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Predigtpreisnewsletter Mai 2013
Editorial

Neuer Juryvorsitzender - Wolfgang Thielmann folgt Udo Hahn

Lieber Leser, liebe Leserin,


An dieser Stelle lesen Sie normalerweise das Editorial von Wolfgang Thielmann. Aus gegebenem Anlass ist das heute anders. Wir dürfen gratulieren! Wolfgang Thielmann wurde zum Vorsitzenden der Jury des Predigtpreises ernannt. Er steht damit dem ökumenisch besetzten Gremium vor, das jährlich über die Vergabe der bedeutendsten ökumenischen Auszeichnung im deutschsprachigen Raum für Predigten und Andachten, sowie eines Lebenswerk-Preises entscheidet. Ich glaube, er ist der richtige Mann an dieser Stelle. Seine ruhige, freundliche und achtsame Art des Umgangs mit Menschen, seine theologische Bildung und journalistische Professionalität sind gute Voraussetzungen für die Arbeit mit sehr unterschiedlichen Theologinnen und Theologen, die den sensiblen Auftrag haben, die theologischen und geistlichen Gedanken anderer so zu werten, dass man am Ende von der "besten Predigt" sprechen kann. Und das ohne Ansehen der Person und möglichst mit größter Zurücknahme eigener Befindlichkeiten, Vorlieben und Geschmäcker. Wolfgang Thielmann ist seit 2004 Mitglied der Jury des PREDIGTPREISES und hat somit schon viel Erfahrung in dieser Arbeit.

Immer wieder fragen Prediger, warum das eigentlich sein muss, dass Predigten von einer Jury bewertet werden und dafür ein Preis vergeben wird. Den Initiatoren des Predigtpreises war es wichtig, der Predigt als öffentlicher Rede Aufmerksamkeit und Anerkennung zu schenken. Predigt ist vielseitig, ist Information, Glaubensvermittlung, Lebenshilfe, politische Rede, Kunstwerk. Unendlich viele Predigten werden landauf landab jede Woche konzipiert, geschrieben, verinnerlicht, verworfen, gehalten, nicht gehalten, gehört, verstanden, missverstanden, vergessen, kritisiert, überhört...... Ich finde es richtig, diese für uns Christen lebenswichtige Form der öffentlichen Rede zu würdigen, und viele Predigten einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen als die, für die sie ursprünglich gedacht war. Wolfgang Thielmann leistet seit vielen Jahren seine Beiträge dazu, als Jurymitglied und auch als Redakteur dieses Newsletters mit vielen Beiträgen rund um das Thema Predigt.

Seit Dezember 2010 ist Thielmann bei der Wochenzeitung „Die Zeit“ stellvertretender Leiter des Ressorts Christ & Welt. Er war u.a. Sprecher des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Ressortchef von „Christ und Welt“ in der Wochenzeitung „Rheinischer Merkur“. Thielmann tritt die Nachfolge des Theologen Udo Hahn an, der die Jury seit der Gründung des Predigtpreises im Jahr 2000 leitete. 2011 wurde Hahn Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing.

Die 10-köpfige ökumenisch besetzte Jury umfasst Theologinnen und Theologen. Die Lebensläufe unserer Jurymitglieder lesen Sie hier.



Ralf Birkner, Dipl. Theologe
Theologischer Berater des Predigtpreises

Aktuelle Themen:

Ein neuer ökumenischer Partner
Auslandsbischof M. Schindehütte: Die EKD ist eine Weltkirche“
Gastkommentar: „Sprechen Sie liebevoll“
Predigt des Monats: Predigt über Apostelgeschichte 8,28-39
Surftipps: Netzmarginalien, Lerntainer Theologie, Openreli, Weltinnenraum
Kunst und Predigt: „Malen ist Nachdenken über die Welt“
Umfrage: Soziale Netzwerke für PredigerInnen

Predigende Bilder

Gedanken zur Urlaubszeit

von: Pastor Frithjof Stahnke (ev)

Gedanken zur Urlaubszeit
[…] Vielleicht ist es so, dass ich am Ende meines Urlaubs sage: „Ja, mein Lebenskurs, wie er ist, ist genau richtig so.“ Vielleicht merke ich aber auch, dass ich meinen Kurs ändern muss. Warum auch nicht? Eine Kursänderung ist meistens nicht so schrecklich, wie wir sie uns vorstellen. Sie kann uns auch befreien. Und uns auf neue, völlig ungeahnte und schöne Wege führen.

Den vollständigen Text zum Video lesen hier

Sprechende, „predigende“ Bilder – teilen Sie Ihr eindruckvollstes Foto mit uns. Schicken Sie uns bitte eine E-Mail mit dem Betreff „Predigtfoto“. Fügen Sie Ihr Foto(s) bei mit einem kurzen Begleittext und Ihrer Adresse an predigtfoto@nl.predigtpreis.de.

Ökumene
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Ein neuer ökumenischer Partner

Ein Aufbruch mit Verlegenheiten – der Eucharistische Kongress



Die orientalisch-orthodoxen Christen in Deutschland organisieren sich

Ein neuer Player hat das Feld der Kirchen in Deutschland betreten: Die rund 200.000 Mitglieder der orientalisch-orthodoxen Kirchen haben am 27. Juli 2013 die Gründung des „Zentralrats Orientalischer Christen in Deutschland“ (ZOCD) gefeiert. Sie sind nach Katholiken, Protestanten, östlich-orthodoxen und den evangelischen Freikirchen die fünftgrößte christliche Kraft in Deutschland - oder, wenn man die 350.000 Neuapostolischen einbezieht, die sechstgrößte. Und sie wachsen. So ist der neue Zentralrat ein Partner der Bundesregierung, wenn es künftig um die Aufnahme syrischer Flüchtlinge in Deutschland geht. Die orientalisch-orthodoxen Christen legen großen Wert auf Integration. Oft sind ihre Glaubensgenossen in ihren Heimatländern mehr oder weniger großem Druck ausgesetzt. Vorsitzender des Zentralrates ist Simon Jacob, der rührige Integrationsbeauftragte der syrisch-orthodoxen Kirche, der als Kind in der Türkei aufwuchs. Die orientalischen Christen, heißt es in ihrer Gründungserklärung, „betrachten sich als Bürger der deutschen Gesellschaft und möchten gerne ihren Beitrag in den Bereichen Integration, interreligiöser Dialog, kultureller Austausch und politisch-historische Aufklärung leisten.“ Sie sind unter anderem auf Facebook vertreten.

Zu den fünf im Zentralrat mitarbeitenden Kirchen gehört etwa die koptisch-orthodoxe Kirche, die vielleicht älteste Kirche der Welt. Sie ist durch die Spannungen in Ägypten neu in die Scheinwerferkreise des öffentlichen Interesses gerückt. Ihr Bischof Damian leitet ein Kloster in Höxter und lädt seit einigen Jahren das christliche Freakstock-Festival auf das Klostergelände ein. In ihren Heimatländern pflegen die Kirchen eine konservative Kultur. So erlaubt etwa die koptische Kirche keine Ehescheidungen. Zwischen Bischöfen und Laien sowie zwischen den Generationen sorgt das in Deutschland mitunter für Spannungen. Auch der politische Kurs der Bischöfe ist unter Laien umstritten. So hat etwa die syrische Kirche lange an Präsident Baschar al Assad festgehalten, während Mitglieder ihrer Kirche sich am Kampf gegen dessen diktatorisches Regime beteiligten. Die Bischöfe wollten nicht durch Opposition die Lage von Gläubigen gefährden. Doch jetzt machen rivalisierende islamistische Organisationen die Christen immer häufiger zur Zielscheibe ihres Hasses.

Die orientalisch-orthodoxen Kirchen trennten sich nach dem Konzil von Chalkedon im Jahr 451 von der römischen Reichskirche. Die orientalischen Kirchen waren der Ansicht, in Jesus hätten sich die göttliche und die menschliche Natur vermischt. Die Reichskirche betonte dagegen, die beiden Naturen hätten „ungetrennt und unvermischt“ existiert.

Bei der Gründung half die Konrad-Adenauer-Stiftung. Sie versammelte im Juni 2011, zum ersten Mal nach der 1600-jährigen Trennung, wie Bischof Damian sagte, die Oberhäupter aller orientalischen Kirchen in Deutschland. Der neue Rat wurde nach dem Vorbild des Zentralrats der Juden gegründet. Mit ihm betreten die orientalischen Christen Neuland. Denn bisher baute jede Organisation auf der zentralen Stellung der Bischöfe auf. Zum ersten Mal haben diese Kirchen eine Laienvertretung.

Man kann gespannt darauf sein, welche religiösen Impulse die Christen aus Nordafrika und den Ländern des Nahen Ostens, also der Ursprungsregion des Christentums, in Deutschland einbringen. Theologisch sind sie der katholischen Kirche nah. Im Blick auf die Frömmigkeit haben sie Kontakte zu evangelikalen Kreisen aufgenommen. Von dort werden sie unterstützt, nicht nur wegen ihrer Glaubenspraxis, sondern auch in ihrem Kampf um Menschenrechte in ihren Ursprungsregionen.

Wolfgang Thielmann
Das Interview
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Die EKD ist eine Weltkirche

Manfred Rekowski

© Wolfgang Thielmann

Martin Schindehütte, geboren 1949 in Kassel, ist seit 2006 als Auslandsbischof der EKD für die mehr als 130 Auslandsgemeinden zuständig, mit denen die EKD in Kontakt steht. Nach dem Theologiestudium war er Pfarrer, Studienleiter, Oberkirchenrat für Flüchtlingsfragen bei der EKD und Diakoniedirektor. Von 2002 bis 2006 übernahm er das Amt des Geistlichen Vizepräsidenten der hannoverschen Landeskirche.

Interview mit Martin Schindehütte, dem Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland



Predigtpreis: Herr Bischof Schindehütte, die beiden großen Kirchen haben einen gemeinsamen Bericht zur Religionsfreiheit veröffentlicht. Das Thema ist nicht neu. Warum haben sich EKD und die katholische Bischofskonferenz jetzt ebenfalls positioniert?


Bischof Martin Schindehütte: Das Thema beschäftigt die beiden großen Kirchen schon lange. Doch gerade erleben wir eine dramatische Entwicklung: Junge Menschen verlieren die Zukunftsperspektive. Viele, gerade Christen, sind schon aus Spannungsgebieten geflohen, sie leben in den USA, Europa oder Australien. Die jetzt Fliehenden folgen ihnen.


Predigtpreis: Sind Christen die meistverfolgte Gruppe von Gläubigen, wie es oft heißt?



Schindehütte: Die mehr als zwei Milliarden Christen sind schon an Zahl größer als andere Religionen. Sie stellen ein Drittel der Weltbevölkerung. Auch deshalb sind an Zahl die meisten Opfer von Religionsverfolgung Christen. Daher muss man die absoluten Zahlen in Beziehung zueinander setzen. Tatsächlich kann niemand sagen, ob Christen in der Relation an der Spitze aller verfolgten Gruppen stehen.


Predigtpreis: Dem Christentum wird gelegentlich vorgeworfen, es verursache selber Spannungen wegen seines penetranten Hangs zur Mission.


Schindehütte: In dieser Ausschließlichkeit gilt das nicht. Manche missionarischen Aktivitäten manipulieren Menschen, sie versprechen ihnen etwa Vorteile. Oder es wird Druck auf Menschen ausgeübt, einen bestimmten Glauben anzunehmen. Wir kritisieren das. Und wir stehen innerhalb der Christenheit in einem selbstkritischen Dialog. Gemeinsam haben der Ökumenische Rat, die katholische Kirche und die Weltweite Evangelische Allianz 2011 Empfehlungen zur Mission in der globalen Welt erarbeitet. Wenn die dort genannten Kriterien eingehalten werden, dann ist die Mission kein Grund, Christen zu bedrängen und zu verfolgen.


Predigtpreis: Jesus hat seine Jünger zur Gewaltlosigkeit verpflichtet, auch dann, wenn sie oder ihre Kirchen angegriffen werden. Und man liest oder hört kaum, dass sich Christen gegen Gewalt wehren. Stimmt das Bild?


Schindehütte: Ich hoffe es. Das Gewaltverbot ist für Christen zentral, wenn es um ihren Glauben geht: Christus selber hat Gewalt abgelehnt, den Tod am Kreuz hingenommen und auf diese Weise Gewalt mit Liebe überwunden. Das muss für uns Christen bezogen auf ihren Glauben absolut gelten.


Predigtpreis: Und funktioniert das in der Praxis, etwa wenn eine Kirche in Flammen aufgeht?



Schindehütte: In der Tat, ich könnte kaum über Gegengewalt von Christen berichten. In Ägypten haben sich junge Kopten aggressiv gewehrt, als die große koptische Kirche St. Mina im Mai 2011 niedergebrannt wurde. Aber zugleich haben Christen und Muslime gemeinsam gegen Gewalt an koptischen Christen demonstriert. Und in den jetzigen Spannungen in Ägypten treten Christen und Muslime gemeinsam für Freiheit und Demokratie ein. Christen kämpfen oft zusammen mit Menschen anderen Glaubens für menschenwürdige Lebensbedingungen, für Freiheit in der Religion und in der Zivilgesellschaft.


Predigtpreis: Die EKD hat auf jedem Kontinent Gemeinden, eine davon etwa in Kairo. Wie verhalten diese sich in Spannungen? Sind Sie Gast in ihrem Land oder demonstrieren sie mit?

 

Schindehütte: Zunächst sind sie Gast. Manche Gemeinden haben zudem eine unsichere rechtliche Stellung, die es ihnen erschwert, sich in solchen Konflikten zu betätigen. Sie würden dabei schnell selbst in Gefahr geraten. Andere Gemeinden engagieren sich in solchen Konflikten. Sie vermitteln sogar manchmal zwischen den Parteien, etwa vor Jahren in Kolumbien. Zudem sind unsere Gemeinden in aller Regel in den kirchlichen und religiösen Kontext ihrer Region eingebunden.

Predigtpreis: Pfarrer in der Türkei konnten früher nur mit einem Diplomatenpass tätig werden. Die Kirchen konnten sich nicht als Körperschaft organisieren und etwa ein Grundstück kaufen. Hat sich das geändert?

 

Schindehütte: Ein neues Gesetz hat verfügt, dass die im Vertrag von Lausanne von 1923 erwähnten Kirchen ihre Grundstücke zurückbekommen, die ihnen damals und in den Folgejahren weggenommen wurden. Durch eine Erklärung wurde das Gesetz inzwischen auf alle Kirchen und Gemeinden ausgeweitet. Aber es ist noch nicht vollzogen. Wir stecken gerade in Gesprächen, wie diese Frage im Blick auf die evangelische Gemeinde in Istanbul beantwortet werden kann.


Predigtpreis: Predigen Auslandspfarrer anders?

 

Schindehütte: Sie müssen anders predigen. Das ist für neue Pfarrerinnen und Pfarrer ein Lernprozess. Die Gemeinde in Schanghai lebt in einem anderen Kontext. In einem konfuzianischen Umfeld wird der Pfarrer ganz anders als Vertreter des Christentums wahrgenommen als zuhause in Hamburg. Da suchen die Mitglieder der Gemeinden, die Gäste und Gesprächspartner nach Antworten, und der Pfarrer muss sie geben. Die Predigthörer sind selber stärker herausgefordert, über ihren Glauben Auskunft zu geben, daher hören sie anders. Darauf müssen sich die Seelsorger einstellen. Viele Predigten kreisen um elementare Fragen, die sich aus Gesprächen mit den Mitgliedern der Gemeinden ergeben: Was macht es aus, Christ zu sein? Wie wird man Christ und wie lebt man als Christ? Die Predigt hat einen dialogischeren Charakter als in Deutschland.


Predigtpreis: Was erwarten die Gemeinden vom Auslandsbischof, der sie besucht?



Bitte lesen Sie das vollständige Interview hier weiter

DER GASTKOMMENTAR
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„Sprechen Sie liebevoll“

Hans-Jürgen Lieber

© Foto: privat

Hans-Jürgen Lieber, geboren 1941, war bis zu seinem Ruhestand 2004 Geschäftsführer, Unternehmensberater und Richter. Seit 1955 bläst er in Posaunenchören, moderiert Konzerte und verfasst Andachten und Kurzpredigten. Er lebt in Essen.

Warum ich predige


von Hans-Jürgen Lieber


Im Evangelium nach Matthäus gibt Jesus Predigern eine Anweisung: „Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern“ (Matthäus 10, 27). Ein mutmachendes Wort, gerichtet an Zaghafte und Vorsichtige. Als so einer fühlte ich mich nicht. Aber gleich auf den „Dächern“ zu predigen, traute ich mich auch nicht. Ich war nicht schwindelfrei. Heute erreicht man Menschen auch anders. Rundfunk, Fernsehen, Internet und natürlich Bücher sind den Dächern überlegen. Da braucht es keine Schwindelfreiheit. Dafür aber eine Botschaft. Eine Botschaft, die den Tag verwandelt. Vielleicht sogar mein Leben.

Am eigenen Leib spürte ich die Wirkung von Kurzpredigten aus dem Autoradio, wenn ich morgens zur Arbeit fuhr und meine Gedanken schon um Probleme kreisten. Da holte mich manchmal ein Prediger heraus. Fünf oder acht Minuten lang vernahm ich Worte wie aus einer anderen Welt. Eine, die meine Welt kaum zu berühren schien. Doch auch in ihr kamen Menschen vor, die ich zu kennen glaubte. Menschen, wie sie mir in meinem Arbeitstag begegneten. Menschen mit Hoffnungen, Erwartungen, aber auch Konflikten und Ängsten - ganz normale Menschen. Keine frommen, aber auch keine gottlosen. Menschen, die Hilfe brauchten - und sei es, dass ihnen jemand zuhörte, sie annahm, ermutigte oder sogar lobte. Alltagsmenschen mit Alltagsgeschichten. Mit ihnen konnte ich mich identifizieren. Ich hörte gespannt zu, wie der Radioprediger darauf einging. Manchmal beeindruckte mich ein Satz besonders. Wenn es ein glücklicher Tag war, dann stärkte er mir den Rücken. Dort, wo es um Beurteilungen, ja Verurteilungen ging. Und meine Ansicht in der Minderheit war. Ohne die kleine Predigt im Radio hätte ich mich allein gefühlt. So wusste ich mich nicht verloren. Interessant war für mich, dass die Prediger keineswegs nur Theologen waren. Auch Menschen aus anderen Berufen kamen zu Wort. Sie predigten das Evangelium der Nächstenliebe so „nebenbei“. Vielleicht, weil es Bestandteil ihres Alltages war? Gelebte Nächstenliebe? Es war wie eine „niederschwellige“ Einladung zur Nachfolge Christi. Ich wurde nachdenklich.

Im Unterbewusstsein reifte der Entschluss, so etwas auch zu versuchen. Der Zufall kam mir zu Hilfe. Mein Posaunenchor schloss seine Proben immer mit einer Kurzandacht und einem Gebet. Als der Chorleiter einmal fragte, ob jemand das mal übernehmen könnte, habe ich mich gemeldet. Es war mein Predigt-Praxistest. Ich begann, die Botschaft des Evangeliums mit meinen Worten weiterzugeben. Aufhänger gab es vielfach. Ich suchte mir solche, die meine Zuhörer gut kannten. Am Anfang war es die Sprache der Musik. Später kamen andere Themen hinzu. Ich merkte: So kann ich meine Glaubenserfahrung weitergeben.

Ich wollte meinen Zuhörern Geschichten erzählen, die auch in ihrem Leben hätten passieren können. So ähnlich war ja auch Jesus damals in Galiläa vorgegangen. Geschichten, die mehr bewegen konnten als moralische Lehrsätze. Nun kann sich keiner mit unserem Herrn und Heiland messen. Sein Wort ist einfach unübertrefflich. Dennoch sollte man nicht verzagen. Auch mit bescheidenen Mitteln lässt sich die Frohe Botschaft verkünden. Das klingt allerdings einfacher als es ist.

Ich schickte meine Andachten an ERF Medien, den früheren Evangeliums-Rundfunk. Als mich ERF Plus, das klassische christliche Radioprogramm, ins Funkhaus nach Wetzlar einlud, begann ein neuer Abschnitt. Ich lernte die Grundlagen der Rundfunkverkündigung. Kernaussagen dessen, was ich hörte, lauteten: „Verständlich vom Glauben reden“ oder „Einfach reden ist nicht einfach“.

Neben Informationen über Rhetorik, Stimmbildung und Satzbau hat mir ein Satz zu denken gegeben: „Sprechen Sie liebevoll zu Ihren Hörern!“. Und: „Verurteilen Sie nicht!“ Mir schien es, als werde die Frohe Botschaft auf eine Schlagzeile gebracht. Ob das auch mir in meinen 33 Sendungen immer geglückt ist, überlasse ich den Zuhörern. Auch Rundfunkprediger bedürfen des Zuspruchs und der Nachsicht. Zumindest wollte ich meine Hörer nicht langweilen. Im Gegenteil. Sie sollten staunen und manchmal schmunzeln. Denn die Menschen der Bibel waren auch nur Menschen und nicht erhabene Gestalten. Die Personen der Bibel durften bei mir auch mal aus der Haut fahren oder ihren Spaß haben. Nur nicht trocken distanziert werden! Wahrscheinlich hätten meine Zuhörer sonst abgeschaltet. Ich wollte sie aber behalten. Mir lag am Herzen, sie für ihre Arbeit oder in besonderer Lage zu stärken und zu ermutigen. Vielleicht auch trösten. Weil trotz aller Finsternis dieser Welt weit Größeres auf die Menschen wartet.

Predigt des Monats
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Predigt über Apostelgeschichte 8,28-39

von Stud. theol. Julia Koll (ev)

30.07.2000 in Gehrden bei Hannover

I Pilgerwege

Beten mit den Füßen - das Pilgern ist wieder in Mode gekommen. Menschen sind auf der Suche nach heiligen Orten und vertrauen dabei auf Erfahrungen früherer Generationen. So pilgern Zehntausende jedes Jahr auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Aber es muss gar kein so großes Unternehmen sein - die katholische Bonifatiusgemeinde beispielsweise ist vorigen Mittwoch zu ihrer Mutterkirche nach Wennigsen gepilgert.

Zwei Momente sind mir wichtig am Pilgern: Das Gehen selbst - und dass es auf etwas ausgerichtet ist. Das Sich-Auf-Den-Weg-Machen ist beim Pilgern mehr als ein Mittel zum Zweck, es ist selbst, in sich wichtig und bedeutsam. Beten mit den Füßen - dazu gehört, etwas hinter sich zu lassen und - sich zu entfernen. Die Bewegung zu spüren, mit den Mühen und sogar Schmerzen, die sie verursacht. Nach einer Weile geht es sich wie von selbst. An den Grenzen der Belastbarkeit aber bedeutet jeder einzelne Schritt eine gewaltige Kraftanstrengung.

Das Vertrauen darauf, dass dieser Gang schließlich in einem Endpunkt aufgehen wird, richtet die Pilger aufs Neue auf. Das ist entscheidend: dass es ein Ziel gibt, zumindest eine Suche nach etwas auch noch so Vagem, dass das Pilgern ausgerichtet ist auf einen heilsamen Punkt. Von dorther werden die Strapazen erträglich und verwandeln sich.

Hohe Reisezeit in diesen Wochen - und ich frage mich, ob nicht auch unsere ganz gewöhnlichen Urlaubsreisen Züge von "pilgern" tragen. Wanderer auf dem Jakobsweg kehren zurück zum elementarsten Fortbewegungsmittel; ihre Füße tragen sie. Aber auch wo das Gehen ersetzt oder ergänzt wird durch Rad-, Auto-, Zugfahren oder Fliegen, findet diese Bewegung der Abwendung vom Gewohnten statt, vom Gewohnten - wo ich festsitze, meine Wege überschaubar und von Dauer sind. Meist hat mein Reisen ein Ziel, einen Ort, an dem ich neu sein, neu werden will. Im glücklichsten Fall ist der Weg dorthin bereits der Beginn dieses Prozesses. Menschen, die ihre Ferien in vertrauter Umgebung verbringen, zu Hause oder anderswo, freuen sich auf innere Wege, auf die Störung der gewohnten Abläufe, und sie erlauben sich manchmal, ganz neuartige Richtungen einzuschlagen. Beten mit den Füßen ...

II Lebenswege

Hier lesen Sie die vollständige Predigt

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Die Auszeichnung des PREDIGTPREISES
„Sehnsucht nach Befreiung“
SURFTIPP
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PREDIGTPREIS-Surftipps:


http://www.lerntrainer-theologie.de/



http://blog.zdf.de/papstgefluester/



http://www.weltinnenraum.de

von Stephan Bolzenius

Lerntainer Theologie
Der Lerntainer Theologie wendet sich an Lehrkräfte, Erzieher, Gemeindepädagogen und alle, die mit Kindern auf theologische Entdeckungsreise gehen. Mit dem Lerntrainer Theologie steht ein Programm zur Verfügung, mit dem die Sprachfähigkeit des Glaubens geschult wird und das konkrete Hilfestellungen für den Unterricht und das theologische Gespräch bietet. Der Lerntrainer Theologie orientiert sich an den "großen Kinderfragen" und an den Dimensionen des Bildungsplanes für ev. Religion in Baden-Württemberg.

www.lerntrainer-theologie.de



Openreli
Openreli ist das virtuelle Zentrum des offenen religionspädagogischen Onlinekurses MenschWerden 2013. Hier findet man Neuigkeiten, Organisatorisches und laufend aktualisierte Hinweise zum ersten deutschsprachigen MOOC (Massive Open Onlinecourse) für Menschen, die sich für religiöse Bildung interessieren und religionspädagogisch tätig sind. Es richtet sich an Personen, die Jugendarbeit machen, studieren, unterrichten, in einer Gemeinde arbeiten oder in irgendeinem anderen Zusammenhang mit dem Glauben und mit Menschen stehen.

www.openreli.de




Weltinnenraum
Über diesen Link gelangen Sie zu der Website der J.Kamphausen Mediengruppe. Insgesamt umfasst das Programm der Mediengruppe mehr als 700 Titel aus den Themenbereichen Lebensführung, nachhaltige Wirtschaft, Ökologie, Spiritualität und ganzheitliches Heilen. Außerdem produziert die J. Kamphausen Mediengruppe Filme (Tao-Cinemathek), Kalender und E-Books.

www.weltinnenraum.de

KUNST UND PREDIGT
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„Malen ist Nachdenken über die Welt“

Malen ist Kunst an der Kanzel

Privatbesitz © Hermann Buß

„Überfahrt I“ (155 x 145 cm)



Malen ist Kunst an der Kanzel

© Hermann Buß

 

von Hermann Buß

Moderne Kunst an der Kanzel

„Ausdrucksstarke Ölgemälde wollen »die Kreuze der Gegenwart« aufzeigen, konzentrierte Gedankengänge bringen die biblische Botschaft nahe: dass Umkehr Freude ist und Licht in die Finsternis scheint.“

Luther-Verlag
Alfred Buß | Hermann Buß

Buß-Sachen
Eine spannende Reise für alle Kunstliebhaber und Freunde literarisch herausgehobener Andachtstexte






Die zeitgenössischen ausdrucksvollen Altarbilder von Hermann Buß in der Gemeinde Adenstedt und in der ehemaligen romanischen Klosterkirche von Oldenstadt sehen Sie hier

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