Ausgabe 03/04 2014

Sollte dieser Newsletter nicht richtig dargestellt werden, klicken Sie hier

Der Predigtpreis geht zur Schule


Liebe Leserin, lieber Leser,

der Predigtpreis geht in eine neue Saison. Die Jury hat die 15. Runde eingeläutet und lädt Sie ein, sich zu bewerben oder eine Predigt zu empfehlen. Die Ausschreibung läuft bis zum 15. Juli. Wir freuen uns auf Ihre Beteiligung.

Eine erste Jury hat schon getagt und sich auf einen Favoriten festgelegt. Mit ihr schlägt der Predigtpreis ein neues Kapitel auf: Er ist zu Schule gegangen. Die Jury des Preises diente als Vorbild für ein Projekt im Religionsunterricht. Der Grundkurs Evangelische Religion der Q 2, also des Schlussjahrgangs, im Bonner Nicolaus-Cusanus-Gymnasium bildete eine Schülerjury. In mehreren Unterrichtseinheiten erarbeiteten die Schüler Maßstäbe und schauten sich 27 der eingesandten Predigten an. Drei Gruppen hatten jeweils ihren Favoriten zu benennen. Über die letzten drei entschied der gesamte Kurs.

Das war anstrengend, aber es habe sich gelohnt, sagten mehrere Schüler bei der Präsentation der Ergebnisse am 31. März. Ihr Religionslehrer Frieder Mann war dabei, der das Projekt geleitet hatte, und Schulleiterin Nicole Auen. Predigten hören die meisten Schüler eher selten, und in der Kirche lasse man sich „eher berieseln“, hieß es in persönlichen Resümees. Deshalb hat die Bewertung richtig Arbeit gemacht. „Ich kam mir am Anfang komisch vor“, bekannte eine Schülerin. Aber dann sei es umso interessanter geworden, je qualitätvoller die Predigt war. Der Sieger war nicht ihr Favorit. Aber die Schüler haben ähnlich zur Entscheidung gefunden wie die Jury: Nicht die Mehrheit entscheidet, schon gar keine Kampfabstimmung, sondern das biblische Prinzip der „Einmütigkeit“: Sie diskutierten so lange, bis alle mit dem Ergebnis einverstanden waren.

Auch die Maßstäbe der Schüler ähnelten denen, die die Jury anlegt: Ist das Thema aktuell? Findet der Prediger einen ungewohnten Zugang? Wird der Hörer in die Predigt einbezogen? Hat sie einen Spannungsbogen und einen klaren Schwerpunkt? Hält sie den Bezug zur Bibel durch?

Die Schüler entschieden sich für eine Predigt des Bonner Pfarrers Ernst Jochum. Er hielt sie in einer Gedenkfeier für Menschen, die ohne Trauerfeier bestattet wurden. Die Schüler schätzten seine Ehrlichkeit, sie mochten, dass er sich nicht nur in innerkirchlichen Denkformen bewegte, und sie mochten die Entfaltung des biblischen Gedankens, der demnächst zu Ostern gefeiert wird: dass Christen dem Tod seine Allmacht bestreiten. Ernst Jochum bedankte sich und schob eine Idee nach: Die Schüler sollten zusammen mit einem Pfarrer eine Predigt vorbereiten und dann am Sonntag sehen, wie er die gemeinsame Vorbereitung umgesetzt habe.

Sibylle Stehncken, die Projektleiterin des Predigtpreises, und ich waren dabei. Wir sind beeindruckt aus der Schule gekommen: Von der Ernsthaftigkeit der Schüler, der Tiefe der Auseinandersetzung und dem Engagement, zu dem sie sich haben gewinnen lassen.

Ich freue mich schon darauf, der Jury über das Projekt zu berichten. Wir werden von den Schülern lernen. Und das Projekt kann Schule machen, auch an anderen Orten.

Herzliche Grüße
Ihr Wolfgang Thielmann

P.S.: Halten Sie die Fastenzeit? Haben Sie darüber gepredigt oder eine Predigt darüber gehört? Dann würde ich mich über Ihre Einsendung freuen. Bei mir ist das Interesse neu erwacht, als drei Kollegen der Deutschen Welle mich baten, ihr geistlicher Fastenbegleiter zu werden.


Aktuelle Themen:

 

Ökumene: „Heilige gehören der ganzen Christenheit“

Interview mit Prof. Dr. Marlene Ringgaard Lorensen: „Eine gute Predigt muss ein Dialog sein“

Gastbeitrag: „Aus dem Alltag für den Alltag - die Stärke der Laienpredigt“

Portrait: „Sr. Dr. Katharina Kluitmann osf “

Predigt des Monats: „Predigt über Markus 1,12 – 15“

Surftipps: „Fasten heißt Verzicht, Radwegekirchen, Impulse setzen“

Kunst und Predigt: „Der gute Hirte“

Buchtipp: „Weißt Du, wer ich bin?“

Predigende Bilder:


Foto: Pastorin Dr. Karoline Läger-Reinbold


Predigt zu Matthäus 18,1-6.10


„An Gott zu glauben, das heißt doch, dass ich auch als Erwachsene Kind sein darf bei diesem himmlischen Vater, dass ich mich bei ihm gehen lassen darf in meiner Unvollkommenheit und Angst. Dass ich Verantwortung abgeben kann. Dass ich mich ihm überlassen darf, ganz im Vertrauen darauf, dass er für mich sorgt. Schließlich, dass ich ihm vertrauen kann, dass er mich an die Hand nimmt und mir meinen Weg zeigt. So, wie ich es mir als Kind bei Vater und Mutter oder anderen Bezugspersonen gewünscht und erlebt habe. Das warme Gefühl des Geliebt- und Verstanden-Werdens, das Gefühl der Geborgenheit und des Aufgehoben-Seins, das alles gehört doch unverzichtbar zum Glauben dazu.“

Die vollständige Predigt von Pastorin Dr. Karoline Läger-Reinbold lesen Sie hier

Sprechende, „predigende“ Bilder – teilen Sie Ihr eindruckvollstes Foto mit uns.
Schicken Sie uns bitte eine E-Mail mit dem Betreff „Predigtfoto“. Fügen Sie Ihr Foto(s) bei mit einem kurzen Begleittext und Ihrer Adresse an predigtfoto@nl.predigtpreis.de.


Verbinden Sie sich mit uns auf:



Sie haben Fragen? Anregungen?

E-Mail: info@nl.predigtpreis.de

Ökumene

Foto: dimitri_c

Heilige gehören der ganzen Christenheit


Die katholische Kirche rüstet sich zur Heiligsprechung zweier Päpste. Ende April sollen Johannes Paul II. und der Konzilspapst Johannes XXIII. zur Ehre der Altäre erhoben werden. Dann wird die weltweite Kirche sie verehren dürfen. „Vatikan plant Mega-Show“, titelt der „Spiegel“. In Rom werden mindestens drei Millionen Besucher erwartet. Und zwei Milliarden Menschen werden die Feiern am Fernsehen verfolgen. Papst Franziskus hat offenbar das zweite Wunder anerkannt, das zur Heiligsprechung von Johannes Paul nötig war. Dabei soll es sich um die Heilung einer Frau aus Costa Rica von einer Gehirnverletzung handeln, die am 1. Mai 2011 stattgefunden hat - dem Tag der Seligsprechung von Johannes Paul II. Allzu strenge Kritierien darf man heute nicht an solche Entscheidungen legen. Aber darauf kommt es auch nicht an. Feiern wie diese sind so etwas wie die Heerschau der katholischen Kirche, aber sie bedeuten mehr. Unter Franziskus darf man sicher sein, dass sie nicht bloß zur Demonstration dienen, sondern dass sie die Botschaft einer Kirche vermitteln, die für die Menschen da sein will und ihnen die Liebe Gottes predigt.

Protestanten haben dabei ein zwiespältiges Gefühl. Prachtentfaltung gehört nicht zu ihrem Repertoire. Heiligenverehrung steht unter dem Verdacht des Personenkultes, der den Blick auf Gott mindestens genau so stark verstellt wie er ihn möglich machen soll. Ganz kritisch sehen sie die Anrufung der Heiligen; und ebenso das in den Jahrhunderten entwickelte kanonische Verfahren, das die Entscheidung an den Papst bindet. Wesentlich für evangelische Frömmigkeit ist das Gebet zu Gott.

Die Reformatoren brachen mit allem, was die Verehrung Gottes auf Dinge und Personen projizierte: Wallfahrten, Reliquien, Bilder. Doch sie haben anerkannt, dass sich Frömmigkeit in Personen beispielhaft abbildet. So verstehen sie Heilige. „Man soll der Heiligen gedenken, um dadurch seinen eigenen Glauben zu stärken, sagt das Augsburger Bekenntnis, die Urkunde lutherischer Frömmigkeit. „Es ist jedoch gegen die Schrift, sie neben Jesus Christus als Vermittler und Versöhner anzurufen, weil dadurch seine Versöhnungstat durch den Kreuzestod in Frage gestellt werde“.

In den letzten Jahren hat die evangelische Kirche versucht, ein neues Verhältnis zu ihren Heiligen zu finden. Im Hintergrund stand zum einen die üppige Heiligsprechungspraxis von Papst Johannes Paul II, der damit katholische Frömmigkeit erneuern wollte. Er sprach fast 500 Menschen heilig, mehr als doppelt so viel wie in den 500 Jahren zuvor. Zum anderen kam dadurch ins Bewusstsein, dass die anglikanische Kirche 1998 eine Statue des deutschen Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer in der Westminster Abbey aufgestellt hatte und ihn damit in einer Form ehrte, die in Deutschland keine Entsprechung fand. Im gleichen Jahr beschloss der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland, Namen und Schicksale von Menschen zu dokumentieren, die im 20. Jahrhundert zu Märtyrern geworden sind.

2006 gab die evangelische Kirche dann ein Verzeichnis ihrer Märtyrer des 20. Jahrhunderts heraus. Der damalige Ratsvorsitzende Manfred Kock erzählte zur Vorstellung, wie es zu dem Buch kam und wozu es dienen sollte. Die Herausgeber haben sorgfältig nach Informationen gesucht und machten die Erfahrung, dass ein bewusster Umgang mit Märtyrern im Protestantismus fehlt. Deshalb geraten sie leicht aus dem Blickfeld. Zudem versuchen sich die Autoren des Bandes an Maßstäben, wie die evangelische Kirche zu Heiligen findet.

Das Thema ist in den Jahren danach wieder in den Hintergrund getreten. Doch das Buch zeigt bis heute, dass die Heiligen zum gemeinsamen Bestand der Christenheit gehören, wie immer man über einzelne Personen und Verfahren denkt.


Wolfgang Thielmann

Interview

Foto: privat

„Dialogical Preaching“, dialogisches Predigen, nennt Marlene Ringgaard Lorensen ihr neues Buch, das im Vandenhoeck & Ruprecht-Verlag erschien. Die Professorin für Praktische Theologie an der Universität Kopenhagen erwartet von einer Predigt, dass sie Zuhörer zu eigenen Fragen anregt. Und dass es in der Kirche nicht nur das Wirken des Heiligen Geistes, sondern auch einen Dialog zwischen Pastor und Gemeinde gibt. Ihre Forschungen sind inspiriert von den Untersuchungen des 1975 gestorbenen russischen Philosophen und Linguistikers Michail Bachtin. Er hat Untersuchungen über die Dialogizität des Wortes, aber auch über das Karnevaleske als Gegenkultur angestellt. Lorensen gehört zu einer jungen Generation von Predigtlehrerinnen mit internationalem Einfluss. 2012/2013 hielt sie Gastvorlesungen an der Divinity School der Duke-Universität in Durham im US-Bundesstaat North Carolina, einer Gründung der Vereinigten methodistischen Kirche.

Eine gute Predigt muss ein Dialog sein


Interview mit Prof. Dr. Marlene Ringgaard Lorensen


Predigtpreis: Professor Lorensen, was ist eine gute Predigt?

Marlene Ringgaard Lorensen: Auf diese Frage kann man ja unterschiedlich antworten: Aus einer theologischen Perspektive und aus der Perspektive der Gemeinde. Aber egal, wie man es macht: Ich würde sagen, eine gute Predigt muss ein guter Dialog sein.

Predigtpreis: Was meinen Sie damit?

Lorensen: Wenn eine Predigt zu einem guten Dialog wird, erlebt man in der Kirche eine Transformation. Beide Seiten spüren eine Veränderung: Es gibt einen kreativen Prozess, sowohl bei den Zuhörern als auch beim Prediger. Man gerät ins Nachdenken.

Predigtpreis: Wie kann es in einer Predigt einen Dialog geben? Normalerweise steht doch da jemand auf der Kanzel, weit weg von den Zuhörern.

Lorensen: Interviews mit dänischen und amerikanischen Gottesdienstbesuchern zeigen: Diese Menschen erleben den Pfarrer auf der Kanzel, aber sie erleben auch einen Dialog im Gottesdienst: Wenn der Pfarrer authentisch wirkt und glaubwürdige Aussagen macht, dann lassen sie sich auf einen dialogischen Prozess ein. Dann lassen sie die Predigt auf sich wirken. Manche Prediger stehen nur auf der Kanzel, um eine Botschaft zu verkünden – aber selbst diese Pfarrer schaffen es manchmal, einen Dialog mit der Gemeinde in Gang zu setzen.

Predigtpreis: Was bringt eine dialogische Predigt dem Zuhörer?

Lorensen: Das Beste, was eine Predigt bewirken kann, ist, dass sich Menschen Fragen stellen über ihr eigenes Leben, ihr Verhältnis zu Gott und ihren Nächsten. Dass Zuhörer anfangen, mitzudenken und nachzudenken. Die Auslegung des Predigers kann bei Menschen etwas in Gang setzen. Die Predigt ist dann keine Antwort auf irgendwelche Fragen, aber sie kann dafür sorgen, dass Menschen Antworten finden.

Predigtpreis: Gehen Gottesdienstbesucher nicht in die Kirchen und hören Predigten, um Antworten zu bekommen?

Lorensen: Es ist wichtig, dass die Kirche und die Pfarrer keine Angst davor haben, Antworten zu geben. Aber man muss sich dabei immer klar darüber sein, dass jede Antwort eine neue Frage hervorruft. Man darf sich nicht als Einbahnstraßen-Kommunikator sehen. Man muss immer davon ausgehen, dass die Gemeinde in einer Predigt etwas anderes hört, als man es selber tut. Und davor sollte man auch keine Angst haben: Denn in einem Dialog kommt immer auch etwas zurück.

Predigtpreis: Was ist mit Predigern, die eine politische Botschaft vermitteln wollen?

Lorensen: Ich denke, bei uns in Dänemark politisieren die wenigsten Pfarrer. Es ist recht selten, dass es wegen politischer Äußerungen von Pfarrern Konflikte gibt – vielleicht einmal abgesehen von einem Thema wie der Flüchtlingsfrage, wo die Kirche ja besonders engagiert ist.

Predigtpreis: In Deutschland werden Predigten dagegen häufig politisch. Kann ihr Modell des dialogischen Predigen also nur in Dänemark gebraucht werden?

Lorensen: Ich habe auch in den USA unterrichtet. Und ich konnte das Modell dort auch anwenden. Dialog meint ja ganz grundlegend, dass es zwei Pole gibt, den Autor und den Zuhörer. Eine Predigt wirkt immer zwischen diesen Polen. Im Deutschland beschreiben die Arbeiten von Prof. Alexander Deeg und Prof. Wilfried Engemann ja ebenfalls die Predigt als Dialog, vergleichbar mit meiner Lehre.

Predigtpreis: Früher schrieb man dieses Wirken dem Heiligen Geist zu. Haben Sie mit dem dialogischen Predigen den Heiligen Geist gefunden?

Lorensen: In der Kirche brauchen wir manchmal sogar den Trialog. Eine dritte Instanz, die dafür sorgt, dass sich die beiden Seiten des Dialogs verstehen. Und der Heilige Geist ist dann der Mittelsmann, die Voraussetzung dafür, dass durch eine Predigt tatsächlich eine Transformation in der Gemeinde geschieht.


Das Interview führte der Berliner Journalist Benjamin Lassiwe.

Gastbeitrag

Foto: Carsten Meier

Sabine Langenbach lebt in Altena im Sauerland. Sie ist Journalistin, Moderatorin, Autorin und Referentin – und Laienpredigerin der Evangelischen Kirche von Westfalen. Derzeit gestaltet sie auch zusammen mit der Sängerin und Autorin Valerie Lill und dem Gitarristen Werner Hucks Abende unter dem Motto „das Glück hat viele Gesichter“.

Aus dem Alltag für den Alltag - die Stärke der Laienpredigt


von Sabine Langenbach


Die Aussage aus der Überschrift steht mir immer vor Augen, wenn ich mich auf Gottesdienste und Predigten vorbereite. Sie begegnete mir während meiner Ausbildung zur Laienpredigerin. Um einen Predigttext und seinen Gesamtzusammenhang zu verstehen, greife ich gerne zu Erklärungsbibel, Bibellexikon und Auslegungen. Aber noch mehr liegt mir am Herzen, dass ich meinen Zuhörern die Wahrheiten und Hilfestellungen der Bibel mitten in ihren Lebensbereich herunterbrechen kann.

Regelmäßig predige ich in einem Altenheim. Dann ziehe ich meinen Talar ganz bewusst an. Gerade für die Menschen dort ist er ein besonderes Zeichen. Für mich auch: Meine Kleidung spielt keine Rolle. Der Talar lenkt die Aufmerksamkeit weg von meiner Person. Der Blick wird – hoffentlich – frei für das Wichtige: die Verkündigung des Wortes Gottes. Gerne bringe ich ins Altenheim - wie auch sonst - Gegenstände oder Bilder mit, um meine Gedanken anschaulicher zu machen. Kurz vor Weihnachten baue ich zum Beispiel Stück für Stück eine Playmobil-Krippe auf. Verknüpft mit der Frage, warum Jesus gerade in Bethlehem in einer Krippe auf die Welt gekommen ist. Und warum alles so anders war, als die Menschen damals die Ankunft des Messias erwartet haben.

Ein anderes Mal bringe ich ein Handy mit. Ich will deutlich machen: um mit Gott in Kontakt zu kommen, brauche ich kein Funknetz und kein Geld, ich kann immer mit ihm reden.
Gerne stecke ich mir auch ein blinkendes Herz an – als Zeichen dafür, dass Gottes Herz immer und ewig in seiner Liebe zu uns schlägt.
„Was haben Sie uns denn diesmal mitgebracht?“, fragt neulich vor dem Gottesdienst der Einrichtungsleiter. Solche Fragen zeigen mir: Meine „Mitbringsel“ kommen an. Ebenfalls festes Ritual in meinen Altenheim Gottesdiensten: Am Ausgang gibt es was geschenkt!

Ein Spruchkärtchen, ein Erfrischungstüchlein („Jesus spricht: Ich will dich erquicken“) oder ein kleines Taschentuch mit einem Knoten, daran ein Zettel mit den Worten „Gott ist da!“ - als Hinweis, genau das nicht zu vergessen.
Die Besucher des Gottesdienstes sollen etwas mitnehmen in ihren Alltag, das sie an die Gegenwart Gottes und seine Liebe erinnert. Ich freue mich besonders, wenn ich an der Tür jedem die Hand reiche, Gottes Segen wünsche und dann in dankbare Gesichter schaue. Manchmal kommt ein: „Danke, Frau Pastorin, das tat gut!“. Das lässt auch mich lächeln – und macht mich glücklich und dankbar. Denn auch wenn ich schenke - bei diesem Dienst werde ich zu allererst selber beschenkt.

Durch meine Arbeit als Journalistin und Moderatorin bin ich das Recherchieren gewohnt. Ich habe gelernt, mich in eine Sache zu vertiefen und den entscheidenden Fragen darin nachzugehen. Aber wenn ich für die Vorbereitung auf Predigt und Liturgie in den Predigttext eintauche, Kommentare und Auslegungen lese, Lieder heraussuche und passende Gebete formuliere, unterscheidet sich meine Arbeit von meinen beruflichen Recherchen. Denn die Bibel ist ein besonderer Schatz. Das wird mir in den Vorbereitungen ganz besonders klar. Sie beginnt, zu mir zu sprechen. Viele Gedanken treffen meine persönliche Lebenssituation als Familienfrau und Berufstätige. Deshalb fließen sie oft im Spiegel meiner Erfahrungen in die Predigten ein.

Ich erzähle zum Beispiel gerne von unserem siebzehnjährigen Sohn Niklas und unserer Tochter Birte. Sie kam vor 16 Jahren blind auf die Welt. Im Laufe der Jahre stellten sich noch weitere Handikaps heraus. Sie kann an der Hand oder am Rollator laufen, aber noch nicht ganz allein. Sie versteht alles, aber ihre Sprache ist (noch) nicht deutlich. Aber ihren Lieblingssatz spricht sie klar aus: „Gott ist da.“ Diese Worte setzt sie bewusst ein. Zum Beispiel, wenn sie spürt, dass die vielen Aufgaben beginnen, mich zu überfordern, oder wenn ich traurig bin. Für mich ist Birte ein wichtiger „Gott ist da- Erinnerer“ mitten im Alltagschaos geworden. Ihr besonderes Verhältnis zu Gott und ihr Vertrauen zu ihm stecken mich an. Und so mancher Zuhörer meiner Vorträge/Predigten geht mit genau diesem Satz im Kopf ermutigt nach Hause: „Gott ist da“.

Er drückt aus, was auch ich will: Aus dem Alltag für den Alltag über Gottes Liebe und seine Gegenwart reden.

Portrait

Foto: Privat

Sr. Dr. Katharina Kluitmann osf


Seit 2014 Mitglied der Jury des Predigtpreises


Die Pressemitteilung lesen Sie bitte hier

Katharina Kluitmann ist 1964 in Düsseldorf geboren. Sie studierte Theologie und Psychologie in Bonn und an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Im Theologiestudium war ihr Schwerpunkt die Spiritualitätstheologie. „Mich reizt bis heute die Frage, wie Glaube Gestalt gewinnen, die Gottesbeziehung konkret werden kann“, sagt sie über sich selbst. „Dabei spielt vor allem das Gebet eine entscheidende Rolle.“ 1999 legte sie die Ewige Profess ab.

Ihre Dissertation schrieb sie 2007 über die Situation junger Frauen in Orden in Deutschland. „Ich bin mit verschiedenen geistlichen Traditionen vertraut, die sich häufig an Ordenstraditionen anschließen: besonders ignatianisch, karmelitisch – und natürlich vor allem franziskanisch“, berichtet sie im Blick auf ihre Ordenserfahrung. „Die Frage der persönlichen Glaubensgestaltung und das Erleben der 150 Probandinnen aus 56 Gemeinschaften in meiner Studie über das Ordensleben haben sich gegenseitig befruchtet. Durch die Studie ausgelöst, ergab sich eine reiche Tätigkeit in Vorträgen und Seminaren. Dabei war die Grauzone zwischen Spiritualität und Psychologie mein Spezialgebiet. Hier konnte ich auch meine Kreativität ausleben: in bildreicher Sprache, in anschaulicher Darstellung schwieriger Sachverhalte. Diesbezüglich habe ich viel lernen dürfen in meiner Zeit in der Gemeindeseelsorge und in der Berufungspastoral.“

Seit 2004 ist Katharina Kluitmann in der psychologischen Begleitung von Priestern und anderen Seelsorgern tätig. Zudem gehört sie zum Beraterkreis der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste der katholischen Deutschen Bischofskonferenz.

Was reizt sie besonders? „Schon seit den Zeiten als Messdienerleiterin habe sie „ein Faible für das Thema Beichte“, antwortet sie. „Als „Franziskanerin von der Buße und der christlichen Liebe“, so der offizielle Name meiner Ordensgemeinschaft, bin ich diesem Thema immer wieder begegnet und habe entdeckt, wie es grundlegende menschliche Fragen aufgreift.“

Literatur:

„Die letzte macht das Licht an“, Doktorarbeit einer „Psychologischen Untersuchung zur Situation junger Frauen in den apostolisch-tätigen Ordensgemeinschaften in Deutschland“. (Dialogverlag Münster, 2007, 390 Seiten, 14,80 Euro)

Im Herbst erscheint von ihr in der neuen Buchreihe „Franziskanische Akzente“ ein Band mit dem Titel „Wachsen – über mich hinaus“. Dort verbindet sie den psychologischen Ansatz, mit dem sie arbeitet, mit der franziskanischen Tradition.

Predigt des Monats

Foto: D. Jordan/Klaus Herzog, Aachen

Predigt über Markus 1,12 – 15


Wer hält uns aus?

von Gefängnisseelsorger Dietmar Jordan (rk)


Noch einmal: Wo bleiben wir mit dem Dreck, mit dem Dunkel und mit der Vergeblichkeit unsres Lebens? […]

Männer, ich glaub das sind Fragen, die uns wirklich zu dem führen, warum es hier im Knast Seelsorge, Glaube und Kirche gibt. – Nicht als ob durch den Glauben alle Fragen beantwortet werden! Das wäre echt vermessen. Aber: Sie haben einen Ort. Und sie haben ein Recht, eine Würde und eine Form. - Hier werden sie ernst genommen. Hier dürfen sie gestellt werden – diese Fragen. Und hier gibt es wenigstens eine Ahnung, wie wir mit diesen Fragen und Nöten leben und umgehen können und dürfen.

Hier lesen Sie die vollständige Predigt

Surftipps

Fasten heißt Verzicht


Drei Journalisten der Deutschen Welle suchen diese Erfahrung des Verzichts: Wie fühlt sich Verzicht an – körperlich, seelisch? Wie verändert es den Blick? Astrid verzichtet auf Alkohol. Klaus will ohne Kaffee, Zucker und Fleisch auskommen. Stefan lässt das Rauchen. Alle drei beschreiben ihre persönliche Erfahrung - in diesem Blog, sieben Wochen lang, bis Ostern. Kommentiert werden die Blogeinträge vom Theologen Wolfgang Thielmann, Juryvorsitzender des Predigtpreises. Auch Sie als Besucher können die Kommentarfunktion nutzen. Ausserdem bietet Ihnen die Schlagwortsuche eine gute Möglichkeit leicht an für Sie interessante Beiträge zu gelangen.

zur Webseite

Radwegekirchen


Sie planen einen Radurlaub und möchten auf Ihrer Tour gezielt Kirchen besuchen? Sie überlegen als Kirchengemeinde, ob Sie Ihre Kirche als Radwegekirche ausweisen? Sie wollen sich einfach über Radwegekirchen informieren? Dann sind Sie hier richtig. Im Auftrag des EKD-Netzwerkes "Kirche in Freizeit und Tourismus" bietet Ihnen diese Seite allgemeine Informationen, Kontaktadressen, Kartenmaterial rund um das Thema Radwegekirchen.

zur Webseite

Impulse setzen


Diese Seite bietet Ihnen kreative Angebote im Schnittpunkt zwischen künstlerischer Arbeit, Persönlichkeitsentwicklung und gesellschaftsgestaltender Bildung. Hier finden Sie Seminare und Kursangebote, Denkanstöße und Ideen, Bekanntes und Ungewohntes.

Zu den Dozent/innen zählt unter anderem Dipl.-Theologin Vera Krause aus Berlin, Predigtpreis 2008

zur Webseite
Kunst und Predigt

Foto: Eberhard Münch © 2010 by adeo

Hochwertige Kunst-Doppelkarten mit einem Psalm.
Motiv von Eberhard Münch.
Format B6 (12 x 17 cm).

Weitere Motive der Edition Eberhard Münch sind erhältlich über den Adeo-Verlag

Der gute Hirte


Bild von Eberhard Münch


Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück;
denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich ...
Psalm 23


Predigt über Psalm 23,1-3 „Reise zum Leben“


[…] „Der Herr ist mein Hirte.“ In diesem Psalm gebraucht David insgesamt 96 Worte, um diese ersten fünf zu erklären. Um nichts anderes ging es ihm. Mit jedem Wort will er unsere Konzentration auf Gott richten. Mit jedem Satz sagt er: Er ist der gute Hirte. Er, der Herr. Nicht irgendeine neblige Phantasiegestalt, nicht irgendein Gott, der nur durch die Tradition besteht; nicht bloß ein frommer Gedanke, eine religiöse Lehre oder ein psychologischer Trick, sondern er, der lebendige Herr. […]

Die vollständige Predigt von Gemeindepastor Stefan Piechottka lesen Sie hier

Buchtipp

Foto: Lit Verlag

Elisabeth Dieckmann, Clauß Peter Sajak (Hg.)
Weißt du, wer ich bin?
Initiativen und Projekte für das interreligiöse und interkulturelle Lernen Reihe Forum Religionspädagogik interkulturell

Bd. 24, 208 S., 24.90 EUR, br., ISBN 978-3-643-12299-5

Weißt Du, wer ich bin?


Von Elisabeth Dieckmann, Clauß Peter Sajak (Hg.)


Prof. Dr. theol. habil. Clauß Peter Sajak lehrt Religionspädagogik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Dr. theol. Elisabeth Dieckmann ist römisch-katholische Referentin und Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland.

„Weißt du, wer ich bin?“ Unter diesem Motto haben Juden, Christen und Muslime über mehrere Jahre zusammengearbeitet, um das friedliche Zusammenleben der Religionen in Deutschland zu fördern. Mit kreativen Initiativen wurden vielfältige Möglichkeiten erschlossen, einander kennenzulernen, Verbindendes zu entdecken und Unterschiede zu verstehen und zu respektieren. Das Projekt „Weißt du, wer ich bin?“ wurde von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland zusammen mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland, dem Zentralrat der Muslime in Deutschland und der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) getragen. Das Buch fasst den Ertrag des Projekts zusammen und reflektiert Perspektiven für den Dialog zwischen Juden, Christen und Muslimen.

Newsletter abmelden | Impressum | Kontakt | Datenschutzerklärung