Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über 1. Mose 22,1-13

Pfarrerin Michaela Jecht (ev.)

02.04.2017 Trinitatiskirche Finsterwalde

„Hast du es die ganze Zeit gewusst?“, hört er sie fragen. Er sitzt am Tisch und rührt in seiner Tasse. Leckt den Löffel ab. Legt den Löffel auf die Untertasse. Trinkt einen Schluck. „Hast du es gewusst?“, wiederholt sie ihre Frage. Draußen scheint die Sonne. Der Himmel ist blau. Wolkenlos. Die Vögel singen. Das grüne Gras leuchtet. Violette und gelbe Krokusse drängeln sich dazwischen. Der Frühlingswind lässt die Blätter er Rosen rascheln. Frühlingsmusik. Die ersten Knospen an den Bäumen waren bereit aufzuspringen.  Zum dritten Mal fragt sie ihn: „Hast du es gewusst? Also, dass es gut ausgeht.“ Er setzt seine Tasse auf der Untertasse ab. Seine Finger lassen den Henkel los. Er hebt den Kopf. Schaut sie an: „Ja“ … „Was ja“, fällt sie ihm ins Wort. „Ich habe darauf vertraut, dass es gut ausgeht.“ 

Abraham steigt den Berg hinauf. Die Sonne brennt in seinem Gesicht. Es ist anstrengend. Am Tag  heiß und in der Nacht kalt. Nachts hatte Abraham gen Himmel geschaut. Die vielen Sterne gesehen. Er erinnerte sich. An, dass was ihm Gott versprochen hatte: so viele Nachkommen wie Sterne.

Abraham denkt an jene Nacht zurück:

Gott sprach zu ihm: Abraham! Und er sagte: Hier bin ich! 2 Und er sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak, und ziehe hin in das Land Morija, und opfere ihn dort als Brandopfer auf einem der Berge, den ich dir nennen werde! 3 Da machte sich Abraham früh am Morgen auf, sattelte seinen Esel und nahm seine beiden Knechte mit sich und seinen Sohn Isaak. Er spaltete Holz zum Brandopfer und machte sich auf und ging an den Ort, den Gott ihm genannt hatte. 4 Am dritten Tag erhob Abraham seine Augen und sah den Ort von fern.

 

Staub wird aufgewirbelt. Er legt sich auf seine Füße. Auf der linken Hüftseite steckt sein Messer. Noch steckt es in seinem Schafft. Abraham und Isaak sind auf dem Weg. Die Knechte und der Esel. Seit drei Tagen schon. Alle schweigen. Drei Tage schon. Kein Wort. Nur die Schritte. Das Auftreten der Füße im Takt. Nach drei Tagen laufen alle im Gleichschritt. Atmen im Gleichschritt. Abraham schaut auf

5 Da sagte Abraham zu seinen Knechten: Bleibt ihr mit dem Esel hier! Ich aber und der Junge wollen dorthin gehen und anbeten und zu euch zurückkehren. 6 Und Abraham nahm das Holz zum Brandopfer und legte es auf seinen Sohn Isaak, und in seine Hand nahm er das Feuer und das Messer. Und sie gingen beide miteinander.

 

 „Drei Tage gehen wir nun schon“, dachte Isaak. Und mein Vater spricht kein Wort. „Die Knechte sagen auch nichts. Opfern will mein Vater. Aber wieso geht er dann so weit. Und wieso muss ich dann mit. Jetzt befiehlt er den Knechten auch noch hier zu bleiben. Meine Füße tun mir weh. Ich bin das nicht gewöhnt. Und dann auch noch Holz schleppen. Wozu sind die Knechte mitgekommen. Ich habe schon richtig Schwielen an den Füßen. Da kurze Stück hätten die Knechte nun auch noch mitkommen können.“ Isaak wusste, dass es nicht gehört zu fragen. „Wie lange dauert es noch?“, „Warum machen wir das?“ und „Was machst du?“ Kinder hören auf ihre Eltern. Das wurde ihm beigebracht. Ismael musste ja auch gehen. Weil Sara es so wollte. Ismael und sein Mutter Hagar. Die mussten gehen. Das ging nicht mehr, hatte ihm seine Mutter Sara erzählt. Vater schwieg immer noch. Und Mutter, die schien auch von nichts zu wissen. Auf einmal hatte Vater einfach Holz gemacht. Mutter stand dann draußen vor dem Zelt. Sie hatte nichts gesagt. Schaute nur. Und ing zurück ins Zelt.

7 Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham und sagte: Mein Vater! Und er sprach: Hier bin ich, mein Sohn. Und er sagte: Siehe, das Feuer und das Holz! Wo aber ist das Schaf zum Brandopfer? 8 Da sagte Abraham: Gott wird sich das Schaf zum Brandopfer ersehen, mein Sohn. Und sie gingen beide miteinander.

 

„Mein Vater wird schon wissen, was er tut“. Dachte Isaak. „Er ist ja schließlich mein Vater.“

In diesem Moment packte ihn sein Vater. Er fesselte ihn und legte ihn auf den Altar.

 

9 Und sie kamen an den Ort, den Gott ihm genannt hatte. Und Abraham baute dort den Altar und schichtete das Holz auf. Dann band er seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar oben auf das Holz. 10 Und Abraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.

 

Auf wen verlässt du dich.

Und wessen Stimme ist es

Auf die du hörst.

 

Die Stimme von Vater und Mutter,

die dir sagen, mach dies und mach das.

 

Das Wort der Freundin.

 „Mach es so, das ist gut“

 

Oder Gott, der dir sagt

„Nimm dein Kind und opfere es“

Diesmal bist du dran.

„Nimm dein Kind“

Opfere,

dass du keine Nachkommen haben wirst.

Das, was dir kostbar ist.

Unantastbar.

Das gibt es.

Bei mir und bei dir.

Auch du hast andere geopfert.

Erst Hagar und Ismael,

wegen eines Streites

Weil deine Frauen sich nicht verstehen.

Musste das sein?

Sie in die Wüste schicken.

Musste es sein.

Andere vors Loch schieben.

Damit Ruhe einkehrt.

 

Jetzt bist du dran.

Bis jetzt hast du dich gedrückt.

 

Auf wen verlässt du dich.

Und wessen Stimme ist es

Auf die du hörst.

Im Gewirr vieler Stimmen.

Den vielen Ratgebern

Und Büchern, die dir sagen,

wie du es machen sollst.

Kinder vertrauen auf ihre Eltern.

Abraham auf Gott.

 

11 Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sprach: Abraham, Abraham! Und er sagte: Hier bin ich! 12 Und er sprach: Strecke deine Hand nicht aus nach dem Jungen, und tu ihm nichts! Denn nun habe ich erkannt, dass du Gott fürchtest, da du deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast. 13 Und Abraham erhob seine Augen und sah; und siehe, da war ein Widder hinten im Gestrüpp an seinen Hörnern festgehalten. Da ging Abraham hin, nahm den Widder und opferte ihn anstelle seines Sohnes als Brandopfer.

 

 „Hast du es die ganze Zeit gewusst“, fragt ihn seine Frau. „Was denn, Sarah?“ „Na, dass es gut ausgeht.“ „Was gut ausgeht?“ „Na die ganze Sache.“ „Ja“, antwortet er und sieht sie an. „Ich habe gedacht, er wird es schon machen. Ich habe daran geglaubt. An ihn. Seine Stimme. Und, dass es gut ausgeht. Mit dir. Mir. Uns.“ Eine Träne rollte seine Wange hinunter. Es war mal wieder gut ausgegangen. Oder, vielleicht auch anders. Aber dann doch gut.