Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt anlässlich des Feldschiessens des Schützenvereins Röthenbach

Pfarrer Herbert Held (ev.-ref.)

01.06.2014 im Festzelt beim Schützenhaus in Röthenbach im Emmental (Schweiz)

1. Musikstück

2. Einleitung

Ganz herzlich willkommen zum Gottesdienst am Feldschiessen. In der letzten Zeit bin ich vermehrt gefragt worden: Gottesdienst und Feldschiessen: passt denn das? Warum nicht? In der Oberei1 findet die Sonntagschulweihnacht seit zwei Jahren im Schützenhaus statt. Zum einen, weil dort genügend Platz ist. Zum anderen ist mir aufgefallen, dass sich gerade die Väter an diesem vertrauten Ort wohlfühlen. Nach dem Stationentheater im Schützenstand gab es Kaffee. Es war eine warme Athmosphäre mit vielen guten Gesprächen. Heute Morgen will ich eine Verknüpfung herstellen zwischen dem Feldschiessen und der Bibel. Und zwar am Beispiel vom Siegespreis, dem ‚Kranz‘. Darum geht es ja im Feldschiessen in erster Linie: man will den ‚Kranz‘2 holen. Der Apostel Paulus schreibt seinem jungen Kollegen Timotheus folgendes: Ein Sportler, der an einem Wettkampf teilnimmt, kann den Preis nur gewinnen, wenn er sich streng den Regeln unterwirft. 2. Tim. 2.5 Paulus hat vermutlich nicht ans Feldschiessen gedacht.  Aber auch hier gelten klare Regeln. So gibt es beispielsweise nur Punkte, wenn man die richtige Scheibe trifft, oder wenn man die Schüsse in der vorgegebenen Zeit abgibt. Neben Paulus braucht Jakobus das Bild vom Kranz als Vergleich zum Leben, das einen immer wieder auf die Probe stellt. Freuen darf sich, wer auf die Probe gestellt wird und sie besteht; denn Gott wird ihm den Siegeskranz geben, das ewige Leben, das er allen versprochen hat, die ihn lieben. Jakobus 1.12

Ähnlich legt es Paulus den Korinthern aus: er sagt ihnen sinngemäss: Sportler setzen alles daran, damit sie einen vergänglichen Kranz bekommen – wir aber vertrauen auf einen unvergänglichen Kranz. Er meint damit ebenfalls das ewige Leben, das wie ein Siegeskranz ist für alle, die Gott vertrauen. Sogar Petrus spricht vom Kranz. Er sagt im Bezug auf die Wiederkunft von Jesus Christus: …dann werdet ihr den Siegeskranz erhalten, der nie verwelkt. 1. Petrus 5.4.

Der Kranz, den ihr Schützen heute bekommt, der verwelkt zwar auch nicht. Und doch habe ich etwas von seiner Vergänglichkeit gespürt, als ich Schützenabzeichen in der Brockenstube gesehen habe. Dort sind sie ganz billig zu haben. Ich weiss nicht, wie sie dorthin gekommen sind. Vielleicht aus einem Nachlass. Nur eben: ein Schützenkranz aus dem Brockenhaus ist wertlos. Das gilt auch für ein Schützenabzeichen von früher: Wenn Ihr heute den Kranz nicht gewinnt, dann kann euch niemand damit trösten: „Letztes Jahr hast du ihn ja gewonnen, freue dich an dem.“ Das funktioniert nicht.

Bevor ich weiter vom Kranz spreche, singen wir gemeinsam ein Danklied.

3. Lied

4. Gebet

5. Predigt Teil I

Wie kommt man im Feldschiessen zum Kranz – und was kann man davon lernen fürs Leben? Paulus schreibt der christlichen Gemeinde in Philippi: Ich bilde mir nicht ein, …, dass ich es schon geschafft habe. (Philipper 3.13) Wenn Paulus am Feldschiessen teilnehmen würde, dann käme er nicht selbstherrlich daher: „Chömet, Giele, i zeige n’ech jetz wie’s geit!“3 Als Mensch kann man auch scheitern. Nicht nur am Feldschiessen – auch im Leben. Jedes von uns trägt solche Erfahrungen im Gepäck. Lebensabschnitte oder Lebensbereiche, wo wir versagt haben. Auch was die Zukunft angeht, wissen wir nicht, was kommt. Ich bilde mir nicht ein, …, dass ich es schon geschafft habe. Aber: die Entscheidung ist gefallen! Ich lasse alles hinter mir und sehe nur noch, was vor mir liegt! (Philipper 3.13) Wer im Schützenstand liegt, für den ist es egal, was sich hinter seinem Rücken abspielt. Der Schütze stellt sein Gewehr hin, liegt ab und sucht das Ziel. Je länger dest‘ mehr fixiert er dieses Ziel. Alles andere wird unwichtig. Es kommt der Moment, wo er sogar den Atem anhält. Er fasst den Druckpunkt. Jetzt, wo das Ziel genau vor ihm ist, darf es keine falsche Bewegung mehr geben. Er drückt ab. In diesem Moment ist die Entscheidung für den ersten Schuss gefallen. Wenn abgedrückt ist, lässt sich nichts mehr rückgängig machen. Allenfalls noch eine Korrektur für den nächsten Schuss. Hier liegt eine Gefahr: wenn der Schuss daneben ist, dann ist es wichtig, innerlich nicht bei dieser Panne zu bleiben. Sonst kommt plötzlich die Resignation: Jetzt spielt es eh keine Rolle mehr. Jetzt lasse ich sie ‚eifach no hingere‘!4 Diese Gefahr besteht nicht nur im Schützenstand. Wie mancher ist irgendwo gescheitert und hat schliesslich gesagt: „Jetzt ist es eh gelaufen. Jetzt lasse ich das Leben einfach noch so ‚düre‘.5 Hier kann ich von Paulus ganz viel lernen. Es geht um eine Entscheidung. …die Entscheidung ist gefallen… ich kann mich in jedem Moment entscheiden: lasse ich jetzt einfach alles ‚lo schlittle‘ 6oder: Ich lasse alles hinter mir und sehe nur noch, was vor mir liegt! An dem, was geschehen ist, kann ich nichts mehr ändern. Aber: ich schaue vorwärts, auf das, wo mir noch bleibt. Ich halte geradewegs auf das Ziel zu, um den Siegespreis zu gewinnen. Auch wenn es Misserfolge gibt – ich lasse mich nicht vom Ziel abbringen.

Jetzt die grosse Frage: Was ist denn das Ziel im Leben? Für Paulus ist es klar, was der Siegespreis ist: Dieser Preis ist das ewige Leben, zu dem Gott mich durch Jesus Christus berufen hat. Paulus hat ein Ziel, das über sein irdisches Leben hinausgeht. Einfach gesagt: sein Ziel ist der Himmel. Dort will er mal ankommen. Jedes andere Ziel ist ihm zu wenig. Die Schützen machen es wie Paulus. Sie wissen: Es reicht, wenn ich das Fernziel fixiere – in diesem Fall, die Scheibe, 300 m entfernt. Wenn ich einen Schuss abgebe, muss ich mich nicht darum kümmern, wo der überall durchfliegen wird. Ich muss nicht wissen, wo der Schuss nach 15 m ist oder nach 100 m. Wenn das Fernziel klar ist, werden alle Zwischenziele auch klar sein. Was heisst jetzt das aufs Leben übertragen?

Mal angenommen: der Himmel ist mein Lebensziel. Dann begleitet mich die Gemeinschaft mit Gott auf meinem ganzen Weg. Dann bestimmt Gott den Sinn meines Lebens. Und was ist der Sinn des Lebens? Mein Lebenssinn steht im Epheserbrief: Ein Lobpreis seiner Herrlichkeit sollen wir sein – wir alle, die wir durch Christus von Hoffnung erfüllt sind! Epheser 1.12

Anders gesagt: Der Sinn meines Lebens besteht darin, dass mein Leben und Handeln Gott Ehre macht. Wer uns Christen anschaut, soll ‚gluschtig‘7 werden: „So will ich auch leben.“ Werden andere ‚gluschtig‘, wenn sie mein Leben anschauen?

Wenn ich so lebe, dass Gott geehrt wird, dann hat das Auswirkungen auf jeden Lebensbereich: auf mein Arbeiten, auf den Umgang mit dem Ehepartner, wie ich meinen Leib und meine Seele pflege, welche Entscheidungen ich treffe, wo mitmache – und wo nicht, wann ich ‚JA‘ sage und wann ‚NEIN‘, wie ich mein Geld ausgebe, welchen Stellenwert ich meinen Hobbies gebe. Es betrifft mein Verständnis von Treue, ob ich in einer Situation Hoffnung habe, ob ich für etwas kämpfe oder nicht, ob ich mich von einem Menschen zurückziehe oder auf ihn zugehe…usw.

Jetzt die grosse Frage: wie kann ich das konkret leben? Dazu ein paar Anregungen nach dem folgenden Musikstück.

6. Musikstück

7. Predigt Teil II

Der Sinn meines Lebens besteht darin, dass mein Leben und Handeln Gott Ehre macht. Wenn ich diese Haltung habe, dann hat das Auswirkungen auf jeden Lebensbereich. Jetzt die Frage: „Wie kann ich das konkret leben?“ Die billige Variante: Ich schaue auf diejenigen, welche es nicht schaffen. Im Vergleich zu ihnen, komme ich ganz gut weg. Das Problem ist nur: es ist ein Schuss auf die falsche Scheibe. Es bringt mir keine Punkte. Weder komme ich im Leben weiter noch wird damit Gott geehrt. Die bessere Variante ist der Weg des Paulus: Ich bilde mir nicht ein…, dass ich es schon geschafft habe. Aber die Entscheidung ist gefallen! Ich lasse alles hinter mir und sehe nur noch, was vor mir liegt. Ich halte geradewegs auf das Ziel zu, um den Siegespreis zu gewinnen. Dieser Preis ist das ewige Leben, zu dem Gott mich durch Jesus Christus berufen hat.

Das Ziel von euch Schützen ist es, den Kranz zu gewinnen. Leider wird nicht jeder dieses Ziel erreichen, auch wenn er sich noch so sehr Mühe gibt. Beim Feldschiessen kann man scheitern. Und wie ist das im Leben? Wenn ich den Himmel als Fernziel habe: komme ich denn auch wirklich dort an? Oder kann ich scheitern wie beim Feldschiessen? Wenn ich in den Briefen des Paulus lese, staune ich immer wieder, mit welcher Gewissheit er davon ausgeht, dieses Ziel zu erreichen. Im Korintherbrief schreibt er beispielsweise: Ich bin voller Zuversicht und würde am liebsten sogleich von meinem Körper getrennt und beim Herrn zu Hause sein. (2. Kor. 5.8). Oder ein paar Zeilen vorher: Wir werden auch an dieses Ziel gelangen, denn Gott selbst hat in uns die Vorau

ssetzung dafür geschaffen…

(2. Kor.5.6).

Das ist ein wichtiger Punkt. Paulus vertraut nicht auf sich selber – er vertraut Gott. Gott hat in seinem Leben die Voraussetzung geschaffen, damit er in den Himmel kommt. Wenn er auf sein Leben zurückschaut, gibt es viele dunkle Punkte. In seinen jüngeren Jahren hat er aus einem inneren Fanatismus heraus die christliche Gemeinde verfolgt. Er liess viele Gläubige umbringen. Dann ist ihm Jesus Christus erschienen und hat sein Leben umgekrempelt. Wenn er auf sich selber schaute, war für ihn klar: Aus mir selber heraus

komme ich nicht in den Himmel. Ich habe so viel ‚verschossen‘8 iin meinem Leben: es ‚längt nümm‘9. Warum hat er dann trotzdem eine so gewisse Zuversicht? Er schreibt im Philipperbrief: …ich wiederhole es jetzt unter Tränen: Die Botschaft, dass allein im Kreuzestod von Christus unsere Rettung liegt…(Phil. 3.18). Am Kreuz ist Jesus gestorben für jede Schuld, für jedes Versagen, für jede Hoffnungslosigkeit. Ich darf noch mal neu anfangen. Beim Feldschiessen ist kein Neuanfang möglich. Bei Gott schon, ganz egal, was in meinem Leben alles schief gelaufen ist. Vor diesem Hintergrund schreibt Paulus: …die Entscheidung ist gefallen. Ich lasse alles hinter mir und sehe nur noch, was vor mir liegt. Ich halte geradewegs auf das Ziel zu, um den Siegespreis zu gewinnen. Dieser Preis ist das ewige Leben, zu dem Gott mich durch Jesus Christus berufen hat.

Paulus ist durch Jesus Christus berufen zum ewigen Leben. Er hat diese Berufung angenommen. Wir alle sind wie Paulus ebenfalls berufen zum ewigen Leben. Jetzt geht es auch für uns darum, diese Berufung anzunehmen. Das Ewige Leben liegt vor mir – es ist ein Angebot von Gott. Jetzt ist meine Entscheidung gefragt. Wie beim Feldschiessen: Drücke ich ab oder drücke ich nicht ab? JA oder NEIN? Wenn ich ‚JA‘ sage, dann habe ich mein Fernziel fixiert. Den Himmel. Und dann hat das Auswirkungen –wie ich schon gesagt habe- auf jeden Lebensbereich. Wer will, darf Gott jetzt sein JA-Wort geben. Ganz im Stillen, während dem folgenden Musikstück.

8. Musikstück

9. Gebet

10. Lied

11. Mitteilungen, Segen

12. Musikstück

1 Ortsteil von Röthenbach

2 Ausdruck für die Medaille, die ab einer bestimmten Punktzahl gewonnen wird.

3 „Kommt Jungs, ich zeig‘ euch jetzt wie’s geht!“

4 Lustlos die Schüsse abgeben, damit man das Ganze möglichst schnell hinter sich hat.

5 Ich nehme es so, wie es gerade kommt.

6 Passiv sein und den Dingen ihren Lauf lassen

7 Lust bekommen. Der Ausdruck wird beispielsweise bei einem sehr leckeren Essen verwendet. Da wird man ‚gluschtig‘, davon zu essen.

8 danebengetroffen

9 Es reicht nicht mehr.