Foto von aufgeschlagenen Büchern

Traupredigt über 1. Korinther 16,14

Andrea Kuhla, ordinierte Gemeindepädagogin i.E.

08.10.2016 St. Marienkirche, Berlin

Trauung

“Von Liebe bestimmt.”


Lieber N., lieber N.:
„Alles, was ihr tut, soll von der Liebe bestimmt sein.“
Alles beginnt mit diesem einen, großen Wort.
Ein Wort.
Ins Dunkel gesagt,
und es wurde:
Licht und Welt und Leben,
und Menschen nach seinem Wohlgefallen.
Alles beginnt mit der Liebe.
Sie erträgt und glaubt und hofft und duldet.
Alles.
Alles beginnt mit der Liebe.
Und die ist immer nur ein Stück in unseren Händen.
Wie der Bruchteil von einem Spiegel,
einem ganz alten.
Mit rissiger Oberfläche und diesen kleinen braunen Fleckchen drauf.
Wir alle haben so ein Bruchteil davon.
Und unsere Hand umschließt es fest,
wenn sie in der Tasche danach greift.
Alles beginnt mit diesem Liebesstück.
Ein Stück vom Ertragen und Glauben und Hoffen und Dulden.
„Alles, was ihr tut, soll von der Liebe bestimmt sein.“
Alles beginnt mit der Liebe.
Für euch zuerst im Netz.
Und dann zwischen Leipzig und Berlin hin und her.
Was schließlich folgt, bestimmt eure Liebe:
Die Liebe bestimmt, dass N. dann umzieht nach Berlin.
2
Sie lässt euch einander zur Heimat werden.
Ein Ort der sicher ist.
Einer fürs Leben.
Einer zum einander an den Händen halten,
und niemand geht hier verloren.
Denn in eurem „Wir“ gibt es immer auch ein „Ich“ und ein „Ich“.
Und darauf passt ihr auf: Aufeinander.
Eure Liebe hofft auf einen entspannten Feierabend,
in der gemeinsamen kleinen Wohnung.
Und tut dies nicht vergebens:
Euer Zusammenleben ist harmonisch.
Gestritten wird –ja –
und zwar im Jetzt,
aber nicht mehr in der nächsten Stunde.
Ihr seid halt keine „Drama-Queens“.
Eure Liebe duldet, dass der Eine zum Kofferpacken einen halben Tag ,
und der Andere eine halbe Stunde braucht.
Und sie erträgt, dass Essen manchmal Geschmacksache ist:
Dem Einen seine Schnittchen sind dem Anderen sein Fisch.
Aber an eurem Lebenstisch, da habt ihr beide Platz:
Der Mit-Menschen-Könner und der Spontan-Perfektionist,
der Gemüts-Skandinave und der Emotions-Akribist.
Und seid dort ein Wir,
als das Ich und das Ich, das ihr euch selbst und einander seid.
Und esst italienisch oder asiatisch,
und tut einander gut.
„Alles, was ihr tut, soll von der Liebe bestimmt sein.“
Eure Liebe glaubt an dieses kleine Bruchstück,
das eure Hand fest umschließt,
wenn sie in der Tasche danach greift.
Liebe ist immer nur ein Stück.
Ein Stück mit dem Alles beginnt.
Und: Ist immer Alles.
Ist Gott und Gott ist Liebe.
Erträgt,
und hofft,
und glaubt
und duldet.
Alles.
ER erkennt uns, der Menschenhüter,
und wir ihn.
3
In diesem kleinen, gebrochenen Stück Glas.
Und manchmal, wenn wir genau hinsehen
und ganz Großes Glück haben,
können wir sein faltiges Lächeln blitzen sehen.
Das Lächeln dessen, der dahinter steht,
und dem wir gefallen.
„Alles, was ihr tut, soll von der Liebe bestimmt sein.“
Alles beginnt mit diesem einen, großen Wort.
Ein Wort.
Ins Dunkel gesagt, und es wurde:
Licht und Welt und Leben.
Und ihr: N. und N.
Zu Gottes Wohlgefallen.
Alles beginnt mit der Liebe.
Sie erträgt und glaubt und hofft und duldet.
Alles.
Darinnen seht ihr euch selbst und seht einander,
und seid gesehen von dem, der dahinter steht.
Und also bleibt in der Liebe
Und bleibt in Gott
Und Gott in euch.
Und „Alles, was ihr tut, soll von der Liebe bestimmt sein.“
Amen.