Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über 1. Korinther 13,13 u. Psalm 91,11

Pfarrer Martin Grimm (ev.)

24.09.2016 Klosterkirche Bad Dürkheim

Trauung und Taufe

Hinweis: Vornamen wurden durch "Frau", "Mann" und "Sohn" ausgetauscht.

Predigt anlässlich einer Trauung mit Taufe

Liebe Frau! Lieber Mann!

Es war vor etwa 9 Jahren. Ihr habt beide in M. Musik studiert. Lerntet Euch kennen. Und jetzt seid Ihr schon acht Jahre lang zusammen. Jahre, in denen Ihr immer mehr miteinander vertraut wurdet und Teil der jeweils anderen Familie geworden seid.

Ihr habt Euch in diesen Jahren immer mehr gegenseitig kennen gelernt – mit Euren Stärken und Schwächen. Mann ist von Euch beiden der Ruhigere und der Gelassenere. Er kocht sehr gerne – und kann genießen.

Frau verbreitet in ihrer fröhlichen Art die gute Laune. Plant, ist spontan und erfreut sich an Spielen und Rätseln.

Ihr habt in diesen Jahren auch so manchen Camping- und Rucksackurlaub unternommen. Urlaube mit schönen Erinnerungen.

Viel Spaß macht Euch Euer gemeinsamer Freundeskreis, den ihr über die Musikhochschule gewonnen habt. Gerne seid ihr miteinander zusammen.

Euer Umzug von M. nach H. vor zwei Jahren aus beruflichen Gründen war für Euch eine sehr bedeutsame Entscheidung. Und dann habt Ihr dort im August letzten Jahres standesamtlich geheiratet. Gestern vor einem Jahr kam dann Euer Sohn auf die Welt. Ihr empfindet es als Glück, dass er gesund zur Welt kam. Seitdem seid Ihr nun eine Familie – und freut Euch aneinander und miteinander. Aber auch für Eure Eltern ist die Freude groß.

Jetzt hat Euer nächster Lebensabschnitt in S. begonnen. Der kirchliche Segen soll heute Eure Ehe begleiten und Sohn soll getauft werden.

Jeder von Euch hat sich in der Musik auf seine eigene Weise engagiert, entfaltet, ja: hat gestaltet. Beruf und Hobby fallen bei Euch zusammen. So hat jeder von Euch früher seine eigene Melodie im Leben geschrieben. Eure jeweils eigenen Lebens-Melodien haben zusammengefunden. Und spätestens mit Eurer Hochzeit schreibt ihr gemeinsam Eure Partitur des Lebens. Eine Partitur, die vor einem Jahr erweiterte wurde. Denn Sohn spielt jetzt seinen Part mit.

Jemand ohne musikalischen Verstand empfindet beim Lesen einer Partitur ziemlich wenig. Wer aber mit Musik vertraut ist, beginnt die Musik zu hören, auch wenn noch kein Instrument spielt. Und er merkt, dass man Takte so oder auch anders spielen kann. Weiß, dass die Partitur interpretiert werden muss.

Im Orchester ist das die Aufgabe des Dirigenten. In einer Ehe gibt es keinen Dirigenten. Da ist dann die Aufgabe: aufeinander zu achten; aufeinander zu hören: auch in den Pausen und bei den Fermaten. Dann wird aus Eurer Lebenspartitur eine tolle Symphonie. Und doch: es bedarf immer wieder der Interpretation. Auch Wiederholungen klingen dann vielleicht anders als beim ersten Mal.

In einer Ehe gibt es keinen Dirigenten. Wenn das Stück nicht klappt, dann spielt jeder vor sich hin. Hört nur sich. Das führt zu Misstönen. Aber wenn Klavier, Posaune, Gesang sich aufeinander abstimmen – dann wird euch bei dieser gemeinsamen Lebensmelodie das Leben viel Spaß machen. Und Eure Eltern und Freunde spielen dann in ihren eigenen Rollen in dieser Partitur gerne mit.

Ihr beide habt in großer Liebe zueinander gefunden. Es fällt in diesen Jahren sicherlich leicht, gemeinsam die Partitur des Lebens zu schreiben. Euer Sohn aber muss seine Rolle für sich selbst finden. Er weiß noch gar nicht, welches Instrument in der Partitur seines ist. Und er will seine Zeilen vielleicht selber schreiben und nicht geschrieben bekommen. Mit der Zeit kommen vielleicht noch so manche Probleme des Lebens von außen dazu, die die Harmonie stören können. Die es jedem von euch beiden auch schwer machen können, bei aller guten Absicht eine gute symphonische Melodie weiterzuschreiben. Dann ist es in Ordnung, die Pausenzeichen zu nutzen; nach den Sätzen wirkliche eine Pause einzulegen, um den nächsten Satz mit neuer Konzentration zu spielen. Das Leben ist kein Wunschkonzert. Ebenso wenig eine Ehe und eine Familie. Aber die Partitur unseres Lebens ist offen. Da kann man auch neu und anders weiterschreiben und weiterspielen als man im Satz zuvor geglaubt hatte.

Als man zuvor geglaubt hatte: da ist das, was für die gemeinsame Lebensmelodie auch wichtig ist: die jeweils eigene Lebenseinstellung. Wir leben in einer Welt, in der wir es zumindest gewohnt waren, das Leben genießen zu können. Aber wenn es in der Partitur stockt, wenn man nicht weiß, wie man sie jetzt gemeinsam weiterschreibt: dann muss man sich über seinen Musikstil verständigen. Ein Dialog zwischen Bach und Schönberg wird schwer sein; wohl nicht vorstellbar. Das sind die Punkte im Leben, an denen es um die eigene und um die gemeinsame Lebenseinstellung geht. Und Euer Sohn schreibt an Eurer Partitur ja mit. Er wird auf Euch achten: bewusst oder unbewusst. Und er wird merken, wenn ihr einen Stil spielt, der nicht Euer eigener ist.

Von Eurer Lebenseinstellung spricht Euer Trauspruch, den Ihr gewählt habt:

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ – So sagt es der Apostel Paulus.

„Glaube“: das ist die Grundüberzeugung des eigenen Lebens. Von unserem christlichen Verständnis her unser Vertrauen zu Gott. Zu dem Gott, wie er sich uns in Jesus gezeigt hat. Gott als Urvertrauen ins Leben.

„Hoffnung“: das ist mehr als diese Welt; mehr als das Materielle und Sichtbare. Aus unserem Glauben heraus haben wir Hoffnung. Hoffnung auf Zukunft. Zukunft: für uns; für Euch; für Sohn. Hoffnung gibt nicht auf und weiß, dass das Leben Tiefe und Bedeutung hat.

„Liebe“: sie verbindet; stellt keine Bedingungen; nimmt den anderen vorbehaltlos an. Deswegen ist sie auch die größte von allen. Gerade in einer Ehe, einer Familie. Der jeweils andere Partner, das eigene Kind: sie müssen sich immer wieder darauf verlassen können, dass keiner Bedingungen stellt, um angenommen und geliebt zu werden.

Eure Ehe wird heute eingesegnet werden. Eingesegnet von Gott. Als Urgrund unserer Lebenseinstellung. Auf Zukunft hin.

Von Eurer Lebenseinstellung spricht dann auch der Taufspruch, den Ihr für Sohn ausgesucht habt:

„Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen.“ – so sagt es der Psalmbeter. Weil Sohns Lebensweg offen ist, ist er auch nicht kalkulierbar. Und das macht als Eltern immer mal wieder Gedanken und Sorgen. Man weiß, was alles passieren kann; welche Misstöne die Melodie stören können. Gottes gute Mächte mögen dirigieren, wenn der gute Zusammenklang in Gefahr ist. Das wünschen wir Sohn für seinen Weg. Seine Taufe ist Gottes Zeichen, dass er sich mit seinem Weg verbindet.

Keine Partitur, keine Lebenspartitur schreibt sich von selbst. Vieles kommt zusammen. Von außen. Aber auch von einem selbst. Ja: auch vom Moment. Ich wünsche Euch, dass Eure Lebenseinstellung, -- euer Glaube -, euch Hilfe ist und wird, wenn die Melodie Eurer Familie weiter geschrieben wird. Da redet man meistens davon, dass man lieber Dur als Moll möchte. Aber gerade bei den Moll-Stücken kommt es darauf an, wie man sie spielt. Auch diese können dann sehr gelungen sein.

Eine Ehe ist kein fertiges Stück. Eine Partitur, die immer weitergeschrieben wird. Und natürlich gespielt wird. Wir wünschen Euch, dass Glaube, Hoffnung, Liebe und das Vertrauen auf Gottes gute Mächte - seine Engel - Euch Hilfe sind, damit Eure Familie Segen und Zukunft erlebt.

Amen.