Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über 1. Mose 1.1–9 u. 2–27 u. 1. Johannes 3.1–6

Felicitas Grabe, Pastoral Assistentin

12.07.2015 Bath, Bristol, Southampton, Bournemouth and Portsmouth

Liebe Schwestern und Brüder,

Genesis und 1. Johannesbrief , was fuer wundervolle Bibellesungen.

Schon das allererste Wort im Johannes Brief ist tief und gut. Es heisst: Seht. (idete.) Seht, schaut wirklich hin. So, wie Gott nach jedem Schöpfungstag, nach jedem erschaffenden lebensstiftenden Tun, das was er erschuf ansah und sah, daß es gut war. Genau so ruft uns Johannes jetzt zu, Seht! Schaut hin, was für eine Liebe uns der Vater gegeben hat!

Und tuen wir das nicht? Nach einer Geburt z.B., wenn uns ein Baby, ein neues Kind geschenkt ist? Egal ob wir die leibliche Mutter, der leibliche Vater oder ein Nachbar in der Strasse sind, wir schauen hin. Wir sehen es wirklich an, wir zählen jedes Detail, und wir finden dieses Kind -gut-.

So spricht Gott, laßt uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei. Und Gott sieht an alles, was er gemacht hat, und siehe, seht, es war sehr gut.

Ein Baby, ein Kind schauen wir ganz automatisch mit Gottes Augen an; d.h. mit liebenden Augen, mit einem wissenden und trotzdem alles hoffenden Herzen. Und jedes Kind, jedes Baby schaut uns so an. Wir schauen dieses Kind, um so näher wir ihm sind, mit einem Glauben an, der diesem kleinen Menschen alles öffnen und möglich machen will.

So schaut Gott uns an. Und Johannes ruft uns zu, genau in dieser Weise jeden Menschen anzuschauen; jeden einzelnen in unserer großen Menschheits Familie, - einschliesslich uns selber. (idete.) Seht. Schaut ganz genau hin - und schaut liebend hin.

Dieses Sehen ist eine Form des Glaubens, des Vertrauens, des Zutrauens, des ewigen Zugeständisses neu beginnen zu duerfen. Diese Art des liebenden Sehens ist auch eine Form des Hoffen, des Sinnen, des tiefen Vergeben, und des Traeumen.

Seht, wir sind Gottes Kinder, das Resultat einer unendlichen, bedingungslosen, vollkommenen, und nie aufhörenden Liebe. Seht, lauft nicht weg, lebt damit.

Scheint Ihnen das manchmal gar nicht so leicht zu sein? Wie oft kommt Ihnen der Gedanke „Ja, Gott liebt mich ... Aber ... .“ Mmmmh. Wie waere es mit „Gott liebt mich. Punkt.“

Johannes benutzt ein sinnliches Wort. Sehen, oder kurz spaeter, wahrnehmen. Worte, die manchem manchmal wohl ähnlich erscheinen und doch ganz anders sind benutzt er hier nicht. Er sagt nicht, dass wir ueberzeugt werden, oder wissen, den Durchblick haben, den ganzen Plan im Griff haben, kontrollieren können, einordnen können in die, und nur in die Gedankenmuster, die man akzeptierte oder sich selber zurecht schneiderte.

Solch sehen waere ein Erkennen, das eben nicht erkennt; weder Gott noch seine Gotteskinder.

Dabei ist es nicht so, daß dort draußen die böse Welt ist und hier drinnen die Guten. Manchen Tag schauen wir mit weltlichen Augen und manchen Tag schauen wir mit göttlichen Augen.

Manchmal sehen wir nichts und manchmal hoffen wir alles. Und manchen Tag, z.B. wenn wir etwas entscheiden sollen, sehen wohl alle Wege grau und seltsam aus. Was steht in Ihrem Leben an? Was ist schwierig, was ist leicht?

Vielleicht hilft es zu fragen, was wäre wohl der Weg - den Jesus sehen wuerde? Oder was waere die Weise, in der Christus auf etwas, und auch auf uns schauen würde? Wie wuerde Gottes liebevolles Schauen in Ihrer Situation Entscheidungen moeglich machen?

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Wie wuerde solch schauen und lieben in und um uns herum etwas hinterlassen, was leben stiftet? Welches vorangehen, welches Wort, welcher Gedanke würde uns und die Welt um uns herum – heiligen und heilen?

Was bedeutet es wohl als ein Kind Gottes zu leben? Was bedeutet es fuer Sie?

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Mathias Claudius, in seinem geistlichen Testament schreibt an seinen Sohn „Sei Dir zu gut boeses zu tun.“ Denn Du bist Kind Gottes. „Sei Dir zu gut boeses zu tun.“

Sei zu lebendig um zu sterben. Denn Christi Grab war leer und auch Dein Grab ist jetzt schon leer.

Gott sendet seinen Sohn, diesen Ur-Teil von sich selbst, auch damit wir endlich aufhören unsere Gotteskindschaft zu bekämpfen oder zu bezweifeln.

Gott legt sein Kind in die Krippe, damit wir endlich beginnen zu diesem Vater zu fliehen.

Er sendet sich selbst als seinen Geist in der Taufe hinab, auf Jesus im Jordan, und auf jeden von uns, damit wir endlich, aufgerichtet, unsere Adoption zu Gott hin akzeptieren, - und von ihr her leben. – Das ist ja ein riesen Unterschied, das kennen Sie aus Ihrem Leben, ob man aus einer Not heraus versucht zu existieren, oder ob man aus einer frohen Staerke heraus sich traut zu leben.

Freut Euch, uns wird Christus in die Krippe unserer Herzen gelegt damit unsere Gotteskindschaft in unseren Seelen wieder erwachen kann.

Und natürlich sind wir wenn wir als wahre Gotteskinder leben deshalb nicht abwaschbare Plastikfiguren von Heiligen.

Aber wir sind, indem wir an die Gotteskindschaft Christi glauben, und unsere eigene dadurch beginnen zu wollen, geheiligt. Ganz und gar. In der Tiefe unserer Seelen sind wir geheiligt. Sind wir rein gemacht, sind wir zu einem Teil der göttlichen Welt gemacht. Und Gott sieht uns so. Hier auf Erden, aber eben nicht nach den Maßstäben dieser Erde.

Christus zeigt uns die Werte und die Maßstäbe der göttlichen, also, wenn wir das glauben, der wahren Welt. Und er zeigt uns wo und wie wir diese in unserem Leben leben koennen.

Wie diese Wirklichkeit, und wir, später einmal in dem was wir Himmel nennen, aussehen wird, davon ahnen wir nur sehr wenig, z.B. in den Evangelien von Ostern und der Verklaerung. Aber wie es jetzt schon ist - und sein kann, davon zeugt alles was Christus erzählte und vor-lebte.

Zusammengefasst steht’s im Vater Unser. Dort betet Jesus und beten wir zum Vater: ”Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.”

Jesus zeugte in all seinem erzählen und vorleben vom Wollen und der Wirklichkeit Gottes und wie diese - durch uns – die Erde berühren koennen.

Und Christus laedt uns dann ein mit Gott dem Vater, in seinem Heiligen Geist alles leben hier auf dem Hintergrund dieser goettlichen Werte anzuschauen; alles tun, alles denken, alles schweigen. Alles.

Gott laedt uns ein zu fragen:

Ist eine Situation voller Zerstoerkraft, - oder  kann ich helfen, dass sie leben-stiftet?

Ist ein Tun degradierend, - oder ehrt es und baut es einen Menschen auf?

Ist ein Wort voller Hass, - oder liebt es?

Stumpfen wir ab, - oder hoffen wir?

Folgen Sie Ihrer Furcht, - oder trauen, und kämpfen, und leben Sie?

 

Gott laedt uns ein alles - darauf hin zu hinterfragen. Nicht nur um zu wissen, was gut ist und was bös, sondern vor allem um Gott dorthinein zu flehen, wo wir fuer einen kurzen oder einen langen Moment, unser Leben nicht alleine leben koennen. Z.B. da, wo wir merken, dass wir nicht von Gottes himmlischen Freiheit her agieren, sondern eher, in Hoffnungslosigkeit und Angst verstrickt sind, verletzt oder müde.

Die Schwierigkeiten des Lebens gehen dadurch nicht einfach weg. Nicht die Angriffe, nicht die Gefahren, nicht die Urteile noch die Eifersuechteleinen anderer. But who cares, wir atmen frei, wenn Gott unser Atmen wird. Wenn wir in Gott manches ablegen, werden wir nicht abhängiger, sondern wirklicher und koennen all das entdecken, was wir eigentlich sind. Wir werden leichter, koennen lieben und Liebe erfahren, wenn wir mit Gott durchs Leben tanzen. Und wir bestrahlen die Welt um uns mit Gottes Licht, da wo wir seinem Geist folgen.

Dann kann wie beim Baby, Gottes Lächeln auf unseren Gesichtern, Gottes tiefer Frieden in unseren Herzen, Gottes Vergebung, Werte, Hoffen und Tun in unseren Leben, und auch durch uns hindurch die Welt und uns selber berühren.

Siehe, seht, Gott glaubt, daß wir schön genug dafür sind, und so glauben es auch wir.

Und der Friede Gottes, der hoeher ist als alle menschliche Vernunft bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.            -            Amen.