Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Apostelgeschichte 2, 37-41

Stadtmissions-Pastor Ralf Weidner

21.05.2017 Stadtmission Neu-Isenburg

Aus Verwirrung wird Klarheit

Dies die Überschrift, die ich heute für meine Predigt gewählt habe. Heute begegnen uns einige Beispiele, wie aus Verwirrung Klarheit entsteht. Beziehungsweise, es einem vor lauter Klarheit wie Schuppen von den Augen fällt.

Ich werde deshalb jetzt von einem Menschen erzählen, der vor rund zweitausend Jahren gelebt hat. Sein Name ist nicht wichtig an der Stelle, aber das, was er erlebt hat umso mehr. Gläubig war er. Ein gläubiger Jude. Und genau deshalb war die Zeit für ihn so verwirrend. Damals! Eine Zeit, in der kein Stein mehr auf dem anderen zu bleiben schien.

Was Jahrtausende lang galt, sollte plötzlich zur Vollendung kommen? Einfach so weiter, wäre bequemer. Da ist ein jüdischer Wanderprediger drei Jahre unterwegs, und erzählt den Menschen seine Sicht der Dinge. Wenn es nur die theoretischen Auslegungen gewesen wären, hätten man es als komische Phantasien eines Einzelnen abtun können. Feindesliebe und so.

Aber bei diesem ist es irgendwie anders. Er ahnt es, kann es aber nicht so richtig greifen. Da ist etwas. Aber dann nimmt ihn doch wieder sein Alltag in Beschlag. Die Gedanken um seine Familie, dass alle versorgt sind. All das steht doch an erster Stelle.

Er war eben ein ganz normaler Zeitgenosse. Er ging seinem Tagwerk nach, kümmerte sich um seine Sippe, befolgte die Regeln und Gesetze des Volkes Israel. Mainstream würde man heute sagen. Einer der meinte, nicht viel zu sagen zu haben, in der großen Welt! Er lebte halt irgendwie sein Leben.

Fühlt sich jetzt gerade jemand angesprochen? In meinem Alltag begegnen mir immer wieder in Gesprächen solche Gedanken. "Was soll ich schon wichtiges zur Welt beitragen, zu unserer Gemeinde beitragen, zu meinem eigenen Leben beitragen".

Das schöne ist, die Predigt heute ist eine Mut- mach -Predigt. Hier soll keiner angeklagt werden. Der Predigttext macht Mut! Er ist ein Mut-mach-Text. Wie oft fühlt sich unser Leben so unerklärlich an. Bereits
Kant hat in seiner Philosophie die vier großen Fragen beschrieben; ABER - wenn man die für sich bearbeitet, dann ist man richtig verwirrt.

1. Was kann ich wissen? 2. Was soll ich tun? 3. Was darf ich hoffen? 4. Was ist der Mensch?

Jetzt verspreche ich euch nicht, diese Kantschen Fragen zu lösen. Wenn wir den Predigttext durchdringen, passiert aber etwas anderes. Wir sehen, was Gott uns mitgibt, dass wir Klarheit finden. Ich lese meinen heutigen Bibeltext. Er steht in der Apostelgeschichte Kapitel 2, die Verse 37 bis 41.

Die Wirkung der Predigt

37 Dieses Wort traf die Zuhörer mitten ins Herz und sie fragten Petrus und die anderen Apostel: »Brüder, was sollen wir tun?«
38 Petrus antwortete: »Kehrt jetzt um und lasst euch taufen auf Jesus Christus; lasst seinen Namen über euch ausrufen und bekennt euch zu ihm – jeder und jede im Volk! Dann wird Gott euch eure Schuld
vergeben und euch seinen Heiligen Geist schenken.

39 Denn was Gott versprochen hat, ist für euch und eure Kinder bestimmt und für alle, die jetzt noch fern sind und die der Herr, unser Gott, hinzurufen wird.«

40 Noch mit vielen anderen Worten beschwor und ermahnte sie Petrus. Und er sagte zu ihnen: »Lasst euch retten vor dem Strafgericht, das über diese verdorbene Generation hereinbrechen wird!«
41 Viele nahmen seine Botschaft an und ließen sich taufen. Etwa dreitausend Menschen wurden an diesem Tag zur Gemeinde hinzugefügt.

Soviel zum Predigttext.
3000 Menschen werden Christen. Nach EINER Predigt. Das würde ich mir heute auch wünschen. Ich stell mir vor wir gehen hinaus. Die ganze Straße ist rappelvoll. Das ganze Viertel, kein Durchkommen vor lauter Menschen! 3000, und alle wollen sich in unserer Gemeinde taufen lassen. Das wäre etwas!

Was war damals passiert? Da sind 3000 Menschen von der Sorte gekommen, die ich am Anfang beschrieben habe. Ganz normale Leute. Irgendetwas hat sie bewegt, vorbeizuschauen. Vielleicht hat ja
Gottes Geist hier bereits gewirkt, sie aus dem Alltag heraus getragen.

Und die hören Petrus mit seiner Pfingstpredigt. Sie hören, dass jetzt ein historischer Moment ist. Jetzt wird das Wunder real, dass der Prophet Joel bereits im Alten Testament vorausgesagt hat. Wir haben den Text vorhin in der Schriftlesung gehört (Joel 3,1-5)!

Und die haben erlebt, was vorher als Ausgießung des heiligen Geistes erzählt wird:

"Plötzlich gab es ein mächtiges Rauschen, wie wenn ein Sturm vom Himmel herab weht. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Dann sahen sie etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und auf jeden ließ sich eine Flammenzunge nieder. Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, jeder und jede, wie es ihnen der Geist Gottes eingab."

Die babylonische Sprachen-Verwirrung hat sich in göttliche Klarheit verwandelt. Und genau dann, einem Moment von atemberaubender Wucht; Der Ort ist pure Emotion, viele erfahren Gott so nahe, wie nie zuvor. In einem Augenblick von unvergänglicher Dimension, hören sie Petrus mit seiner berühmten Pfingstpredigt:

"Ihr Juden aus aller Welt und alle Bewohner Jerusalems! Lasst euch erklären, was hier vorgeht; hört mich
an! Hier geschieht, was Gott durch den Propheten Joel angekündigt hat. Über alle, die mir dienen, Männer
und Frauen, gieße ich zu jener Zeit meinen Geist aus und sie werden als Propheten reden."

Also, kein Wunder, dass wir in unserem Predigttext als ersten Vers lesen:
"Dieses Wort traf die Zuhörer mitten ins Herz".

Einfache Menschen,
Menschen wie wir heute hier sind,
G....,
J....,
....,
Alle werden durch Gottes Geist zu Propheten. Könnt ihr das glauben? Wir fühlen uns als kleine Lichter.
Propheten, Botschafter Gottes? Die Menschen hatten damals so ihre Schwierigkeiten. Kein Wunder also,
dass wir gleich als zweiten Vers lesen: "Sie fragten Petrus und die anderen Apostel: »Brüder, was sollen wir
tun?«"

Das klingt wie die der Ursprung zu den vier Kantschen Fragen: Brüder was sollen wir tun. Und genau zu der
Frage finden wir im Predigttext, etwas versteckt einen genialen Hinweis:

"Lasst euch retten...".
Klarheit bedeutet, Gott anzunehmen, Gott mit seinem Geist wirken zu lassen. Klarheit bedeutet, sich
Retten zu lassen! Da steht nicht: Gott wird euch schon retten. Nein, da steht lasst euch retten. Darin ist
etwas wichtiges enthalten. Natürlich, die Feststellung: Ich will gerettet werden. Ich will den Weg gehen, den
mir Gott durch Jesus offenbart hat. Ich will darauf vertrauen, dass ich einen treuen Begleiter an meiner
Seite habe! Und eins ist mir heute besonders wichtig.

Die Klarheit, die Gottes Geist uns für unser Leben bringt:

  • Die gibt es einfach so als Geschenk Gottes!
  • Die müssen wir uns schon gar nicht erarbeiten!

Aber, zu dem Geschenk Gottes gehört die Verantwortung, die sollen wir übernehmen. Die Verantwortung
dass Gott jedem einzelnen von uns seinen Geist schenkt. Diese Verantwortung, die steckt in unserem
Predigttext mit drin! Klarheit bedeutet, sich Retten zu lassen! Wir bekommen den Geist Gottes für unser
Leben geschenkt. Wir sollen verantwortungsvoll damit umgehen. Soweit so gut! Da drängt sich die Frage
auf: Wie macht man das? Ich habe dazu jetzt noch eine Geschichte mitgebracht, in der wird am schlechten
Beispiel deutlich, wie man es nicht macht. Sie vermittelt uns einen ziemlich klaren Blick!

Es lebte einmal ein Paar, das heiraten und sämtliche Freunde und zahlreiche Bekannte einladen wollte. Ihr
Glück wollten sie mit den anderen teilen und es sollte ein großes Fest werden. Da ihre Armut aber keine
größere Feier zuließ, überlegten sie, wie sie ihren Gästen trotzdem etwas bieten könnten. So ließen sie alle
Eingeladenen wissen, dass sie keine Geschenke erwarten. Sie würden sich aber über eine Flasche Wein
freuen, welche dann in ein großes Fass gegossen werden soll, aus dem dann alle Gäste ihr Glas füllen
können.
Zur Feier kamen dann alle eingeladenen Menschen mit jeweils einer Flasche, deren Inhalt sie in das große
Fass beim Eingang zum Festsaal leerten. Schließlich war das Fass gefüllt. Dann wollte das Brautpaar mit
seinen Freunden und Bekannten auf ihr großes Glück anstoßen. Die Kellner füllten beim Fass ihre Krüge und
damit die Gläser der Gäste. Plötzlich kippte die fröhliche Stimmung in Entsetzen und große Verlegenheit um.
Was war geschehen?
Als die Kellner die Gläser der Gäste füllten, stellte sich heraus, dass es sich dabei um Wasser handelte. Alle
Gäste brachten statt Wein eine Flasche Wasser mit, im Glauben, dass ohnehin alle anderen eine Flasche
Wein mitbringen und es schon niemandem auffallen würde, wenn man selbst nur Wasser in das Fass gießt.
Und die Moral dieser kurzen Geschichte? Wenn sich jeder nur auf den anderen verlässt, sind
Verbesserungen, Änderungen kaum möglich. Jeder kann seinen (kleinen) Beitrag leisten. (Autor unbekannt)

Und hier bin ich wieder bei unserem Predigttext. Die Feststellung, dass der Geist Gottes jedem geschenkt
wird ist verlockend. Verlockend sich zurück zu ziehen, den anderen machen zu lassen. Ach ist schon nicht so
schlimm, wenn ich im Reich Gottes passiv bin. Wenn ich nur so da bin, ohne etwas zu tun.

Also ich sag es mal so: Solche Biographien, Gemeinden, Kirchen sind farblos, wie ein Glas Wasser. Man kann
da sein, man verdurstet vermutlich auch nicht, und sonst? Es wird vermutlich niemand neu erweckt. Die
3000 aus der Apostelgeschichte, die sind wo anders unterwegs. Das Bild geht von klein nach groß. Wir alle,
jeder und jede Einzelne kann etwas mitbringen, dass für Würze im Reich Gottes sorgt. Salz sollen wir sein.
Bei uns selbst aber auch bei unserem Nächsten.

Jeder kann in der Gemeinde etwas einbringen, dass Gemeinde eben nicht dröge und uninspiriert ist,
sondern etwas von der Klarheit transportiert, was in unserem Predigttext über die Erfahrungen der
Pfingstpredigt spürbar ist.
Klarheit bedeutet, sich Retten zu lassen!

Liebe Schwestern und Brüder, in der Luther Übersetzung ist der heutige Predigttext mit den Worten
überschrieben: "Die erste Gemeinde". Das ist die sachliche Feststellung, aber der Geist Gottes ist nicht nur
etwas sachliches. Deshalb finde ich die Überschrift der Guten-Nachricht Übersetzung besonders gelungen.
Dort heißt es:

Die Wirkung der Predigt

Das ist es, was uns unser Predigttext im besonderen Mitgibt! Das wir Gott wirken lassen sollen. Das wir uns
darauf einlassen. Das wir erwarten, dass uns der lebendige Gott durch seinen Geist berührt. Dass er uns
Klarheit schenkt. Klarheit bedeutet, sich Retten zu lassen! Deshalb dazu zum Schluss drei Punkte, die mir
besonders wichtig heute sind.

 

  • Wir dürfen uns von Gottes Geist berühren lassen. So wie Gott das Wirken Jesu auf der Erde durchdrungen hat, so will er uns berühren, uns so zu seinen Botschaftern machen.
  • Wir dürfen uns retten lassen. "Lasst euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht", heißt es bei Martin Luther in Vers 40. Das bedeutet nichts anderes als Umkehr. Retten lassen vor dem verkehrten Weg, vor einem Weg ohne Gottes Geist, ohne die Wegweisung Jesu an unserer Seite.
  • Wir dürfen uns einbringen. Keiner ist zu klein. Keiner ist zu unbedeutend. Als Geschöpfe Gottes bekommen wir alle Gottes Geist geschenkt. Um eben dem was uns Jesus vorgelebt hat zu folgen und in die Welt zu tragen.

Das Ganze habe ich heute wieder mal in einem Limerick verarbeitet den ich euch zum Schluss mitgebe:

Gottes Wort berührt uns in allen Dingen,
Seine Klarheit soll uns Rettung bringen!
Drum lasst euch berühren,
Den Geist Gottes spüren,
Gott will unsere Herzen durchdringen.