Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt

Pfarrerin Anne Hanhörster (ev.)

21.08.2016

Trauung

Hinweis: Vornamen wurden durch "Frau" und "Mann" ausgetauscht.

 

Wenn ein Fluss angekommen ist, mündet er im Meer.

Wenn eine Liebe angekommen ist, sagt man, landet sie im Hafen der Ehe.

 

Liebe Frau, lieber Mann,

liebe Gäste!

 

Heute ist ein ganz großer Tag für euch: ihr feiert mit uns eure Ankunft. Denn ihr habt euch gefunden und wollt euch nicht wieder loslassen.

Eure je eigenen Lebenswege begegneten sich. Eine Zeit lang seid ihr den Weg gemeinsam weiter gegangen und habt festgestellt: wir gehören zueinander und wollen zusammen bleiben. Für immer.

Auf welchen Meeren seid ihr gesegelt, bevor ihr euch trafet?

Ihr kommt aus völlig unterschiedlichen Gegenden, doch das Wasser verbindet euch.

Frau ist in Winterberg im Sauerland aufgewachsen. Sie wurde Erzieherin, ging nach Düsseldorf. Entdeckte die Leidenschaft für die Theaterpädagogik.

In Winterberg entspringt die Ruhr, der Fluss, der unserer Region den Namen gab. Die Ruhr mündet in Duisburg in den Rhein und der wiederum fließt in die Nordsee – in deren Nähe Mann aufgewachsen ist: in Hamburg an der Elbe. Ihn zog die Arbeit als Volkswirt nach Essen.

Was verbindet den kühlen, weltgewandten Hanseaten mit der warmherzigen, bodenständigen Sauerländerin?

Sehr viel.

 

Es begann vor ca. 6 Jahren auf einer Theaterbühne nur wenige Meter von hier. Ein bunter Haufen theaterbegeisterter Menschen wollte etwas auf die Bühne bringen. Alle waren neu und tasteten sich langsam aneinander an. Es wurde gelaufen, kreuz und quer durch den Raum, gesprochen, geschrien, gekämpft und geatmet, getobt, massiert und getanzt.

Unweigerlich gab es Berührungen mit den anderen – alles ganz locker…

Doch Gott schuf den Menschen als Mann und als Frau. „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“ heißt es am Ende des Schöpfungsberichtes im 1. Buch der Bibel.

Und so ein sehr wunderbares Exemplar der herrlichen Werke Gottes traf auf dieser Theaterbühne in Essen Rüttenscheid Montag für Montag ein anderes so wunderbares Geschöpf –und fühlte sich zu ihm/ zu ihr hingezogen. Jede gemeinsame Übung erzeugte Kribbeln im Bauch. Es hatte gefunkt – zwischen Mann und Frau.

An einem Abend sollte eine Tanzszene inszeniert werden – wer kann denn von euch tanzen? fragten die Theaterpädagogen. Ratlose Blicke…aber schön, wer es kann.

Frau und Mann entdeckten an diesem Abend eine erste Gemeinsamkeit: Sie hatten beide Lust, Tanzen zu lernen und meldeten sich, ganz unverbindlich, zu einem Tanzkurs an.

Jede Woche holte Mann Frau nun zum Tanzen ab. Er wartete in Düsseldorf vor ihrer Wohnung und Frau sprang oben schon seit Feierabend im Dreieck vor Freude, dass er gleich klingelt. Dann gingen sie tanzen und anschließend noch zum Rhein…und entdeckten eine zweite Gemeinsamkeit, die Liebe zum Wasser. Dort kamen sie sich näher. Und näher. Und wurden ein Paar. Das war vor 4 Jahren.

Zwei Jahre wohntet ihr getrennt, liebes Brautpaar. Dann zogt ihr in eine gemeinsame Wohnung hier in Rüttenscheid. Und das klappt richtig gut.

Euer gemeinsames Zuhause schenkt euch Geborgenheit. Ihr kocht gern zusammen und ich sehe euch dann mit einem Glas Rotwein bei Kerzenschein am Tisch sitzen, Händchen halten und miteinander reden über alles, was euch beschäftigt: Stress in der KiTa, Geschichten von Freunden und der Familie, Gedanken aus dem Studium und was wohl danach kommt.

Und wenn Frau mal schlecht drauf ist, heitert Mann sie mit seiner positiven Art auf. Wenn Mann Sorgen hat, wird Frau zur fröhlichen Partnerin, die ihn ermutigt – Schauspieler eben: schnell hat jeder die Rolle gefunden und auch übernommen, die dem anderen gerade gut tut.

Und wann heiratet ihr? wurdet ihr in letzter Zeit immer öfter gefragt.

Nun: geheiratet wird, wenn Mann die Frau, die er einfach toll findet und die ihn perfekt ergänzt, fragt, ob sie Ja zu ihm sagen würde.

Und Frau sagte Ja – aus Liebe zu einem Mann, der alles hat, was ihr hilft.

Heute ist es soweit. Frau und Mann lenken ihr Schiff in den Hafen der Ehe, wenn sie gleich vor Gott und ihren Gästen laut Ja zueinander sagen. Ja – in guten wie in schweren Zeiten, in Gesundheit und Krankheit und für immer.

Und wenn es dann schlecht läuft, ankern sie fest im Hafen der Ehe und lassen ihre Beziehung vor sich hindümpeln und verrosten.

Wenn es gut läuft, nutzen sie die Geborgenheit des Hafens Ehe, um immer wieder die Anker zu lichten und sich auf zu machen zu neuen Ufern.

Wenn es gut läuft, lassen sie immer wieder frischen Wind in ihr Segel und segeln los – mal mit dem Wind, mal hart am Wind und manchmal auch gegen den Wind.

Ihr lieben Beiden,

was kann schon passieren? Ihr habt euch, ihr seid ein starkes Team. Gemeinsam werdet ihr die große Fahrt über die Gewässer des Lebens sicher bestehen und hoffentlich genießen.

Zumal ihr euch heute ja Verstärkung an Bord holt: ihr heiratet vor Gott, in dessen Namen der Apostel Paulus euch ins Logbuch schreibt: Segelt mit Glauben, mit Hoffnung und mit Liebe durch das Leben. 

Ich habe euch einen Schlüsselanhänger mitgebracht. Er besteht aus einem Herzen, einem Kreuz und einem Anker.

Da ist zunächst das Kreuz. Es ist das Symbol der Christen. Manchmal kann es aber auch ein Kreuz sein mit uns, mit dem Leben und mit der Ehe. Auch euer Leben wurde schon durchkreuzt von Sorgen und Krisen. Ihr wisst, was es heißt, gemeinsam etwas durchzustehen, zueinander zu stehen, auszuhalten. Das Kreuz am Schlüsselanhänger ist blau. Blau ist die Farbe des Himmels, die Farbe Gottes. Das blaue Kreuz will euch zusagen: Auch wenn es manchmal ganz schwer ist: einer ist immer für euch da: Gott, der Herr.

Dann ist da ein grüner Anker. Auf eurer Einladung ist er blau. Der grüne Anker steht für die Hoffnung. Ihr wisst nur zu gut, dass man ohne Hoffnung, ohne Optimismus nicht leben kann. Gebt sie niemals auf. Stellt euch ans Wasser, wenn sie euch verloren gegangen scheint -

Und dann ist da das rote Herz. Auf meine Frage, warum ihr heiratet, sagtet ihr beide aus tiefer Überzeugung und mit strahlenden Augen: aus Liebe

Liebe ist, wenn man uneingeschränkt Ja zum anderen sagt. Die Liebe ist die größte – sie ist ein Gottesgeschenk, eine himmlische Gabe. Wir können sie nicht machen, wir können sie immer nur geben und empfangen.

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei – aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.“

 „Sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.“

„Die Liebe hört niemals auf“

 

Liebe Frau, lieber Mann,

das wünsche ich euch von Herzen. Dass eure Liebe niemals aufhören möge und eure Wünsche an die gemeinsame Zukunft in Erfüllung gehen.

Gott segne und behüte euch

Amen.