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Predigtpreisnewsletter Januar/Februar 2014
Editorial

Wie eine Predigt in die Datenbank des Predigtpreises kommt

Liebe Leserin, lieber Leser,


die Ausschreibung für den Predigtpreis 2014 läuft. Schon sind die ersten Einsendungen da. Die Juroren gehen an die Arbeit, auch wenn sie erst nach den Sommerferien zu einem gemeinsamen Beschluss kommen. Wer jetzt mit dem Lesen beginnt, hat es später leichter und muss nicht in kurzer Zeit mehr als 300 Predigten zur Kenntnis nehmen.

Zum ersten Mal gehörte ich in diesem Jahr zu den Hörern einer Predigt, die mittlerweile in der Datenbank steht. Ein Freund, der Journalist Klaus Rösler, und seine Familie trugen die Tochter Marie zu Grab. Sie ist 20 Jahre alt geworden. 15 davon hat sie im Wachkoma verbracht. Klaus Rösler hat das Ergehen seiner Tochter öffentlich gemacht. Er hat seinen Freundeskreis mit Mails am Leben der Familie mit Marie teilhaben lassen. Mit allen Kämpfen um Krankenkassenfinanzierung, einen Therapieplatz und auch um einen Bus, der Kinder im Rollstuhl transportiert.

In den letzten Jahren war Marie in der Kinderinsel der Kinderklinik des Roten Kreuzes in Siegen untergebracht, zusammen mit elf anderen Heranwachsenden, die beatmet werden müssen. Dort ist sie am Heiligen Abend des vergangenen Jahres gestorben. Die Klinikseelsorgerin Dorothee Zabel-Dangendorf hielt die Predigt in der Trauerfeier. Als die Pastorin vom sanften Säuseln des Beatmungsgerätes sprach, rief ihr Satz bei mir sofort die Erinnerung an den alttestamentlichen Propheten Elia(s) wach. Genau das hatte sie beabsichtigt. Denn sie legte die Geschichte des Propheten aus, der für die Ehre Gottes gekämpft hatte, bis ihm die Kräfte ausgingen, und der sich danach sehnte, Gott zu begegnen. Gott erfüllt ihm diesen Wunsch. Nachdem Elia die Elemente hat wüten sehen, Sturm und Gewitter, kommt ein sanftes Sausen, und daraus spricht Gott. Dorothee Zabel-Dangendorf verlegt die Begegnung mit Gott ins Leben ihrer Patientenfamilien.

Nach der Trauerfeier und der Erinnerung an Marie ging mir durch den Sinn, dass diese Predigt unbedingt in die Datenbank des Predigtpreises gehört. Ich habe mich dann gefragt, ob es gut ist, dass der Vorsitzende der Jury selber Vorschläge einbringt. Doch ich musste nicht lange überlegen. Wenige Tage später berichtete mir unsere Kollegin Sibylle Stehncken, die Projektleiterin des Predigtpreises, dass der Vater einer verstorbenen Heranwachsenden die Trauerpredigt einer Siegener Pastorin eingereicht habe.

Klaus Rösler, mit dem ich lange Jahre zusammenarbeiten durfte, ist seiner Tochter und sich treu geblieben. Auch ihr letzter Weg findet eine öffentliche Begleitung. Sie wird anderen Mut machen, die sich mit einem ähnlichen Schicksal im Getto fühlen, denen die Kraft ausgehen mag. Und die Predigt von Dorothee Zabel-Dangendorf ist in der Datenbank verfügbar und wird die Jury beschäftigen.

Falls Sie auf ähnliche Beispiele stoßen, oder falls Sie daran denken, selber eine Predigt einzureichen: Bitte zögern Sie nicht lang. Die Jury freut sich auf Ihre Beteiligung.

Ihr

Wolfgang Thielmann

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Predigende Bilder

Predigende Bilder Abschlussgottesdienst - Radeltour 2013


© OKR G. Preiser


Abschlußgottesdienst zur Deutschland-Sternfahrt „Radeltour 2013“

[…] von Eurer Radtour wisst ihr, dass das Wollen allein noch nicht alles ist. Es gibt soviel Angefangenes, erst große Lust und dann hat man schlapp gemacht und abgebrochen. Die vielen angefangenen Klavier- und Geigen- und Posaunenstunden. Jetzt liegen die Instrumente herum. Am Anfang die Begeisterung und irgendwann dann die Lust vorbei. Und die vielen angefangenen Diätkuren für ein paar Kilo weniger. Und die heißen Liebesbeziehungen. Es ist so leicht zu singen: „ein Stern, der deinen Namen trägt“, aber die Liebe durchzuhalten, ist viel schwerer. Aber wenn unser Leben gelingen soll, dann müssen wir das Durchhalten trainieren, nicht nur auf dem Fahrrad […]

Die vollständige Predigt von OKR i.R. Gotthart Preiser lesen Sie hier

Sprechende, „predigende“ Bilder – teilen Sie Ihr eindruckvollstes Foto mit uns. Schicken Sie uns bitte eine E-Mail mit dem Betreff „Predigtfoto“. Fügen Sie Ihr Foto(s) bei mit einem kurzen Begleittext und Ihrer Adresse an predigtfoto@nl.predigtpreis.de.

Ökumene
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Wissenschaftler bringen die Ökumene voran

Wissenschaftler bringen die Ökumene voran

Foto: ssho

Fast unbemerkt hat der renommierte Wissenschaftsrat die Ökumene ein Stück vorangebracht. Das Gremium, das die Bundesregierung in Fragen von Lehre, Forschung und Hochschulgestaltung berät, befasste sich wie schon mehrfach mit der Theologie. Die nachhaltigste Initiative auf diesem Feld ergriff er 2010: Aus mehreren Tagungen erwuchs die Empfehlung, auch der islamischen Theologie einen Platz an den Hochschulen zu geben. Noch im gleichen Jahr nahm die katholische Forschungsminsterin Annette Schavan, die jetzt deutsche Botschafterin am Heiligen Stuhl wird, den Ball auf und brachte die Bildung von Abteilungen für islamische Theologie an vier deutschen Universitäten auf den Weg.

Mehrmals schon hat sich der Wissenschaftsrat auch mit den christlichen Theologien befasst. Im Zuge des Bologna-Prozesses, also der europaweiten Harmonisierung von Studiengängen, gelangte er jetzt an eine Stelle der innerevangelischen Ökumene. Im Protestantismus zeigt sich die theologische Ausbildung vielschichtig. Neben den theologischen Fakultäten an den Universitäten und den kirchlichen Hochschulen bilden Seminare der Freikirchen, der Landeskirchlichen Gemeinschaften und freie Akademien oder Hochschulen theologischen Nachwuchs aus. Meist stehen dort pastorale Aufgaben im Vordergrund, bei den Bibelschulen auch Hilfen zum ehrenamtlichen Engagement.

Mit dem Bologna-Prozess bot sich diesen Ausbildungsstätten die Möglichkeit, ihre Studiengänge und Abschlüsse zu akkreditieren und damit ihren Absolventen mehr berufliche Chancen zu erschließen. Der Prozess befeuerte aber auch eine alte Auseinandersetzung. Manche Ausbildungsstätten, darunter die Freie theologische Hochschule Gießen, verstehen sich als Alternative zum Studium an Fakultäten und sind an Möglichkeiten interessiert, dass ihre Absolventen sich als Pfarrer bei den evangelischen Landeskirchen bewerben können. Früher konnte sich die Hochschule nur mit einem Institut im Ausland zusammentun, um Promotionen und andere Abschlüsse zu verleihen.

Die Gießener Hochschule gehört mit 140 Vollzeitstudierenden zu den größten evangelikal orientierten theologischen Ausbildungseinrichtungen im deutschsprachigen Raum. Die theologischen Fakultäten waren sich bisher mit der evangelischen Kirche einig, dass im Regelfall sie den theologischen Nachwuchs ausbilden und nicht die bekenntnisorientierten Ausbildungsstätten. 2008 verlieh der Wissenschaftsrat der Gießener Hochschule eine Akkreditierung. Im vergangenen Jahr akkreditierte er sie für drei Jahre neu, jedoch unter Auflagen. Ähnlich ergeht es den theologischen Seminaren der evangelischen Freikirchen, die den pastoralen Nachwuchs ausbilden. Auch sie sind, zum Teil mit Auflagen, akkreditiert worden. Mit den freikirchlichen Hochschulen hat die evangelische Kirche aber kein Problem, weil sie klar auf ihre eigene Kirche hin orientiert sind.

Damit hat der Wissenschaftsrat Erfahrungen gewonnen im Blick auf die Anerkennung von nichtstaatlichen bekenntnisorientierten Hochschulen. Darauf aufbauend hat er Kriterien für die Akkreditierung dieses Hochschultyps veröffentlicht. Darin heißt es, die zuständige Religionsgemeinschaft müsse Werte und Überzeugungen teilen, „die einer theologischen Betrachtung nach wissenschaftlichen Kritierien zugänglich sind.“ Zudem müsse die Lehre wissenschaftlichen Kriterien genügen, etwa bei Methoden und Inhalt sowie der „Auseinandersetzung mit tradierten oder vorherrschenden Lehrmeinungen und alternativen Auffassungen“. Auch sollen die Einrichtungen Bildungsangebote vorhalten, „die staatlichen Einrichtungen vergleichbar sind“. Sie müssten sicherstellen, dass sich Lehre und Forschung frei von wissenschaftwidrigem Bekenntniszwang entfalten könnten. Dies gelte für jede bekenntnisorientierte Einrichtung, deren Angebot vor allem für einen berufsmäßig ausgeübten Verkündigungsdienst befähigen soll. Im Hintergrund dieser Empfehlungen stehen Auseinandersetzungen etwa mit der Gießener Hochschule. Dort war die Akkreditierung zeitweise umstritten. Denn die Hochschule bekannte sich zur Irrtumslosigkeit der Bibel, eine Formulierung, die aus konservativ-evangelikalen Kreisen in den USA stammt, die auch hinter der Gießener Gründung standen. Die Akkreditiertung war daher auch in Teilen des Freundeskreises der Hochschule umstritten. Sie trat in ihrem Rundbrief Vorwürfen entgegen, dass sie für die staatliche Anerkennung bereit sei, ihre Bekenntnisgrundlage zu verwässern.

Ein Satz des Wissenschaftsrates aber kann die staatlichen theologischen Fakultäten und die evangelische Kirche verunsichern: Der Weg dieser Hochschulen zu gleichwertigen Standards theologischer Ausbildung, so heißt es in der Publikation zu den Kriterien, sei daher auch „als Herausforderung an die theologischen Fakultäten staatlicher Universitäten und an die kirchlichen Hochschulen zu verstehen“. Von ihnen werde „eine vermehrte Bereitschaft zur Öffnung und wissenschaftlichen Kooperation gegenü̈ber den Hochschulen in freikirchlicher oder freier Trägerschaft erwartet“.

Schiedlich-friedlich nebeneinander zu leben wird künftig etwas schwerer. Mit dem wachsenden Austausch stellt sich die Frage neu, ob Absolventen etwa aus Gießen künftig mit größerem Erfolg an die Türen der evangelischen Landeskirchen klopfen.

Wolfgang Thielmann
Das Interview
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„Gott liket mich nicht – er liebt mich“

Werner Thiede

Foto: Privat

Prof. Dr. theol. habil. Werner Thiede (Regensburg) ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern und Publizist. An der Theologischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg lehrt er Systematische Theologie (Dogmatik/Ethik). Sein Buch „Die digitalisierte Freiheit. Morgenröte einer technokratischen Ersatzreligion“ (Berlin 2013, 258 S.) ist im LIT-Verlag erschienen.

Anfang Februar hat der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, gewarnt: Freiheit und Demokratie sind von totalitären Tendenzen der digitalen Gesellschaft bedroht. Der Theologieprofessor und Publizist Werner Thiede kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Er sieht die Vernetzung der Welt kritisch und fordert Zurückhaltung.



Predigtpreis: Herr Professor Thiede, Sie teilen die Sorge, dass die Digitalisierung unserer Kultur die freiheitliche Demokratie bedroht. Wie kommt ein Theologe zu diesem Thema?


Werner Thiede: Als Christenmensch bin ich sensibilisiert für die Freiheitsthematik. Und ich beobachte, dass die digitale Revolution neben den neuen Freiheiten, die sie in manchen Bereichen mit sich bringt, Menschen oft auch unfreier macht. Denken Sie nur an die äußeren und inneren Abhängigkeiten von digitalen Apparaten, die sich bis zur Sucht steigern können. Oder an den erhöhten Zeitdruck im beruflichen und privaten Bereich dank ständiger Erreichbarkeit. Oder auch an die Flucht vieler Erwachsener und Jugendlicher in virtuelle Welten. Der württembergische Landesbischof Otfried July warnt mit Recht vor der Gefahr, „im täglichen digitalen Kommunikationswahnsinn abzusaufen“. Seit den Offenlegungen Edward Snowdens über die weltweite Ausspähung durch Geheimdienste ist das Bewusstsein dafür gewachsen, dass die digitale Revolution nicht nur Segen bringt. Der SPD-Politiker Egon Bahr brachte es kürzlich in einer Talkshow auf die Formel: „Wir sind in einem digitalen Kampfzeitalter“.


Predigtpreis: Fühlen Sie sich bestätigt, nachdem Martin Schulz, der Präsident des Europaparlaments, Freiheit und Demokratie durch totalitäre Tendenzen der digitalen Gesellschaft bedroht sah?



Thiede: Genau das habe ich in meinem neuesten Buch ausgeführt. Einige andere Geisteswissenschaftler haben ebenso auf diese Gefahr aufmerksam gemacht. Ich denke da etwa an den Berliner Philosophieprofessor Byung-Chul Han: Er hat erklärt, das Internet der Dinge vollende die Transparenzgesellschaft, und die sei nicht mehr zu unterscheiden von einer totalen Überwachungsgesellschaft. Auch hat Bundespräsident Joachim Gauck am Tag der Deutschen Einheit daran erinnert, dass ja nicht etwa in den Tiefen Afrikas oder Asiens, sondern inmitten unseres aufgeklärten Europas im 20. Jahrhundert eine Diktatur emporgewachsen ist. Deshalb sollten wir uns davor hüten, so etwas nur als einen einmaligen historischen Schrecken zu deuten.


Predigtpreis: Kann das Internet die nächste Diktatur bringen?


Thiede: Im 21. Jahrhundert würden totalitäre Strukturen unter anderen Umständen entstehen. Die digitale Revolution stellt jedenfalls technische Bedingungen dafür bereit. Das hat Parlamentspräsident Schulz gemeint.


Predigtpreis: Sie sehen nicht nur eine politische Freiheitsfalle, sondern auch eine ökologische. Gefährdet etwa Ökostrom die Freiheit?


Thiede: Ökostrom zu produzieren fördert ein Umdenken, das ich begrüße. Aber die smarten Strom-, Gas- und Wasserzähler, die über das Netz Auskunft über unseren Verbrauch und unsere Lebensweise geben, kritisiere ich: Sie sind datenschutzrechtlich bedenklich. Österreich hat deshalb die Pflicht zu digitalen Stromzählern inzwischen wieder abgeschafft. Die massiv gehäufte Datenkommunikation kostet außerdem Energie, auch dort, wo sie mittels Mobilfunk erfolgt. Dessen umstrittene Strahlung kann die Gesundheit gefährden – ein ökologisches Problem, das in Zeiten des mobilen Internets wieder offener diskutiert werden sollte.


Predigtpreis: Im letzten Teil Ihres Buches sprechen Sie auch von einer „spirituellen Freiheitsfalle“. Wie funktioniert sie?



Thiede: Von Freiheit kann man nicht nur in politischem Sinn reden, sondern auch in psychologischem und ebenso in spirituellem Sinn. Die digitale Revolution verführt in der Tendenz dazu, Gott als den letzten Horizont abzublenden. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf die Magie der neuen Technik und auf abstrakte, digital erzeugte Wirklichkeiten. So wird bereits ernsthaft anvisiert, die Unsterblichkeit der Seele und am Ende gar die Auferstehung der Toten digital herzustellen.


Predigtpreis: Viele Christen sehen Social Media und Blogs vor allem als missionarische Möglichkeiten, als neue Kanzeln für die Predigt. Soll man darauf vielleicht verzichten?



Thiede: Theologie und Kirche folgen dem digitalen Imperativ immer bereitwilliger. Natürlich entstehen durch das Netz neue Kommunikationswege. Aber keine Twitterandacht ersetzt den Gottesdienst in der Kirche. Die Eucharistie muss ich in Gemeinschaft sehen, fühlen und schmecken. Theologisch gesagt: Die viva vox evangelii, die lebendige Stimme der Christus-Botschaft, hat im direkten Miteinander von Mensch zu Mensch mehr Gewicht als eine digital vermittelte Info. In der Gemeinschaft innerhalb der „Kohlenstoffwelt“ erfahre ich als Christ die Liebe des fleischgewordenen Gottes ganzheitlicher als in virtuellen Beziehungen. Gott liket mich nicht bloß, er liebt mich.


Predigtpreis: Die evangelische Kirche sieht sich gern als Kirche der Freiheit. Verliert sie ihre Freiheit im Netz?



Thiede: Ich wünsche mir von den Verantwortlichen in Theologie und Kirche mehr Sensibilität für die Zweischneidigkeit des digitalen Schwertes. Der anvisierten „Digitalisierung aller Dinge“ wohnt ein totalitärer Zug inne. Im Januar hat Papst Franziskus das Internet als ein „Gottesgeschenk“ gelobt, aber zugleich gewarnt, es könne dazu dienen, Menschen zu manipulieren. Digitalisierte Freiheit ist manipulierte Freiheit. Wir brauchen eine neue Aufklärung, um die Mündigkeit des Menschen zu wahren. Darin liegen Themen, über die auch die Theologie nachdenken muss.




Wolfgang Thielmann



DER GASTBEITRAG
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Macht Pausen, mitten in der Predigt!

Weihnachtspredigt von Fulbert Steffensky

Foto: Wolfgang Thielmann

Frieder Mann ist Lehrer für die Fächer evangelische Religion und Sport in Bonn und gestaltet seit über 20 Jahren Schulgottesdienste, seit den Achtzigerjahren als Laienprediger zudem reguläre Sonntagsgottesdienste. Als ausgebildeter Tänzer und Referent für liturgisches Verhalten in der Pfarrerfortbildung ist er auch mit den Prinzipien des körperlichen Darstellens und Inszenierens vertraut. Zudem leitet er Kurse über „Spiritualität und Tanz“.

von Frieder Mann

Die meisten Predigten dauern mir zu lang. Ich frage mich, ob das so sein muss – oder ob es vielleicht sogar gerade wegen der theologischen Zentrierung des evangelischen Gottesdienstes auf die Predigt auch anders sein könnte. Ich rede als Protestant vor allem von evangelischen Predigten.

Gute Predigten weiß ich zu schätzen. Schon im Studium begeisterten mich die Predigten in den Universitätsgottesdiensten. Auch in der vorabendlichen Vesper zur letztjährigen Predigtpreisverleihung im November 2013 in der Schlosskirche in Bonn durfte ich eine wunderbare Predigt des Lebenswerk-Preisträgers Fulbert Steffensky hören: theologisch fundiert und weit, prophetisch, seelsorgerlich ermutigend, weise, in einer ansprechenden sinnlichen Sprache, verständlich, gut gesprochen, nicht zu lang, sehr humorvoll - und doch bescheiden: Steffensky wie er leibt und lebt! Predigen als Kunst auf höchstem Niveau.

Bei den meisten Predigten fehlen mir eine Pause‚ eine Unterbrechung, Stillezeit, in der man das Gesagte auf sich beziehen kann, gerade auch dann, wenn man vom Gesagten angerührt ist. Damit die Rückbindung an das eigene Leben und Erleben geschehen kann, halte ich es prinzipiell für sinnvoll, weniger Worte zu machen oder Gedanken auszuführen, diese jedoch mit ausreichend Stillezeit zu verbinden. Denn das Fallen und Eingehen der gedanklichen Samen in den emotionalen Mutterboden (so sagte es Erich Fromm) – ganz zu schweigen von einem Aufgehen und Anwachsen - braucht Zeit. Die Bibel sagt, der Heilige Geist bewirke das Aufgehen der Saat und nicht die Predigt. Dann liegt die Aufgabe der Prediger darin, den fruchtbaren Boden gut vorzubereiten.

Die Beziehung zwischen der Predigt und dem eigenen Leben kann nur von jedem/jeder einzelnen Gottesdienstteilnehmenden hergestellt werden. Wenn man davon ausgeht, dass Zuhören und Verstehen aktive(r), konstruktive Vorgänge sind, bei denen das Gehörte in die eigenen Denkweisen und Vorstellungswelten übersetzt und mit eigenen Erfahrungen in Verbindung gebracht wird, dann braucht man Zeit. Man braucht sie eigentlich nach jedem Gedankenzusammenhang, jedem Abschnitt und jedem Predigtteil Man muss das Vernommene einnehmen, es schmecken, es kosten, um es zur Wegzehrung für den eigenen Glauben fruchtbar zu machen. In diesem Sinne könnte man davon sprechen, dass die Zuhörenden die Predigt meditieren. Ich plädiere also für Stillephasen in der Predigt und nicht nur in der Liturgie, etwa nach der Predigt oder als Teil des Gebets.

Für sinnvoll halte ich eine erste Stille bereits nach der Einführung des Themas, um Zeit zu geben, dass es angereichert werden kann durch damit verbundene eigene Erfahrungen, Assoziationen, Bilder oder Gefühle.

Wie lange solche Stillephasen sein sollten, hängt ab vom Konzept des Gottesdienstes, vom Predigtanlass, von der Vorerfahrungen der Gemeinde und auch vom eigenen Gefühl im Blick auf Stille. Meine Erfahrung sagt, dass Stille eher dann als unangenehm oder peinlich empfunden wird, wenn der Prediger sie zu allgemein oder unklar ankündigt. Ein gutes Kriterium für die Länge lautet: Wie viel Zeit brauchte ich selbst, um die Frage, die Anregung oder den Gedanken im Herzen zu bewegen?

Soll man die Pausen mit Musik füllen? Das sehe ich genauso kritisch wie eine musikalische Begleitung von Gebeten und Texten. Musik spricht zwar die Gefühle der Besucher an, beeinflusst und färbt aber eben dadurch die emotionale Reaktion - und manipuliert die Zuhörer unterschwellig. Nach meiner Erfahrung stört sie die Verbindung der gedanklichen Anregungen mit der eigenen Gefühlswelt. Aber auch diese Entscheidung hängt vor allem von den Teilnehmern ab. Bei Hörern, die selten eine Kirche besuchen und wenig Erfahrung mit Stille haben, kann Musik die Atmosphäre fördern.

Predigt des Monats
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Mundartpredigt über die "10 Rheinischen Glaubenssätze"

von Bischof em. Joachim Vobbe

[…] Dr Herrjott well sonndags och ens sing Rauh han, doröm loufe mer im nit de Kirch en.

Das hört sich zwar originell an, ist es aber inzwischen nicht mehr. Mit dem Kirchgang ist es wie mit dem täglichen Essen, mal schmeckt es einem, mal nicht; aber gegessen werden muss, will man nicht verhungern. Der gläubige Mensch braucht auch geistliche Nahrung (vgl. Apg 2,46). Der große Karl Rahner hat einmal gesagt: „Glauben lernt man unter anderem durch Beten, und nicht umgekehrt.“ Natürlich kann man einwenden, der oder die Geistliche passten einem nicht, die Lieder passen nicht, die Gebete nicht, die Predigt nicht. Doch es kommt ja nicht unbedingt darauf an, dass alles auf mich zugeschnitten ist. Gemeinde besteht aus einer Vielfalt. Wat dem eine sing Ühl is, is dem andere sing Nachtijall. […]


Hier lesen Sie die vollständige Predigt

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Die Auszeichnung des PREDIGTPREISES
„Sehnsucht nach Befreiung“
SURFTIPP
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PREDIGTPREIS-Surftipps:


7 Wochen anders Leben







Interreligiöses Projekt aus dem Bistum Osnabrück









Ruhegebet

von Stephan Bolzenius

7 Wochen anders leben
Die Aktion des ökumenischen Vereins "Andere Zeiten" aus Hamburg begleitet Sie während der Fastenzeit. Er verschickt wöchentliche persönlich gestaltete Fastenbriefe und betreibt jeweils von Aschermittwoch bis Ostern eines der bundesweit größten Internetforen zum Thema Fastenzeit.

http://anderezeiten.de/unsere-aktionen/7-wochen-anders-leben/











Interreligiöses Projekt aus dem Bistum Osnabrück
In verschiedenen Kindertagesstätten im Bistum Osnabrück wurden unterschiedliche Projekte zur Glaubensvermittlung durchgeführt. Auf dieser Seite erhalten Sie einen guten Überblick über die verschiedenen Aktionen der einzelnen Kitas. So ging es beim Thema „Palmsonntag“ zum Beispiel um die Frage „Wer ist Jesus und warum jubeln ihm die Menschen zu?“ Aber auch eine Entdeckungsreise durch eine Kirche gehörte für einige Kinder zum Programm.

Über diese pdf können Sie sich weitere Informationen zum Projekt „Perlen für Gott“ anschauen. Lesen Sie dazu auch unseren ökumenischen Beitrag „Perlen des Glaubens

http://www.bistum-osnabrueck.de/bildung/kita-projekte-glaubensvermittlung.html





Ruhegebet
Ruhegebet nennt man eine frühchristliche Meditationsform, die auf Johannes Cassianus zurückgeht. Das Ruhegebet zeichnet sich dadurch aus, dass der Betende auf alles bewusstes Denken verzichtet und sich durch das Wiederholen einer einfachen Gebetsformel immer zurückbesinnt und abschweifende Gedanken ziehen lässt. Auf dieser Seite werden Ihnen Anleitungen und auch verschiedene Kurse zum Ruhegebet angeboten.

http://www.ruhegebet.com/

KUNST UND PREDIGT
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Der Weg für einen guten Wein

Deiana Diego

© Deiana Diego

Weitere Exponate des Künstlers sehen Sie hier: http://www.diego.deiana.lvh.it/

 

von Deiana Diego, Südtirol

Um Bewährung im Alltag von Karl Rahner

Sieh auf meinen Alltag, mein milder Gott, der du dem Menschen barmherzig bist, dem Menschen, der fast nichts ist außer Alltag. Sieh auf meine Seele, die fast nichts ist als eine Straße, auf der der Tross dieser Welt endlos sich weiterwälzt mit seinen ungezählten Kleinigkeiten, mit seinem Gerede und Getue, seiner Neugier und seinem leeren Wichtigtun. Nur eine Bitte habe ich zu stammeln um deine gewöhnlichste Gabe, die deine höchste ist, um deine Liebe. Lass mich, wenn ich nach den Dingen dieser Welt greife in Freude oder in Schmerz, durch sie hindurch dich, ihrer aller ureinen Grund, begreifen und lieben. Der du die Liebe bist, gib mir die Liebe, dich, damit alle Tage meines Lebens einmal einmünden in den Tag deines ewigen Lebens.

Mit einem Vortrag Das Wagnis, Christ zu sein/Glaube in Bewährung unseres Jurymitglieds Prof. em. Dr. Jürgen Werbick zum Download.

vERANSTALTUNG
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Gott zur Sprache bringen

Das Team der Evangelischen Akademie im Rheinland

Das Team der Evangelischen Akademie im Rheinland


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Leidenschaftlich predigen in der Krise der Gottesrede

9. Ökumenische PREDIGTPREIS-Begleittagung 2014 am Mittwoch, 14. Mai 2014

"Nur wer für Gott brennt, kann andere anstecken" hat der auch für Martin Luther prägende Kirchenvater Augustinus einmal gesagt. Wer sind die "burning people", die Sonntag für Sonntag ihre Kirchen und Hallen füllen und Menschen mit ihrer Begeisterung für die Botschaft der Bibel anrühren?

Kraftvolle Gottesrede ist nicht kirchlich domestizierbar und doch auf kirchliches Handeln bezogen. Wer authentisch von dem redet, der Menschen mitten aus ihren alltäglichen Bezügen herausrufen und auf den Weg bringen kann, der tröstet und ermutigt nicht nur, sondern der erschüttert auch bestehende Verhältnisse.

Ist zeugnishafte Verkündigung unter den heutigen Bedingungen kirchlicher Verzagtheit und Selbstverunsicherung nicht nur möglich, sondern sogar dringend geboten? Brauchen wir – nicht nur alle Jubeljahre – einen neuen Ruck durch unsere Predigtkultur?

Die Referate und Gesprächsgruppen gehen der Frage nach, welche biblisch-theologischen Kriterien für zeugnishafte Gottesrede namhaft gemacht werden können und unter welchen Bedingungen authentisches Glaubenszeugnis als wichtige Facette kirchlichen Verkündigungshandelns auch dann möglich gemacht werden muss, wenn es sich Domestizierungsversuchen entzieht.

Die Tagung ist besonders geeignet für Prädikantinnen und Prädikanten, Pfarrerinnen und Pfarrer, Priester und predigende Ordensleute, haupt- und ehrenamtlich predigende Frauen und Männer aus Freikirchen sowie für alle, die Interesse an der Förderung der Predigtkultur im deutschen Sprachraum haben.

Wir freuen uns über Ihre Anmeldung hier

Buchtipp
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Evangelium und Erfahrung

Ein seltsamer Freundenmonat - Fulbert Steffensky

© LIT Verlag


Frank Lüdke, Norbert Schmidt (Hg.)

Evangelium und Erfahrung
125 Jahre Gemeinschaftsbewegung
Reihe: Schriften der Evangelischen Hochschule TABOR Bd. 4, 2014, 216 S., 19.90 EUR, br., ISBN 978-3-643-12272-8

 

Von Frank Lüdke und Norbert Schmidt (Hg.)

125 Jahre Gemeinschaftsbewegung

Prof. Dr. Frank Lüdke ist Leiter der Forschungsstelle Neupietismus an der Evangelischen Hochschule TABOR in Marburg und lehrt Kirchengeschichte

Prof. Dr. Norbert Schmidt ist Rektor der Evangelischen Hochschule TABOR in Marburg und lehrt Missionswissenschaften


Mehr als 200.000 evangelische Christen gehören der sogenannten Gemeinschaftsbewegung an, die sich unter dem Dach des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbands in einer Vielzahl von Vereinen und Verbänden organisiert hat. Dieser Tagungsband zum 125-jährigen Jubiläum der Bewegung analysiert in einer Reihe von Fachvorträgen ihre historischen, theologischen und frömmigkeitsgeschichtlichen Prägungen. Damit wird die spezielle Charakteristik des Neupietismus erhellt, der bis heute einen einflussreichen Faktor in der Evangelischen Kirche in Deutschland bildet.

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