Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über 1. Mose 3 u. Matth. 4,1-11

Pastor Hans-Martin Brombach (EmK)

05.03.2017 EmK – Christuskirche Ludwigsburg

Fastenpredigt in Versen – Sonntag Invocavit 2017

 

Ich grüße euch ihr Methodisten
Und auch all die andren Christen
die ihr heut hier versammelt seid
zu Beginn der Fastenzeit.

Nach Karneval und Fastnachterei
heißt es nun nicht mehr „gebt die Bütt frei“
für närrische Sprüche und viele Zoten
von Menschen mit dicken Nasen, mit roten.
Auch ich verwechsle heute nicht Kanzel und Bütt;
und bring deshalb auch keine Clownsnase mit.
Doch will ich es wieder einmal probieren,
meine Worte gereimt zu gliedern und zu strukturieren.

 

Ich möchte nicht wie gewohnt weiter schreiten
und euch auf die Passionszeit vorbereiten,
mit Gedanken auf etwas andere Art.
Mit ein bisschen Humor sei dabei auch nicht gespart.
Denn, so hörte ich’s vor kurzem eine Theologin sagen;
„Humor und Geduld sind Kamele,
die uns durch Wüstenzeit tragen.“

Ja, am Aschermittwoch war sie nun vorbei,
die hohe Jahreszeit der Narretei.
Tschau Alaaf! Und Tschau Helau!
Tschau Tsche-hoi! Und Tschau Miau!
All diese Rufe wurden stumm
um den Aschermittwoch rum.
Bis dahin nahm sich mancher frei
und gabt sich hin der Narretei.
Kaum einer blickte da soweit
und dachte an die Fastenzeit.
Die liegt nun vor uns - 7 Wochen -,
nachdem die Narren sich verkrochen.

 

Wer weiß, dass ohne Fastenzeit
es gäbe keine Fastnachtszeit.
Zu ahnen wär’ es ja nicht schwer,
dass ‚Fastnacht’ kommt vom ‚Fasten’ her.
Es ist, so könnte man es sagen,
der Vorabend von Fastentagen,
die vielen nicht so sehr gefallen.
Drum lässt man’s vorher richtig knallen.

Doch ‚die Sau rauslassen’ macht nur Sinn;
weil die Kirche auf Ostern hin
- und das schon seit langer Zeit -,
die 40 Tag’ dem Fasten weiht.
Zur Einkehr lädt sie dabei ein,
sich von Belastendem befrei’n,
um Geist und Leib neu auszurichten,
den Alltag anders zu gewichten.

 

40 sind ’s, weil unser Herr Jesus Christ
solange in der Wüste gewesen ist,
um geistlich noch mal Kraft zu tanken,
um zu sortieren die Gedanken,
befreit von dem, was täglich treibt,
wenn oft nur wenig Ruhe bleibt.

So wurde er in der Wüstenzeit still
und hörte vom Vater, was der von ihm will.
Danach ist er den Weg gegangen,
den Weg ans Kreuz, als Mensch, gefangen.
Daran erinnert die Christenheit
vor Ostern mit der Fastenzeit.
In ihr gilt es den Weg zu bedenken
den Jesus gegangen, uns zu beschenken.

 

Doch mit der Fastenzeit ist das so eine Sache,
jedes Jahr die Frage, ob und wie ich’s richtig mache.
Soll ich durch Verzicht den Leib kasteien,
oder von allerlei Unrat den Alltag befreien
und Wüstentage wie Jesus einlegen.
Liegt darauf am Ende der richtige Segen?

 

Manchen wir uns auf den Weg, das rauszufinden,
und beginnen die Suche beim Beginn aller Sünden.
Ja ich vermute, ihr denkt schon recht:
bei Adam und Eva, dem ersten Geschlecht.

 

Ihre Geschichte aus dem Mose-Buch vorn,
diese erste Geschichte von Gottes Zorn,
hörten wir schon in den Lesungsworten.
Nun müssen wir sie nur noch im Leben verorten.
Der Text steht an diesem Sonntag Invokavit
im Predigtkalender. Dort nahm ich ihn mit.

 

Damit sind wir am Ort, an dem alles begann:
im Paradies, eine Frau und ein Mann.
Ein Ort, so recht für den Urlaub geschaffen,
das müssen die Menschen dort ersteinmal raffen.
Viel Natur zu bestaunen und reichlich zu essen,
da kann man alles andre gerade vergessen:

 

Doch „verdammt sein zum Nichtstun“ -
  konnte Gott das nicht wissen -,
ist nichts für den Menschen,
zumal für den Schwaben beschissen.
Keine Kehrwoch’ am Samstag und keinen Rasen zu mähn
wie soll man da gut vor den Nachbarn dastehn.
Ohne Graddla und Wuhla das kann doch nichts sein.
Ja fiel dem Herrgott da nichts Besseres ein.

 

Doch haben wir da nicht was überlesen:
Bebaun und bewahren, das wär’s gewesen.
Den Auftrag, das Leben verantwortlich selbst zu gestalten,
den gab es schon damals bei den Vorfahrn, den Alten.
Den hatte Gott ihnen gleich mitgegeben
und den galt es auch dort schon zu füllen mit Leben.

Und dann störte noch was den ganzen Traum:
da stand Mitten im Garten der Apfelbaum.
Schön anzusehn, köstlich im Geschmack
– so lies sich’s vermuten.
Doch „Finger weg vom Gewächs der Unterscheidung
von Bösem und Gutem,“
so lautete des Schöpfers klares Wort,
„Macht tunlichst einen Bogen um diesen Ort.“

 

Aber wir kennen die Geschichte schon ziemlich lange:
da kam nun die Szene mit der teuflischen Schlange.
Die kommt gekrochen und sagt zu der Frau:
„Gott lässt euch doch nicht sterben, dass weiß ich genau.
Lasst euch dieses Obst doch nicht entgehn.
Gott allein weiß: Ihr werdet vieles erst blicken
und ihn besser sehn.“
Und schon war’s geschehn um die Eva
- man muss es benennen,
sie biss in das Obst und konnte gleich vieles erkennen.
Und auch der Adam ließ sich von ihr nicht lange bitten,
doch fragte er gleich nach dem Biss sich:
„Was hat mich da geritten?“

 

 

An dieser Stelle ein kurzer Zwischenruf:

Ja das der Adam kein Schwabe war,
ist jedem Leser der Geschichte heut’ klar.
Denn das eine das müsstet ihr längst schon wissen:
der Schwabe hätte nie in das Obst gebissen.
Der hätte das Obst erstmal umformatiert
und an räachta Mooscht kurzerhand daraus kreiert.
Und hätt’ dr Herrgott ihn nach dem Verbleib
von dem Obscht gefragt,
Hätt’ ’r g’antwortet: Du hoscht vom essa gschwätzt,
aber nix vom trinken gesagt.
Vielleicht ist das der Grund – doch wer denkt schon soweit,
dass der Schwabe nicht gleich, sondern
erst mit 40 wird g’scheit.

Ende des unqualifizierten Zwischenrufs

 

 … und zurück an den Ort der Tat. --

Nachdem sie nun beide am verbotenen Obste genagt,
hatten sie offene Augen und ein Gewissen, das plagt.
Nun erkannten die beiden, dass sie ganz ohne Hülle,
was bis jetzt kein Problem war, denn es war des Herrn Wille.
Und es war für die beiden bisher auch kein Problem,

so ihrem Herrn gegenüber zu stehn.

 

Doch jetzt war alles anders und die Scham war sehr groß,
und sie fragten einander: Wo verstecken wir uns bloß
vor dem Schöpfer, wenn er durch den Garten geht?
Und schon hörten sie ihn kommen, wie ein Windlein das weht.
Gleich drauf rief er den Adam, fragt’ nach seinem Verbleib.
Der schaut hinter dem Baum vor und sagt: „Es war das Weib.
Du hast sie mir zugestellt, kann ich was dafür?
Letztlich liegt die Schuld doch ganz klar bei ihr.
Sie hat mir schöne Augen gemacht und den Kopf verdreht.
Du weißt doch selbst, Herr, wie schnell so was geht.“

 

Doch all diese Ein- und Ausreden galten nicht mehr;
und fanden bei Gott nicht das geringste Gehör.
So sagte er ihnen noch das und dies
und setzte sie raus aus dem Paradies,
auf den Acker, von dem sie einstmals genommen.
Dort hieß es: Klamotten an und schaffen! So ist’s gekommen.

 

In der „träumenden Unschuld“, wie’s ein Theologe beschreibt,
lebten sie bis dahin, der erste Mann und sein Weib.
Doch nun auf dem Feld in den nachfolgenden Tagen,
müssen sie sehenden Auges Verantwortung tragen.
Und sie hatten von da an auch ein Gewissen,
mit dem sie zwischen Gut und Böse unterscheiden müssen.

 

Verantwortung und Freiheit, das gilt ’s zu erkennen,
sind zwei Seiten der Medaille, die muss man benennen.
Das Erwachsenwerden des Menschen hat eben zwei Seiten.
„Adam wo bist du? - Gott wird dich weiter begleiten,
wenn du bereit bist, dich der Verantwortung zu stellen,
für dich selbst, für dein Handeln. Gott will auf dich zählen.

 

 

Nun blick ich auf mich, hör Adams Worte in mir,
wenn ’s fürs Tun einzustehen gilt. Frag’: Wie läuft das bei dir?
Noch hör ich ihn deutlich - gerade wenn’s gilt -,
wie er laut in mir das „Ich war das nicht“ brüllt.
Eine Redensart die das noch untermauert,
hat auch die Zeiten schon überdauern:
„Wer Verantwortung kennt und sich nicht davor drückt,
ja mein lieber Herrgott, der ist doch verrückt.“
„Die viele Mühe und all die Plackerei,
das können andre doch besser“ denk ich
und mach mich davon frei.
Oder Sätze wie „Das war immer so,
da musst du nichts ändern“,
begegnen mir im Alltag in verschiednen Gewändern,
um Verantwortung fürs Gemeinwohl von mir abzuhalten.
Müsst’ mich ja sonst engagieren
gegen den Adam, den alten.
Keiner will’s sein und keiner tun oder wissen.
Doch allzeit so zu leben ist doch wirklich be...(scheiden):

            - Da könnt ihr euch selbst einen Reim drauf machen! -

 

Auf dem Weg Richtung Ostern
könnt’ sich da doch ’was ändern
an diesen Ausreden und ihren vielen Gewändern.
Vielleicht habt ihr in diesen Tagen und Stunden
für euch noch kein Passionswegeprojekt gefunden,
eine Art und Weise Richtung Ostern zu gehen,
um dann befreit vor dem Auferstand`nen zu stehn.

 

Wie wär’s da zum Beispiel – nur so als Idee -,
mit 7 Wochen ohne „Das war ich nicht! Nee!“
7 Wochen ohne Ausrede, zum eignen Tun stehn,
7 Wochen durchs Leben ohne Hintertür zu gehn?

 

Und gleich machen sich im Kopf andere Sätze breit,
auf die ich verzichten könnt` in dieser Zeit:
„Die Situation ist Schuld an meinem agieren;
die Politik und die Zeit sind`s, die mich verführen.
Was kann ich schon dafür, dass alles ist wie es ist,
was soll ich kleiner Mann machen gegen all diesen Mist.

 

Doch schon geht’s mir wie Adam: ich fühl` mich ertappt
von unserm Schöpfer der durchs Ex-Paradies schlappt.
Mein Weg versteckt hinter der Hecke lang führt,
hat er mich doch tatsächlich hier aufgespürt.
Ertappt vom Gewissen, durch das er zu mir spricht:
„Du weißt, diese Ausreden zähl’n bei mir nicht!
Diese Argumente sind nichtig, von andren geklaut,
auch wenn du betonst: „Ich kann nicht aus meiner Haut.
Ich bin halt geprägt von Eltern und Genen,
von meiner Geschichte, das muss ich erwähnen.“

 

Und schon wieder kribbelt es unter dem Hut:
„Glaubst du dir das eigentlich, findest du selber das gut?“
Hast du nichts andres gelernt in deinem Leben,
Ist wirklich alles nur Schicksal und nichts dir gegeben
an Verstand, in Entwicklungs- und Lernprozessen.
Oder hast du das alles ganz einfach vergessen?
„Mensch wo bist du“ höre ich`s rufen auf Erden,
„Wer bist du persönlich, wer willst du sein und werden?“

 

Um das alles zu erfahren, es zu begreifen,
will ich mir das „Ich kann nicht aus meiner Haut“
7 Wochen verkneifen.
Auch Sätze wie „Es müssen sich erst diese und jene
Eckpunkte ändern“,
oder „ich muss erst dies und das klären
an Grenzen und Rändern,
bevor ich dann vielleicht einmal sagen kann,
jetzt ist es soweit, jetzt mach ich mich dran.“
Wenn dir das alles heut’ noch im Wege steht,
die Fastenzeit ohne dich und dein Dabeisein zu Ende geht.

 

Alle anderen hier die könnten ’s mal wagen,
7 Wochen „Was kann ich schon ändern?“ nicht mehr zu sagen.
Ja, allzu schnell so ein Satz über die Lippen geht
angesichts dessen, was in der Welt so vor Augen steht.
Wer hört da meine Stimme schon? Mein Aufschrei verhallt.
Er lässt die Großen der Welt erstrecht ziemlich kalt.
Aber dann mach dir bewusst und sei mit dir im Reinen:
Die großen Dinge der Welt die beginnen im Kleinen.
Hier vor deiner Haustür bei den Menschen nebenan
ist ’s deine Stimme die zählt und etwas ändern kann.

 

Da vernehme ich gegen Fremde diskriminierende Worte,
oder erfahre von Mobbing der ganz fiesen Sorte,
nehme wahr, wie Kinder im Umfeld übel verkommen,
oder `ne Frau öffentlich unsittlich rangenommen.
Dann zählt meine Stimme, mein Tun im Kleinen,
mein hörbarer Aufschrei gegen das Weinen.
Und wenn ich mich alleine zu Handeln nicht traue,
nehm’ ich andre ins Boot, auf die ich dann baue.
Wie der Stein, der ins Wasser fällt, sind solche Aktionen.
Einmal nicht sagen „Ich kann doch nichts tun“,
kann sich so schnell lohnen.

 

Solche oder andre Sätze nicht sagen,
kann in deinem Alltag schnell Früchte tragen
für dich und dein Umfeld, das davon ’was spürt,
weil es zu einer Veränderung führt.
Wähl dir deine Sätze für diese Zeit frei,
nimm dir einen vor, oder zwei oder drei.
Und leb’ damit, ein Versuch ist es Wert,
auch wenn sich dein Adam noch punktuell wehrt.

 

Mit einem Gespräch im Paradies hat alles begonnen,
nachdem beim Naschen vom Obst
doch rein gar nichts gewonnen,
und Gott den Adam und seine Eve,
dann nicht sehr begeistert zu sich rief.
Auf die Verantwortung angesprochen,
hatte Adam den Braten zuerst gerochen.
Mit dem Finger Richtung Eva: „Das war ich nicht! Sie …“
So hört man ihn bis heute: „Die anderen, die …“

 

Das Paradies war verloren, doch der Mensch nicht verflucht,
Gott hat ihn geschützt und neue Wege gesucht.
Verantwortung übernehmen für Worte und Taten,
hat ihnen der Schöpfer nun dringend geraten.
Bewahren sollen sie das Leben, den Acker bebau’n
und bei all ihrem Streben auf ihn nur vertrau’n.

 

Es wird immer mal schief gehen, das weiß Gott genau,
und das gilt für beide, den Mann und die Frau.
Zur falschen Zeit schweigen und nichts gewagt,
oder immer nur reden, wo’s Hören gefragt,
seit Adam lastet die Verantwortung schwer,
Böses zu lassen, Gutes zu tun um so mehr.

 

 

Doch zwischen dem Rauswurf aus Eden und unserem Leben,
hat Gott uns für immer und ewig ein Zeichen gegeben.
Zwischen Adam und uns hat sein Kreuz er gestellt;
ein befreiendes Zeichen für alle Welt.
Auf dieses gilt es den Blick zu richten,
unser Tun und Lassen dem Herrn zu verpflichten,
der am Kreuz hängend „Ich war es“ noch sprach,
„Um deinet Willen meinen Leib ich brach.“
Für ein Leben mit ihm hat er dich befreit,
dass zu erinnern nutz diese Zeit.

 

Und fragst du noch immer: „wie soll ich’s machen,
dieses Glaubensfeuer in mir neu anzufachen?“
Wenn da noch zu viele Adams-Triebe,
dann versuch ’s mit Fasten, Beten und Nächstenliebe,
dieser Trias fürs Leben der Christenheit
und der Grundidee auch für die Fastenzeit.
Versuch in deinem Alltag etwas anders zu machen,
such für dich neue Wege, bring so dein Leben zum lachen.
Entkerne die Tage und füll Neues hinein,
das kann die Chance auch für dein Leben sein.

 

Gott sei dabei mit dir auf all diesen Wegen,
segne dir diese Wochen mit Sonne und Regen.
Er stärke dich neu und gebe dir Mut,
dass zu tun, was für dich in der Nachfolge gut!
Mit Gottes Hilfe bist du dabei nicht allein.
Am End sag ich nun „Amen!“ Ja, so soll, nein, so wird es sein!