Foto von aufgeschlagenen Büchern

Traupredigt über 1. Korinther 13,4-13; Johannes 10,7-10

Msgr. Dr. Josef Hernoga (kath.)

17.06.2017 Schwabach

„Traufe“: die Feier der Trauung und Taufe

Drei Z`s für ein erfülltes Leben in der Familie

Warum sind Sie, liebe Eltern, heute mit Ihrem Kind hierher in die Kirche gekommen? Warum lassen Sie Ihr Kind N taufen und sich sakramental trauen?

Sie, als Eltern, wollen für Ihr Kind und für sich selbst das Beste. Und das Beste heißt: ein erfülltes Leben. Ein erfülltes Leben ist dort, wo die leiblichen, psychischen und seelischen Bedürfnisse des Menschen erfüllt werden.

Und dies geschieht im Alltag durch die drei „Z`s“.

Der erste Buchstabe „Z“ steht für die ZEIT.

Viele Menschen sagen: „Zeit ist Geld“. In der Ehe und in der Familie ist es anders: „Zeit ist Liebe“. Wer liebt, nimmt sich Zeit für die geliebte Person. Dies bestätigt die folgende Geschichte:

Ein berufstätiges Ehepaar hastet vor dem Geburtstag der kleinen Tochter in ein Spielwarengeschäft und erläutert der Verkäuferin: `Wir sind den ganzen Tag beruflich von zu Hause weg. Wir brauchen etwas, was die Kleine erfreut, sie lange beschäftigt und ihr das Gefühl des Alleinseins nimmt`. - `Tut mir leid`, - lächelt die Verkäuferin freundlich – ‚Eltern führen wir nicht`. (W. Hoffsümmer, Kurzgeschichten 1, S. 24).

Wenn man ein gelungenes schönes Leben in der Familie führen will, muss man Zeit füreinander haben.

Nehmen Sie sich also jeden Tag Zeit fürs Spielen, für gute Gespräche, für gemeinsame Arbeiten und gemeinsame Erholung. Zeit ist Liebe. Und „die Liebe ist langmütig, gütig. Sie sucht nicht ihren Vorteil“ (1 Kor 13,4-6). Die Familie muss an erster Stelle stehen!

Der zweite Buchstabe „Z“ bezeichnet ZUNEIGUNG.

Zuneigung ist mehr als Sympathie. Sie ist ein Ausdruck der Beziehung, der Zugehörigkeit und des Verlangens, den geliebten Menschen zu beglücken. Zuneigung bedeutet zu etwas neigen, einen Hang, eine Vorliebe zu jemandem haben, sich von jemandem angezogen fühlen, ihn mögen, gern haben, ihm wohlwollend sein…

Weil Sie, liebe Eltern, Zuneigung füreinander gespürt, sich gegenseitig angezogen gefühlt haben, darum heiraten Sie. Aus dieser Zuneigung ist Ihr Kind entstanden und Sie sind zu einer Familie geworden. Jetzt wollen Sie Ihr Kind zu einem guten Menschen und Christen erziehen. Darum:

So lange die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln. Wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel.“

Die beste Methode die Kinder gut zu erziehen ist einander zu lieben. Das Kind wird am besten und leichtesten dadurch erzogen, dass seine Eltern einander lieben. Wenn ein Kind beobachtet, dass seine Eltern sich mögen, geht es ihm in seinem sicheren Familienhafen gut…

Wissenschaftlich wurde inzwischen eindeutig belegt, dass eine gute Partnerbeziehung der Eltern entscheidend dazu beiträgt, dass ihr Kind das für sein ganzes Leben wichtige Grundgefühl von Urvertrauen, Sicherheit und Geborgenheit entwickeln kann“ – schreibt der Psychologe Dr. Gerhard Nechwatal

Ich sage es aber anders:

Sie brauchen Ihre Kinder nicht erziehen. Sie machen Ihnen sowieso alles nach“ (K. Valentin).

Das dritte „Z“ steht für ZÄRTLICHKEIT.

Zärtlichkeit bedeutet zart, liebevoll, gefühlvoll, ehrfürchtig, behutsam, fürsorglich in Worten, Gesten und Taten miteinander umzugehen.

Zärtlichkeit ist eine Art der seelischen und körperlichen Liebe. Sie drückt sich aus in herzlichen Worten (z.B. loben, danken…), und liebevollen Gesten (Umarmung, Kuss, Streicheleinheiten…).

Die Kinder müssen die Zärtlichkeit ihrer Eltern sehen!

Andrea Schwarz schreibt:

Zärtlichkeit ist mehr als streicheln, in den Arm nehmen, durch die Haare wuscheln. Zärtlichkeit ist hinschauen, hinhören, hin fühlen, was dir, was mir gut tut…, um dann getan zu werden.“

Jemand hat die Zärtlichkeit so beschrieben:

Wir sind Engel mit nur einem Flügel. Um fliegen zu können, müssen wir uns umarmen.“

Jeder Mensch benötigt von Geburt an, bis zu seinem letzten Atemzug Zärtlichkeit. (In der Kinderkrippe erinnere ich die Erzieherinnen: Jede Berührung am Kind, jedes Lächeln, jedes Wort zählt. Auch in der Sterbebegleitung mache ich die Erfahrung, dass der Mensch, der nicht mehr sprechen kann, auf Gesten der Zärtlichkeit reagiert).

Wo Zärtlichkeit praktiziert wird, dort wächst Faszination und Bewunderung füreinander. Aus der Faszination kommen wiederum innere Freude und Glücksgefühl.

Liebe Eltern, liebe Familie NN, ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie durch die Umsetzung dieser 3 Z`s in Ihrer Ehe und Familie zu einem erfüllten schönen glücklichen Leben finden. Amen.