Foto von aufgeschlagenen Büchern

Das Evangelium und die Olympischen Spiele

Diakon Dr. theol. Emmerich Beneder (rk)

16.02.2014 in der Pfarre Allerheiligen in Innsbruck

anlässlich der Olympischen Spiele in Sotschi 2014

Am 7. Feber 2014 wurden die Olympischen Spiele in Sotschi eröffnet. Jeder wird zugeben, dass diese Spiele nicht nur dem Sport, sondern auch der Politik dienen. Alle Welt soll die Macht der Großen sehen. Daher werden diese Spiele über das Fernsehen in fast alle Länder der Welt übertragen. Doch Jesus zeigt uns, „was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat“ (1Kor. 2,9): Gott selbst. Gott wird Mensch und gibt sich ganz an seine Geschöpfe hin. Das ist das größte Wunder der Geschichte. Daher brachte Jesus nicht das olympische, sondern das himmlische Feuer der Liebe auf die Erde. Gott gab seinen Sohn hin, damit er für uns zum Brot werde. Größer kann die himmlische Liebe nicht mehr sein. Die olympischen Spiele in Sotschi sind ein weltliches Schauspiel. Doch viel größer war das himmlische Schauspiel in Jerusalem von Tod und Auferstehung Jesu. Als Jesus starb, „bebte die Erde, die Felsen barsten und die Gräber taten sich auf, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen wurden auferweckt“ (Mt 27, 51ff). Am Kreuz hing Jesus wie ein Wurm, als Auferstandener erscheint er in Macht und Herrlichkeit. Ein Schauspiel zwischen Himmel und Erde.

Wer ist der Größte?

Aber eines überrascht uns alle bei den himmlischen Spielen. Nicht der Mensch, welche die beste Leistung erbracht hat, ist der Größte, sondern der Mensch, der vor Gott ein Kind ist (siehe Mt. 18,1).Warum ist das so? Bei Gott zählt nicht die Leistung, sondern die Liebe. Wer wie ein Kind auf die Liebe Gottes antworten kann, ist der Größte. Auch ein Erwachsener kann vor Gott ein Kind sein. Als ich noch berufstätig war, kam öfters ein Pensionist zu mir. Einmal sagte er zu mir: „Wenn ich aufstehe, bete ich zuerst: „Herrgott, da ist dein Bua“. Dann meinte er: „Je mehr ich vor Gott Kind bin, desto mehr liebt er mich, desto mehr Kraft gibt er mir“. Die Liebe Gottes ist wie die Sonne, sie lässt uns wachsen und reifen bis zur Vollendung. Wer sich von Christus lieben, berühren lässt, wird groß, glücklich und selig. Mit Christus kann ein Mensch jede Mauer überspringen, auch die Mauer des Todes. Wer auf die Liebe Gottes antwortet, hat nicht umsonst gelebt. So ein Mensch empfängt von Gott selbst die Krone des Lebens (siehe 2 Tim 4,7f). Wer über die Olympischen Spiele und das Evangelium nachdenkt, muss feststellen, dass die himmlischen Spiele mit dem Einbruch der Gnade beginnen. Weil Christus bei uns bleibt, werden diese zu alltäglichen Spielen. Und wir dürfen wie ein Kind darauf reagieren, mit Staunen, Vertrauen und Liebe. Gott macht uns groß. Das Fiat Mariens war wie ein Sprung über eine Schanze. Maria hat sich damit viele Probleme eingehandelt. Aber die Gnade war größer. Paulus nannte die Christen Heilige, weil sie sich von Gott wie ein Kind beschenken ließen. So wurden sie zu den größten Olympioniken Gottes. Alle Kinder Gottes von einst und heute dürfen teilhaben an der Urkraft des Lebens: Daher vermögen sie mit und in Gott alles. Bei den weltlichen Spielen zählt die Leistung, bei den himmlischen Spielen Vertrauen und Liebe zu Gott. Die olympischen Spiele in Sotschi enden am 23. Februar. Das himmlische Schauspiel der Liebe zwischen Gott und Mensch aber hat kein Ende.