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Predigtpreisnewsletter Mai 2013
Editorial

Meisterwerk im Ausverkauf

Lieber Leser, liebe Leserin,


1957 schuf der Glaskünstler Georg Meisterman seine erste abstrakte, monumental-sakrale Glaswand. Auf knapp 300 Quadratmetern, die die gesamte Rückwand einer Kirche einnehmen, erinnert ein abstraktes Sonnenrad an die kreisrunden Fensterrosetten in den Turmfronten gotischer Kirchen. Meistermanns Glaswand gilt in der internationalen Kunstgeschichte als das früheste Werk der monumentalen Abstraktion im sakralen Raum. Man verlässt die Kirche anders als man sie betreten hat. Das übergroße Sonnenrad mit orange, gelben und roten Platten, die einen Wirbel bilden, ist eine Predigt für sich. Es bildet die Eingangsseite. Der Besucher gelangt in eine Parabel, deren Backsteinwände ihn umgeben und schützen. Vorn, über der Apsis, schaut ein naturalistisches strahlend blaues Auge Gottes auf ihn herab. Wenn er sich zum Gehen wendet, sieht er die rückwärtige opake Glaswand in ihrer ganzen Größe. Dahinter wartet die Welt. Eigentlich ist die Kirche zur Welt hin offen. Und die Welt ist ein Abenteuer, voller Möglichkeiten.

Das Gotteshaus mit der Glaswand ist die Heilig-Kreuz-Kirche in Bottrop im Ruhrgebiet. Das Bistum hat sie auf die Liste der entbehrlichen Kirchen im Ruhrbistum gesetzt. So wie fast jede dritte zwischen Essen und Bochum. Das Bistum hat jetzt schon die Schwierigkeiten, die andere Bistümer und Landeskirchen in den nächsten Jahren bekommen. 2008 wurde die Kirche außer Dienst gestellt. Jahre der Ungewissheit folgten. Die Kirchengemeinde, zu der das Haus gehört, baut gerade erst ihre Homepage auf.

Inzwischen ist eine Eventagentur angetreten, um Heilig Kreuz als Kulturkirche weiterzuführen. Man kann sie für Veranstaltungen mieten. In diesem Jahr sind Theaterproben geplant und eine Whiskeyverkostung. Kubanische Zigarrendreherinnen zeigen ihre Kunst. Zum Rauchen muss man aber vor die Tür gehen. Und die Verantwortlichen hoffen, dass sich ein Förderverein bilden lässt.

Was sagen Sie zu dieser Form der Nutzung? Wäre ein Abriss besser? Oder ein Verfall wie bei leerstehenden Kirchen in Italien? Eine Einlagerung des Fensters, bis ein Museum sich dafür interessiert?
Wir sind gespannt, was sie denken. Wenn Sie mögen, schreiben Sie uns an info@nl.predigtpreis.de

Und wenn Sie an der A 42 in Bottrop vorbeikommen: Machen Sie einen Abstecher zu der Kirche. Und zu den anderen Schätzen der Stadt. Neben Denkmälern aus der Bergbauzeit beherbergt sie eins der schönsten Museen Deutschlands: Das Quadrat. Es zeigt neben wechselnden Ausstellungen das Spätwerk des in der Stadt geborenen Künstlers Josef Albers, des Vaters der Op-Art, der die großen amerikanischen Maler inspiriert hat.

Herzlich

Ihr

Wolfgang Thielmann

Aktuelle Themen:

Die Statistik lässt Kirchen wachsen
Abtprimas N. Wolf: „Der Mönch ist immer zu Gott unterwegs“
Gastkommentar: Gespräche auf Augenhöhe
Predigt des Monats: „Womit hab ich das verdient?“ – Hiob
Surftipps: Netzmarginalien, Blog.Zdf Papstgeflüster, e-wie-evangelisch
Kunst und Predigt: Baumwunder
Buchtipp: Narrative Theologie
Umfrage: Soziale Netzwerke für PredigerInnen

Predigende Bilder

Künstlerin: Stefanie Bahlinger, Mössingen

© Verlag am Birnbach


Ohne den Glauben sagt ein Mensch:
Ich komm – weiß nicht, woher.
Ich geh – weiß nicht, wohin.
Mich wundert, dass ich fröhlich bin
.“
(Martinus von Biberach)

Mit dem Glauben an Gott aber dürfen
wir mit Martin Luther sagen:
Ich komm – weiß wohl, woher.
Ich geh – weiß wohl, wohin.
Mich wundert, dass ich traurig bin.


Die Predigt zur Jahreslosung 2013 über Hebräer 13,14 von Pfarrer Uwe Sundermann lesen Sie hier

Sprechende, „predigende“ Bilder – teilen Sie Ihr eindruckvollstes Foto mit uns. Schicken Sie uns bitte eine E-Mail mit dem Betreff „Predigtfoto“. Fügen Sie Ihr Foto(s) bei mit einem kurzen Begleittext und Ihrer Adresse an predigtfoto@nl.predigtpreis.de.

Ökumene
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Die Statistik lässt Kirchen wachsen

Ein Aufbruch mit Verlegenheiten – der Eucharistische Kongress

Volkszählung: Es gibt mehr Christen als gedacht

Es gibt mehr Christen in Deutschland als gedacht. Für die Kirchen ist das ein erfreuliches Ergebnis der Volkszählung von 2011, die das Statistische Bundesamt jetzt vorstellte. Die zweite, enttäuschende Nachricht: Angaben zur Religion sind spärlich ausgefallen. Dabei hatten sich viele, Statistiker wie Fachleute für Religion, mehr Aufschluss erhofft. Doch die Angaben zum Glauben waren freiwillig, abgesehen von den beiden großen Kirchen. Die haben ein öffentlich-rechtliches Verhältnis zum Staat. Daher waren die Angaben zur Kirchenmitgliedschaft Pflicht.

17 Prozent der Befragten machten keine Angaben. Das bedeutet eine ziemliche Unschärfe, besonders im Blick auf den Islam. Roderich Egeler, der Präsident des Statistischen Bundesamtes, vermutet, dass Muslime und Juden zu denen gehörten, die vergleichsweise wenig Angaben machten. Es kann aber auch sein, dass weniger Menschen aus der Türkei, dem arabischen Raum und Nordafrika sich als Muslime verstehen, während sie in der Öffentlichkeit zum Islam gerechnet werden, weil sie aus diesen Ländern kommen. Nur 1,9 Prozent der Befragten bekannten sich zum Islam. Bisher gingen die Statistiker von fünf Prozent aus, das wären vier Millionen. Die tatsächliche Zahl liegt vermutlich ungefähr in der Mitte. Eine genaue Angabe ist schwierig, denn der Islam zählt, ähnlich wie die orthodoxen Kirchen, keine Mitglieder. Zu den beiden großen Kirchen gehören zwei Drittel der Deutschen, das sind etwas mehr als die bisherigen Statistiken angaben.

Leider geben die Angaben auch nichts her im Blick auf die kleineren Kirchen. Die evangelischen Freikirchen etwa führen selber Statistik. Daraus lässt sich entnehmen, dass zwar nur jeder hundertste Protestant ein Freikirchler ist. Doch beim Gottesdienstbesuch sehen die Verhältnisse schon anders aus. Weil die Freikirchen meist einen großen Freundeskreis haben, geht jeder vierte evangelische Gottesdienstbesucher am Sonntag in eine Freikirche.

Interessant und wenig bekannt ist das Ranking unterhalb der beiden großen Kirchen. Der Marburger Dokumentationsdienst „Remid“ listet nach der Evangelischen Kirche in Deutschland die Neuapostolische Kirche als zweitgrößte Glaubensgemeinschaft aus dem evangelischen Spektrum mit 350.000 Mitgliedern auf. Die Gruppe öffnet sich gerade vorsichtig von einer Sekte zu einer Kirche und wünscht sich eine Aufnahme in die deutsche Ökumene, die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Sie hat – unter inneren Kämpfen – den Anspruch aufgegeben, die einzig wahre Kirche zu sein. So sagt ihr neuer, im Dezember 2012 veröffentlichter Katechismus.

Danach folgen mit knapp 300.000 freie Baptisten- und Mennonitengemeinden. Sie bestehen vor allem aus Aussiedlern. Weil viele von ihnen gesellschaftliche und politische Kontakte ablehnen, spielen sie öffentlich kaum eine Rolle.

Vor der mitgliederstärksten klassischen Freikirche, den Baptisten, kommen aber mit rund 167.000 die Zeugen Jehovas. Die Weltanschauungsbeauftragten der Kirchen stufen sie als Sekte ein. Die Zeugen Jehovas selber lehnen diese Bezeichnung ab und stufen ihrerseits andere Kirchen als Sekten ein. In den letzten Jahren verbuchten die Zeugen Rückgänge. Man kennt ihre Missionare, die von Haus zu Haus ziehen, und die stumm in den Innenstädten stehenden Verkäuferinnen ihrer Zeitschrift „Wachtturm“.

Ab der fünften Stelle folgen die klassischen Freikirchen: Baptisten mit 80.000, Methodisten und Mennoniten mit je 50.000, Pfingstgemeinden mit 46.000, Freie Brüdergemeinden mit geschätzt 45.000 und der Bund Freier evangelischer Gemeinden mit knapp 40.000 Mitgliedern. Pfingstgemeinden und Freie evangelische Gemeinden wachsen in Deutschland am schnellsten. Die Pfingstgemeinden legten in den letzten 15 Jahren von 26.000 auf 45.000 Mitglieder zu (das wäre ein Plus von 73 Prozent), die Freien evangelischen Gemeinden von knapp 30.000 auf knapp 40.000.

Durch Zuwanderung wachsen auch die Kirchen der 1,5 Millionen östlich-orthodoxen und der rund 200.000 orientalisch-orthodoxen Christen. Die östlichen Kirchen haben sich 2010 zur Orthodoxen Bischofskonferenz zusammengeschlossen, die orientalischen in diesem Jahr zum Zentralrat Orientalischer Christen. Die offizielle Gründungsfeier der Orientalen soll im Juli folgen. Sie werden noch von sich reden machen, denn sie sind ein wichtiger Ansprechpartner, wenn es demnächst darum geht, Flüchtlinge aus Syrien und den Ländern des Nahen Ostens aufzunehmen.

Angesichts der Vielfalt der Konfessionen und Gruppen steht die katholische Kirche zunächst wie ein monolithischer Block da. Aber auch dort kann die hierarchische Organisation unter einem Oberhaupt nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich der Katholizismus in eine Fülle unterschiedlicher Organisationen aufteilt. Im praktischen Leben herrscht auch im Katholizismus eine Fülle verschiedener Frömmigkeitsformen und Traditionen.

Wolfgang Thielmann
Das Interview
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Der Mönch ist immer zu Gott unterwegs

Manfred Rekowski

© adeo Verlag

Notker Wolf wurde 1940 als Werner Wolf als Sohn eines Schneiders in Bad Grönenbach im Allgäu geboren. 1961 trat er nach dem Abitur ins Benediktinerkloster St. Ottilien ein und erhielt den Ordensnamen Notker. 1977 wurde er Erzabt des Klosters und Abtpräses der Kongregation der Missionsbenediktiner. 2000 wurde er zum Abtprimas der Benediktinischen Konföderation und damit zum weltweit obersten Repräsentanten des Ordens mit 7000 Mönchen und 17000 Nonnen gewählt. Wolf gehört der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste an und ist Vorsitzender des Katholischen Instituts für missionstheologische Grundlagenforschung in München. Außerdem sitzt er im Unternehmerbeirat der Gothaer Versicherung, bei der alle deutschen Benediktiner lebensversichert sind. Sein Bestseller „Schmetterlinge im Bauch – warum der Glaube Flügel verleiht“ erschien im adeo-Verlag.

Interview mit Notker Wolf, dem Abtprimas des Benediktinerordens



Predigtpreis: Abtprimas Notker, Sie sind Rockmusiker und Mönch, und Mönche haben kein persönliches Eigentum. Wem gehört Ihre Flöte?


Notker Wolf: Meine Flöte gehört meinem Kloster. Die habe ich zum Gebrauch überlassen bekommen. Wenn ich sie nicht mehr brauche, kann sie ein anderer übernehmen.


Predigtpreis: Sind Mönche Gott näher?



Wolf: Nein, nein. Das zu behaupten ist Unfug. Der Abt soll prüfen, ob ein Novize, ein Neuling, Gott sucht und bereit ist, Widrigkeiten auf sich zu nehmen und das Gebet zu pflegen – das sind die Kriterien. Der Mönch ist immer zu Gott unterwegs. Natürlich befasse ich mich mehr mit Gott als andere. Aber die Hingabe etwa einer Krankenschwester, selbst wenn sie Gott nicht kennt oder jemand, der sich in Liebe verzehrt, kann mehr zählen als mein Leben. Gott hat andere Maßstäbe. Ich möchte nie darüber urteilen. Meine Aufgabe ist, das Meine zu tun.


Predigtpreis: Verlaufen sich auch Mönche auf dem Weg zu Gott?


Wolf: Ja klar! Der Weg führt durch Krisen, auch durch Lebenskrisen. Wie in der Ehe oder im Beruf fragt man sich, ob man auf dem richtigen Weg ist. Mitunter schaut man zu den Fleischtöpfen Ägyptens zurück. Die Geschichte des Volkes Israel beim Zug durch die Wüste ist für mich das Symbol meiner Lebensgeschichte.


Predigtpreis: Was hält Sie, wenn Sie der Zweifel an Gott beschleicht?


Wolf: Es sind die Brüder. Da gibt es ein paar Möglichkeiten. Ganz persönlich geantwortet: Wenn ich einmal ja sage, dann sage ich ja, und man soll sich auf mich verlassen können. Das ist auch eine Frage der Ehre. Ich kann meine Brüder nicht im Stich lassen. Und meine Brüder helfen mir, wenn ich ein Problem mit ihnen teile. Die halten einen dann auch, sie zeigen einem andere Blickwinkel, oder sie muntern einen auf und klopfen einem auf die Schulter. Es sind ja oft emotionale Elemente, die einem zur Treue weiterhelfen, keine großen Argumente.


Predigtpreis: Sie haben eine Ewige Profess abgelegt ...



Wolf: Vor 50 Jahren.


Predigtpreis: War es damals leichter, sich lebenslang als Mönch zu verpflichten?

 

Wolf: Ja. Bei uns hat es noch zur gesellschaftlichen Norm gehört, auf Lebenszeit die Ehe zu schließen und einen Beruf bis zur Pensionierung auszuüben. Für uns zählte Treue. Heute regiert das Gefühl. Erwarte ich Treue, wird mir entgegengehalten: Sei doch nicht so grausam. Nur das Ich zählt. Die Folge ist, dass ich mich auf niemand mehr verlassen kann.


Predigtpreis: Die Benediktiner sind der älteste Mönchsorden. Weltweit zählen sie noch gut 7000 Mönche. Vor 40 Jahren waren es noch 11000. Wie kommen die Klöster zu mehr Nachwuchs?

 

Wolf: Es ist unterschiedlich. Ein Kloster in Kanada hat nach längerer Pause wieder fünf Novizen. An vielen Stellen verbuchen Klöster neues Wachstum. Aber in Deutschland – was soll wachsen, wenn keine Kinder da sind? Auch ist die Konstellation innerhalb der Familie heute eine ganz andere. Wenn nur ein Sohn da ist, richten sich alle Hoffnungen der Eltern auf ihn. Sind zwei Kinder da, fragen sie sich: Wer soll das Geschäft übernehmen? Zudem geht der Glaube zurück. Wie sollen da Berufungen kommen?


Predigtpreis: Sie selber haben schon als Kind ihre Berufung gespürt, heißt es.

 

Wolf: Als Kind wollte ich Schiffbrüchiger werden (lacht).


Predigtpreis: Wie kam das? (lacht auch)

 

Wolf: Das weiß ich nicht, es liegt zu lang zurück. Nein, ich wollte nie Priester werden. Ich bin früh Ministrant geworden, und das gern, denn ich hatte Freude an der Liturgie. Die frommen Frauen wollten mich deshalb zum Priester machen. Das habe ich abgelehnt. Ich wollte eine Familie haben. Dann las ich über das Leben von Pierre Chanel. Das hat mich gepackt. Ich wollte ein Missionar werden wie er. Mein Pfarrer sagte mir: Du gehörst nach St. Ottilien. Da sind das Benediktinische und das Missionarische verbunden. So kam ich in die Abtei.


Predigtpreis: Hat Martin Luther etwas Benediktinisches? Er sagte: Nicht nur der Mönch im Gottesdienst, sondern auch der Handwerker und die Hausfrau haben eine Berufung: Bete und arbeite.


Bitte lesen Sie das vollständige Interview hier weiter

DER GASTKOMMENTAR
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Gespräche auf Augenhöhe

Kirstin Faupel-Drevs

© Foto: privat

Der Jesuitenpater Bernd Hagenkord, geboren 1968, ist Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan. Geboren im westfälischen Ahlen, studierte er Journalistik, Geschichte und Theologie. Bis zum vergangenen Jahr war er zudem Bundeskaplan der Katholischen Studierenden Jugend. Neben seiner redaktionellen Arbeit führt er ein Blog.

Dialogisch und direkt: Papst Franziskus als Prediger


von Bernd Hagenkord


Die Klickzahlen auf der Webseite von Radio Vatikan sind eindeutig: Das Interesse an den Predigten von Papst Franziskus ist ungebrochen. Radio Vatikan veröffentlicht jeweils Zusammenfassungen. Denn der Papst predigt in Morgenmessen für Hausangestellte oder die Schweizergarde, also ohne allgemeines Publikum. Inzwischen interessieren sich Journalisten und Gläubige den kompletten Wortlaut. Doch der Vatikan hat klargestellt, dass es aus den Morgenmessen des Papstes keine Predigtmitschriften geben werde. Trotzdem erreichen die Redaktion von Radio Vatikan nach wie vor E-Mails und Anrufe mit Bitten oder Aufforderungen, doch vollständig wiederzugeben, was der Papst gesagt hat. Bereits die erste öffentliche Messe von Papst Franziskus hat seinen Predigtstil angekündigt: In der Pfarrkirche des Vatikan, Santa Anna, predigte er stehend und frei, ohne Mitra und ohne vorbereiteten Text.

Diesen Stil setzt er vor allem in den Morgenmessen fort. Die öffentlichen Messen hingegen haben mittlerweile einen Predigttext, auch wenn der Papst immer etwas davon abweicht.

Es gibt einige Grundgedanken, die in den Predigten immer wieder vorkommen: Das aus sich selber heraus gehen, die Absage an Karrierismus und die Bedeutung des Kreuzes für das Leben des Christen, das Gehen an die Ränder von Kirche und Gesellschaft, zu den Armen und Ausgegrenzten. Mir scheint es aber vor allem der Stil dieser Predigten zu sein, der sie so attraktiv macht.

Denn der Papst kommt an. Selbst wenn er inhaltlich Dinge sagt, die wir auch im vergangenen Pontifikat so gehört haben, dann hat Franziskus im Sprechen eine Direktheit, die ankommt.

Nehmen wir das berühmt gewordene „buon giorno“ zu Beginn einer Ansprache. Dieses „guten Tag“ zur Begrüßung und zur Verabschiedung - je nach Tageszeit variiert - schafft eine Direktheit im Sprechen, die die Kommunikation des Papstes charakterisiert. Damit schafft er Kommunikation auf Augenhöhe, selbst wenn er physisch weit weg ist von den Menschen.

Und so sind auch seine Predigten ganz bewusst an die Anwesenden gesprochen, weniger an die Menschen, die über Medien daran teilnehmen oder gar später nachlesen. Es sind viel mehr Gedanken für den Augenblick als für die „Ewigkeit“, mehr für die Anwesenden als für die gesamte Kirche.

Das wird besonders in der Verwendung der rhetorischen Mittel deutlich: Immer wieder bezieht er durch ein „no?“ die Hörer ein, spricht direkt an. Er stellt Fragen und bezieht den Hörer in seine Gedanken ein. Er schlüpft in Rollen und stellt während einer Predigt Fragen an sich selber. Auch die Verwendung des „wir“ ist keinesfalls das abgrenzende „wir“, mit dem ein Papst sich selber meint, sondern kommt ganz authentisch an. Neben der Direktheit ist es die Schlichtheit, die das Predigen prägt. Die Messfeiern am Vormittag im Gästehaus sind ganz einfache Werktagsmessen, es sind keine Pontifikalhochämter. Der Papst zelebriert ohne Mitra und Stab, ganz schlicht. Auffällig ist auch die Stimme: Er spricht nicht nicht stark und kräftig, sondern sotto voce, mit Zurückhaltung in der Stimme, manchmal scheint es sogar zu leise. Er nimmt sich durch seine Stimme beim Sprechen zurück. Es scheint, als ob er um alles in der Welt vermeiden wolle, sprachliche Macht auszuüben. Selbst wenn er die Menschen direkt anspricht und rhetorische Fragen stellt oder wenn er leidenschaftlich wird, wird er niemals laut.

Drittens ist es die Sprache. Es ist eine weniger logisch vorgehende Sprache im Sinn etwa seines Vorgängers Benedikt XVI. Die Sprache ist italienischer in dem Sinn, dass sie mit Sprachbildern und einem weiteren Vokabular arbeitet, weniger dagegen mit Zitaten, Referenzen oder Bibelstellen. Es ist ein eher assoziatives Sprechen, idiomatischer. Es ist ganz eindeutig eine Sprechsprache, in der Franziskus predigt, keine Vorlesesprache. Hier schafft die Berichterstattung über die Messen etwas Verwirrung: Bekannt werden die handlichen Botschaften, die zu Überschriften taugen: „nein zum Geschwätz“, „nein zur Armut als Ideologie“, „nein zum Wohnzimmerchristentum“. Aus der Sprechsituation der Predigt heraus sind es markante Sätze, die vorhergegangene Gedanken zusammen fassen, sie gehören also in den Gedankengang hinein. Es sind aber keine allgemeinen Aussagen, sondern direkt zu den Menschen gesprochen, die dort mit dem Papst feiern. Sein Predigen ist weniger ein Belehren als mehr ein Sprechen, das sich an die „inneren Regungen“ des Menschen richtet, wie der Ordensgründer der Jesuiten, Ignatius von Loyola, es ausgedrückt hat.

Vielleicht kann man es am besten mit dem Vergleich ausdrücken: Während Johannes Paul II. ein Papst der Gesten war und damit sein Medium das TV, waren es bei Benedikt XVI. eher die Reden und Texte, sein Medium war eher das Radio. Papst Franziskus nun ist ein Papst der direkten Begegnung. Und genau so predigt er auch.

Predigt des Monats
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Predigt über Hiob 9,1-6.8.10.15-18.27-29.32-35

von Pfarrerin Inka Gente (ev)

17.01.2010 in Worfelden, Weiterstadt und Erzhausen

Predigtreihe: „Hauptsache gesund“

„Womit hab ich das verdient?“ - Hiob

Liebe Gemeinde, Womit hab ich das verdient? – haben Sie sich diese Frage schon einmal gestellt – vielleicht in einer ganz schwierigen Situation? In einem Moment von Hilflosigkeit und Verzweiflung? Manche stellen diese Frage auch anders: „Was habe ich falsch gemacht?“. „Warum muss gerade mir das passieren?“ Wer fragt so? Menschen, deren Leben total aus den Fugen geraten ist. Menschen die schwer erkrankt sind. Menschen die ein großes Unglück erleben und viel verlieren.

Vielleicht fragen sich das viele Menschen in Haiti, wenn irgendwann das schlimmste Leid so weit eingegrenzt ist, dass man überhaupt nachdenken kann. Womit haben diese Menschen, die sowieso schon so arm und verzweifelt waren, dieses große Leid verdient, dass das Erdbeben verursacht hat? Ich kenne eine Frau, deren Tochter als junge Erwachsene gestorben ist. Sie sagt: da habe ich meinen Glauben an Gott so ziemlich verloren. Sie hat auch viele Jahre alten Menschen geholfen. Nun ist sie Witwe und selbst alt, krank und einsam: Warum straft Gott mich so? fragt sie. Ich habe doch viel Gutes getan.

Menschen zweifeln und verzweifeln an Gott, wenn sie unschuldiges Leiden erleben, denn Gott, das wissen wir, ist mächtig und gerecht. Wenn das stimmt, heißt das: Menschen, die leiden müssen oder krank werden, haben entweder eine schwere Schuld auf sich geladen, oder Gott ist nicht wirklich mächtig oder er ist doch ungerecht. Wie soll dann der Glaube an ihn durchhalten oder gar Trost und Mut geben?

Sehr schweres Leid habe ich selbst noch nie erfahren. Sollte ich dann über das Thema schweigen? Ich muss vorsichtig sein und mitfühlend und ich suche mir Hilfe bei einem, der unschuldiges Leid nur allzu gut kennt: Hiob. Ein richtig guter Roman in der Bibel, uralt und doch modern.

Hier lesen Sie die vollständige Predigt

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Die Auszeichnung des PREDIGTPREISES
„Sehnsucht nach Befreiung“
SURFTIPP
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PREDIGTPREIS-Surftipps:


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von Stephan Bolzenius

Netzmarginalien
Auf www.netzmarginalien.de bloggen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von „Vernetzte Kirche“. Vernetzte Kirche als Abteilung des EPV unterstützt Kirchengemeinden, Dekanate und Dienste der Evang.-Luth. Kirche in Bayern in allen Belangen der Webtechnologien und Social Media. Netzmarginalien sind Randnotizen zum Büro-Alltag rund um PC, Social Media und Internet. Jeden Mittwoch neu gibt es im Blog praktische Tipps mal rund um die Produkte von Vernetzte Kirche, mal allgemeiner um Social Media oder PC-Praxis.

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Papstgeflüster
Hier geht es um Interessantes und Hintergründiges aus dem Vatikan und der deutschen Kirchenszene. Es werden Fragen gestellt - und manchmal auch beantwortet - die sich aus deutscher Perspektive an den Vatikan richten; Aber auch die vatikanische Sicht auf Kirche und Gesellschaft in Deutschland werden beleuchtet. Abonniert man den RSS-Feed von Papstgeflüster wird man ständig auf dem Laufenden gehalten.

http://blog.zdf.de/papstgefluester/






E-wie-evangelisch
Ist ein Projekt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Diese Seite bietet ein überaus reiches Angebot an Artikeln zu unzähligen Begriffen von A wie Advent bis Z wie Zehn Gebote. Auf e-wie-evangelisch kommt jede und jeder zu Wort – von der Studentin bis zum Bischof. Die Autorinnen und Autoren schreiben als evangelische Christinnen und Christen. Sie kommentieren kirchliche wie Alltagsthemen persönlich und pointiert. . Mit den E-wie-evangelisch-Videoclips, die auch auf Youtube zu sehen sind, werden zudem Glaubensfragen kompetent aufbereitet, um den Nutzern wichtige Impulse zu geben. Diese Seite ist in jedem Fall einen Besuch wert!

http://www.e-wie-evangelisch.de/

KUNST UND PREDIGT
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Baumwunder – Der Balzer Herrgott

baumwunder.de

 

von Olaf Willenbrock

Der Balzer Herrgott

Einer der berühmtesten Bäume, in dem etwas eingewachsen ist, ist der "Balzer Herrgott" im Schwarzwald. Es ist eine Christusfigur aus Sandstein, die von einer Buche umwachsen worden ist. Der Baum ist seit mehreren Jahrzehnten bekannt und ist zu einem viel besuchten Pilgerort geworden.

Über die Herkunft des Balzer Herrgotts gibt es unterschiedliche Geschichten, die sich zum Teil widersprechen. Auch für den Namen werden verschiedene Erklärungen genannt. Zum einen soll er auf den Namen eines Bauern zurückzuführen sein (Balzer = Balthasar). Zum anderen wird gesagt, dass der Ort an dem die Buche steht, früher ein Balzplatz für Auerhähne gewesen sein soll. Zu den verschiedenen Geschichten gibt es zahlreiche Seiten im Internet (siehe Links).

Den vollständigen Text + eine Fotogalerie zum Balzer Herrgott finden Sie hier

Buchtipp
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Ehevorbereitung mit einem Tag des Nachdenkens über Leben und Glauben

Gottes Wort auf der Spur

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von Dr. Herbert Breuer

Narrative Arbeit in der theologischen Erwachsenenbildung

Narrative Theologie in umfangreichen theologischen Entwürfen vorgestellt und didaktisch und methodisch reflektiert. Reiche Materialsammlung für Lehrer/innen Erwachsenenbildner/innen, Prediger/innen, Religionspädagogen auf allen Vermittlungsebenen. Bewährtes Projekt der Ehevorbereitung: beschrieben und mit den zugehörigen narrativ gestalteten Themenkomplexen ausgestattet. Seminare zur Glaubensinformation thematisch skizziert.

Nähere Informationen zum Autor lesen Sie hier

UMFRAGE
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