Foto eines Denkmals mit Kirchturm im Hintergrund

Auf der Suche nach gelungenen Predigten

03.07.2017

Der Ökumenische Predigtpreis prämiert seit dem Jahr 2000 herausragende Predigten

Artikel für ELAN, Magazin Ev.-Luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe

„Gute Predigt, Herr Pastor!“ so lautet häufig ein Statement mancher Gemeindemitglieder nach dem Gottesdienst. Die Frage ist allerdings nun, was zeichnet eine gute Predigt aus? Welche Kriterien lassen eine Bewertung zu, dass eine Predigt ihrem Anspruch gerecht wird, dem Evangelium gemäß zu sein? Nach wie vor räumen sonntägliche Hörergemeinden konfessionsübergreifend der Predigt einen hohen Stellenwert im Gottesdienst ein. Gerade in evangelischen Gemeinden steht sie im Mittelpunkt des Gottesdienstes.

Der Ökumenische Predigtpreis, der im Jahr 2000 vom Bonner Verleger und rheinischen Synodalen Norman Rentrop ins Leben gerufen und gesponsert wird, will die Predigtkultur auf deutschsprachigen Kanzeln fördern. Der Preis ist ein ideeller Preis und die Preisträger erhalten eine Bronzeplakette. Alljährlich findet der Festakt in der Schlosskirche der Bonner Universität statt. Eine Kirche mit viel Tradition: Beethoven spielte hier einst an der Orgel, Kirchenväter wie Schleiermacher und Barth predigten in der Universitätskirche zu Bonn.

Seit Beginn unterstützt die Bonner Evangelisch-theologische Fakultät tatkräftig die Idee des Preises. Der praktische Theologe Professor Reinhard Schmidt-Rost ist seit Beginn Mitglied der Jury und hat neben dem katholischen Systematiker Professor Jürgen Werbik im Konsens mit den anderen Jurymitgliedern prominente und profilierte Preisträgerinnen und Preisträger ausgewählt. Kirchenrat Udo Hahn nunmehr Akademiedirektor in Tutzing formulierte die Satzung und fand Jurymitglieder in beiden großen Kirchen.

Die Satzung des Ökumenischen Predigtpreises legt Kriterien für eine gelungene Predigt fest: Hervorgehoben wird eine klare biblische Fundierung. Die Predigt hat sich vor allem am Bibeltext zu orientieren, diesen lebendig und anschaulich für die Zuhörer auszulegen. Die Predigt benötigt eine sichere dogmatisch-systematische Grundlage, die den Text in einen größeren Kontext der biblischen Botschaft stellt. Eine gelungene Predigt weicht schwierigen biblischen Themen nicht aus, sondern greift problematischen Aussagen in biblischen Texten auf. Rhetorik ist auf Kanzeln nicht verboten, sofern sie der Lebendigkeit der Rede dient. Großen Wert legt die Jury auf eine verständliche Sprache, die es mit Hanns Dieter Hüsch zu sagen, versteht: „Schweres, leicht zu sagen.“ Die Jury hat immer wieder nach überraschenden Predigten Ausschau gehalten, gehalten von Predigerinnen und Predigern, die einen originellen Zugang zum Predigttext finden. Dies waren in den letzten Jahren erzählerische Predigten, welche alten Texten neue Perspektiven abgewinnen konnten.

Der Ökumenische Predigtpreis versteht sich nicht nur als ein Wettbewerb guter Predigerinnen und Prediger, sondern ebenfalls als Ermutigung für alle diejenigen, die (fast) jeden Sonntag auf der Kanzel stehen und ihren Dienst am Wort tun. Der sonntägliche Predigtdienst ist eine homiletische und seelsorgerische Herausforderung, denn viele Predigttexte sind sperrig oder bereits so oft gepredigt, dass der Mut etwas Neues zu sagen fehlt.

So werden nicht nur Prominente ausgezeichnet, sondern in der Kategorie „beste Predigt eines Jahres“ oder in der Sonderkategorie, in diesem Jahr die Hochzeitpredigt, zumeist eher nur regional bekannte Predigerinnen und Prediger. Pfarrerinnen und Pfarrer, die mutig waren, ihre sonntägliche Predigt einzureichen, wurden in den letzten Jahren ausgezeichnet.

Neben den beiden großen Kirchen sind auch die Freikirchen im Blick, so wurden bereits Predigten aus freikirchlichen Gemeinden prämiert. Predigten in Klöstern, gehalten von Franziskanern und Dominikanern, wurden ebenfalls ausgezeichnet. Kanzeln und ihre Prediger im europäischen Ausland waren und sind im Blick, so wurden Bischof Alfons Nossol aus Polen und der Waldenser Paolo Riccca aus Italien für ihre Lebenswerke geehrt. Ganz unterschiedliche Hochschullehrer wie Walter Jens, Eberhard Jüngel, Fulbert Steffensky oder Rolf Zerfaß reihen sich in die Reihe prominenter Preisträger ein. Frauen sind nicht unbedingt überpräsentiert, als prominente weibliche Preisträgerinnen ragen Schwester Isa Vermehren, die erste katholische Frau beim Wort zum Sonntag in der ARD, und die langjährige Bischöfin Margot Käßmann heraus.

Gut 3.000 Predigten, welche sich auf der Homepage www.predigtpreis.de finden, laden ein, unterschiedliche Predigtformen und –stile kennenzulernen. Neben klassischen Homilien finden sich Themenpredigten, narrative Predigten oder Reim-und Mundartpredigten. Der Predigtpreis und seine Homepage, seit dem Jahr 2000 am Start, erfreuen sich Jahr um Jahr großer Beliebtheit.


Karsten Matthis, evang. Dipl. Theologe, leitet eine Erwachsenenbildungseinrichtung im Rheinland und betreut organisatorisch den Ökumenischer Predigtpreis