Ausgabe 05/06 2014

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Liebe Leserin, lieber Leser,

die erste Kategorie des Predigtpreises ist vergeben. Die nächsten stehen noch aus.

Huub Oosterhuis bekommt den Predigtpreis 2014 für sein Lebenswerk. Für die Jury war die Entscheidung nach einer engagierten Diskussion klar. Die Texte des 80-jährigen Texte drücken das Lebensgefühl von Christen in der Gegenwart beispielhaft aus. Im gerade neu erschienenen katholischen Gesangbuch „Gotteslob“ ist Oosterhuis mit fünf und im Evangelischen Gesangbuch mit vier Liedern vertreten. Sein dichterisches Werk und seine Beiträge zur Erneuerung der Liturgie und des Kirchengesangs finden seit 40 Jahren auch in Deutschland weite Verbreitung. In seiner Heimat ist Oosterhuis eine über religiöse Grenzen hinaus geachtete Autorität. Unter anderem hielt er den Gottesdienst zur Beisetzung von Prinz Claus von Amsberg, des Ehemannes der damaligen niederländischen Königin Beatrix. Vor neun Jahren predigte er beim Abschluss des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Oosterhuis war Jesuit. Wegen des Zölibats, dem Oosterhuis sich nicht verpflichtet fühlte, kam es zum Bruch mit der katholischen Kirche. Doch er blieb der ehemals katholischen und jetzt unabhängigen „Studentenkirche“ in Amsterdam verbunden. Gegen die Aufnahme seiner Lieder ins katholische Gesangbuch soll es Widerstand in der vatikanischen Gottesdienstkongregation gegeben haben. Die deutschen katholischen Bischöfe haben sich jedoch wegen seiner Bedeutung für das gottesdienstliche Leben erfolgreich für ihn eingesetzt. Und die Nachricht der Preisverleihung hat europaweit ein freundliches Echo gefunden.

Doch die Jury wird sich ein weiteres Mal zusammensetzen. Denn neben dem Lebenswerk zeichnet sie die beste Predigt unter den Einsendungen aus, die bis Mitte Juli elektronisch im Büro von Sibylle Stehncken, der Projektleiterin, eingehen.

Darüber hinaus hat die Jury die Möglichkeit, einen Preis in einer Sonderkategorie zu vergeben. Wenn Sie eine Predigt unter ungewöhnlichen Umständen gehalten haben, eröffnet sich eine weitere Chance: Nicht in der Kirche, zu einem Anlass, wo man keine Predigt vermutet, oder vielleicht unter schwierigen Umständen. Vor einigen Jahren hat die Jury zwei junge Predigerinnen für eine Dialogpredigt im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden ausgezeichnet.

Wenn Sie eine solche Predigt gehalten oder gehört haben: Die Jury freut sich, wenn Sie ihr Arbeit verschaffen.

Herzliche grüßt
Ihr Wolfgang Thielmann


Aktuelle Themen:

 

Ökumene: „Frauen bleiben näher am Text“

Interview: „Die jungen Theologen schämen sich des Evangeliums nicht“

Gastbeitrag: „Frohe Botschaft steckt auch in schlechten Nachrichten“

Predigt des Monats: „Pfingstpredigt – die Müdigkeitsgesellschaft“

Surftipps: Meet-junge-Ökumene, behinderte-pfarrer.de, Einladend predigen“

Kunst und Predigt: „Der ‚Große Pilger‘ von Detlef Willand“

Buchtipp: „Psalmen von Huub Oosterhuis“

Veranstaltung: „GLORIA Kirchen-Messe 2014“

Predigende Bilder:


Foto: Uwe Sundermann


Predigt über Römer 1,6 und die Schiederaner Kirchensocken


„Nun ist der Konfirmandenkurs zu Ende. Aber wir machen keinen Punkt. Wir machen einen Doppelpunkt. Ihr sollt weiter im Glauben wachsen. Ihr sollt weiter hier zuhause sein. Ihr sollt weiter wissen: Hier ist euer Platz, und ihr gehört hierher! Ihr sollt weiter wissen: Ihr kommt hier vor!“ […] Ihr tragt die Socken nicht allein. Ihr tragt sie alle. Dadurch seid ihr miteinander verbunden. Ihr lauft also nicht jeder für sich durch diese Welt, sondern ihr gehört zusammen. Daran werden euch die Kirchensocken immer wieder erinnern. Sie schaffen ein Wir-Gefühl. Sie verbinden euch zu einer Gemeinschaft.

Die vollständige Predigt von Pfarrer Uwe Sundermann lesen Sie hier

(Anm.: die Socken werden individuell angefertigt und sind zu beziehen über: Andreas Irrgang, Telefon: 05202 2584, E-Mail: andreas.irrgang@t-online.de)

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Ökumene
Frauen bleiben näher am Text

Foto: arinas_74

Frauen bleiben näher am Text


Predigen Frauen anders? Manchen provoziert die Frage. Manche verweisen darauf, dass Frauen auch anders glauben. Angebote der Kirchengemeinden für Frauen unterscheiden sich von denen für Männer. Petra Bahr, die Kulturbeauftragte der evangelischen Kirche, hat das beobachtet und ein Klischee aufgespürt: „Frauenkreise sind Biotope gelebten Christseins, zu denen Männer keinen Zugang haben“, schrieb sie im ZEIT-Ressort „Christ und Welt“. „Hier gibt es gestaltete Mitten und Andachten mit Teelichtern, an die man seine persönlichen Wünsche kleben kann. Engelwesen bevölkern die Räume. Manchmal wird meditativ getanzt.“ Frauen, sagt sie, eignen sich den Glauben an, indem sie darüber reden. Das bestätigten auch die empirischen Erhebungen: „Frauen kaufen Erbauungsbücher. Frauen gehen zu Lesungen, Konzerten und anderen kirchlichen Veranstaltungen. Frauen tragen die praktische Arbeit in der Gemeinde, vom Blumenschmuck bis zu den Hausbesuchen. Frauen wollen den Glauben sinnlich, konkret, erfahrbar. Er soll ans Herz gehen. Sie wollen ins Schwärmen geraten oder ins Weinen, aber nicht ins Grübeln.“

Eine Beobachtung, die den Münchner Theologen Friedrich Wilhelm Graf vor drei Jahren Alarm schlagen ließ, weil immer mehr Frauen in den Pfarrerberuf streben. Auch in der katholischen Kirche wuchs der Anteil der Frauen an den Pastoralreferenten zwischen 1990 und 2012 von einem Drittel auf fast die Hälfte. Für die evangelische Kirche sah Graf darin ein Problem. Denn es kämen immer mehr jünger Frauen in den Beruf, „meistens eher mit einem kleinbürgerlichen Sozialisationshintergrund, eher Muttitypen als wirklich Intellektuelle, und eine Form von Religiosität, in der man einen Kuschelgott mit schlechtem Geschmack verbinden kann“. Die Provokation löste heftige Diskussionen aus. Petra Bahr identifizierte auch Grafs Darstellung als Klischee. Vermutlich glauben Frauen so, wie sie leiten, verhandeln und operieren und forschen. Schon anders, aber nicht so, wie die Vorstellungen sagen, die nur das Bisherige abbilden. Vermutlich wird also die Frage, ob Frauen anders glauben, bald anders beantwortet, wenn mehr Frauen in bisherigen Männerdomänen immer mehr eigene Akzente setzen. Die katholische Seite „Frauen-Predigten“ deutet das schon an.

Ob Frauen anders predigen, das hat jetzt die Theologiestudentin Anna Katharina Röllmann erforscht. Ihr Labor war die United Church of Christ in den USA, wie sie im Materialdienst des Konfessionskundlichen Instituts der evangelischen Kirche schrieb. Denn die Kirche ist ein Zusammenschluss, der verschiedene Traditionen übergreift. Eine der Vorgängerkirchen ordiniert Frauen schon seit 1853. Man kann also annehmen, dass Frauen sich dort nicht mehr verteidigen müssen. Und dass sich liberal und konservativ, intellektuell und volkstümlich so mischen wie im allgemeinen Schnitt.

Politische Predigten und Predigtformen, sagt Röllman, unterschieden sich nicht. Ihr fiel aber auf, dass Frauen „einen konkreteren, gezielteren Blick haben.“ 80 Prozent von ihnen blieben nah am Bibeltext, aber nur 30 Prozent der Männer. Bei ihnen war die Tendenz größer, die einzelne Stelle mit einem Thema in Verbindung zu bringen. Frauen benutzten zudem mehr Geschichten und Beispiele aus ihrer Lebenswelt, Männer nahmen dagegen ihre Beispiele aus Tradition, Geschichte und Liedern. Über sich selbst sprachen Frauen in verschiedenen Rollen, Männer fast nur in der pastoralen. Dogmatisch tendierten Frauen dazu, mehr Gottes Güte und Bewahrung zu betonen und weniger seine Allmacht. Sie sprachen von ihm eher auf der Beziehungebene. Mit einem männlichen Erlöser Jesus Christus, so stellte die Studentin fest, hätten Frauen kein Problem gehabt. Auch suchten sie den Zugang zu Gott nicht über die „vermeintlich geschlechtsneutral konnotierbare des Heiligen Geistes.“ Nur eine einzige Predigt bezeichnete Gott als „sie“. Sie stammte von einem Mann. Das Kirchenverständnis von Männern war nach Röllmanns Beobachtung gesamtkirchlicher: Sie sprachen eher von der weltweiten Gemeinschaft, Frauen von der Ortsgemeinde.

Ihre Forschung, sagt die angehende Theologin, deckt sich mit früheren Erhebungen. Predigerinnen interpretieren gern einen Text. Jede Interpretation beginnt mit dem Kontext der Auslegerin. Das legt den Schluss nah, das Frauen generell lebensnäher, spezifischer und emotionaler predigen. Das aber kann, sagt die Autorin, daran liegen, dass sie in anderen Situationen leben als Männer und diese zum Thema machen. Deshalb müssten die Lebenssituationen erforscht werden. Doch Frauen, sagt sie, scheinen nicht ausdrücklich andere Themen aufzugreifen, etwa soziale Gerechtigkeit. Auch suchen sie nicht nach ganz neuen Formen der Predigt. Aber sie betrachten die selben Themen und Ziele von einem anderen Gesichtspunkt aus. Es scheint also, dass Frauen tatsächlich anders predigen. Derzeit wenigstens.


Wolfgang Thielmann

Interview
„Die jungen Theologen schämen sich des Evangeliums nicht“ - Peter Bukowski

Foto: reformiert.info

Peter Bukowski, geboren 1950 in Bonn, ist Direktor des Seminars für pastorale Aus- und Fortbildung am Theologischen Zentrum Wuppertal. Dort bildet er den Pastorennachwuchs von fünf evangelischen Landeskirchen aus. Als Moderator des Reformierten Bundes ist er seit 1990 der Repräsentant von etwa zwei Millionen reformierten Christen in verschiedenen Kirchen, Gemeinden und Verbänden. Bukowski gehört auch zur Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, dem zentralen Kirchenparlament der 24 Millionen Protestanten in alles 20 evangelischen Landeskirchen.

„Die jungen Theologen schämen sich des Evangeliums nicht“


Interview mit dem Moderator (Leiter) des reformierten Bundes, Pfarrer Peter Bukowski


Predigtpreis: Herr Bukowski, predigen Reformierte anders als Lutheraner?

Peter Bukowski: Die Frage ist nicht mit einem klaren Ja oder Nein zu beantworten. Liest man Predigten durch - was ich beruflich oft tue -, kann man sie nicht einfach konfessionell einsortieren. Auch verschiedene theologische Schulen schlagen sich nicht eins zu eins in Predigten nieder. Aber es gibt schon Charakteristisches: Reformierte Predigten verstehen sich in der Tradition der Auslegung eines Bibeltextes. Sie wollen von Gott in der Welt reden. Man wird eher weniger reformierte Themenpredigten finden und mehr Auslegungen biblischer Texte. Wahrscheinlich finden sich darunter auch mehr Texte aus den Alten Testament als sie die noch geltende Perikopenordnung, also die kirchliche Vorgabe der Predigttexte, vorsieht.

Predigtpreis: Warum?

Bukowski: Weil in der reformierten Theologie das Alte Testament als Urkunde des Bundes Gottes mit den Menschen gleich wichtig war und auch gleich ernst genommen wurde wie das Neue Testament. Sie werden zudem in reformierten Predigten einige Themen öfter wiederfinden. Etwa das Verhältnis zwischen Juden und Christen. In reformierten Kirchen hat früh ein neues Nachdenken über das Thema eingesetzt, etwa über versteckte Antijudaismen im Christentum einschließlich der Denkfigur, die Kirche habe das Volk Israel abgelöst. Auch die Frage nach der Heiligung beschäftigt Reformierte, speziell die Frage, was die Weisung Gottes auch im öffentlichen, im politischen Bereich bedeutet.

Predigtpreis: Der Reformierte Weltbund hat das Weltwirtschaftssystem kritisiert und bei mehreren politischen Fragen den Status Confessionis, also eine Verletzung des Bekenntnisses und damit einen Widerspruch zur Botschaft der Bibel behauptet.

Bukowski: Der reformierte Weltbund hat in den Achtzigerjahren den Status Confessionis gegenüber der Rassentrennung im Südlichen Afrika festgestellt und in den Neunzigerjahren gegenüber der atomaren Bewaffnung. Ab Mitte der Neunzigerjahre wurde die Frage gestellt, ob nicht auch Fragen der wirtschaftlichen und ökologischen Gerechtigkeit unser Bekennen betreffen und so gesehen auch Glaubensfragen sind. In Wirtschaftsfragen ist aber nie der Status Confessionis ausgerufen worden, weil sie sich in der Regel nicht mit Ja oder nein beantworten lassen. In den letzten 40 Jahren waren die Reformierten immer bedacht, die Frage nach der Gerechtigkeit zu stellen. Das hat sie kritisch auf einen Kapitalismus reagieren lassen, der Wachstum und persönliche Bereicherung weniger auf Kosten der Gerechtigkeit für alle betreibt.

Predigtpreis: In den letzten Jahren war die EKD bestrebt, die konfessionellen Unterschiede in der evangelischen Kirche einzuebnen. Die Zentralen der Lutheraner und der Unierten sind ins Kirchenamt der EKD integriert worden. Die Lutheraner haben ihr konfessionelles Profil dabei eher geschärft, wie steht es um die Reformierten?

Lesen Sie bitte das vollständige Interview hier weiter

Gastbeitrag
Frohe Botschaft steckt auch in schlechten Nachrichten - Theo Mönch-Tegeder

Foto: Katholisches Medienhaus

Theo Mönch-Tegeder ist seit 2013 Geschäftsführer der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) und gehört zur Leitung des Katholischen Medienhauses in Bonn. Lange Jahre war er verantwortlicher Redakteur des Rheinischen Merkur und der Neuen Osnabrücker Zeitung. 2003 übernahm er die Leitung der katholischen Verlagsgruppe Bistumspresse.

Frohe Botschaft steckt auch in schlechten Nachrichten


Was zeichnet eine gute Predigt aus? Ein Medienmacher antwortet


von Theo Mönch-Tegeder


Was ich mir von einer guten Predigt wünsche? Das gleiche, das ich von guter Musik und guter Literatur, von einem guten Gespräch, aber auch von einem guten Getränk und einem guten Essen erwarte: Dass sie nachklingt. Dass da etwas bleibt, das mir länger als für einen kurzen Moment gut tut, das meinen Horizont erweitert, meinen Geist und meine Sinne herausfordert.

Ich bin froh und dankbar darüber, dass mir diese Erfahrung immer wieder in den Gottesdiensten geschenkt wird – unabhängig von Kirchorten und über Konfessionsgrenzen hinweg. Wer seinen Lebensmittelpunkt wie ich in Osnabrück hat, sucht spirituelle Erbauung gern auch jenseits der eigenen Kirche. Seit Stadt und damaliges Fürstbistum im 30-jährigen Krieg zum neutralen Verhandlungsort erklärt wurden und im Westfälischen Frieden 1648 entschieden wurde, dass die katholischen und lutherischen Bischöfe sich in der Landesherrschaft abwechseln sollten, hat sich hier eine Kultur der Ökumene herausgebildet, aus der wir Christen nun mit zunehmendem Gewinn schöpfen. Wir gehen gern mal zu diesem, mal zu jenem Gottesdienst. Und die Pfarrer oder Pastoren der Konfession tun es uns gleich: Mindestens einmal im Jahr ist Kanzeltausch.

Ich freue mich darüber und genieße es. Ich bin für die Predigten meines katholischen Pfarrers ebenso dankbar wie für die des Pastors in der evangelisch-lutherischen Nachbargemeinde, mit dem ich jahrelang gemeinsam im Chor gesungen habe. Ich gehe gern zu den Predigten meines Bischofs wie auch zu denen des Landes-Superintendenten. Und der reformierte Pastor eröffnet mir noch einmal einen anderen Zugang zum Evangelium. Danke für diese Vielfalt. Sie ist ein Reichtum!

Natürlich erlebt man auch immer wieder Predigten, die überhaupt nichts hinterlassen, so wenig wie Fast-Food. Fast-Preaching und Phrasen aus der Konserve. Es können nun einmal nicht jede Homilie und jeder Prediger erstklassig sein. In solchen Momenten ertappe ich mich dabei, dass ich mich frage: Was könntest Du denn jetzt zu dieser Schriftlesung sagen? Dabei habe ich mir angewöhnt zu überlegen: Wo ist mein Platz in diesem Evangelium? Welche Rolle würde ich dort (gern) einnehmen? Bei der Hochzeit zu Kana (Johannes 1, 1-12) zum Beispiel ziehen mich die Diener in den Bann, die das Wasser in die Krüge schütten. Unter ihren Händen geschieht ein Wunder – und sie merken es nicht. Geschieht uns das nicht oft genug ebenso? Im Geiste sitze ich auch gern neben dem Zöllner Zachäus (Lukas 19, 1-10) im Maulbeerfeigenbaum, während unten Jesus mit Gefolge durch die Straßen Jerichos zieht. Das ist der Standort, der einem Journalisten zukommt: Distanz zum Geschehen; auf der Seite derjenigen stehen, die es betrifft. Im Beispiel vom barmherzigen Samariter(Lukas 10, 25-37) interessiert mich weniger der vorüber eilende Tempelpriester als der Herbergswirt, der den Überfallenen gegen Geld aufnimmt. Barmherzigkeit braucht auch eine Infrastruktur. Darum ist mein erster Wunsch an die Prediger: Schöpft bitte das Evangelium in seiner ganzen Fülle aus! Bleibt nicht an der Oberfläche! Auch Randbemerkungen und Nebenrollen sind wichtig! In den Umstehenden kommen wir Jesus nahe. Sie haben uns, selbst wenn sie stumm bleiben, viel zu sagen.

Ich ertappe mich auch bei „Was wäre wenn“-Gedankenspielen. Was wäre geschehen, wenn der Apostel Petrus die Gelegenheit gehabt hätte, die vier Evangelien gegenzulesen oder sogar die Autorität, sie zur Veröffentlichung freizugeben? Er ist der Fels, der erste unter den Aposteln, auf ihn beruft sich das Papst-Amt; und doch kommt er – nächst dem Verräter Judas – in den Berichten der Evangelisten am schlechtesten weg. Hätte er das zugelassen, wenn er es hätte beeinflussen können? Oder wäre er vielleicht in jenen defensiven Frage-Ton verfallen, den wir so gut kennen: Wie können die so etwas berichten; die waren doch gar nicht dabei? Oder: Ausgerechnet dieser Johannes, der sich immer schon als angeblicher Lieblingsjünger nach vorn drängte! Oder: Muss das denn jetzt sein, wo wir unter so schwerem Verfolgungsdruck stehen? Was ich damit den Predigern sagen will: Frohe Botschaft steckt auch in schlechten Nachrichten. Wenn wir jetzt Krisen, Ab- und Umbrüche durchschreiten, wirkt darin Heiliger Geist. Die Kirchen sollen und wollen die Zeichen der Zeit erkennen und deuten. Dabei müssen sie auch in puncto Ehrlichkeit Maß am Evangelium nehmen, und ebenso darin, dass es eben nicht nur den einen objektiven Bericht über das Leben und Wirken Jesu gibt, sondern mindestens vier in Varianten, die einander teilweise sogar widersprechen.

Wenn ich mich dann in die Zuhörer-Menge der Bergpredigt stelle oder zu denen geselle, die an den Lippen dessen hängen, der da im Boot am Ufer des Sees Genezareth sitzt, dann bin ich bereits bei meiner dritten Bitte an die Prediger: Macht es wie Jesus. Redet in Beispielen, redet in der Sprache der Menschen heute. „Mit dem Reich Gottes ist es wie…“ Diese Gleichnisse lassen viel Raum für die eigene Phantasie. Denn Gott ist größer als jede Formel. Ich glaube, die Kluft zwischen dem heute vorherrschenden naturwissenschaftlichen Denken und der Theologie könnte ein wenig überwunden werden, wenn wir unser beschränktes Reden von Gott, von der Zuversicht auf ein ewiges Lebens und von der der revolutionären Botschaft der (Nächsten-)Liebe in die Metaphorik der heutigen Zeit übersetzen würden.

Inzwischen bin ich nicht mehr Journalist, sondern einer, der guten Journalismus – insbesondere in katholischen Medien – möglich machen soll. Darum sei mein letzter Wunsch an die Prediger derselbe, den ich meinen (früheren) Kollegen ans Herz lege: Teilt Euch so mit, dass daraus ein Gespräch entstehen kann. Euer Leser und Hörer muss nicht von Eurer Geistesgröße erschlagen werden, er muss Euch nicht einmal zustimmen. Aber er sollte mindestens einen Mehrwert erfahren, der in der Schärfung der eigenen Meinung, in einem besseren Wissensstand, in einer Lebenshilfe bestehen kann. Ähnlich sollte eine Predigt meines Erachtens darauf angelegt sein, die Zuhörer sprechfähig zu machen. Ich bin der Meinung, dass die Qualität des Journalismus innerhalb unserer Kirche(n) der Lackmus-Test für Transparenz und Dialogfähigkeit ist. Für die Predigt-Kultur gilt ähnliches. Sie sollte uns herausfordern, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die uns erfüllt (1. Petrus 3,15).

Predigt des Monats

Foto: Hans Weingartz

Predigt über Johannes 6,55-58


von Pfarrer Oliver Ploch (ev)


„Heute liebe Schwestern und Brüder – als Erwachsene - können wir unter Umständen immer noch Fahnen, Musik und Feierlichkeit genießen, aber längst wissen wir, dass es eigentlich um etwas viel Größeres geht.

Es geht an Fronleichnam nicht um religiöse Folklore, auch nicht um Brauchtum oder Volkstümlichkeit.

Es geht um das Brot, das vom Himmel gekommen ist:

Es geht um Jesus Christus!

Er ist es, der euch und heute uns mit euch auf die Straße gebracht hat.

Wir feiern Jesus Christus, den Mittelpunkt unseres Glaubens, die Quelle unseres Lebens, das Ziel unserer Hoffnung.

Das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist, das uns Leben schenkt in Ewigkeit.

Es ist das Brot, das uns nährt und Kraft gibt über alles normale Essen und Trinken und Feiern hinaus, es ist das Brot des Glaubens.

Auf ihn sollen wir uns verlassen, so wie die Israeliten damals auf das Manna in der Wüste.

Das ist es, was uns bewegt und in die Öffentlichkeit treibt."

Hier lesen Sie die vollständige Predigt

Surftipps

Meet - More Ecumenical Empowerment Together


ist ein deutschlandweites Netzwerk junger Menschen, die ihren christlichen Glauben ökumenisch leben wollen. Hier sucht man gemeinsam verschiedene Ausdrucksformen, den christlichen Glauben und politisches Engagement zu verbinden.

Die Seite versteht sich als Angebot für interessierte Gruppen und Einzelpersonen aus allen christlichen Traditionen und für Menschen, die im In- und Ausland ökumenische Erfahrungen gesammelt haben. So bietet Ihnen das Netzwerk genügend Gelegenheiten zum Austausch von Informationen über ökumenische Themen und für gemeinsame Aktionen.

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Behinderte Pfarrer


Die Interessengruppe behinderter Pfarrerinnen und Pfarrer informiert über ihre Tätigkeit und dem Kampf gegen bestehende Beeinträchtigungen in ihrem beruflichen Werdegang. Außerdem bietet Ihnen die Seite umfangreiche Informationen zu theologischen Fragestellungen. Zu den Aktivitäten des Vereins zählt es unter anderem Unterstützung zu bieten für Menschen mit Behinderung, die das Pfarramt anstreben oder bereits im Seelsorgedienst stehen.

Darüber hinaus beinhaltet die Arbeit die Begleitung von behinderten KollegInnen bei Gängen zur Kirchenleitung oder zu Gesprächen mit anderen kirchlichen und diakonischen Arbeitgebern.

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Einladend predigen


ist eine Langzeitweiterbildung für Pfarrerinnen und Pfarrer und wird von dem IEEG angeboten. Über vier Kurswochen in zwei Jahren wird – ausgehend von den Erkenntnissen des Forschungsschwerpunktes Evangelistische Homiletik – die evangelistische Verkündigung gestärkt.

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Das IEEG


wurde 2004 als Hochschulinstitut der Theologischen Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald gegründet und ist das einzige universitäre Institut im deutschsprachigen Raum, das sich mit Fragen der missionarischen Gemeindeentwicklung beschäftigt.
Das Lehrangebot des Instituts zielt auf die (Weiter-) Bildung sowohl von Studierenden der Theologie als auch von Pfarrerinnen und Pfarrern. Beiden wird ein festes Curriculum bzw. eine Reihe unterschiedlicher Veranstaltungsformate rund um Fragen der Gemeindeentwicklung angeboten. .
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Kunst und Predigt
Detlef Willand - großer Pilger

Foto: Detlef Willand aus Hirschegg/Österreich

Weitere Exponate des Künstlers sehen Sie hier

Großer Pilger


Über Willands Welt


Von Martin Walser (Textauszug)

„Von allen Wörtern für Vollkommenes ist mir Muster am liebsten. Wenn es gelingt, einem Augenblick seine Hinfälligkeit als sein Wichtigstes nachzusagen, dann hat man vielleicht das Muster des Augenblicks. Man hat die Hinfälligkeit dingfest gemacht. Es ist alt und jetzt. Dann mag eine Täuschung sein, dass etwas Zeitliches dingfest zu machen sei. Dass man dem Hinfälligen seine Hinfälligkeit abluchsen könne. Für immer sozusagen. Aber das ist Schöne an dieser Täuschung: der Moment, der festgehalten wurde, gibt die ganze Geschichte preis. Existenzmuster also. Immer genau von einer Örtlichkeit zeugend. Aber auch von dem, was passiert ist. […]

„Der Künstler stellt hauptsächlich seine Distanz dar. Alles ist schon so geworden. Und ohne ihn. Also ohne uns. Wir haben nichts mehr davon als das Bild ‐ es ist die Distanz der Elegie.“

Den vollständigen Artikel lesen Sie bitte hier

Buchtipp
Huub Oosterhuis Psalmen

Foto: Verlag Herder

Format: 12,5 x 20,5 cm, ca. 320 Seiten, Gebunden mit Schutzumschlag und Leseband

ISBN 978-3-451-32364-5
€[D] ca. 22,99

1. Auflage erscheint: August 2014

Psalmen


Von Huub Oosterhuis (Übersetzt von Annette Rothenberg-Joerges)


„Dieser Band bringt als deutsche Erstausgabe die 150 biblischen Psalmen in der Übertragung durch den holländischen Priester-Poeten Huub Oosterhuis. Er hat fast ein Leben lang an diesem Buch geschrieben, es ist die reifste Frucht seiner Dichtkunst und Spiritualität. Wie kein anderer hat Huub Oosterhuis biblische und zeitgenössische Sprache miteinander verschmolzen und gilt auch im deutschen Sprachraum als der bedeutendste spirituelle Dichter der Gegenwart.“

Veranstaltung
Gloria Kirchenmesse - 23.10 - 25.10.2014

Foto: Messe Gloria

GLORIA – 15. Kirchen-Messe 2014


23.- 25. Oktober 2014, Schwabenhalle Augsburg


„Die Sehnsucht nach Spiritualität, Glauben und Natur wird in unserer Gesellschaft stärker. Interessierten bietet die Kirchenmesse GLORIA Einblicke in dieses faszinierende Thema. Besucher können sich umfassend informieren, mit Gleichgesinnten ins Gespräch kommen und Erfahrungen austauschen.

Man darf sich also wieder auf eine stimmungsvolle und interessante Kirchenmesse in Augsburg, der Stadt der Parität und des Religionsfriedens, freuen.

Nähere Informationen lesen Sie hier

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