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Predigtpreisnewsletter September 2013
Editorial

Wahrheit als Dichtung

Lieber Leser, liebe Leserin,


erneut hat die Jury des Predigtpreises getagt. Und sich nach kontroverser Diskussion dann doch, wie stets in den letzten Jahren, mit einhelliger Stimme auf drei Preisträger festgelegt. Wie in den früheren Jahren sind die Entscheidungen in den Medien sehr beachtet worden. Die Preisträger haben Interviews gegeben, ihre Kirchen haben auf sie hingewiesen und ihnen gratuliert. Und erneut waren wir, die Jury, beeindruckt von der Kreativität der Einsendungen, unter denen die drei, wie wir finden, besonders herausragen.

Die Bekanntgabe des Preisträgers für das Lebenswerk zog sich etwas hin, weil er im Urlaub weilte. Doch dann traf ich Fulbert Steffensky am Telefon an. Er hat sich ebenso gefreut wie wir, die Jury. Wir können auch ihn mit ebenfalls einhelligem Votum auszeichnen: Für seine sensiblen, poetischen Auslegungen biblischer Geschichten und Gedanken, für seinen kreativen Umgang mit alten Kirchenliedern, für seine Gedanken, die ins Zentrum der biblischen Botschaft treffen und Menschen helfen, Freude, Trost und Gewissheit zu finden. Und er ist in beiden Traditionen zuhause, der evangelischen wie der katholischen, und sieht das als Bereicherung. Vor kurzem hat er seinen 80. Geburtstag gefeiert.

Mich verbindet ein besonderes Erlebnis mit ihm. Vor zehn Jahren bot mir ein gemeinsamer Freund ein Interview mit seiner Frau Dorothee Sölle und ihm an. Ich sagte gern eine Veröffentlichung in meiner Zeitung, dem Rheinischen Merkur, zu. Am Tag danach starb Dorothee Sölle, für uns überraschend. So wurde dieses ungeplant letzte Gespräch unversehens zu einer Art Vermächtnis. Wir veröffentlichen hier ein Faksimile der Zeitungsseite von damals. Da es den Rheinischen Merkur seit 2010 nicht mehr gibt, ist auch das Interview anders nicht mehr verfügbar.

Ich bin sehr gespannt darauf, ihn bei der Preisverleihung am 20. November zu treffen. Ich lade auch Sie herzlich dazu ein. In diesem Jahr hat Fulbert Steffensky wieder geheiratet. Wir freuen uns sehr, dass er zusammen mit seiner Frau Li Hangartner aus der Schweiz anreisen wird.

Allen denen, die wie er aus dem Urlaub gekommen sind, wünsche ich einen guten Wiedereinstieg in den Alltag.

Herzlich

Ihr

Wolfgang Thielmann

Aktuelle Themen:

Verlegenheit auf beiden Seiten
Bischof H. Koch: „Vertraute Texte sind gefährlich“
Gastbeitrag: Fernsehen machen war mir zu langweilig
Predigt des Monats: Predigt über Apostelgeschichte 8,28-39
Surftipps: Netzmarginalien, Blog.Zdf Papstgeflüster, e-wie-evangelisch
Veranstaltung: Kirchen-Messe GLORIA
Kunst und Predigt: Das Symbol des Christentums neu interpretiert
Buchtipp: Selbst Verständlich Predigen? So geht´s!

Predigende Bilder


© Katharina Schöpflin


Predigt über Jakobus 5,7-8 und das Warten auf Jesus

[…] Alisa, eine meiner Mit-Studentinnen würde sagen: „Ich liebe mein Leben! Es geht mir ziemlich gut und ich freue mich auf das, was noch kommt. Ich genieße den Tag und will noch ordentlich was erleben! Es ist überhaupt nicht so, dass der Himmel meine einzige Hoffnung ist. Ich warte nicht voller Sehnsucht darauf, dass Jesus endlich wiederkommt.“ Also sind diese Worte aus Jak.5 nicht für sie gedacht? Sind sie nicht für mich, sollte ich lieber einen anderen Teil der Bibel lesen? […]

Die vollständige Predigt der Jugendreferentin Katharina Schöpflin lesen Sie hier

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Ökumene
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Verlegenheit auf beiden Seiten

Ein Aufbruch mit Verlegenheiten – der Eucharistische Kongress

Katholiken und Protestanten schauen auf das Reformationsjubiläum 2017

Die Nachricht klingt unscheinbar, aber birgt Sprengstoff: Die katholische Kirche will sich für das Jahr des 500. Bestehens der Reformation vorbereiten. Deshalb bereiten die katholische Ökumene-Arbeitsstelle, das Johann-Adam-Möhler-Institut in Paderborn, und die Katholisch-Theologische Fakultät des Bistums Erfurt ein internationales Luther-Symposion vor. Es soll vom 21. bis 25. September 2014 im inzwischen evangelischen Erfurter Augustinerkloster stattfinden, dem Ort, an dem Papst Benedikt XVI. 2011 den Repräsentanten der evangelischen Kirche begegnete. Das wissenschaftliche Treffen soll die katholische Lutherforschung und die mit der katholischen Theologie verbundenen lutherischen Theologen zusammenführen. Einer der wichtigsten Teilnehmer hat schon zugesagt. Er ist der Präsident des vatikanischen Einheitsrates, der aus der Schweiz stammende Erzbischof Kurt Kardinal Koch. Wolfgang Thönissen, der Leiter des Möhler-Instituts, sagte zur Absicht der Tagung: „Wir wollen Anfragen und Neupositionierungen innerhalb der katholischen Theologie zu Luther und der Reformation anstoßen.“ Thönissen ist ein profunder Kenner der Ökumene. Vor seinem jetzigen Amt war er Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Württemberg. Im Interview mit dem Predigtpreis sagte er: „Wir gewinnen durch die Beschäftigung mit den Reformatoren theologische Einsichten, die in die Mitte unseres Glaubens führen.“

Das Jahr 2017 hat beide Kirchen in Verlegenheit gebracht. Beide stecken noch tief in der Klärung, was sie im Jahr 2017 feiern oder begehen sollen. Schon hat der Bundestag die Reformation in einem Beschluss als Ereignis von weltgeschichtlichem Rang bezeichnet, und er beschäftigt sich laufend mit dem Jubiläumsjahr und stellt viel Geld bereit, auf das besonders die Tourismusindustrie wartet. Auch die Bundesregierung beteiligt sich. Das macht manchen Christen Angst. Denn die früheren Jahrhundertfeiern der Reformation dienten oft genug der konfessionellen und politischen Profilierung und auch Abgrenzung. Die evangelische Kirche will die Bedeutung der Reformation herausarbeiten. Daher stehen die zehn Jahre davor jeweils unter einem Doppelmotto. 2013 lautet es „Reformation und Toleranz“, im nächsten „Reformation und Politik“. Doch monieren manche Kritiker, dass in den Jahren mehr über Toleranz und Politik gesprochen wird als über die Reformation. Es gibt einen offenen Streit darüber, wie die Botschaft der Reformation in der Gegenwart lautet. Zumindest ist für die evangelische Kirche klar, dass sie dieses Jubiläum ökumenisch begehen und Abgrenzungen vermeiden will.

Die katholische Kirche hat ein ganz anderes Problem. Weil sie von Anfang an zum Mitfeiern eingeladen wurde – und weil sie an dem Jahr gar nicht vorbei kann -, musste sie ihre Position zu Luther klären. 2011 setzte die katholische Deutsche Bischofskonferenz auf ihrer Frühjahrsvollversammlung einen Studienhalbtag über Luther an. Der damalige Ökumenebischof Gerhard Ludwig Müller – jetzt ist er Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation – versuchte in einem Vortrag, den Glaubenszeugen Luther gegen die kirchenspaltenden Folgen der Reformation abzugrenzen. Das spiegelte, wie Kritiker bemerkten, das Lutherbild der Fünfzigerjahre. Seither ist Luther aber in der katholischen Kirche schon viel freundlicher bewertet worden. Der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann bezeichnete ihn schon als „Vater im Glauben“. Am weitesten ging der Theologe Otto Hermann Pesch, einer der wohl besten katholischen Lutherkenner der Gegenwart, der in Hamburg an der evangelischen Fakultät katholische Theologie lehrte: Luther habe zeitlebens nichts vertreten, was aus katholischer Sicht als Irrlehre abgelehnt werden müsse. Von den 41 Irrtümern, die die Bannandrohungsbulle „Exsurge Domine“ von Papst Leo 1520 gegen Luther aufzählte, seien heute „bestenfalls noch drei Gegenstand einer Diskussion, aber keinesfalls häretisch“. Pesch sieht die Katholiken etwa beim Kirchenverständnis, einem Streitpunkt ökumenischer Kommissionen, in „schönster Übereinstimmung mit Luther“. Das Zweite Vatikanum habe erstmals auch vom Priestertum der Gläubigen geredet und die Laien konstitutiv in die Kirche einbezogen, so wie es schon der Reformator gelehrt habe. Auch in der Heiligenverehrung, einer auf den ersten Blick tiefen Differenz zwischen den Konfessionen, sieht Pesch kein Trennungsmoment: „Es gibt kein Dogma der katholischen Kirche, dass man die Heiligen – einschließlich Maria! – verehren und anrufen müsse, um ein guter Katholik zu sein. Es heißt immer nur: Es ist erlaubt, es ist heilsam und es ist nie mit der Anbetung Gottes zu verwechseln.“ Das liegt nah bei der Auffassung der Reformatoren, die Heilige kannten und als Vorbild im Glauben bewunderten. „Wer als Katholik Luther studiert“, meinte Pesch, „und nie die Versuchung verspürte: hier weht die reine Luft des Evangeliums, ich muss zur evangelischen Kirche konvertieren, der hat ihn nicht verstanden“.

Aber auch Kardinal Koch, der wichtige Teilnehmer des Erfurter Symposions, hat die katholische Beteiligung am Jahr 2017 anders intoniert. Als der Papst 2011 in Erfurt weilte, sagte Koch, damals ein Jahr im vatikanischen Amt, die Protestanten hätten die Einheit der katholischen Kirche verlassen. Er spricht wie Müller vom „Reformationsgedenken“, weil es an einer Kirchenspaltung nichts zu feiern gebe.

Einen anderen Weg geht Müllers Nachfolger als Ökumenebischof, Gerhard Feige, der Bischof von Magdeburg, in dessen Bistum viele Stätten der Reformation liegen. In einer Thesenreihe zur Reformation sagte er, die ökumenische Bewegung habe es möglich werden lassen, Luther evangelischer- wie katholischerseits gemeinsam als „Zeugen des Evangeliums, Lehrer im Glauben und Rufer zur geistlichen Erneuerung" sehen zu können. „Auf dieser Grundlage", meint Bischof Feige, „könnte sich in den nächsten Jahren ökumenisch noch mehr entwickeln: vielleicht auch eine gemeinsame Interpretation der damaligen Vorgänge und ihrer Wirkungsgeschichte."

In dieselbe Richtung ging ein gemeinsames Papier, das der Vatikan und der Lutherische Weltbund im Juni veröffentlichten. Es trägt den Titel „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“. Darin bekennen beide Seiten ihre Schuld an der Kirchenspaltung. Aber es sagt auch, dass beide Kirchen heute in der Lage seien, Themen aus Luthers Theologie gemeinsam darzulegen, etwa die Rechtfertigung, das Verständnis des Amtes und das Verhältnis von Bibel und kirchlicher Tradition.

Es wird also spannend werden, wie weit und worauf sich die Teilnehmer der Erfurter Tagung einigen. Der frühere katholische Bischof von Erfurt, Joachim Wanke, hatte zur gemeinsamen Feier erklärt: „Wir alle hätten 2017 etwas zu feiern, wenn dieses Gedenken dazu beiträgt, uns tiefer mit unserem Herrn und damit auch untereinander zu verbinden.“ Evangelische Bischöfe haben seinen Vorschlag aufgegriffen und sprechen seither öfter davon, 2017 ein Christusfest zu feiern. Nikolaus Schneider, der Ratsvorsitzende der EKD, hat schon den Papst eingeladen.

Doch das neue Motto stellt noch nicht alle zufrieden. Ein Christusfest können Christen jedes Jahr feiern.

Wolfgang Thielmann
Das Interview
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„Vertraute Texte sind gefährlich“

Bischof Heiner Koch

Foto: Bistum Dresden-Meißen

Heiner Koch wurde 1954 in Düsseldorf geboren. Im Jahr 2005 amtierte er als Geschäftsführer des Weltjugendtages in Köln. 2006 wurde er, damals stellvertretender Kölner Generalvikar und Domkapitular, von Papst Benedikt XVI. zum Weihbischof in Köln ernannt. Seit dem 18. Januar amtiert er als Bischof des Bistums Dresden-Meißen. Seit 1995 ist er – das entspricht seinem volkstümlichen, den Menschen zugewandten Naturell – Präses des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften.

Interview mit dem Bischof von Dresden-Meißen, Heiner Koch



Predigtpreis: Herr Bischof Koch, predigen Sie gern?


Bischof Heiner Koch: Sehr gern. Ich hatte eine gute Predigtausbildung und gute Prediger als Vorbilder, bei denen ich Feuer gefangen habe. Für mich war die Predigt immer das Instrument der Seelsorge und der Gemeindeprägung. Heute, als Bischof in Sachsen, bin ich auf die gemeindeprägende Kraft der Predigt angewiesen. Mit Predigten erreiche ich die Gemeinden, aber auch viele ungetaufte Menschen. Und ich habe keine anderen Mittel als die Kraft des Wortes. Deshalb ist mir die Predigt wichtig.


Predigtpreis: Gibt es Predigttexte, die Sie nicht mögen?



Koch: Nein. Je fremder und sperriger die biblischen Texte sind, desto lieber sind sie mir. Vertraute Texte sind gefährlich. Man meint, sie zu kennen, aber man kennt sie ja doch nicht. Die nicht vertrauten Texte haben den Vorteil, dass man sich in sie hineinknien, sie durchkneten muss. Das ist für mich eine schöne Aufgabe, die mich auch spirituell weiter bringt.


Predigtpreis: Aber sie kostet Zeit. Haben Sie die?


Koch: Ich bereite mich lange auf Predigten vor. Schon am Sonntag zuvor lese ich den Bibeltext der kommenden Sonntagspredigt ein erstes Mal. Am nächsten Tag mache ich mich exegetisch sicherer. Während der Woche habe ich immer einen Zettel bei mir, auf dem ich Gedanken zum Text notiere. Die Vorbereitung einer Predigt ist für mich ein tiefer Vollzug meiner eigenen Spiritualität. Eine Predigt muss wachsen. Sie muss die Kämpfe des Predigers zum Ausdruck bringen.


Predigtpreis: Sie predigen oft frei. Bewusst?


Koch: Ja. Ich lese Predigten nie ab. In aller Regel rede ich frei. Ab und zu, wenn es um genaue Angaben geht oder ich bestimmte Wendungen gebrauchen will, nutze ich eine Karteikarte. Wenn ich darum gebeten werde, fasse ich nachher tragende Gedanken schriftlich zusammen.


Predigtpreis: Sie haben vor kurzem bei einer Predigt auf einem Männertag gesagt, Sie seien auch Bischof für die Millionen Menschen, die gar keine Christen sind. Geht das?



Koch: Ich fühle mich so. Auch erwarten es viele Menschen von mir. Im Bistum Dresden-Meißen leben 150 000 engagierte Katholiken mit hohem Verantwortungsbewusstsein für ihre Umgebung. Wir fühlen uns nicht als Nischenbewohner, sondern als Teil der Gesellschaft. Damit bin ich auch Bischof für die Menschen, die in dieser Gesellschaft leben. Die Gruppe der Nichtgetauften ist sehr heterogen. Das muss ich bei allen Predigten bedenken. Es gibt einen kleinen Kreis, nicht größer als im Westen, der bewusst atheistisch lebt. Eine große Gruppe hat über Generationen nicht erlebt, dass die Frage nach Gott und nach einem Leben über den Tod hinaus überhaupt gestellt wurde, geschweige denn öffentlich eine Rolle spielte. Es ist eine besondere Herausforderung, diese Menschen anzusprechen.


Predigtpreis: Wie gehen Sie das an?

 

Koch: Ich stelle Fragen und lade Menschen ein, das Leben von einem anderen Standpunkt aus zu sehen. Es ist schon viel gewonnen, wenn es gelingt, Menschen zu verunsichern, so dass die Frage nach Gott wieder zum Thema wird, so dass Gott Bedeutung für ihr Leben gewinnt. Dann stellt sich heraus, dass die Frage nach Gott eigentlich nur verschüttet ist. Als ich vor kurzem im Regionalexpress nach Hause fuhr, setzte sich der Schaffner zwischendurch immer zu mir. Wir sprachen über Gott und die Welt. Als wir im Bahnhof beide den Zug verließen, gingen wir nebeneinander. Und jetzt, als wir uns nicht mehr direkt ansehen konnte, fragte er mich: Glauben Sie wirklich, dass mit dem Tod nicht alles aus ist? Da wurde mir wieder einmal deutlich, dass die Frage nach Gott vorhanden ist und dass es Momente gibt, wo sie jemand zulässt, auch wenn er sie nicht öffentlich stellt.


Predigtpreis: Was haben Sie geantwortet?



Bitte lesen Sie das vollständige Interview hier weiter

DER GASTBEITRAG
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Fernsehen machen war mir zu langweilig

Alrun Kopelke

Foto: Pietro Sutera

TV-Moderatorin Alrun Kopelke hat 10 Jahre lang die Nachrichten in der Hessenschau des Hessischen Rundfunks präsentiert. Nach 16 Jahren als Fernseh-Journalistin hat sie nun ihren Beruf aufgegeben um Pfarrerin zu werden: Mit dem 1. September 2013 beginnt sie ihr Vikariat in Frankfurt-Nied. Für ihre Predigt über die alttestamentliche Figur des Jephta, der seine Tochter opferte, bekam sie die Silberne Taube des Predigtpreises.

von Alrun Kopelke


„Sie haben doch bereits einen Traumjob. Warum wollen sie Pfarrerin werden?“ Diesen Satz hielt mir einer meiner Professoren entgegen, der mich im Lauf meines berufsbegleitenden Theologie-Studiums unterrichtete. Er drückt aus, was die meisten denken: Fernsehen hat doch mit Glamour oder wenigstens mit Bekanntheit zu tun. Beim Fernsehen erreicht man mehrere hunderttausend Zuschauer. Das muss doch klasse sein! Ich halte dagegen: Predigen ist spannender als Fernsehen machen. Als Moderatorin der Nachrichten stehe ich im Studio in einer künstlichen Atmosphäre: In vorgeschriebener Kleidung und geschminkt, wie ich privat nicht herumlaufen würde. Am Moderationstisch klebt meine Positionsmarke: hier darf ich stehen. Das Licht ist genau darauf ausgerichtet. Stehe ich nur zehn Zentimeter daneben, habe ich Schatten im Gesicht. Hand- oder Armbewegungen dürfen die Schulterbreite nicht übersteigen, sonst fallen sie für den Zuschauer aus dem Bild. Mit Freundlichkeit und einer genau dosierten Portion Verbindlichkeit blicke ich in einen technischen Apparat, die Kamera. Es gehört schon viel Vorstellungskraft dazu, zu diesem Gerät nett zu sein, weil „dahinter“ irgendwo Zuschauer sitzen. Sobald das Rotlicht angeht, spreche ich meine Texte. Die Inhalte werden durch Redakteure und die aktuelle Nachrichtenlage bestimmt. Ich habe sie informierend und verständlich formuliert, manche auch ein wenig so, dass sie zunächst neugierig machen. Etwa 25 bis 30 Sekunden habe ich für eine Meldung oder die Anmoderation eines Beitrags, das sind drei bis vier Sätze. In Wortwahl und Sprechhaltung kann ich bei der Präsentation noch am ehesten ein wenig meiner Persönlichkeit durchblitzen lassen, wenn ich zum Beispiel in der Zusammenfassung eines Geschehens eine freche Formulierung wähle oder einen winzigen schalkhaften Unterton anschlage. Mehr als bei jedem anderen Medium bestimmt beim Fernsehen die Form das Geschehen, selbst wenn man statt Nachrichten eine Magazinsendung moderiert. Und nicht zu unterschätzen ist die geschäftige, kühle Atmosphäre im Studio: Der Aufnahmeleiter steht mit Stoppuhr da, die Kameraleute fahren die Kameras hin- und her, Kabelhelfer räumen ihnen die Kabel aus dem Weg, von der Decke blenden mich Scheinwerfer. Mittendrin muss ich versuchen, eine „Wohnzimmeratmosphäre“ zu erzeugen.

Natürlich findet eine Predigt auch nicht immer in einem Wohlfühlraum statt. Aber die Umgebungsbedingungen sind doch anders. Zwar gibt es normalerweise einen festen Punkt, an dem ich stehe, aber um zehn Zentimeter hin oder her schert sich niemand. Und ich kann den Predigtort auch verlassen, um bestimmte Teile der Predigt zu unterstreichen. Ich kann unterschiedliche Positionen klarmachen oder im Kirchraum mal näher an die Besucher herangehen und sie einbeziehen. Statt immer wieder 25 Sekunden habe ich eine Viertelstunde Zeit. Damit kann ich eine Erzählung ganz anders aufbauen, kann bewusst Spannung setzen und sie auflösen. Vor allem aber spreche ich nicht in einen technischen Apparat, sondern zu Menschen, die leibhaftig anwesend sind. Ich kann sehen, ob sie gelangweilt sind oder aufmerksam. Und wenn sie erstaunt oder mit einem Lachen reagieren, kann ich ihre Reaktion wieder aufnehmen. Das, worüber ich spreche, ist zwar durch die Perikope oder den Anlass vorgegeben. Aber ich kann es viel weiter entfalten und spreche von dem, was mir wichtig ist: von meinem Glauben und von Gott, der uns durch das Leben hindurch begleitet und trägt. Journalistische Berichtskriterien gebieten Distanz und Ausgewogenheit. Als Predigerin dagegen darf, ja soll ich eine Position einnehmen. Ich kann meine Persönlichkeit einbringen und diese gleichzeitig in Gottes Dienst stellen. Nach der Predigt ergeben sich oft Gespräche mit den Gottesdienstbesuchern, die nicht selten auch mich weiterbringen. Diese Kommunikation im und nach dem Gottesdienst habe ich zu schätzen gelernt. Sie fehlt im Fernsehen. Selbst wenn man am nächsten Tag erfährt, dass 400 000 Leute zugesehen haben, bleibt das eine theoretische Größe, weil der Austausch fehlt.

Es klingt schräg – aber Fernsehen war mir auf Dauer tatsächlich zu langweilig. Mit 39 Jahren begann ich das Theologie-Studium. Nun gehe ich bewusst diesen neuen Schritt ins Vikariat, und kann endlich von dem erzählen, was ich so liebe: Das Leben und die biblischen Geschichten.

Der Masterstudiengang Evangelische Theologie an der Universität Marburg ist im deutschsprachigen Raum der einzige Fernstudiengang in ev. Theologie. Studierende müssen viel Stoff eigenverantwortlich erarbeiten, alle sechs bis acht Wochen findet eine kompakte Lehrwoche mit den Professoren statt, ein paar Wochen später jeweils die Prüfung. Der Studiengang ist für Quereinsteiger und Berufstätige konzipiert und dauert drei Jahre ohne Semesterferien, wobei davon ausgegangen wird, dass Studierende etwa 20 Wochenstunden Lernzeit aufbringen müssen. Zugelassen zum Studium wird, wer mindestens ein abgeschlossenes Studium und 5 Jahre Berufserfahrung nachweisen kann, sowie das Bestehen der Aufnahmeprüfung.

Predigt des Monats
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Predigt über Apostelgeschichte 8,28-39

von Professor Dr. Fulbert Steffensky, Predigtpreisträger 2013 für sein LEBENSWERK

Die alte Dame und ihre Geburtsurkunde

Ich denke an eine alte Dame – Sie mögen im Laufe meiner Rede erraten, wer sie ist! Es ist ihr manchmal so nachdenklich zumute. Dann zieht sie ihr Schwarzseidenes an und kramt gerührt über sich selber in alten Briefen, Papieren und Urkunden. Dabei stößt sie auf ihre Geburtsurkunde. An Pfingsten hat sie Geburtstag. Sie liest, wie sie angefangen hat und wie sie gedacht war. Es ist in jener Urkunde (sie steht übrigens in der Apostelgeschichte!) von wilden Sachen die Rede: vom Sturm des Geistes, vom Feuer des Anfangs und vom Mut der ersten Zeugen. Und sie erschrickt, wenn sie noch des Erschreckens fähig ist. Denn in dieser Geburtsurkunde liest sie von einer alten und lange vergangenen Schönheit. Betulich und langsam, wie sie geworden ist, liest sie, dass sie einmal als junger, wilder Wein gedacht war. Sie liest, dass sie einmal so voll des Geistes war, dass man sie für betrunken gehalten hat – schon um neun Uhr morgens. Jetzt hält sie niemand mehr für betrunken. Sie genehmigt sich nur noch selten ein Gläschen Geisteslikör. Sie ist ehrbar geworden. Sie geht ja auch mit ehrbaren Leuten um, mit Professoren und Hauptpastoren, mit Ministern und Exzellenzen, mit Superintendenten und mit Generalsuperintendenten. Sie isst mittags mit Generaldirektoren und abends mit Oberstaatsanwälten. Da kann man doch nicht tun, als sei man erst zwanzig! Aber wie war die alte Dame gedacht bei ihrer Geburt, und was hat man ihr in die Wiege gelegt? Lassen Sie uns in der Geburtsurkunde lesen!

Es wird zunächst eine Merkwürdigkeit berichtet und die Erfüllung eines Urtraums der Menschen: dass alle einander verstanden. Der Geist war über die Jünger und Jüngerinnen in jener frühen Stunde des Tages gefallen, sie fingen an zu predigen, und jeder der herbeigelaufenen Neugierigen hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Alle verstanden, was da gesagt wurde.

Es gibt eine andere Sprachengeschichte am Anfang der Bibel, es ist die Geschichte des Turmbaus zu Babel. Es wird erzählt von einer Zeit, da alle eine einzige Sprache sprachen. Schon hatten sie Angst, sie könnten diese Sprache verlieren und sich einander fremde werden. Schon hatten sie Angst, sie könnten zerstreut werden und einander nicht mehr finden. Da bauten sie einen Turm. Er sollte bis an den Himmel reichen, seine Spitze sollte überall zu sehen sein, und er sollte ihre Einheit retten. Gott hat diesen Traum zerstört. Man weiß nicht so genau, warum; wie man sich manchmal fragt, was Gott sich so denkt. Jedenfalls war es seitdem ein Traum, dass die Menschen ihre Sprache verstehen; dass einer weiß, was der andere meint; dass einer gegen den anderen sein Misstrauen begraben kann; dass eine dem anderen Schwester sein kann und einer dem anderen Bruder. Nun in der frühen Pfingststunde wird der Traum wahr: Jeder versteht die Sprache des anderen. Ich verstehe dich – sagen sie. Ich weiß, wer du bist. Ich fürchte mich nicht vor dir.

Hier lesen Sie die vollständige Predigt

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Die Auszeichnung des PREDIGTPREISES
„Sehnsucht nach Befreiung“
SURFTIPP
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PREDIGTPREIS-Surftipps:


Beten-online



http://www.festjahr.de/



liturgische Kalender

von Stephan Bolzenius

beten-online.de von Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti
Auf www.beten-online.de finden Sie sowohl Kinder- als auch Jugendgebete. Aber auch wer auf der Suche nach Texten für alte Menschen und andere Zielgruppen ist, wird hier fündig. Neben den genannten Texten bietet die Seite zudem die Grundgebete der Kirche und eine umfangreiche Sammlung an Tagesgebeten an. Betreut wird sie von Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti, der auch mit Ihrer Hilfe Gebetsanstöße für die verschiedensten Gelegenheiten liefern kann.

http://www.beten-online.de
http://www.beten-online.de/atmen.html



Festjahr
Bei diesem katholischen Angebot wird der kirchliche Jahreskreis in Aufbau, Inhalt und Bedeutung sehr anschaulich und informativ vorgestellt. Die Seite beinhaltet außerdem ausführliche Artikel zu allen Festen im Kirchenjahr, deren Bedeutung sowie deren Entstehungsgeschichte.

http://www.festjahr.de/ (kath)








Liturgische Kalender
Informieren Sie sich im Liturgischen Kalender über die einzelnen Sonntage im Kirchenjahr, ihre Bedeutung und ihre Textordnung. Zu den einzelnen großen Festtagen stehen vertiefende Informationen zur Verfügung wie Bedeutung, Geschichte, Bräuche und Termine zu Gottesdiensten, Konzerten und Veranstaltungen.

http://www.bayern-evangelisch.de/www/liturgischer_kalender/index.php (ev)

Veranstaltung
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Kirchen-Messe GLORIA

Gloria - Kirchen Messe  

Die Kirchen- Messe GLORIA findet vom 7. bis 9. November 2013 wieder in Augsburg, der Stadt des Religionsfriedens, statt.

Die ökumenisch-ausgerichtete Fach- und Publikumsmesse ist die einzige Kirchen-Messe im deutschen Raum und erfreut sich einer mehr als zehnjährigen Erfolgsgeschichte.

Ein nach Auskunft der Messeleitung „fulminantes Rahmenprogramm“ will nachhaltige Beispiele lebendigen Glaubens und Anregungen für das christliche Leben vermitteln.

Nähere Informationen lesen Sie unter www.messegloria.info und bei theology.de

KUNST UND PREDIGT
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Das Symbol des Christentums neu interpretiert

Kreuz Jesu Christi Kreuz Jesu Christi   freejee


Ein Kunstprojekt des Darmstädter Künstlers Ralf Kopp


Das Projekt freeJee ist als Fragestellung an den Umgang mit Religion und Religiosität zu verstehen. Allerdings nicht mit der Holzhammer-Methode - das wäre nicht mein Weg. Eher durch minimale Veränderung - es ist "lediglich" aus Stoff und nicht aus Holz oder Metall, aber genau das ist schon Provokation und Irritierung genug. Warum eigentlich?

Kreuz und Kruzifix sind die Symbole des Christentums - freeJee für mich ein Symbol für gelebte Grundwerte, wie Toleranz und Offenheit. Ich als Künstler und Mensch möchte mit den Projekt ein Stück weit versuchen, den Umgang mit Religion zu lockern. Nicht der starre, knöcherne und hölzerne Umgang wie es ein Holz- der eins Metallkreuz wiederspiegelt.

Das Kunst-Projekt "freeJee" ist meine Herangehensweise an die Wurzeln unserer westlichen, christlich geprägten Kultur im Umfeld der Multi-Religiosität. "Leidbefreite Lebenskreuze, die anregen, die bisherige Bedeutung des Kreuzes zu überdenken und vielleicht zu erweitern." (Zitat)

Jeder freeJee ist in Deutschland handgefertigt und limitiert. Von jedem verkauften Exemplar fließen 23,95 EUR Kinderhilfsprojekten zu – weitere Infos finden Sie unter www.freejee.de

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Buchtipp
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Selbst Verständlich Predigen? So geht´s!

Gottes Wort auf der Spur

Vandenhoeck & Ruprecht
1. Auflage 2012
144 Seiten kartoniert
ISBN 978-3-525-62002-1
sofort lieferbar

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Mit einem Geleitwort von Präses Schneider

von Matthias Bernstorf, Thorge Thomsen

„In neun unterhaltsamen Kapiteln zur Traumpredigt – die Tipps der beiden Autoren, die zugleich »vom Radio« sind, machen es möglich! Ein Buch, das insbesondere ehrenamtlichen Predigenden Mut, Kompetenz und Gehör verschafft! Von Zeitplanung und Themenwahl über Formulierung, Probe und Performanz bis hin zum Rückblick spannt sich der Bogen…“

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