Foto von aufgeschlagenen Büchern

Traupredigt über 1. Korinther 16,14

Pfarrer Christian Kurzke (ev.-luth.)

23.07.2016 Ev.- Luth Kirche zu Mühlsdorf

Trauung

Die "Müllerin" heiratet den "Pabst"

Die Müllerin heiratet den Papst. Kirchengeschichtlich wäre das eine Sensation. Wir werden auf diese Meldung noch viele Jahre warten müssen. Weil bei Kirchens Jahre keine Rolle spielen, eher in Jahrhunderten und Ewigkeiten gedacht wird, werden wirs kaum erleben. Aber wenns soweit ist, wird man sich in Mühlsdorf an Euch und eure Nachnamen erinnern. Das gabs schon mal in diesem Ort. Das sind doch die beiden da im Haus am Mühlsdorfer Grund, die Neumühlsdorfer, mit dem Hasenstall von Nora, die beiden, die bei facebook Bilder von Konzertbesuchen mit Freunden in Weimar posten oder von Skiurlauben in den Alpen und da so glücklich aussehen, die sich so wahnsinnig freuen können aneinander, die es aber auch nicht leicht haben das tagtägliche Zusammenspiel von Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen und trotzdem jede gemeinsame Minute zusammen so richtig auskosten können. Nur dass der Pabst in diesem Ort mit Vornamen Sven heißt, von Berufswegen nicht päpstliches Ornat trägt und nicht mit „Seine Heiligkeit“ angeredet werden will. Sven Pabst ist Arzt, trägt dienstlich vermutlich weiß, schiebt mindestens genauso lange nächtliche Dienste, wie der echte Pabst es auch tun wird und ist nicht allein.

 

Denn der Pabst kam zur Müllerin schon vor 16 Jahren. Da hieß er auch schon Pabst, wahr Abiturient und Konzertbesucher in Bürgel und noch kein Doktor. Und weil die Müllerin, die mit Vornamen schon damals Katja hieß, zufälligerweise dasselbe Konzert besuchte und die Chemie stimmte, habt ihr beschlossen, fortan gemeinsam all eure Dinge in Liebe zueinander geschehen zu lassen.

 

Da waren auch ein paar harte Brocken drunter, wo eure Liebe ganz besonders gefordert war, wo sie sich zu bewähren hatte, wo ihr selber auch an die Grenzen eurer physischen Belastbarkeit gekommen seid. 2012 war für euch so ein Jahr. Nora, das größte Glück eurer Liebe war gerade geboren, aber an nur eine ruhige Nacht war nicht mehr zu denken. Und wenn doch mal Ruhe war, mußte der Pabst über seinen Büchern sitzen und fürs Examen büffeln. Und ebenso die Müllerin, die alte Mühlen im Krankenhausbetrieb hinter sich lassen wollte und damals berufsbegleitend eine Ausbildung zur Medizinpädagogin machte.

 

All eure Dinge laßt in Liebe geschehen, sagt der Apostel Paulus in eurem Trauspruch. Und viele Dinge, wo man sich manchmal fragt wie sollen wir das nur schaffen, habt ihr gemeinsam geschafft, weil ihr zählen konntet auf die Liebe, die Hilfe, das Verstehen und Vertrauen des anderen. Ob der Pabst oder die Müllerin allein sich soviel zugetraut hätten, kann bezweifelt werden, aber gemeinsam dürft ihr heute dankbar und stolz auf das sein, was ihr mit eurer Liebe bisher erreicht habt. Bis hin zur eigenen Hütte in Mühlsdorf, weil doch in Jena die Mieten so unverschämt teuer sind und weil ihr hier euch so richtig wohl fühlt.

Ihr sagtet: „Wenn wir übers Hermsdorfer Kreuz fahren und nach Hause kommen, dann werden wir ruhiger. Mühlsdorf ist unser Ruhepol. Dort wartet die Familie, euer neues Zuhause nach soviel Umzügen, für euch ist das hier wie eine andere Welt.

 

Liebe Gemeinde,

Der Pabst sagte zur Müllerin im Traugespräch:“ Zuhause ist sie eine allzeit verfügbare Arbeitskraft. Sie erhält die Familie am Leben.“ Und das meint er liebevoll und voller Achtung, denn schließlich denkt er auch auf Arbeit so oft an sie. Und die Müllerin, kämpft sich tapfer durch die Mühlen ihres Alltags, der sich ja zwischen Beruf und Familie einzupendeln hat. Schließlich braucht nicht nur Nora, sondern auch der Pabst jemanden, der den Überblick behält, und dann und wann, wenns besonders nötig ist, den Finger in das Chaos seiner Männerwirtschaft legt. Der Pabst in Rom hat als Korrektiv dafür eine ganze Kurie hinter sich. Alles Männer. Das ist ein ganzer Staatsapparat von Beratern und Spezialisten. Der Pabst von Mühlsdorf kann sich glücklich schätzen über das weibliche Korrektiv. In Mühlsdorf kümmert sich Katja um Außen- und Innenpolitik. Als Müllerin liegt es in ihrer Natur, dass das Rad des Lebens in Bewegung zu halten ist, so wie ein Mühlrad eben nicht still stehen soll.

 

Liebe Katja, lieber Sven,

auf der letzten Pabstaudienz auf Usedom wurde vereinbart, dass die Müllerin fortan auch mit Pabst anzureden sei. Vor dem Gesetz seid ihr den Bund der Ehe eingegangen. Mit eurer Hochzeit in dieser Kirche nun, tritt neben das gegenseitige Versprechen Eurer Treue und Liebe nun auch Gottes Versprechen seiner Treue und Liebe in seinem Segen über eure Ehe hinzu. Wenn der Apostel Paulus wie in Eurem Trauspruch sagt, alle Dinge in Liebe geschehen zu lassen, dann denkt er auch immer die Liebe Gottes mit, die erst spürbar und konkret wird durch menschliche Nähe, Verantwortung und Liebe zueinander. Eure Ehe, eure Liebe ist Abbild der Liebe Gottes. Durch euch soll sie sichtbar werden und spürbar für andere. Für Nora, für eure Familien und Freunde. Der echte Papst in Rom hat es da schwerer. Nicht dass er schon einige Jahre älter als ihr ist, sondern dass er zeitlebens unverheiratet bleiben muß, und ihm deshalb schlichtweg die Erfahrung fehlt wo im Zusammenleben eines Paares die Liebe Gottes erst konkret werden kann, wo es funktioniert und wo es auch scheitern kann, wenn wirklich all unsere Dinge in der Liebe Gottes gegründet sein sollen.

Aber eins habt ihr mit dem echten derzeitigen Pabst gemeinsam. Ihr seid für Überraschungen gut und ihr könnt andere begeistern. Wie er in einer sehr langen Traditionskette, der sogenannten apostolischen Sukzession steht, die sich bis auf die Apostel Petrus und Paulus bezieht, so seid ihr mit eurer Liebe und Eurem Trauversprechen auch Nachfolger der Liebe Gottes und helft mit, dass diese Liebe so allumfassend und vielfältig wie sie ist erst konkret und wahrnehmbar wird.

 

Immer dann, wenn die Liebe nicht ganz reicht, wünsche ich Euch Großherzigkeit.

Immer dann, wenn einer von euch verständlicherweise auf Revanche sinnt, wünsche ich Mut zum Verzeihen.

Immer dann, wenn sich bei Euch das Mißtrauen rührt, wünsche ich Euch einen Vorschuß an Vertrauen.

Immer dann, wenn ihr mehr haben wollt, wünsche ich Euch die Sorglosigkeit der Vögel des Himmels.

Immer dann, wenn Ihr euch über die Dummheit anderer ärgert, wünsche ich Euch ein herzhaftes Lachen.

Immer dann, wenn Euch mal der Kragen platzt, wünsche ich tiefes Durchatmen.

Immer dann, wenn Ihr gerade aufgeben wollt, wünsche ich euch Kraft zum nächsten Schritt.

Immer dann, wenn Ihr euch von Gott und der Weit verlassen fühlt, wünsche ich Euch eine unverhoffte Begegnung mit der Liebe Gottes; ein Klingeln an der Haustür.

Immer dann, wenn Gottes Liebe für Euch weit weg scheint, wünsche ich Euch seine spürbare Nähe zu sehen in den Augen jedes Kindes.

All eure Dinge laßt nun in Liebe geschehen. und traut euch, traut der Liebe Gottes mehr zu als wir als Menschen je begreifen können.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unser menschl. Verstehen und Begreifen, der stärke Eure Herzen und sinne in JC, unseren Herrn. Amen.