Foto von aufgeschlagenen Büchern

Traupredigt

Pfarrer K.-Christian Ellgaard (ev.), Krankenhausseelsorger

13.05.2017 Stiepeler Dorfkirche, Bochum

Trauung

Die Familie des Mannes vom Brautpaares ist dem Prediger durch Amtshandlungen und seelsorgerlichen Gesprächen bekannt. In der Familie gab es viele Todesfälle, Krankheiten und Lebensbrüche. Die Braut ist katholischen Glaubens. 

Für die Ansprache muss ein Ziegelstein präpariert werden, in dem einige kleine Ecken vom Stein abgeschlagen werden müssen. Der Stein wird eingepackt und mit einer Schleife versehen.

 

Liebe T, lieber M.!

Liebe Eltern, Verwandte, Freunde, Arbeitskollegen,

alle, die Sie zu dieser Trauung hier her gekommen sind!

 

Pfarrer zu sein, hat auch so seine Vorteile,

wenn ich an all die Menschen denke,

die sich bei Euch liebe T. und lieber M. heute noch anstellen werden,

um Euch ein Geschenk zu überreichen.

So habe ich als Pfarrer das Privileg,

Euch, dem Brautpaar,

jetzt schon ein Geschenk geben zu können.

 

(Steingeschenk überreichen)

Vielleicht packt ihr es auch gleich aus.

 

Ihr müsst mir das Geschenk noch einmal zurückgeben,

denn ich will an diesem Stein etwas erklären.

 

Ich habe  lange  nach einem Symbol gesucht,

dass das besondere dieses Tages ausdrückt:

dass zwei Menschen

nach einer längeren Zeit des miteinander Lebens und Prüfens,

nun vor Gott versprechen,

ihr Leben gemeinsam leben zu wollen,

unter dem Segen Gottes und in seinem Angesicht.

 

Ihr hab Euch in den letzten Jahren Eures Zusammenseins

in der A.-straße ein schönes „zu Hause“ gebaut.

Fertig seid ihr damit noch nicht.

Damit auch weitere Umbauten gelingen,

aber nicht nur deswegen,

schenke ich Euch schon mal diesen Stein.

 

Wenn Ihr diesen Ziegel aufbewahrt,

dann kann er Euch eine Menge über die Ehe,

die Liebe und das Zusammenleben erzählen,

im Sinne Eures Trauspruchs:

„Vor allem haltet fest an der Liebe zueinander“

 

 

Verstehen kann man es erst,

wenn wir uns die Geschichte dieses Ziegels angeschaut habe:

 

Er ist geformt worden aus einem Klumpen Ton und gehärtet

und kann so gehärtet in einem Bau eingefügt werden.

 

So ähnlich müsste es eigentlich auch bei Euch gelaufen sein –

und bei Euch laufen.

Jeder von Euch hat seine Lebensgeschichte,

ihr seid geformt worden,

in beiden Elternhäusern, in der Schule,

in der katholischen oder evangelischen Kirche, am Arbeitsplatz usw.

 

Aber das reicht noch nicht aus.

Ich denke, ihr seid auch gehärtet worden:

durch verschiedene Leiderfahrungen,

Abschiedserfahrungen,

durch negative Ereignisse,

wenn Euch etwas quergegangen ist,

womit Ihr erst fertig werden musstet.

 

Aber, damit ihr fest werden – gehärtet werden konntet,

mussten diese Ereignisse sein.

Formen und härten gehören zusammen.

Und, nur  wer geformt und gehärtet ist –

oder anders übersetzt:

Wer eine Persönlichkeit ist,

kann dem anderen ein Partner oder Partnerin sein.

Nur so kann eine Partnerschaft reifen und wachsen.

 

 

Nicht, dass Ihr denkt, ich hätte keinen besseren Ziegel gefunden.

(Ziegel hochhalten)

Sie sehen, hier ist eine Ecke ab und hier auch und hier ebenfalls.

Die habe ich mit Mühe selber reingeschlagen.

 

Diese fehlenden Ecken sollen uns daran erinnern,

dass jeder von Euch,

auch jeder von uns,

eine Macke hat.

 

Kein Mensch, das kann mir keiner erzählen,

keiner kommt ideal,

optimal,

auf die Welt.

Keine Erziehung ist optimal und ideal.

 

Jeder von uns und auch ihr beiden,

jeder von uns schleppt seine Macke mit durchs Leben.

Aber - ist es schlimm?

Ein erfahrener Baumeister wird einen solchen Stein deshalb nicht wegwerfen.

Sondern er wird ihn einfügen in den Bau

und die Stelle die fehlt,

wird er dann mit etwas Mörtel auskleiden.

So ähnlich könnt Ihr das auch machen:

Wenn Ihr Eure Macken – gegenseitig - mit dem Mörtel der Liebe auskleidet.

 

Und so verstehe ich auch euren Trauspruch, der da lautet:

„Vor allem haltet fest an der Liebe zueinander“

 

Die Liebe ist der Mörtel,

der die Steine zusammenfügt und ausfüllt,

wo etwas abgesplittert und abgeplatzt ist.

Die Liebe unter Euch und die Liebe Gottes zu den Menschen macht es möglich,

das wir uns herzlich erbarmen,

und einer den anderen tragen kann

und uns vergeben

und Geduld miteinander haben

und in Freundlichkeit und Achtung  miteinander leben.

 

 

Und lasst mich noch etwas zu dem Stein sagen:

Christus hat sich selber mal als den Stein bezeichnet,

den die Bauleute verworfen haben,

der aber zum Eckstein geworden ist.

 

 

Wenn ich euch jetzt den Stein mitgebe,

auf Euren gemeinsamen Lebensweg,

so heißt das auch,

seit lebendige Steine und lasst Euch als lebendige Steine,

ins Haus der Kirche einfügen.

 

So kommt es mit Sicherheit nicht darauf an,

ob einer katholisch oder evangelisch denkt.

Ich denke, in 50 Jahren, spätestens,

hat sich das ohnehin überholt.

Wir müssen lernen,

christlich zu denken. 

 

Und wenn wir uns als lebendige Steine,

in ein Christentum einfügen lassen,

das wieder ein Format gewinnt,

Form hat und Profil zeigt,

dann werden wir gestärkt,

der Welt draußen begegnen,

nicht als Katholiken oder Protestanten,

sondern als Christen.

 

So gebe ich Euch in diesem Gottesdienst diesen Stein mit:

 

  • Ihr habt eine Lebensgeschichte vor Euch, die Euch formt und härtet.
    Lebt Sie nun gemeinsam.
  • Denkt an die Macken und den Mörtel der Liebe, der euch zusammen halten lässt.
  • Und lasst Euch einfügten als lebendige Steine in den Bau der Kirche, damit Ihr so gemeinsame Zeugen unseres Gottes seid.
  • Und tut dies unter der Führung Gottes im Sinne Eures Trauspruches: „Vor allem haltet fest an der Liebe zueinander“

 

Amen