Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über 1. Korinther 3,9-17

Pfarrer Michael Harzer (ev.-luth.)

25.09.2016 Kirchweihfest, Deutscheinsiedel

Kirchweihfest

(Während der Predigt traten die Handwerker mit einem typischen Werkzeug nach vorn)

 

Nun ist es fast geschafft, liebe Gemeinde, das Bauen an der Kirche in Deutscheinsiedel,

die Uhrenzeiger  und –zahlen sind beschichtet, die Jalousien aus sibirischem Lärchenholz neu gebaut, das Balkongeländer beschichtet, der Balkon neu in Kupfer gedeckt, Teile der Blitzschutzanlage, einiges an den Dachrinnen  erneuert, Simse neu verblecht, Schutzverglasung repariert, 16 qm neu verputzt und alles neu gestrichen – eine Menge Arbeit – herzlichen Dank allen, die dabei waren, die mit überlegt und mitgebaut haben.

 

Ja, liebe Handwerker, liebe Gemeinde, hört heute, wenn wir den Bau offiziell abschließen, auf das, was ein Handwerker einmal zum Bauen schreibt. Er war nun leider kein Maler, Dachdecker, Klempner oder Tischler, sondern Zeltmacher. Ich rede von Paulus, Theologe und zugleich gestandener Handwerker. Sicher hat er so manchen Bau miterlebt, denn das, was er den Christen in Korinth in seinem 1. Brief im 3. Kapitel schreibt, lässt das erkennen. Er vergleicht hier einen Hausbau mit dem inneren Bau der Gemeinde.

 

Was Paulus hier beschreibt, kann jeder gut verstehen, der unseren Bau hier miterlebt hat. Hören wir es heute als schöne Lektion für unseren Glauben. Ich möchte das mal an vier Punkten etwas deutlich machen:

 

1. Wir haben dort weitergebaut, wo Generationen von Bauleuten vor uns schon tätig waren.

Das müssen wir mal ganz bescheiden sagen: Wir haben nichts Neues gebaut, das Entscheidende war schon da, das Fundament, die Mauern, das Dach, die Innenausstattung. Seit dem 4. Oktober 1903, dem Tag, an dem der erste Spatenstich erfolgt war, wurde die Kirche Stück für Stück erbaut, die tiefen Fundamente ausgegraben, gemauert und gegossen, die Mauern und der Dachstuhl aufgerichtet, die Mauern verputzt, das Dach gedeckt, die Kirche innen eingerichtet. Jahrzehnt um Jahrzehnt wurde das Gebaute gepflegt und nach bestem Wissen und Gewissen erhalten. Dort habt Ihr nun 2016 weitergemacht.

Der alte Handwerker und Prediger Paulus erinnert nun daran: Ganz genauso ist es mit der Gemeinde und der ganzen Kirche. Der Grund, das Fundament dafür, ist schon lange gelegt,  auch die Mauern und der Dachstuhl sind aufgerichtet. An all dem ist nichts zu rütteln. Da wollen wir mal ganz bescheiden sein, das ganz Wichtige können und müssen wir da nicht neu bauen, sondern das steht, das ist von Gott schon gebaut und in Jahrhunderten von Menschen weiter gepflegt und erhalten worden. Das Wichtigste steht fest – in den Aussagen der Heiligen Schrift und der Bekenntnisse unserer Kirche. Wir  müssen es lediglich weiter pflegen und erhalten und immer wieder m mit Leben erfüllen.

2. Keiner kann und muss an allen Punkten tätig werden, sondern alle Gewerke sind für das ganze wichtig und unverzichtbar.                                                                                                Insgesamt 8 Gewerke waren an unserem Bau tätig, alle wurden gebraucht und wenn eines ausgefallen oder in Verzug geraten wäre, hätte alles ganz schön geklemmt. Deshalb wollen wir sie heute mal vorstellen.

1. Zunächst waren die Gerüstbauer da. Mit solchen Stangen und mit Böden haben sie das Gerüst bis hoch zur Uhr gebaut. – Von ihrer Arbeit ist nichts mehr zu sehen, sie haben längst das getan, was von der Politik früher oft gefordert wurde, nämlich abgerüstet.

Und doch wäre ohne Gerüst nichts gegangen: Sonst müssten Maler, Tischler, Klempner, Dachdecker usw. Engel mit Flügeln sein, sind sie aber nun mal nicht.

Ich finde, darin liegt ein wichtiges Gleichnis: Genauso braucht unsere Kirche die Gerüste der Verwaltung, einer vernünftigen Struktur, braucht unsere  Kirche solide Finanzen. Das alles ist nur Hilfsmittel, klar, aber ohne geht gar nichts.

2. Bald wurden aber dann aber auch die beiden rege, die Klempner und die Dachdecker. Ein Sims wurde verblecht, die Dachrinnen-verläufe verbessert und vieles mehr – bis hin zur Verblechung des Sakristei-Dachs, die in den nächsten Tagen abgeschlossen wird. Schiefer mussten entfernt und wieder eingedeckt, Bleche und Leitungen aus Kupfer exakt verlegt werden. Dabei war viel Fingerspitzengefühl und höchste handwerkliche Kunst gefragt.

Warum diese vielen Mühen? Damit die Kirche gut vor dem zerstörerischen Regenwasser, geschützt ist. Manchmal beneide ich Euch Dachdecker und Klempner bei all Euren Mühen darum, dass ihr könnt. Bei der Arbeit in der Gemeinde ist es viel schwieriger, das zu erkennen, was schadet und nützt. Und wie kann ich eben voraus sehen, der Regen am Stärksten dagegenpeitscht? Wie kann ich den Bau der Gemeinde davor schützen, dass da etwas eindringt, das nicht hineingehört? – Wort Gottes und Gebet

3. Dann ging es endlich für die Maler los. Ich staune ja, was heutzutage Maler alles machen müssen. Der Putz war erst abzuwaschen, loser Putz zu entfernen, neu zu verputzen, drei Anstriche zu machen, Dinge abzudichten. Auf die Beachtung des Untergrunds, das Wetter, das entsprechende Material kam es immer wieder an. –                                                                                                   So wie bei den Klempnern ging es auch bei Euch mit um den Schutz des Bauwerks, aber natürlich auch um das schöne Aussehen. Weithin soll die Kirche ein Schmuckstück sein, das Menschen ein-lädt. Mancher hätte sich dabei vielleicht noch viel kräftigere Farben gewünscht, strahlend gelb, strahlend weiß oder auch bisschen mit Neon-Effekt? – Da heben die Denkmalschützer die Hand  und sagen: Halt, bitte nicht mehr als der Baumeister einst gewollt hat.

Leute, das finde ich ein gutes Prinzip auch für unsere Kirche: Nicht mehr, als der Baumeister gewollt hat! Keine schrillen Farben, sondern Kraft aus der Stille, einfach da sein, nicht aufdrängen, sondern oft erst auf den zweiten Blick erkennbar – das war und ist eben - für uns Menschen manchmal unverständlich -  immer das Prinzip Gottes.

4. Der Uhrmacher war bald gefragt, um die Zeiger ab- und dann wieder anzubauen. Zwischenzeitlich wurden sie beschichtet, damit sie auch in Zukunft die Zeit  erkennen lassen. Möge die Kirchturmuhr die Deutscheinsiedler und die Passanten mahnen: Es ist Zeit für Gott! Komm jetzt! Es ist Zeit zum Gebet, Zeit Gottes Wort zu hören!

5. Mit seinen über 70 war er ganz schön aktiv, der Blitzschutz-fachmann. Sein Gewerk gibt es erst seit reichlich 250 Jahren. Übrigens wesentlich von vier studierten Theologen Benjamin Franklin, Giambatista Beccaria, Prokop Diviš  und Johann Jakob Hemmer erfunden, wurde 1769 der erste Blitzableiter in Deutschland auf eine Kirche, nämlich die Hamburger Hauptkirche St. Jacobi, gebaut.  

Fest steht: Wir brauchen den Blitzschutz ganz dringend – an der Kirche und in der Gemeinde – dort in Form von Leuten, die plötzlich auftretenden gefährliche, zerstörerische Energien erden und so unschädlich machen.

6. Bei ihm hatte ich gar nicht damit gerechnet, dass er so viel machen muss, beim Tischler. Aber dann war es doch nötig. Alle vier Turmjalousien hat er neu gebaut. Holz ist eben ein Material wie wir Menschen – vergänglich und bedroht, und deshalb hat er sie aus einem der wetterbeständigsten Hölzer , aus sibirischer Lärche neu gefertigt – daran wird er und sein Mitarbeiter, daran werden auch seine Töchter noch denken – das haben wir damals gemacht.

7 + 8. Das waren zahlenmäßig so die kleinsten Aufträge und doch waren sie wichtig, die an den Schmied für das Balkongeländer und an den Glaser zur Reparatur der Schutzverglasung. Der Balkon, der weite Sicht ins Land ermöglicht, war damals der Wunsch der Deutsch-einsiedler. Jetzt ist das Geländer wieder für etliche Jahre gesichert. Genauso ist es mit den Schutzverglasungen.

Bei allen Gewerken war es nun unwahrscheinlich wichtig, dass sie alle zur genau rechten Zeit ihre Arbeit erbracht haben. Aber nicht nur das, sondern .- das ist mein dritter Punkt:

3. Auf die Qualität kommt es an!
Das heißt: Das Material muss stimmen, jeder muss sein Handwerk mit Sorgfalt ausüben. Da habe ich bei diesem Bau oft gestaunt: Wie sehr kommt es auf das qualitativ hochwertig Produkt und seine richtige Verarbeitung an! Ich kann eben nicht irgend eine wald- und Wiesenfarbe nehmen, ich muss genau hinschauen und prüfen: wie trägt der Untergrund? Ich brauche die richtigen Werkzeuge und das notwendige Können. Schon wenn es an einem Punkt daran fehlt, ist Ärger auf lange Sicht vorprogrammiert.

Ich glaube, in der Kirche ist es nicht anders: Da kann ich nur mit den zugelassenen göttlichen  Markenmaterialien Glaube, Liebe und Hoffnung  arbeiten. Oft sind sie ähnlich schwer zu verarbeiten wie Silikat-Anstriche oder Kupfer, da muss ich, wie Paulus es sagt, aufpassen, wie ich an dem Gebäude Gemeinde baue -  mit welchem Material, mit welcher Einstellung! Aber doch kommt es für die Zukunft entscheidend darauf an. Damit sind wir beim vierten:

 

4. Ich bin gegenüber dem Bauleiter und dem Bauherrrn verantwortlich!

Bei unserem Bau gab es einen Bauleiter, den Joachim Schubert.

Unwahrscheinlich viel Zeit, Nerven und Energie hat er aufgewendet, den Bau zusammen zuhalten, hat Termine gesetzt, beraten, ermahnt, ausgeglichen. – Nun – das sage ich in aller Wertschätzung -  hatten wir es mit lauter willigen, vernünftigen Gewerken zu tun, mit denen sich reden ließ und die perfekt als Team gearbeitet haben.

Aber trotzdem ist es sagenhaft schwer, alles zu koordinieren. Es wäre nicht anders gegangen, als so wie es gegangen ist, nämlich, dass er als Bauleiter akzeptiert wurde. Wenn er zugelassen hätte, dass neben ihm alle anderen auch kleine Bauleiter sind, wäre es ein Hüh und ein Hot geworden.

Das hat er aus seiner langen Lebens- und Bauerfahrung heraus nicht zugelassen. Dabei hat er uns als Kirchenvorstand immer korrekterweise als Bauherrschaft bezeichnet und uns lückenlos informiert. – Wenn wirs auf die Gemeinde übertragen, ist es ein bisschen anders:  Da ist der Kirchenvorstand, ist der Pfarrer, nicht der Bauherr, sondern maximal der Bauleiter. Da müssen wir den Bau Gemeinde zusammenhalten, beraten, ausgleichen, vor dieser Aufgabe dürfen wir uns nicht drücken. Sonst wird der Gemeinde größter Schaden zugefügt.

Aber der Bauherr ist ein anderer, es ist Gott selber. Ihm gehört unsere Gemeinde, ihm gehört der große Bau, der ihm Ehre machen soll. Ihm zur Ehre gilt es zu bauen.

Dabei wird die Kirche immer wieder ein Bild für die Gemeinde sein und die Gemeinde immer wieder ein Bild für jeden einzelnen.

Ja, lassen wir Gott immer wieder bei uns Einzug halten: Achten wir darauf, dass sein Haus ein Heiliges Haus bleibt, ein Ort wo seine Ehre wohnt, wo wir vor ihm ganz still werden können und im Gebet, Wort Gottes und in Taufe und Abendmahl ihn auch für uns ganz persönlich empfangen können. Amen.