Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über 1. Petrus 3-9

Gerhard Beck, Pfarrer (ev.-luth.)

03.04.2016 Versöhnungskirche Neunburg vorm Wald

Liebe Gemeinde,

langsam neigte sich sein Leben dem Ende zu. Er merkte wie die Wochen und Tage immer knapper wurden. Es war an der Zeit Abschied zu nehmen.

Es war ihm ein Herzensanliegen seinen Freunden nochmals zu schreiben. Er hatte sie lange nicht mehr gesehen, sie waren weit weg und sie hatten es – weiß Gott – nicht leicht. Sie waren erst vor einigen Jahren Christen geworden, fragten ihn immer um Rat und lebten zwischen lauter Fremden, die keine Christen waren. Es war schwer für sie am Glauben festzuhalten.

Aber gerade da sein Tod sich näherte, merkte er, wie sehr ihn sein Glauben stärkte. Wie dieser ihm die Angst vor dem Tod nahm. Das wollte er ihnen noch mitgeben, als letztes sozusagen. Diese Botschaft lag ihm noch auf dem Herzen: Der Tod ist nicht das Ende. Wir können uns auf ein Leben nach dem Tod freuen. Durch die Auferweckung von Jesus hat Gott gezeigt, dass dies kein Traum, keine Spinnerei ist.

Nein, es ist eine reele Hoffnung.

 

Und so schrieb er:

(1. Petr. 1) An die Auserwählten, in der Fremde zerstreut.

(3) Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. In seiner großen Barmherzigkeit hat er uns sozusagen neu geboren.

Durch die Auferweckung von Jesus Christus aus dem Tod

hat er uns eine lebendige Hoffnung geschenkt.

(4) Es ist die Hoffnung auf ein unvergängliches,

reines und unverlierbares Erbe.

Gott hält es im Himmel für euch bereit (5) und bewahrt euch durch seine Macht.

So erlangt ihr durch den Glauben die Rettung, die am Ende der Zeit offenbar werden soll.(6) Darüber könnt ihr euch freuen.

Ja, das waren die richtigen Worte. Die drückten auch seine Hoffnung aus, die in ihm lebte. Die ihm die letzten Monate durchhalten ließ. Die ihn nicht in Depression und Angst verfallen ließ, sondern kurz vorm Tod noch lächeln ließ.

Er fühlte sich mit Jesus verbunden und wusste: Das würde auch über den Tod hinaus halten.

 

So war es nicht immer. Sein Glaube war nicht immer so stark. Er hatte so seine Höhen und Tiefen durchlebt. Im Leben und im Glauben. Oft war er an Gott verzweifelt. Oft hatte er wie Jesus am Kreuz geschrien: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Aber irgendwie blieb er immer mit Gott in Kontakt. Es war ein Geschenk: Den Kontakt zu Gott verlor er nie.

So wurde sein Glaube in den schweren Zeiten immer stärker.

Und wertvoller: Nie würde er ihn aufgeben, nicht mal wenn er dafür mit Gold überschüttet werden würde.

 

Sein Glaube trug ihn zum Schluss durch die schweren Zeiten seines Lebens. Durch Leid und Krankheit.

Er merkte: Auch die schweren Zeiten gehen vorbei.

Im Nachhinein kamen ihm die schweren Zeiten des Lebens wie eine Prüfung vor: Eine Prüfung, in der sein Glaube geprüft wurde.

 

Er hatte zu viele Glaubensbrüder gesehen, die sich als es schwer wurde, von Gott abwandten: „Aushalten soll ich? Nur weil Jesus es ausgehalten hat? Ich soll darauf vertrauen, dass Jesus weiß, wie es mir geht? Was ist das für ein Gott, der selber leidet?

Da gehe ich lieber zurück zu meinen alten Göttern, denen kann ich ein Geschenk bringen, wenn es mir schlecht geht und alles wird wieder gut!“ so hatten viele gesagt. Und waren nie wieder erschienen.

Ihr Glaube an Gott, der das Leid nicht einfach wegzaubert, sondern mitleidet, war nicht stark genug.

 

Er hoffte nur, dass seine Freunde nicht genauso schwach waren. Er musste ihnen das noch dringend schreiben: Sie mussten durchhalten! Am Ende würde Gott alles belohnen!

Und so schrieb er weiter:

Allerdings müsst ihr nach Gottes Willen jetzt erst einmal eine kurze Zeit leiden.

Denn ihr werdet mehrfach auf die Probe gestellt.

(7) Das dient dazu, dass euer Glaube sich als echt erweist.

Er ist wertvoller als vergängliches Gold,

das im Feuer auf seine Echtheit geprüft wird.

Dafür werdet ihr bei der Offenbarung von Jesus Christus

Lob, Herrlichkeit und Ehre erfahren.

 

Ja, er war sich sicher, Lob, Herrlichkeit und Ehre, das würden sie einmal erfahren. Für ihn waren sie Helden – Glaubenshelden. Sie hatten den Mut gehabt aus ihrer eigenen Religion auszubrechen und Jesus zu folgen.

Sie lebten als Christen immer noch unter Nichtchristen. Oft wurden sie beleidigt, benachteiligt, manchmal bei den lokalen Behörden angezeigt und verfolgt.

Das alles nahmen sie auf sich, obwohl sie Jesus nicht selbst gesehen hatten, obwohl er ihnen nicht erschienen war.

Das war bewundernswert. Und er war sich sicher: Gott würde das belohnen. Das musste er ihnen noch schreiben, das würde ihnen Mut machen:

(8) Ihr liebt ihn, obwohl ihr ihn nicht gesehen habt.

Ihr glaubt an ihn, obwohl ihr ihn jetzt nicht seht.

Deshalb könnt ihr jubeln in unaussprechlicher Freude,

die schon von der künftigen Herrlichkeit erfüllt ist.

(9) Denn ihr empfangt, was das Ziel eures Glaubens ist:

eure endgültige Rettung.

 

Seine endgültige Rettung würde der Tod sein. Er freute sich darauf, endlich gehen zu können und in die Herrlichkeit zu kommen.

Er legte den Brief bei Seite. Einiges lag ihm noch auf dem Herzen, aber das würde er morgen weiterschreiben können.

 

Im Moment dachte er über seinen Tod nach. Vielleicht sollte er Anweisung geben, dass bei seiner Beerdigung alle in farbenfroher Freudenkleidung erscheinen. Und dass danach ein Hoffnungsfest gefeiert werden würde. Das wäre passend.

Amen