Foto von aufgeschlagenen Büchern

Traupredigt

Klaus Opitz (ev. Prädikant)

21.04.2017 ev. Laurentiuskirche in Tegernau

Trauung und Taufe

Bindung ohne Liebe macht berechnend.
Verantwortung ohne Liebe macht rücksichtslos.
Pflicht ohne Liebe macht verdrießlich.
Wahrheit ohne Liebe macht kritisch.
Gerechtigkeit ohne Liebe macht hart.
Erziehung ohne Liebe macht widerspruchsvoll.
Ordnung ohne Liebe macht kleinlich.
Schenken ohne Liebe macht anspruchsvoll.
Nehmen ohne Liebe macht habgierig.
Sachkenntnis ohne Liebe macht rechthaberisch.
Klugheit ohne Liebe macht gerissen.
Freundlichkeit ohne Liebe macht heuchlerisch.
Besitz ohne Liebe macht geizig.
Ehre ohne Liebe macht hochmütig.
Macht ohne Liebe macht gewalttätig.
Glaube ohne Liebe macht fanatisch.
Ein Leben ohne Liebe ist sinnlos,
denn ohne Liebe ist alles nichts,
aber in der Liebe ist alles gut!
Liebe Liebes Brautpaar, liebe Verwandten, liebe Freunde, liebe Gemeinde,
Mit eigenen Worten hat hier der Dichter Heinz Pangels wiedergegeben,
was der Apostel Paulus im 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes über die
Liebe zu sagen hat. Dort klingt es etwas altmodischer, aber er meint genau
das. Ohne die Liebe, so sagt Paulus, wären wir nichts weiter als ein Stück
Metall, das zwar einen Ton von sich gibt, wenn man daran schlägt, aber
ansonsten kalt und tot ist. Und wie der Dichter, so fasst auch Paulus seine
Reflektionen zusammen unter einen Bruchstrich:
13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.
Das ist euer Trauspruch, ein Motto gewissermaßen, das Ihr über
gemeinsames Leben gestellt habt. Es ist ein Dreiklang: Glaube, Liebe,
Hoffnung.
Glaube ist die Rück-bindung an Gott.
Liebe ist die Ver-bindung zwischen Euch und Eurer Tochter
und Hoffnung ist die An-Bindunung an das Kommende, die Ausrichtung
an alles, was vor euch steht.
Mit einem Dreiklang erklingt ein Akkord, das ist wesentlich ansprechender
als ein einzelner Ton und so tun wir gut daran, die Liebe nicht
eindimensional zu sehen, gewissermaßen zusammengeschrumpft auf ein
wunderschönes Gefühl, das Schmetterlinge im Bauch flattern lässt. Wir
tun gut daran, die Liebe weiter zu fassen. In Ihrem Trauspruch wird das
deutlich. Die Liebe ist komplex, würde sie fehlen, so wäre unsere Welt ein
grauer Ort, der Text am Anfang hat es uns vor Augen gemalt.
Glaube ohne Liebe würde fanatisch machen. Vor allem wäre etwas
Grundsätzliches außer Acht gelassen, nämlich, dass Gott selbst die Liebe
ist. „Gottes Liebe ist wie die Sonne“, heißt es in einem Lied. Sehr treffend
ist dieses Bild, denn wie die Sonne mit ihrem Licht und ihrer Wärme
Leben hier auf der Erde erst ermöglicht, so ist es Gott, durch den wir
überhaupt erst lieben können. Nicht immer äußert sich die Liebe in einem
schönen Gefühl. Wir alle wissen darum, dass es in einer Beziehung Streit
geben kann. Es kommt vor, dass wir einander verletzen, manchmal so
heftig, dass die Wunden zu groß sind, um einander zu verzeihen, weil das
Vertrauen zerstört wurde. Dann, so scheint es, ist die Liebe nicht mehr da.
Doch, entgegne ich, die Liebe ist da, denn Gott ist die Liebe. Wo wir
zurückgebunden sind, wo wir als Partner jeweils eine Rück-bindung an
Gott haben, bleiben wir immer in der Liebe verbunden. Ich möchte Ihnen
einen ersten Hinweis geben: wagen Sie miteinander den Glauben, sie
werden erfahren, dass Sie Ihrer Liebe ein weiteres Standbein geben.
Liebe ist Ver-bindung. Dazu müsste ich Ihnen eigentlich nichts mehr
sagen, denn darum sind Sie ja hier in der Kirche, weil Sie sich in Liebe
miteinander verbunden haben. Der Apostel Paulus, von dem Ihr
Trauspruch stammt, war Junggeselle, aber er kannte sich in der Liebe
erstaunlich gut aus. An anderer Stelle (Kol3,14) sagt er: „die Liebe ist das
Band der Vollkommenheit.“ Menschen, die einander lieben sind mit
unsichtbaren Bändern miteinander verbunden. Auch zwischen Ihnen und
auch zwischen Ihnen und ihrer Tochter sind solche Bänder. An Bändern
kann man ziehen, darum spricht man auch von Beziehung. Im Alltag
werden solche Bänder manchmal zu Stolperfallen und manchmal auch zu
Fallstricken. Verbinden kann man sich nämlich auf ganz unterschiedliche
Weise. Ich stelle Ihnen ein Bild vor Augen, wie man mit diesen Verbindungen
unterschiedlich umgehen kann. Bergsteiger sind miteinander
mit Seilen verbunden. Auch wenn einer voran geht, ist es keine Hierarchie.
Jeder ist an seinem Ort gleichzeitig für sich selbst und für die Kameraden
verantwortlich. Das Seil zwischen ihnen ist weder stramm gespannt, noch
schleift es am Boden, das richtige Maß zwischen Verbindung und eigener
Verantwortung. Das Seil zwischen den Partnern ist auch eine Art
Telefonleitung. Im Zeitalter von Drahtloser Kommunikation kann man sich
das kaum noch vorstellen. Stellen Sie sich vor, Sie sind mit einem Seil
miteinander verbunden. Solange Sie in die gleiche Richtung gehen,
werden Sie das Seil gar nicht bemerken, wenn Sie aber unterschiedliche
Interessen haben, kommt es zum Konflikt. Sie können nun entweder
Seilziehen spielen, d. h. Der Stärkere, oder der mit der lauteren Stimme,
oder der mit den scheinbar besseren Argumenten gewinnt. Nun gebe ich
Ihnen einen zweiten Hinweis: Sie können aber auch lernen miteinander zu
reden. Das klingt banal meinen Sie? Ich halte dagegen: Miteinander reden
ist eine hohe Kunst. Ein Buchtitel, der diese Kunst beschreibt heißt: Die
Wahrheit beginnt zu zweit.
Zum Dritten: Die Hoffnung ist die Anbindung.
Mit der Hoffnung tun wir uns gewöhnlich etwas schwer. Das liegt daran,
dass wir keinen Zugriff auf die Zukunft haben. Die Hoffnung bleibt damit
etwas Wages, Diffuses und oftmals auch etwas Verlogenes, wenn man z.B.
in Gegenwart eines Sterbenden davon spricht, dass bestimmt wieder alles
gut wird.
Hoffnung als Anbindung kann nur zusammen mit der Rückbindung
verstanden werden. Das wird deutlich in dem Taufspruch, den Sie für Ihre Tochter
Celina gewählt habt: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich
behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf den Händen tragen und
du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.“ (Psalm 91,11. 12) Welchen
Weg wird Celina gehen? Welchen Gefahren wird sie ausgesetzt sein?
Welche Menschen wird sie treffen und was wird sie tun? Sie steht am
Anfang Ihres Lebensweges, so wie Sie am Anfang Ihres Eheweges stehen.
Celinas Lebensweg ist genauso unvorhersehbar, wie Ihr Weg als Ehepaar.
Gewiss, man kann viel tun, um Katastrophen zu vermeiden. Erziehung und
sich selbst an die Werte halten, die man seinem Kind vermittelt, helfen viel
und doch gibt es keine Garantie. Ob es ein Auto ist, das von der Fahrbahn
abkommt und auf Ihr Kind zufährt, oder ein anderer Mensch, der in Ihre
Ehe einbricht; es gibt keine Garantie. Es gibt aber die Hoffnung und die
hat ein Gesicht. Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf
deinen Wegen. Beachten Sie, dass der Taufspruch mit dem Wörtchen
„Denn“ beginnt. Wenn Sie darauf achten, wird deutlich, dass es hier eine
Voraussetzung gibt, sonst wäre „denn“ sinnlos. Die Voraussetzung steht
am Anfang des Psalmes: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt
und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt“ Das ist die
Rückbindung, unter Gottes Schirm und Schutz bleiben, dann ergibt sich
auch die An-bindung an das Kommende, die Hoffnung. So kann Celina mit Zuversicht in das Leben
und Sie in die Verbindung Ihrer Ehe und Elternschaft gehen.
13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe
ist die größte unter ihnen.
Amen