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Predigtpreisnewsletter Dezember 2013
Editorial

Die 15. Ausschreibung beginnt

Liebe Leserin, lieber Leser,


sind Ihre Weihnachtspredigten schon fertig? Wir hätten noch eine Anregung für Sie: Eine Heiligabendpredigt über die Hosen des heiligen Joseph, gehalten von Fulbert Steffensky in der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen in Hamburg. Lassen Sie sich inspirieren und anregen von seinen Gedanken. Wir haben uns entschlossen, die Predigt in diesem Newsletter als Gastbeitrag zu veröffentlichen.

Fulbert Steffensky war mit seinen schönen, begnadeten Wortbildern auch der Partner unseres Interviews. Das lag nahe. Denn vor wenigen Wochen trafen wir mit ihm zusammen und erlebten mit ihm und seiner Frau Li Hangartner zwei eindrückliche Feiern am Vortag und am Tag der Predigtpreisverleihung. Fulbert Steffensky wurde dabei mit dem Predigtpreis 2013 für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Hier finden Sie weitere Informationen über ihn und seine Mitpreisträger:

Andrea Schmolke aus Lauf an der Pegnitz, die ihren knapp zweijährigen Sohn mitbrachte und über ein ungeborenes behindertes Kind gepredigt hatte,

Jörg Coburger, der Dompfarrer im sächsischen Freiberg, ein wunderbarer Geschichtenerzähler,

und Helmut Herberg, ein Sauerländer in Schwaben, mit seiner radikalen Ehrlichkeit. Alle Beiträge formten sich zu einer eindrücklichen, stimmigen Feier. Sie bleibt uns im Gedächtnis und motiviert uns, den Austausch mit Ihnen über Predigten, Prediger und Gottesdienste weiterzuführen.

Zugleich läutet die Feier eine neue, die 15. Ausschreibung des Predigtpreises ein. Bitte, beteiligen Sie sich wie schon bisher. Wir freuen uns auf Ihre Predigten und auch über Ihre Hinweise an Prediger, die Sie beeindruckt haben.

Wir wünschen Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und einen guten Beginn des neuen Jahres.

Herzlich grüßt


Ihr

Wolfgang Thielmann

Aktuelle Themen:

Allerheiligen, Allerseelen, Aschura
Fulbert Steffensky: „Schönheit und Gnade sind leibliche Geschwister“
Gastbeitrag: „Mit den Hosen des heiligen Josef glauben“
Predigt des Monats: Adventliche Meditation über Jesaja 45,8 und das Lied „O Heiland, reiß die Himmel auf“
Surftipps: God’s Cloud, Astronomie, Onlineadventskalender
Kunst und Predigt: URSPRUNG
Buchtipp: Ein seltsamer Freudenmonat (Handsigniert)

Predigende Bilder

Predigende Bilder Hiobskind


© W. Stenz


Hiobskind

Unter den Engeln
von Bethlehem ist einer,
der schweigt.

Es hat ihm
die Sprache verschlagen.

Das Lied
von der großen Freude,
es scheint ihm unangebracht.

Selbst in der
Heiligen Nacht.

Er hat das
Elend gesehen.

Unter den Engeln
von Bethlehem
ist einer,
er weint
mit dir.

© Tina Willms, Predigtpreisträgerin 2003

aus: Tina Willms, Erdennah – Himmelweit, Neukirchener Verlagsgesellschaft 2014 (erscheint im Februar), Rechte bei der Autorin

Eine preisgekrönte Morgenandacht von Tina Willms lesen Sie hier

Sprechende, „predigende“ Bilder – teilen Sie Ihr eindruckvollstes Foto mit uns. Schicken Sie uns bitte eine E-Mail mit dem Betreff „Predigtfoto“. Fügen Sie Ihr Foto(s) bei mit einem kurzen Begleittext und Ihrer Adresse an predigtfoto@nl.predigtpreis.de.

Ökumene
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Allerheiligen, Allerseelen, Aschura

Ökumene ist ein kleines, aber wachsendes Segment auf dem Kalendermarkt

Foto: pawel_231

Ökumene ist ein kleines, aber wachsendes Segment auf dem Kalendermarkt

Ökumene ist ein kleines, aber wachsendes Segment auf dem Kalendermarkt Wann ist 2014 das Laubhüttenfest? Und wann das Zuckerfest? Die Antworten auf diese Frage führen zu einem neuen Thema. Ökumene und religiöse Vielfalt beginnen, sich zu einem neuen Angebot auf dem wachsenden Kalendermarkt zu entwickeln. Auf der Suche nach Nischen baut die deutsche Kalenderproduktion ein weiteres Segment aus. Nach Informationen der Katholischen Nachrichtenagentur ist Deutschland Weltmeister im Herstellen von Kalendern.

Noch ist das Angebot zum Thema überschaubar. „Ökumene ist Mangelware“, resümiert die Agentur.

Die meisten Kalender, die sich der Ökumene und den Religionen widmen, erscheinen als Jahresübersichten im Internet. So bietet etwa das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eine Jahresübersicht zum Download an, die Festtage von Christen, Juden, Muslimen, Buddhisten und Hinduisten enthält. Es ist interessant zu sehen, wie auf Allerheiligen und Allerseelen am 3. November das islamische Aschurafest folgt. Noch schöner gestaltet, aber nicht unbedingt übersichtlicher bietet die Beauftragte des Berliner Senats für Integration und Migration den Kalender an. Bei ihr ist er zudem für 50 Cent als Wandposter für Schulen, Verwaltungen und Gemeinden erhältlich (Potsdamer Str. 65, 10785 Berlin-Mitte). Im Download gibt es mehrere Versionen, darunter eine barrierefreie zum Vorlesen.

Andere Stadtverwaltungen oder auch private Initiativen offerieren ähnliche Angebote. Das von amen-online.de ist interaktiv und barrierefrei im Netz verfügbar. Das ökumenische Portal amen-online mit Gebeten und Texten aus zwei Jahrtausenden wird von Olaf Wischhöfer aus Bonn betrieben. Es enthält interessante Links, unter anderem zum Projekt „Offene Bibel“, ein frei zugängliches Bibelübersetzungsprojekt.

Kalender wie die genannten sind praktisch für Bildungseinrichtungen, Kindergärten und Schulen, die bei ihrer Planungen die verschiedenen Feste berücksichtigen müssen. Mehr Platz für Einträge lässt der Kalender der Religionen, den das Pfarramt für Ökumene in den evangelischen Dekanaten Grünberg-Hungen-Kirchberg in der Nähe von Gießen herausgibt. Manche Feste werden erläutert, zudem enthält der Kalender Kontaktdaten der Religionsgemeinschaften. Er ist gegen Portoerstattung bei Pfarrer Bernd Apel erhältlich. Zu den etablierten Angeboten gehört der seit 50 Jahren erscheinende Taschenkalender „365 Mal Gottes Wort“ der Action 365. Er listet alle Heiligen an ihrem Gedenktag auf und enthält die Feste der östlichen Orthodoxie, des Judentums und des Islam. Täglich wird ein Satz aus der Bibel kommentiert, ergänzt durch Meditationen zu den großen christlichen Festen. Ein Teil mit Gebeten ist angehängt. Es gibt den Kalender in verschiedenen Ausgaben zwischen 3,50 und 9,90 Euro.

Der Luther Verlag in Bielefeld hat ebenfalls einen interreligiösen Wandkalender im Format 30x30 cm im Angebot. Für das kommende Jahr ist das Angebot unter dem Titel „Miteinander“ allerdings schon ausverkauft. Dafür enthält der noch verfügbare Wandkalender „Mit Gott durch das Jahr“ (10,90 Euro, Hochformat 24x32 cm) die ökumenischen Monatssprüche.

Fast unüberschaubar ist dagegen der Markt der meditativen Kalender. Die meisten aus evangelischen und katholischen Verlagen verbinden Bilder und Sinnsprüche, Bibelverse oder Zitate christlicher Denker. Immer stärker steigen aber auch andere Anbieter ein. Sie bieten Kalender mit Wohlfühltipps, Weisheiten und Zitaten, aber auch mit Kirchen und Kathedralen. Andere Religionen kommen darin meist mit ihrem Mystikern und Philosophen vor, auch mit der Küche ihrer Verbreitungsländer, aber nicht mit ihren Festen und Feiern.

Wolfgang Thielmann
Das Interview
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„Schönheit und Gnade sind leibliche Geschwister“

Professor Fulbert Steffensky - Predigtpreisträger 2013

Foto: Predigtpreis

Fulbert Steffensky, 1933 geboren als Edmund Steffensky im saarländischen Rehlingen, war nach dem Studium der katholischen und der evangelischen Theologie 13 Jahre lang Benediktinermönch in der Abtei Maria Laach. 1969 wurde er evangelisch, behielt aber seinen Mönchsnamen bei, und heiratete die Theologin Dorothee Sölle. Mit ihr hatte er im Jahr zuvor die Gottesdienstreihe „Politisches Nachtgebet“ in Köln begonnen. 1972 wurde er Professor für Erziehungswissenschaften in Köln, 1975 wechselte er als Religionspädagoge nach Hamburg. Zehn Jahre nach dem Tod von Dorothee Sölle heiratete er in diesem Jahr die schweizerische Theologin Li Hangartner. Am 20. November, dem Buß- und Bettag, erhielt er den Predigtpreis 2013 für sein Lebenswerk.

Interview mit Professor Fulbert Steffensky, Predigtpreisträger 2013 für sein Lebenswerk



Predigtpreis: Herr Prof. Steffensky, Katholiken und Protestanten, sagen Sie, sprechen zwei unterschiedliche Dialekte des Christlichen. Was können sie jeweils am besten?


Fulbert Steffensky: Der katholische Dialekt ist bildhaft-sinnlicher, stärker traditionsorientiert und kirchenbewusster. Die Sakramente spielen eine größere Rolle. Schon die Zahl sagt es: Sieben Sakramente bei den Katholiken, zwei bei den Protestanten. Im Protestantismus spielt sicher die Bibel eine größere Rolle. Das Wort ist wichtiger als das Sakrament. Die Freiheit und die Unmittelbarkeit des Menschen zu Gott sind betont. Darum sind Protestanten skeptisch gegen alle Vermittlungsinstanzen in der Religion. Es gibt keine "Gnadenmittel", es gibt keine heilige Personen, Orte und Techniken. Ich spiele übrigens das eine nicht gegen das andere aus. Beide Dialekte sind Charismen und beide haben ihre Macken.


Predigtpreis: Muss man ein gewisses Alter erreichen, um mit so heiterer Gelassenheit, mitunter auch mit Komik zu predigen wie Sie es tun? Bestimmte Worte, Wendungen und Lieder sind gereift durch langen Gebrauch und gewaschen durch die Hoffnung der Toten, sagen Sie.



Steffensky: Je älter ich werde, um so mehr spüre ich die Kargheit meines Glaubens. Und so flüchte ich gerne in das Glaubensgasthaus meiner lebenden und toten Geschwister: Ich gehe gerne in die Gottesdienste; ich schätze die alte Sprache der Tradition. Nicht, weil ich im Alter frömmer und zahnloser geworden bin, sondern eher, weil ich mit meinem bisschen Glauben nicht auskomme. Mit jedem Psalm und mit jedem Vaterunser lese ich ihnen den Glauben von den Lippen. Ich muss nicht autark sein, nicht einmal mit meinem Glauben. Das allerdings ist ein Grund zur Lebensheiterkeit. Ich bin nicht der alleinige Autor meines Glaubens. Ich betreibe Plagiat, ich schreibe ab von der Stärke meiner lebenden und toten Geschwister.

Predigtpreis: Gerade haben wir einen Streit um eine Sprecherin des Wortes zum Sonntag erlebt. Ihr wird vorgeworfen, in der Adventszeit zu viel von Äpfeln und Nüssen und zu wenig vom Kommen des Gottessohns gesprochen zu haben. Spricht die Kritik ein grundsätzliches Problem an? Trauen Prediger/innen der Predigt zu wenig zu, trauen sie sich zu wenig, die Menschen mitzunehmen ins Zentrum der christlichen Botschaft?


Steffensky: Es könnte die Gefahr bestehen, dass die Predigenden nur sagen, was nach menschlichem Ermessen sagbar ist. Aber unsere Kirchen müssen die Unsäglichkeiten retten. Dass die Armen selig sein werden, die Toten nicht verloren sind und dass die Tyrannen endlich einmal ausgespielt haben, ist mit guten Gründen allein nicht sagbar. Und das Unsäglichste: Dass Gott sich in Christus verhüllt hat und unsere Menschenwege gegangen ist bis in den Tod. Was alle sagen, brauchen wir auf unseren Kanzeln nicht zu sagen. Die Kirchen müssen die Unsäglichkeiten hüten und retten.


Predigtpreis: Musikinstrumente sind die besseren Prediger, haben Sie vor kurzem am Ende einer Predigt gesagt. Was ist ihre Botschaft?


Steffensky: Die Musik und die Lieder sind schön, und Schönheit heilt. Schönheit und Gnade sind leibliche Geschwister.

Predigtpreis: Können Sie einen Bibeltext nennen, der Ihnen richtig zu schaffen macht?



Steffensky: Am meisten zu schaffen macht mir die Bergpredigt. Da werden die Bitterarmen selig gepriesen, die Verfolgten, die reinen Herzen. Ich aber bin Mitglied einer Volkskirche, nicht verfolgt und damit ein Prediger ohne große Risiken. Ich bin nicht arm, und damit nicht der erste Adressat dieser Versprechen. Wenn ich über die Bergpredigt rede, dann predige ich auch gegen mich selbst. Erst wenn ich das weiß, darf ich den Mund aufmachen.



Wolfgang Thielmann


 

Die Bergpredigt - eine Zumutung? von F. Steffensky lesen Sie hier


DER GASTBEITRAG
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Mit den Hosen des heiligen Josef glauben

Weihnachtspredigt von Fulbert Steffensky

Foto: predigtpreis.de

Fulbert Steffensky, 1933 geboren als Edmund Steffensky im saarländischen Rehlingen, war nach dem Studium der katholischen und der evangelischen Theologie 13 Jahre lang Benediktinermönch in der Abtei Maria Laach. 1969 wurde er evangelisch, behielt aber seinen Mönchsnamen bei, und heiratete die Theologin Dorothee Sölle. Mit ihr hatte er im Jahr zuvor die Gottesdienstreihe „Politisches Nachtgebet“ in Köln begonnen. 1972 wurde er Professor für Erziehungswissenschaften in Köln, 1975 wechselte er als Religionspädagoge nach Hamburg. Zehn Jahre nach dem Tod von Dorothee Sölle heiratete er in diesem Jahr die schweizerische Theologin Li Hangartner. Am 20. November, dem Buß- und Bettag, erhielt er den Predigtpreis 2013 für sein Lebenswerk.

Weihnachtspredigt von Fulbert Steffensky

Liebe Gemeinde, von den Hirten wird gesagt, dass sie ein großes Licht sahen und dass sie Engelschöre hörten. So sind sie leichtfüßig zum Stall gelaufen. Wenn auch ziemlich erbärmlich war, was sie fanden- ein obdachloses Ehepaar mit einem neugeborenen Säugling. Sie hatten doch noch das Licht vor Augen und die blendende Erscheinung der Engel und ihren Ruf: Fürchtet euch nicht! Und sie konnten leicht glauben. Die Weisen, diese Frühesoteriker, hatten einen Stern, der sie geführt hat und der endlich über dem Stall stehen blieb, in dem das Kind lag. Sie hatten leicht gehen: Sie hatten einen überzeugenden Stern. Maria schließlich hatte einen Engel, der ihr ihren Auftrag und ihre Schwangerschaft erklärte. Ein Engel macht einem den Glauben leicht.

Mich interessiert heute zunächst eine Figur, die mindestens bis zu diesem Zeitpunkt keinen Stern und keinen Engel gesehen und die kein Licht geblendet hat. Es ist Josef. Er ist bei jedem Krippenszenario zu finden. Aber er steht meistens im Hintergrund, hält die Laterne, zu alt, um einen brauchbaren Verlobten abzugeben. Er sieht die komischen Gestalten kommen: die Hirten, die Subproletarierer jener Zeit, die zu arm waren, um fromm zu sein wie viele andere vor ihnen und nach ihnen auch. Er sieht die drei abgerissenen Ausländer, die der Stern aus ihrer Heimat getrieben hat und die die Geschichte später zu heiligen drei Königen gemacht hat. Josef ist der einzige, der keine Erscheinung hat. Und darum ist er mir lieb. Josef ist der erste, der nur eine Erzählung von der Erhabenheit der Dinge hat – von Engeln, vom Licht und von dem Kind, das das Heil Israels sein soll. Er ist der erste Protestant, der nicht mehr hat als das Wort und die Erzählung dieses Lumpengesindels um die Krippe. Wenn es noch das Zeugnis und die Erzählung von ehrbaren Leute gewesen wäre, von Professoren, Hauptpastoren, Bischöfen und ähnlichen überzeugenden Erzählern! Nein, es waren nur diese bambuleverdächtigen Hirten und Ausländer. Josef steht verlegen im Hintergrund. Er runzelt die Stirn. Er möchte ja so gerne glauben, dass ab sofort den Armen Recht widerfahren soll und dass die Gewalttätigen vernichtet werden. Aber die Verhältnisse sind nicht so. Er schaut um sich, sieht den Stall und die lächerlichen Figuren darin und runzelt die Stirn, weil er noch nicht mehr hat als die Erzählung vom Recht der Armen. Er bestreitet die Geschichte nicht. Vielleicht braucht er sie viel zu sehr, als dass er sie für völlig unwahrscheinlich halten könnte. Aber er runzelt die Stirn, zieht seine Hose aus, wie es auf alten Weihnachtsbildern zu sehen ist, und wärmt das Kind. Wenigstens das! Wenigstens dieser kleine Anfang für den Trost der Armen. Wenigstens dieser bescheidene Anfang des Reiches Gottes: die Hosen des heiligen Josef. Ich liebe Josef, denn er ist wie wir. Die wenigsten von uns hat heute eine Erscheinung hergetrieben oder ein Stern gelockt. Wir kommen auf Gutglauben. Wir haben eine alte Erzählung im Ohr. Einige hatten damals schon einen Stern gesehen und haben davon erzählt. Einige haben schon Engel gesehen, und für sie ist die Welt nicht einfach, was sie ist; der Stall nicht mehr, was er ist, und das Kind nicht mehr, was es ist. Uns hat eine alte Erzählung hierher getrieben. Wir sind ein bunter Haufen: einige von uns glauben an diese Erzählung von der Geburt des Sohnes des Lichts. Sie setzen auf die Wahrheit und auf das Versprechen dieser Erzählung, wenn vielleicht auch keiner ohne Stirnrunzeln wie jener Josef.

Welche Würde, die Welt einfach nicht mehr zu nehmen, wie sie ist; schon das Recht der Armen zu riechen, obwohl sie noch wenig von ihm sehen. Welche Würde, schon vom Frieden zu sprechen und davon, dass den Kriegstreibern das Handwerk gelegt wird, obwohl diese Kriegstreiber ihr Handwerk immer noch betreiben. Welche Würde, sich von jener Erzählung leiten zu lassen und in jedem neugeborenen Kind mehr zu sehen als die bloße Tatsache seiner Armut und seiner Hilflosigkeit. Wenn wir diese Erzählung hören, tragen wir unsere eigenen Wünsche und Hoffnungen in sie ein. Sie sind wie alte Formulare, in die wir unsere Geburts- und Sterbedaten eintragen; unsere Glücksdaten und die Daten unserer Niederlage und unserer Schuld. Nein, man kann nur schwer ohne jene Erzählung leben. Ich meine nicht, dass sie jeder glauben kann. Es spricht ja viel dagegen, wie uns das Stirnrunzeln des heiligen Josef lehrt. Aber jeder kann diese aufrührerische Erzählung schön finden. Und etwas schön finden, ist noch besser, als nur an etwas zu glauben.

Einige von uns setzen auf die alte Erzählung, wie man in einer Wette setzt und weiß, dass man verlieren kann. Viele, die Weihnachten in die Kirche gehen, glauben nicht. Aber sie sehen zu, wie andere glauben. Und das ist wohl auch ein Stück Glaube. Ein Glaube auf Zeit, und ein Glaube bei Gelegenheit! Wer wollte ihn verachten! Viele von uns spielen den Glauben, den sie verloren haben. Sie haben Adventkränze und Kerzen, hören und singen die Lieder, hören das Weihnachtsoratorium. Wer wollte das verachten! Den Glauben und die Hoffnung zu spielen, ist eine Form des Glaubens, eine dürftige vielleicht, aber man soll sie nicht verachten, wenn man nicht mehr hat. Nun habe ich uns Josefs und Josefinen genug bemitleidet und gelobt, die wir kein Licht sehen und von keinem Stern gedrängt werden; die wir nicht mehr haben als die Erzählungen vom Licht und der seltsamen Geburt.

Ein bisschen Ehre will ich nun auch Gott geben. Denn „Ehre sei Gott in der Höhe!“ ist schließlich der Grundruf dieser Nacht. Was sagen wir da: Gott ist Mensch geworden. Gott hat sein Gesicht aufgedeckt in jenem Jesus von Nazareth. In den großen Rettungserzählungen sind die Retter durchweg stark. Sie kommen auf Rossen, sie sind unverwundbar, sie haben in Drachenblut gebadet. Sie schlagen ihre Feinde. Sie legt keiner aufs Kreuz. Weihnachten ist das Ende der Erhabenheit Gottes. Es ist wie eine Parodie auf den gewöhnlichen Gottesglauben. Der Retter des Volkes, verehrt von den abgerissenen Gestalten und eingewickelt in die wärmenden Hosen des zweifelnden Josef. Es ist ein blasphemisches Fest. Was soll daran retten?

Was soll daran retten! Ich gehe einen Umweg und erzähle Ihnen die Geschichte einer Frau, die Geschichte von Simone Weil, der französischen Jüdin und Sozialistin, die bis in das Herz des Glauben gekommen, aber nie in eine Kirche eingetreten ist. Simone Weil war in der Résistance, sie hat kurze Zeit in einem Nazigefängnis gesessen. Sie konnte mit ihren Eltern nach New York entkommen. Sie war in Sicherheit, und dort konnte sie endlich leben. Aber sie hat es dort nicht ausgehalten. Sie hat es nicht ausgehalten, nicht dort zu sein, wo ihr Volk leidet. Sie hat es nicht ausgehalten, mehr Brot zu haben als ihr gequältes Volk hat; mehr Sicherheit, mehr Glück als die, die den Henkern verfallen waren. Sie wollte zurück nach Frankreich. Bis England ist sie gekommen, dann nicht weiter. Sie hatte abenteuerliche Pläne, sie wollte mit einem Fallschirm über dem besetzten Frankreich abspringen. In England aß sie nur so viel wie Juden nach ihrer Vermutung in Frankreich damals zu essen hatten. Sie bekam Tuberkulose und ist verhungert. Welcher zwecklose und welcher zärtliche Tod! „Sie ist verrückt“, hat de Gaulle damals bündig erklärt. „Ihr Herz schlug für die ganze Welt!“ hat Simone de Beauvoir von ihr gesagt. Auch sie war ein aufgedecktes Antlitz Gottes. Simone Weil hat diesen Gott nachgespielt, der es nicht ausgehalten hat, nicht dort zu sein, wo seine Söhne und Töchter leiden. Welches zwecklose Leiden und welcher zwecklose Tod des Sohnes der Güte. Kein Kind stirbt weniger, weil er gestorben ist. Kein Schmerz ist geringer geworden. Die Verzweiflung und das Unrecht sind nicht ausgerottet aus der Welt. Und immer noch sind unsere Tränen nicht gestillt.

Doch welch eine Zärtlichkeit: ein Gott, der bedürftig wird wie wir; der das Glück der Freundschaft und der Liebe kennt wie wir; der früh auf der Flucht ist wie viele von uns und den das Leben aufs Kreuz legt wie andere auch. Die pure Macht, Stärke und Größe hat noch niemanden gerettet. Aber die nicht weichende Zärtlichkeit ist der große Trost. Es ist nicht alles, was von diesem Gott zu sagen ist. Ich verlange von ihm auch seine Stärke. Wir lassen ihn nicht davonkommen und verlangen von ihm das Recht der Armen, den Trost der Unglücklichen, und dass endlich die Stadt erscheine, in der niemand mehr Beute des anderen wird. Wir verlangen es, weil wir die Toten nicht vergessen können und die Opfer nicht aufgeben wollen. Und doch ist die innere Hauptsache Gottes nicht seine Stärke, sondern sein Durst, anwesend zu sein und aus unseren eigenen Schicksalen nicht zu weichen. Endlich ein Gott, dessen Größe uns nicht erschlägt! Endlich ein Gott, der weiß, wohin er gehört! Endlich ein Gott, dessen man sich nicht schämen muss! Liebe Gemeinde, ich komme noch einmal auf den heiligen Josef zurück. Gott hat ihm seinen Glauben schwer gemacht, weil er ihm kein Licht und keinen Stern geschickt hat. Er hat ihm den Glauben so schwer gemacht, wie er uns schwer ist. Vielleicht hat dieser Josef noch nicht in seinem Herzen geglaubt. Aber er hat es schon mit seinen Hosen, indem er sie ausgezogen und das Kind darin gewärmt hat.

Die Kollekte in dieser heiligen Nacht ist für „Brot für die Welt“ bestimmt. Sie merken schon, worauf ich hinaus will: ich will Ihnen an die Hosen. In dieser Nacht des schweren und vielleicht auch geringen Glaubens könnten wir doch wie Josef mit unseren Hosen und Röcken glauben, wenn das Herz schon taub ist. Wir könnten doch darin die Kinder der Kälte wickeln und so dem Reiche Gottes auf die Sprünge helfen. Wie wäre es, wenn wir so viel in die Kollekte täten wie unsere Hose oder der Rock wert ist, den wir gerade tragen? Ich hoffe, Sie haben Ihre teuersten angezogen. Der Glaube mit den Hosen und ohne das Herz ist jedenfalls besser als der Glaube mit dem Herzen ohne die Hosen. Gott sieht nicht nur auf das Herz. Er sieht auch auf die Hosen des heiligen Josef.

Predigt des Monats
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Adventliche Meditation über Jesaja 45,8 und das Lied „O Heiland, reiß die Himmel auf“ (GL 105 = eg 7)

von Professor Dr. Rolf Zerfaß, Predigtpreis 2007 für sein Lebenswerk

[…] Wir sind eine Generation, die neu lernen muss, mit der eigenen Ohnmacht zu leben. Tag um Tag wird uns zugemutet, Probleme zur Kenntnis zu nehmen, die offensichtlich niemand lösen kann. Aber wenn wir nur einfach schlucken, was uns die Tagesschau Abend für Abend serviert, werden wir krank. Wir müssen das Zeug wieder aus uns herausbringen, und wir haben die Möglichkeit, es vor Gott hinzutragen. Dazu ist der Advent da. Wenn wir uns mit der Last, die uns drückt, vor Gott hinbegeben und ihm unsere Fragen zumuten, werden wir, wie Friedrich von Spee, auch die nächsten kleinen Schritten entdecken, die „aus dem Elend in das Vaterland“ führen.

Dazu ist der Advent da. Er ist uns gegeben als eine Zeit der Einübung in die Ungeduld!

Amen.

Hier lesen Sie die vollständige Predigt

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Die Auszeichnung des PREDIGTPREISES
„Sehnsucht nach Befreiung“
SURFTIPP
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PREDIGTPREIS-Surftipps:


Gods Cloud im ZDF







Astronomie Abtei Münsterschwarzach









Onlineadventskalender EKD

von Stephan Bolzenius

„God’s Cloud“
Ist ein ZDF-Projekt zu religiösen Themen, online und im TV, das am 2. Dezember 2013 im Internet startet. Im Zentrum der Online-Seite godscloud.zdf.de stehen erklärende Videoclips. Kurz und kompakt beantworten sie Fragen zu den Themenfeldern Glaube, Bibel und Religion. Für das Fernsehen werden mehrere Clips thematisch zu halbstündigen Dokumentationen zusammengefasst. Zu finden sind die einzelnen Begriffe nicht nur über ein alphabetisches Register, sondern auch über eine „Wortwolke“. Ergänzt werden die Videoclips durch Aussagen von Theologie-Experten, die Fragen vertiefen, Hintergründe aufzeigen, Vorgänge einordnen und für den Nutzer verständlich machen.

http://www.godscloud.zdf.de/




Astronomie
„Wenn Gott der Schöpfer des Weltalls ist, dann kann uns auch die Schöpfung etwas von ihrem Schöpfer erzählen.“ Seit über 10 Jahren betreibt P. Christoph Gerhard OSB auf dem Gelände der Abtei Münsterschwarzach die alte klösterliche Wissenschaft der Beobachtung der Sterne. Ihn beschäftigt nicht nur die Astronomie als Hobby, sondern auch ihr Zusammenhang mit dem Glauben und einer gelebten Schöpfungsspiritualität. Auf gleicher Linie liegt auch der Einsatz als Klostergemeinschaft für einer sorgsamen Umgang mit unserer Schöpfung. Auf der übersichtlich gestalteten Seite finden sich neben vielen Fotografien zudem auch Hinweise auf Vorträge von Pater Christoph Gerhard. Für Interessierte gibt es auf dieser Seite auch dieses Jahr einen von ihm erstellten Astronomiekalender mit Fotografien aus seiner Sammlung.

http://www.abtei-muensterschwarzach.de/




Onlineadventskalender
Seit vielen Jahren ist der Onlineadventskalender der EKD ein täglicher Begleiter durch die Adventszeit. Er lässt sich selbst gestalten und an einen lieben Menschen verschenken - der bekommt dann jeden Tag eine E-Mail, die ihn zur Internetseite mit seinem ganz persönlichen "Türchen" leitet. Wer keine Zeit oder keine Lust zum digitalen Basteln und Texten hat, kann einen fertigen Kalender verschicken oder selbst abonnieren. In diesem Jahr verkürzen "starke Sätze" aus dem gleichnamigen Buch von Margot Käßmann die Zeit bis Weihnachten. Der Adventskalender ist für alle kostenlos.

http://www.ekd.de/advent_dezember/start.html

KUNST UND PREDIGT
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URSPRUNG

Ralf Kopp -  Ursprung Ralf Kopp - Ursprung

© Ralf Kopp

Weitere Infos zur Arbeit finden Sie hier: http://ursprung.ralfkopp.com

Auf dieser Seite finden Sie auch im unteren Bereich einen interessanten Text von Kunsthistoriker Dr. Roland Held.

 

von Ralf Kopp

Ursprung

Die Arbeit „Ursprung“ von Ralf Kopp ist eine interaktive Installation (Großprojektion) aus dem Bereich Videokunst / Lichtkunst, welche Töne visuell in Kreuzform umsetzt. Dazu wird durch ein angeschlossenes Mikrofon das Tonspektrum analysiert und durch einen Rechner mit zugehörigem Programm visuell umgesetzt. Tiefe, mittlere und hohe Tonlagen werden unterschiedlich dargestellt in Form und Farbe. Die Installation wurde schon bei einigen kirchlichen Veranstaltungen zum Thema „Nacht der Kirchen“, Karfreitag, im musikalischen Kontext oder auch nur auf das Publikum reagierend in Deutschland und Europa gezeigt.

Ansprechende Videomitschnitte der Arbeit finden Sie unter
http://www.youtube.com/watch?v=TRxpfg6n21U

oder
http://www.youtube.com/watch?v=egLf7sDx3xk


Neugierig?
Der Künstler ist ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, diese Arbeit dem Publikum zeigen zu können. Eins vorweg: Die Installation ist in vielen Kirchenbauten realisierbar. Bei Interesse können Sie sich direkt an Ralf Kopp per Mail an info@ralfkopp.com oder telefonisch unter 0176 2710 2170 wenden.

Weitere Infos zur Arbeit finden Sie hier: http://ursprung.ralfkopp.com Auf dieser Seite finden Sie auch im unteren Bereich einen interessanten Text von Kunsthistoriker Dr. Roland Held.

Die Installation kann bei Bedarf in Erscheinung und Farbe angepasst werden. So kann z.B. das Kreuz auch dezenter gezeigt werden oder einfarbig in Weiß. Auch kann „Ursprung“ in eine ganze Ausstellung mit verschiedenen Arbeiten des Künstlers integriert werden – auch gerne inkl. z.B. einer Diskussionsrunde fürs Rahmenprogramm. Weitere Informationen zur Ausstellung „aCROSS“ und zu den Arbeiten der Ausstellung finden Sie als PDF hier.

Buchtipp
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Ein seltsamer Freudenmonat (Handsigniert)

Ein seltsamer Freundenmonat - Fulbert Steffensky

Preis: 16,00 €/ 23,50 CHF
Verlag: Radius;
192 Seiten;
Bestell-Nr: 8806
ISBN: 978-3-87173-924-8

 

24 Adventsgedichte und 24 Adventsgeschichten

Fulbert Steffensky (Hg.)

Die meisten Menschen wissen wenig von Engeln und Hirten, von der armseligen Geburt im Stall ... Dieses Fest ist inzwischen nicht mehr »das Weihnachten des 24. Dezember allein – es ist das Weihnachten der Seele. Gibt es das?« (Tucholsky). Ja, das gibt es. Deshalb finden sich hier Geschichten und Gedichte, die Weihnachten im traditionellen wie auch im modernen Sinn zur Sprache bringen, u.a. von Janosch, Drewitz, Andersen, Morgenstern, Gellert, Wilde, Kaschnitz, Kreisler, Kunert, Calvino, Fontane, Bichsel, Brecht, Ringelnatz, Marti und Rilke.

Hier können Sie das Buch bestellen

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