ausdrücklich verboten.

Wiesemann bekräftigte seinen Vorschlag, zusammen mit der Evangelischen Kirche der Pfalz einen ökumenischen Leitfaden herauszugeben und sich festzulegen, was beide Kirchen bis zum Jahr 2015 erreicht haben wollen. Im Blick auf die Freikirchen sagte er, man müsse die Gemeinsamkeiten klären. Unter Gruppen, die aus den USA kommen, sah er „Bewegungen zum Fundamentalismus.“ Da gelte es Abstand zu halten. Doch „wenn wir geistlich spüren, dass sich etwas bewegt, wenn wir gemeinsam Gott loben können, dann sollten wir das machen.“ Wie werden die Freikirchen auf solche Unterscheidungen reagieren? 2007 hatten die katholische und die evangelische sowie neun weitere Kirchen die gegenseitige Anerkennung der Taufe vereinbart.

Zur Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen gehören 17 Kirchen und kirchliche Gemeinschaften sowie vier Kirchen als Gastmitglieder. Der Ökumene-Dachverband repräsentiert nach eigenen Angaben die große Mehrheit der rund 57 Millionen Christen in Deutschland.


Wolfgang Thielmann
Wolfgang Thielmann
Jurymitglied des PREDIGTPREISES
Das Interview
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Kirchenjournalisten müssen unabhängig sein

Landesbischof Ulrich Fischer

Foto: Michael Hornung

Der badische Landesbischof Ulrich Fischer aus Karlsruhe vertritt in der Führung der evangelischen Kirche in Deutschland die unierten Kirchen. Der 64-Jährige ist in Norddeutschland aufgewachsen und wechselte in die badische Landeskirche. Dort war er zeitweise Landesjugendpfarrer und auch Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland. Die Synode wählte ihn ins Bischofsamt, das er 1998 antrat. Als Vorsitzender im Aufsichtsrat des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik ist er zudem der evangelische Medienbischof.

Eine Predigt von Landesbischof Dr. Fischer lesen Sie hier
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Interview mit Landesbischof Dr. Ulrich Fischer



Predigtpreis: Müssen Medien predigen?


Landesbischof Ulrich Fischer: (Lacht) Sie müssen gar nichts. Wenn, dann predigten sie indirekt: Sie berichten über imponierende Prediger oder Menschen, die von ihrem Glauben erfüllt sind und das ausdrücken. Aber man darf den Medien selber unmittelbar keinen Predigtauftrag aufdrücken.


Predigtpreis: Aber die evangelische Kirche sagt: Evangelische Publizistik nimmt an der Erfüllung des Auftrags teil, dem die Kirche verpflichtet ist. Welchem Auftrag ist die Kirche verpflichtet?



Fischer: Der Auftrag der Kirche besteht in der Kommunikation des Evangeliums in der Welt: Durch ihr Leben, ihre Predigt, durch ihre öffentlichen Äußerungen zu Fragen, die die Gesellschaft bewegen. Sie soll begründet aus dem Evangelium Stellung beziehen. Diesen Auftrag soll evangelische Publizistik unterstützen. Insofern nimmt sie am Öffentlichkeitsauftrag der Kirche teil, und insofern fördert sie das Engagement der Kirche.


Predigtpreis: Der zurückgetretene Papst Benedikt XVI. hat eine Botschaft zum Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel im Mai hinterlassen. Darin sagt er: „Die Authentizität der Gläubigen in den Social Networks tritt deutlich zutage durch das Mitteilen des Glaubens an Gott“. Reibt sich das mit Ihrer Auffassung?


Fischer: Nein, die Worte des früheren Papstes kann ich unterstreichen. Wenn Christen und wenn Kirchen sich zu Wort melden, haben sie auch den Auftrag, Rechenschaft abzulegen über die Hoffnung, die sie bewegt. Sie müssen auch über das Evangelium reden, das ihrem Leben Halt gibt, und viele Christen tun das, ohne dass man sie dazu auffordern müsste. Sie empfinden, dass das zu ihrem Glauben gehört. Und in der Authentizität derer, die für die Kirche das Wort ergreifen, liegt ein wichtiger Teil des öffentlichen Redens der Kirchen. In manchen Medien wird das direkt und unmittelbar umgesetzt. Andere Medien haben die Pflicht des Berichtens und der kritischen Begleitung.


Predigtpreis: In den Medien beider Kirchen lässt sich eine Verschiebung beobachten weg vom Journalismus und hin zur Öffentlichkeitsarbeit. Letztere wird oft als Verkündigung mit anderen Mitteln bezeichnet.


Fischer: Ich lege Wert darauf, dass Journalisten in der kirchlichen Publizistik selbstständig arbeiten können, dass sie unabhängig sind und keiner Zensur durch ein Lehramt unterliegen.


Predigtpreis: Das unterscheidet Sie von manchen katholischen Kollegen.



Fischer: Das könnte sein.


Predigtpreis: Aber Öffentlichkeitsarbeit ist Interessenvertretung und nicht unabhängig.


Fischer: Es gab in früheren Jahren eine starke Akzentuierung der Unabhängigkeit von Journalisten in der evangelischen Kirche. Das hat sich abgeschwächt. Und Medienarbeit wird stärker als früher von der Kirche finanziert, etwa im Evangelischen Pressedienst. Diese Arbeit, sagen wir heute ausdrücklich, kann sich daher nicht gegen die Kirche richten. Ich denke, das hat sie in der Vergangenheit auch nicht getan. Ich betone es nur, um eine Grenze aufzuzeigen. Wer sich in der Kirche journalistisch engagiert, weiß, dass er in einem Kontext von Kirche agiert, dem er verpflichtet ist. Zum zweiten hat die Öffentlichkeitsarbeit der Kirchen begriffen, dass sie intensiver in die Medien hinein wirken muss. Sie bedient sich mehr als früher auch journalistischer Mittel. Insofern hat eine Bewegung von beiden Seiten her stattgefunden. Und, drittens: Es hat sich auch eine nichtkirchliche, sogar eine antikirchliche Öffentlichkeit gebildet, die die Kirche viel stärker kritisch anfragt. Da hat der Journalismus in der Kirche eine weitere Aufgabe entdeckt: Der kritischen Öffentlichkeit mit Gegenbeispielen zu begegnen. Insofern nimmt auch der Journalismus einen inhaltlich stärker kirchlichen Dienst wahr.


Predigtpreis: In den allgemeinen Medien scheint die Zahl der Journalisten zu schwinden, die auf Kirche spezialisiert sind. Mit Kirche kann ein Journalist nicht Karriere machen. Was tut die Kirche, um mehr Ansprechpartner in Funkhäusern und Redaktionen zu gewinnen und um ihr Interesse zu werben?



Fischer: Die Beobachtung ist richtig. Wir erleben in den Redaktionen bis hin zum Lokalen eine manchmal haarsträubende Unkenntnis im Blick auf Kirche. Da ordiniert zum Beispiel ein Bischof evangelische Priester. Oder in der Kirche findet eine Messe zur Konfirmation statt. In dieser Entwicklung liegt ein Grund, warum die evangelische Kirche eine eigene Journalistenschule betreibt. Die Schule ist durchaus umstritten und stand während meiner Dienstzeit schon zweimal vor der Schließung. Ich bin überzeugt, dass wir mit dieser Schule eine sehr wichtige Aufgabe wahrnehmen. Die Absolventen nehmen die Erfahrung mit, dass die evangelische Kirche ein wichtiger Teil, eine Säule der Gesellschaft ist und nicht bloß ein Interessenverband. Viele Absolventen haben eine feste Anstellung in den Medien bekommen, eine ganze Reihe ihrer Beiträge hat Auszeichnungen gewonnen. Eine weitere Möglichkeit: Ich pflege regelmäßige, intensive Kontakte sowohl zu Chef- als auch zu Lokalredaktionen. Das trägt Früchte: Wer mich kennt, fragt leichter nach. Wir Verantwortliche in der Kirche dürfen im Blick auf Medien weder Berührungsangst noch Dünkel an den Tag legen.


Predigtpreis: Müsste die Kirche nicht Medienseelsorger beschäftigten, genau so wie Militär- und Polizeipfarrer? Journalisten haben zum Beispiel keine regelmäßige Arbeitszeit und tragen besondere Belastungen.




Bitte lesen Sie das vollständige Interview hier weiter


DER GASTKOMMENTAR
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Predigten dürfen sexy sein

Angela Rinn

© inklusion.rlp.de.

Dr. Angela Rinn ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Mainz-Gonsenheim. Unter dem Pseudonym Vera Bleibtreu schreibt sie Kriminalromane.

Für Ihre Osterpredigt zu Markus 16 erhielt Sie die „Silberne Taube“ des Predigtpreises.

von Angela Rinn


Dürfen Predigten spannend, sexy und aktuell sein? Ich meine: Ja! Sie müssen es sogar, wenn sie Menschen in einer globalisierten Welt erreichen und faszinieren wollen. Von den Neurowissenschaften lernen wir, dass Menschen nach allem süchtig werden können - sogar nach einem Gottesdienst. Das kann gelingen, wenn das Gehirn eine Predigt als „Belohnung“ einstuft, also der Genuss, der sich beim Hören einstellt, mit Alkohol oder Schokolade konkurrieren kann. Zur Sucht soll der Gottesdienst natürlich nicht werden, aber es wäre schon schön, wenn Menschen eine gute Predigt so spannend finden können wie einen Krimi. Wenn eine Predigt einen Überraschungsmoment enthält, über das Erwartete hinausgeht, dann geschieht ein „Prediction error“, der Neuronen Dopamin feuern lässt. Der Überraschungseffekt ist wichtig. Denn wenn die Belohnung vorausgesagt wird, also alles im Gewohnten bleibt, dann bleibt auch das Dopamin im Depot. Altbekannte Wahrheiten lassen die Neuronen kein Dopamin feuern. Da wird die Langeweile befeuert.

Spannend und für Predigthörer als Belohnung identifizierbar sind Predigten, die einen bestechenden, faszinierenden Moment erleben lassen, wenn etwa überraschende neue Lebensmöglichkeiten eröffnet werden oder ein Bezug zwischen biblischer Botschaft und der aktuellen Lebenssituation aufleuchtet. Hier findet sich eine starke Parallele zum evolutiven Verständnis von Neurowissenschaft: Nur das, was im aktuellen Kontext relevant ist, wird sinnesphysiologisch überhaupt erfasst und dem Bewusstsein zugesandt, motivational bewertet und schließlich erinnert oder in das Handeln einbezogen. Die Suche nach neuen Situationen, Ideen und Problemen an sich ist interessant und eine Belohnung für die, die sich auf den riskanten Weg machen, einem neuen Gedankengang, neuen Dimensionen und Impulsen in einer Predigt zu folgen.

Ja - und sexy darf die Predigt auch sein! Mit dem Begriff „sexy“ möchte ich auf die Leiblichkeit der Botschaft verweisen. Diese Leiblichkeit wird ernst genommen, wenn die Predigt Sprachbilder benutzt, die Menschen helfen, ein „Kino im Kopf“ entstehen zu lassen. Die Predigt kann dafür sinnliche Wahrnehmungen ansprechen, die dabei zugleich andere Sinneswahrnehmungen aktivieren, da die einzelnen Areale im Gehirn, die Sinneswahrnehmungen verarbeiten, nicht direkt, sondern vermittelt über andere Areale aktiviert werden. Gegenüber dem Kino hat die Predigt dabei den Vorteil, dass sie „in der Zeit“ erzählt. Während im Kino Bilder parallel kommen und damit auch ein viel größerer Informationsgehalt parallel auf das Gehirn einwirkt, kann ich mit den Ohren nur sequentiell in der Zeit wahrnehmen: Ich höre eins nach dem anderen und muss es mir zusammenbauen. Damit bin ich aktiver als bei einem Film - und das kann wiederum sehr spannend sein.

In der Herausforderung durch die Globalisierung gibt es eine attraktive Alternative zwischen einem traditionalistischen oder gar radikalen Kurs und einer möglichen Zerfaserung in einer crossover-Religiösität: Eine Predigtkultur, die es wagt, spannend, sexy und aktuell zu sein. Nur Mut!


AUS AKTUELLEM ANLASS
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Die Predigt des Papstes zur Amtseinführung


Papst Franziskus

© presidencia.gov.ar.

(Predigt Quelle: Radio Vatican)


von Franziskus I.

„Liebe Brüder und Schwestern! Ich danke dem Herrn, dass ich diese heilige Messe zum feierlichen Beginn meines Petrusdienstes am Hochfest des heiligen Josef, des Bräutigams der Jungfrau Maria und Patrons der Weltkirche feiern kann: Es ist ein ganz bedeutungsreiches Zusammentreffen, und es ist auch der Namenstag meines verehrten Vorgängers – wir sind ihm nahe mit dem Gebet voller Liebe und Dankbarkeit.

Herzlich begrüße ich meine Mitbrüder, die Kardinäle und Bischöfe, die Priester, Diakone, Ordensleute und alle gläubigen Laien. Ich danke den Vertretern der anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften wie auch den Vertretern der jüdischen Gemeinde und anderer Religionsgemeinschaften für ihre Anwesenheit. Meinen herzlichen Gruß richte ich an die Staats- und Regierungschefs, an die offiziellen Delegationen vieler Länder der Welt und an das diplomatische Korps.

Wir haben im Evangelium gehört, dass Josef „tat, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich“ (Mt 1,24). In diesen Worten ist schon die Aufgabe enthalten, die Gott dem Josef anvertraut, nämlich custos – Hüter – zu sein. Hüter von wem? Von Maria und Jesus; aber es ist eine Obhut, die sich dann auf die Kirche ausweitet: Der selige Johannes Paul II. hat hervorgehoben, dass „der hl. Josef so, wie er für Maria liebevoll Sorge trug und sich voll Freude und Eifer der Erziehung Jesu Christi widmete, seinen mystischen Leib, die Kirche, deren Gestalt und Vorbild die heilige Jungfrau ist, hütet und beschützt“ (Apostolisches Schreiben Redemptoris Custos, 1).

Wie führt Josef diese Hüter-Tätigkeit aus? Rücksichtsvoll, demütig, im Stillen, aber beständig gegenwärtig und in absoluter Treue, auch dann, wenn er nicht versteht. Von der Heimholung Marias bis zur Episode des zwölfjährigen Jesus im Tempel von Jerusalem begleitet er fürsorglich und liebevoll jeden Moment. Er steht Maria, seiner Braut, in den unbeschwerten wie in den schwierigen Momenten des Lebens zur Seite, auf der Reise nach Bethlehem zur Volkszählung und in den bangen und frohen Stunden der Geburt; im dramatischen Moment der Flucht nach Ägypten und bei der sorgenvollen Suche des Sohnes, der im Tempel geblieben war; und dann im Alltag des Hauses in Nazaret, in der Werkstatt, wo er Jesus das Handwerk gelehrt hat.

Wie lebt Josef seine Berufung als Hüter von Maria, Jesus und der Kirche? In der ständigen Aufmerksamkeit gegenüber Gott, offen für dessen Zeichen, verfügbar für dessen Plan, dem er den eigenen unterordnet. Es ist das, was Gott von David verlangt, wie wir in der ersten Lesung gehört haben: Gott will nicht ein vom Menschen gebautes Haus, sondern er wünscht sich die Treue zu seinem Wort, zu seinem Plan. Und Gott selbst ist es dann, der das Haus baut, aber aus lebendigen, von seinem Geist gekennzeichneten Steinen. Und Josef ist „Hüter“, weil er auf Gott zu hören versteht, sich von seinem Willen leiten lässt. Und gerade deshalb ist er noch einfühlsamer für die ihm anvertrauten Menschen, weiß mit Realismus die Ereignisse zu deuten, ist aufmerksam auf seine Umgebung und versteht die klügsten Entscheidungen zu treffen. An ihm sehen wir, liebe Freunde, wie man auf den Ruf Gottes antwortet: verfügbar und unverzüglich; aber wir sehen auch, welches die Mitte der christlichen Berufung ist: Christus! Hüten wir Christus in unserem Leben, um die anderen zu behüten, um die Schöpfung zu bewahren!

Die Berufung zum Hüten geht jedoch nicht nur uns Christen an; sie hat eine Dimension, die vorausgeht und die einfach menschlich ist, die alle betrifft. Sie besteht darin, die gesamte Schöpfung, die Schönheit der Schöpfung zu bewahren, wie uns im Buch Genesis gesagt wird und wie es uns der heilige Franziskus von Assisi gezeigt hat: Sie besteht darin, Achtung zu haben vor jedem Geschöpf Gottes und vor der Umwelt, in der wir leben. Die Menschen zu hüten, sich um alle zu kümmern, um jeden Einzelnen, mit Liebe, besonders um die Kinder, die alten Menschen, um die, welche schwächer sind und oft in unserem Herzen an den Rand gedrängt werden. Sie besteht darin, in der Familie aufeinander zu achten: Die Eheleute behüten sich gegenseitig, als Eltern kümmern sie sich dann um die Kinder, und mit der Zeit werden auch die Kinder zu Hütern ihrer Eltern. Sie besteht darin, die Freundschaften in Aufrichtigkeit zu leben; sie sind ein Einander-Behüten in Vertrautheit, gegenseitiger Achtung und im Guten. Im Grunde ist alles der Obhut des Menschen anvertraut, und das ist eine Verantwortung, die alle betrifft. Seid Hüter der Gaben Gottes!

Und wenn der Mensch dieser Verantwortung nicht nachkommt, wenn wir uns nicht um die Schöpfung und um die Mitmenschen kümmern, dann gewinnt die Zerstörung Raum, und das Herz verdorrt. In jeder Epoche der Geschichte gibt es leider solche „Herodes“, die Pläne des Todes schmieden, das Gesicht des Menschen zerstören und entstellen.

Alle Verantwortungsträger auf wirtschaftlichem, politischem und sozialem Gebiet, alle Männer und Frauen guten Willens möchte ich herzlich bitten: Lasst uns „Hüter“ der Schöpfung, des in die Natur hineingelegten Planes Gottes sein, Hüter des anderen, der Umwelt; lassen wir nicht zu, dass Zeichen der Zerstörung und des Todes den Weg dieser unserer Welt begleiten! Doch um zu „behüten“, müssen wir auch auf uns selber Acht geben! Erinnern wir uns daran, dass Hass, Neid und Hochmut das Leben verunreinigen! Hüten bedeutet also, über unsere Gefühle, über unser Herz zu wachen, denn von dort gehen unsere guten und bösen Absichten aus: die, welche aufbauen, und die, welche zerstören! Wir dürfen keine Angst haben vor der Güte, ja, nicht einmal vor der Zärtlichkeit!

Und hier füge ich noch eine letzte Anmerkung hinzu: Das sich Kümmern, das Hüten verlangt Güte, es verlangt, mit Zärtlichkeit gelebt zu werden. In den Evangelien erscheint Josef als ein starker, mutiger, arbeitsamer Mann, aber in seinem Innern zeigt sich eine große Zärtlichkeit, die nicht etwa die Tugend des Schwachen ist, nein, im Gegenteil: Sie deutet auf eine Seelenstärke hin und auf die Fähigkeit zu Aufmerksamkeit, zu Mitleid, zu wahrer Öffnung für den anderen, zu Liebe. Wir dürfen uns nicht fürchten vor Güte, vor Zärtlichkeit! Heute feiern wir zusammen mit dem Fest des heiligen Josef die Amtseinführung des neuen Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri – ein Amt, das auch Macht beinhaltet. Gewiss, Jesus Christus hat Petrus Macht verliehen, aber um was für eine Macht handelt es sich? Auf die dreifache Frage Jesu an Petrus über die Liebe folgt die dreifache Aufforderung: Weide meine Lämmer, weide meine Schafe. Vergessen wir nie, dass die wahre Macht der Dienst ist und dass auch der Papst, um seine Macht auszuüben, immer mehr in jenen Dienst eintreten muss, der seinen leuchtenden Höhepunkt am Kreuz hat; dass er auf den demütigen, konkreten, von Glauben erfüllten Dienst des heiligen Josef schauen und wie er die Arme ausbreiten muss, um das ganze Volk Gottes zu hüten und mit Liebe und Zärtlichkeit die gesamte Menschheit anzunehmen, besonders die Ärmsten, die Schwächsten, die Geringsten, diejenigen, die Matthäus im Letzten Gericht über die Liebe beschreibt: die Hungernden, die Durstigen, die Fremden, die Nackten, die Kranken, die Gefangenen (vgl. Mt 25, 31-46). Nur wer mit Liebe dient, weiß zu behüten!

In der zweiten Lesung spricht der heilige Paulus von Abraham, der „gegen alle Hoffnung … voll Hoffnung geglaubt“ hat (Röm 4,18). Gegen alle Hoffnung voll Hoffnung! Auch heute, angesichts so vieler Wegstrecken mit grauem Himmel, haben wir es nötig, das Licht der Hoffnung zu sehen, selber Hoffnung zu geben. Die Schöpfung zu bewahren, jeden Mann und jede Frau zu behüten mit einem Blick voller Zärtlichkeit und Liebe, bedeutet, den Horizont der Hoffnung zu öffnen, bedeutet, all die Wolken aufzureißen für einen Lichtstrahl, bedeutet, die Wärme der Hoffnung zu bringen! Und für den Glaubenden, für uns Christen – wie schon für Abraham und für den heiligen Josef – hat die Hoffnung, die wir bringen, den Horizont Gottes, der uns in Christus aufgetan ist; ist die Hoffnung auf den Felsen gegründet, der Gott ist.

Jesus mit Maria zu behüten, die gesamte Schöpfung zu behüten, jeden Menschen zu behüten, besonders den Ärmsten, uns selber zu behüten: das ist ein Dienst, den zu erfüllen der Bischof von Rom berufen ist, zu dem wir aber alle berufen sind, um den Stern der Hoffnung leuchten zu lassen: Hüten wir mit Liebe, was Gott uns geschenkt hat! Ich bitte um die Fürsprache der Jungfrau Maria, des heiligen Josef, der heiligen Petrus und Paulus, des heiligen Franziskus, dass der Heilige Geist meinen Dienst begleite, und zu euch allen sage ich: Betet für mich! Amen.

SURFTIPP
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PREDIGTPREIS-Surftipps:







http://www.inland-records.de



http://www.gloria-musik.de

von Stephan Bolzenius

ökum. Zeitschrift Kunst und Kirchen
Das Fachmagazin „kunst und kirche" widmet sich viermal jährlich aktuellen Themen aus Kunst und Architektur - und erkundet deren religiösen und philosophischen Horizont. Neben Aufsätzen und Essays namhafter AutorInnen liefern junge WissenschafterInnen Diskussionsbeiträge und Denkanstöße.

http://www.springer.com










http://www.inland-records.de
Auf der Seite des Labels von Mic Schneider finden Sie Werke junger Musiker mit religiösem Bezug. Das Label hat in diesem Jahr die Initiative KONFISPIRIT ins Leben gerufen: Konfirmanden schaffen mit der „Konfirmations-Jahrgangs-Audio-CD“ einen bleibenden Wert dieses einmaligen Ereignisses. Unterstützt werden sie vom Kirchenkreis München und Oberbayern sowie der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Bayern.
http://www.inland-records.de







http://www.gloria-musik.de
Dies ist die neue Plattform für Ihre eigene (Kirchen-) Musik. Gloria ist offen für alle Gruppen, Chöre und Solisten, die sich der Musica Sacra von der klassischen bis zur modernen Form verschrieben haben. Jeder hat dort die Gelegenheit, sich und sein Werk zu präsentieren. Dies geht mit einem Video oder auch einfach nur mit einer Musik-Datei.

http://www.gloria-musik.de

KUNST UND PREDIGT
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God's eye view


Kreuzigung

© action press / James Dive

Bild 1: Auf einem Hügel ragen drei Kreuze in den Himmel und werfen lange Schatten die auf karge Erde. Das reale, aber bearbeitete Satellitenbild soll die Kreuzigung von Jesus und zwei Verbrechern darstellen.

(Quelle: Liborius.de)

Paradies

© action press / James Dive

Bild 2: Das Paradies ist fruchtbares grünes Land – Der Künstler James Dive entdeckte das Satellitenbild bei Google Earth. Die Aufnahme zeigt allerdings eine Landschaft in Belgien.

(Quelle: Liborius.de)

 

Die Sicht Gottes? Biblische Ereignisse auf Google Earth-Bildern (Teil1)

Fotograf James Dive und Text Liborius Wissen

Sah so Gottes Sicht auf Golgotha und das Paradies aus? –

Dem Künstler James Dive ist es mit Google Earth gelungen, biblische Schlüsselszenen auf Satellitenbilder zu bannen.

Drei Monate hat es gedauert, bis der Künstler geeignete Orte bei Google Earth lokalisieren konnte.

James Dives 3D-Animationen auf Grundlage von Bibeltexten und Google Earth-Bildern wirken wie eine fiktive Sicht Gottes auf die Geschehnisse: Drei Kreuze ragen in den Himmel und werfen lange Schatten die auf karge Erde (Bild 1).

Das Paradies (Bild 2) fand der Künstler indes in Belgien. Keines seiner Bilder sei geographisch korrekt, räumt Dive ein.

VERANSTALTUNG
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PREDIGTPREIS-Ausschreibung 2013

Predigtpreis Jury 2013

Foto: © Predigtpreis

 

Der Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG (Bonn) hat erneut den ökumenischen PREDIGTPREIS ausgelobt. Bis zum 15. Juli 2013 können Predigten von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Kirchen, Freikirchen und Landeskirchlichen Gemeinschaften eingesandt werden, die innerhalb der letzten zwei Jahre gehalten wurden. Die Auszeichnung wird wieder in den Kategorien „Lebenswerk“ sowie „Beste Predigt 2013“ verliehen. In der Kategorie „Beste Predigt“ sind auch Predigten und Andachten außerhalb der Perikopenordnung und der Texte im Kirchenjahr willkommen. Zusätzlich vergibt die Jury in diesem Jahr einen Sonderpreis zum Thema „Jahreslosung 2013 – Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“. (Hebräer 13,14)


Hier können Sie Ihre Predigt einreichen oder eine Predigt empfehlen

Buchtipp
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Religiöse Sprachlehre

Warum Christsein Sinnlichkeit und Leidenschaft braucht. Ein Weckruf.

Religiöse Sprachlehre

© Patmos Verlag

1. Auflage 2012
400 Seiten
Hardcover
ISBN: 978-3-8436-0206-8
€ 30,00

 

von Professor Dr. Hubertus Halbfas

Die religiöse Sprache ist weitgehend verflacht. In dieser Situation, in der es fast überall an der Kompetenz mangelt, die christliche Tradition in den Fluss der Zeit zu bringen, ist vor allem eine religiöse Sprachlehre notwendig.

Mehr zum Inhalt des Buches lesen Sie hier

Eine Rezension lesen Sie hier

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