Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Lukas 24,1-9

Vikar Daniel Burk (ev.)

29.06.2016 Pregizerhaus in Haiterbach

Bestattungspredigt

Liebe Angehörige, liebe Bekannte und Verwandte, liebe Trauergemeinde,

früh morgens kommen die Frauen zum Grab Jesu. Es ist der erste Tag der Woche. Die Nacht ist gerade am Schwinden. Die ersten Sonnenstrahlen dringen durch die Dunkelheit. Vögel beginnen mit ihrem Gesang. Die Frauen suchen nach Jesus, der ihnen so viel bedeutet hat. Sie sind traurig und stehen noch ganz unter dem Eindruck der letzten Tage. Ihr Jesus ist tot, er ist gestorben am Kreuz. Seinen Leichnam haben sie in dieses Grab gelegt. Verstehen können die Frauen das noch nicht. Sie haben wohlriechende Öle mitgebracht um seinen Leib einzubalsamieren.

Dann die Überraschung: Der Stein verschließt das Grab nicht mehr. Er ist von der Öffnung weggewälzt. Zögerlich schauen die Frauen in das Innere des Grabes: doch der Leib Jesu ist nicht mehr da!

Liebe Angehörige, sie haben mir berichtet, dass XY am Morgen des Ostersonntags immer wieder die Andacht auf unserem Haiterbacher Friedhof besuchte. Sicherlich hat er dann die Erzählung von den Frauen am Grab Jesu schon manches Jahr gehört. Heute ist er wieder hier und mit ihm wir, um von ihm Abschied zu nehmen. Am heutigen Tag hat uns diese Erzählung von den Frauen am Grab mehr zu sagen als an jedem anderen Ostermorgen.

Letzten Freitag, da sind Sie liebe Angehörige, auch früh morgens aufgebrochen um nach ihrem Bruder, Schwager und Onkel zu schauen. Seit dem Tod der Eltern lebte er alleinstehend in dem Haus im (Straßennamen), das ganz früher die Schreinerwerkstatt gewesen war. Sie haben sich Sorgen um ihren Lieben gemacht. Sie hatten eine ungute Vorahnung, weil er ja sonst jeden Tag hoch zur Werkstatt im Industriegebiet gefahren ist und überall ausgeholfen hat, wo Not am Mann war. Doch nicht an diesem Morgen. Die Zeitung war schon aus dem Briefkasten geholt. Die Kaffeetasse auf den Frühstückstisch umgestürzt. Es muss wohl ganz schnell gegangen sein. Möglicherweise ein Herzschlag. Bei allen Befürchtungen hätten sie so etwas nicht gedacht! Plötzlich und unerwartet ist es dann doch geschehen! XY Jahre ist XY geworden. Geboren am XX.YY.ZZZZ in Haiterbach.

Die Kaffeetasse ist umgestürzt – der Stein ist weggewälzt!

Die Frauen, die an das Grab Jesu eilen, sind an diesem Morgen bestimmt genauso verwirrt und wissen nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht.

Die Kaffeetasse ist umgestürzt – der Stein ist weggewälzt!

Was ist mit dem Leib ihres geliebten Jesus geschehen? Sind sie nun völlig von Sinnen? Dann treten zwei Engel in glänzenden Gewändern zu ihnen und fragen die Frauen:

„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war: Der Menschensohn muss überantwortet werden in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und am dritten Tage auferstehen. Und sie gedachten an seine Worte.“ (Lk 24,1-9)

Und da erinnern sich die Frauen an alles, was sie mit diesem Jesus erlebt haben. An die Worte, die er ihnen mit auf den Weg gegeben hat. An die Wunder, mit denen er sie wieder gesundgemacht gemacht und ihnen eine neue Hoffnung ins Herz gegeben hat.

Wenn Sie – ein paar Tage nach dieser bösen Überraschung – an XY zurückdenken. An was können Sie sich erinnern, liebe Angehörige und liebe Trauergemeinde.

Er war ein ruhiger und hilfsbereiter Mann. Er lebte bescheiden und konnte sich auch mit wenig zufriedengeben. Er war einer, der auch im Alter noch etwas schaffen wollte. Schreinermeister war sein Beruf, den er sein Leben lang mit Leib und Seele ausgeübt hat. Hier bei der Arbeit wird er auch morgen noch fehlen, einige werden ihn vermissen, vom langjährigen Gesellen bis zu den nächsten Familienangehörigen. Es wird noch dauern diesen Verlust realisiert und verkraften zu haben.

Bei Jung und Alt war er in seiner Familie gut eingebunden. Er hatte Freude an seinen Großneffen, und die auch an ihm.

Er war darüber hinaus gewiss kein Stubenhocker. Sonntags war er immer auf Achse. Fuhr mit dem Auto weg und unternahm gerne Spaziergänge. Sein besonderes Interesse galt Stadtplänen, die er vor einer Tour genau studierte, und dann späte genau wusste wo es lang geht. Er brauchte kein Navi, sondern konnte noch einen Atlas lesen. So erkundete er ab Horb mit dem Zug Stuttgart, Tübingen und andere Orte.

Am Freitagmorgen dann ist seine Kaffeetasse umgestürzt – der Stein ist weggewälzt.

Als die Frauen am Grab den offenen Eingang sehen, fassen sie zögerlich Mut. Sie sind noch voller Trauer. Aber sie verstehen mit der Zeit, was ihnen der Engel sagt: Warum suchen wir den auferstandenen Herrn bei den Toten? Jesus ist auferstanden!

Liebe Familie XY, liebe Angehörige,

der vergangene Freitagmorgen hat Ihnen einen geliebten Menschen genommen. Noch überwiegt die Trauer. Sie dürfen aber wissen: Dieser Morgen ist für XY zum Ostermorgen geworden. Sie dürfen ihn jetzt schon in Gottes Herrlichkeit geborgen wissen. Es ist etwas geschehen. Vielleicht können Sie die ersten Sonnenstrahlen schon sehen. Der Stein vor dem Grab ist weggewälzt! Möglicherweise sind Sie noch genauso verwundert und irritiert, wie die Frauen an Jesu Grab. Ich wünsche Ihnen aber, dass Sie in nächster Zeit diese hoffnungsvolle Botschaft selbst erfahren werden. Unser Herr Jesus Christus begleite und tröste Sie.

Amen.