Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Apostelgeschichte 2

Pastor Andreas Rohwer (ev.)

03.06.2017 Friedenskirche in Wasbek

Konfirmation

Ansprache als Gesprächsdialog:

 

A.     Lena, du hast die Konfirmanden nun ein Jahr in deinem FSJ begleitet. Was sagst Du jetzt ? Wie hast Du sie erlebt? Ist es richtig, sie jetzt zu konfirmieren?

L.        Ja klar! Genau richtig! Besser kann es nicht sein! Ich habe immer wieder gestaunt was für starke Antworten da rüber kamen. Oder auch klare Ansichten, was richtig und falsch ist. Ich muss zugeben, dass ihr mich oft ziemlich beeindruckt habt. Und wie ist es für dich? Gibt es etwas was dir besonders in Erinnerung bleiben wird?

A.     Da war oft eine sprühende Lebendigkeit und viel Interesse, richtig gut. Schade, dass es zu Ende ist. Es haben viele fröhlich mitgemacht, aufrichtig ihre Meinung gesagt und anderen zugehört. Und - ich sag mal so-  wenig Blödsinn gemacht! Ich erinnere mich an Nachmittage, da haben wir nur kurz etwas angestoßen und ihr als Konfis habt erzählt und gesprudelt.... Wir mussten euch eben nicht alles aus der Nase ziehen, und es war persönlich und geistreich, was geäußert wurde...

L.          Du hast aber trotzdem selbst viel geredet, manchmal auch zu viele Worte....

A.     Echt?

L.           Ja, die Idee mit dem Glöckchen-Läuten als Zeichen, wenn es zu langatmig wurde, war ja ganz gut, aber es hätte ruhig öfter klingeln können....

A.        Wirklich?   (zu den Konfis:) Seht ihr das auch so? (...)   Aber das gelingt mir nur ganz schwer. Wenn es mal länger als 3 sec still ist, muss ich was sagen. Ich will das Gespräch doch weiter in Gang halten....

L.        Man muss auch warten können. Und man nimmt doch durch bloßes Hören viel weniger mit und in sich auf, als wenn man selbst etwas herausfindet und sich äußert.

A.     Das ist sicher so! Und daran habe ich auch oft gedacht und mich doch bemüht, zu bestätigen und anzuerkennen, was von euch kam. Ganz zum Schluss haben wir eine Einheit gemacht unter der Überschrift: „Dazu stehe ich!“ und da kamen ganz starke Sachen. Gerade auch als es um „Wer ist Gott?“ ging. Gott ist für mich ein Rückhalt, ein Baustein im Alltag, ein Gesprächspartner, der Schöpfer der Welt, jemand, der auf meine Fragen antwortet, mit dem ich über meine Probleme reden kann...  Solche Dinge wurden gesagt.

L.          Ja, das war schön. Und wir haben uns dann kurze Abschnitte aus modernen Glaubensbekenntnissen vorgelesen. Es hat immer jemand etwas ausgewählt und ist dazu aufgestanden und die anderen konnten sich dann dazustellen. Z.B. „Wir vertrauen  Gott auch, wenn wir am Boden sind, denn er gibt uns Kraft und Mut zum Aufstehen.“ Da sind ganz viele von euch aufgestanden...

A.     Eigentlich möchte ich, dass wir das heute ganz ähnlich erleben: Dass wir zusammen stehen für das, was uns wichtig ist und uns gegenseitig bestätigen: unseren Glauben an einen Gott, der das Leben bewahrt und aufblühen lässt - es zum Gelingen führt und ihm aufhilft...

L.        Das klingt gut. - ...und das bei der Konfirmation? Ich dachte, heute geht es vor allem um die Konfirmanden?

A.     Schon, aber das schließt sich doch auch gar nicht aus. Konfirmation kommt von confirmare - befestigen, bestärken, eben auch: bestätigen. Dass wir Gottesdienst mit und für euch als Heranwachsende in unserer Mitte feiern - das bestärkt und bestätigt euch hoffentlich in dem, was euch wichtig ist: eure Ansichten und Einsichten, eure Träume und Hoffnungen.  -  Was meinst du: Was stärkt und bestätigt einen Menschen eigentlich am meisten?

L.          Vielleicht: gutes Essen, Schwimmen im Meer, Joggen und so....

A.        Was du meinst, ist Wellness und Gesundheit. Auf der Schiene sind wohl eher die Erwachsenen, weniger die Konfis

L.        Dann: ... Freunde, mit denen man quatschen und Quatsch machen kann....

A.        Ja,das denke ich auch: Anerkennung und Zuspruch, ...dass wir so erfahren: Du bist willkommen, es gibt etwas, was wir an dir schätzen...usw...

L.        Aber es sollte auch aufrichtig sein und echt, und eben nicht nur allgemeines Zeug....

A.        Richtig, und ich würde auch noch sagen, ein wohlwollendes Umfeld gehört auch noch dazu: Dass wir nicht immer gleich Prügel kriegen, wenn wir uns äußern, oder was ausprobieren. Dass wir uns was trauen und einfühlsame Rückmeldungen kriegen.  Es müssen gar nicht Erwachsenen und Jugendliche alle das gleiche sagen und denken, und wir uns alle immer nur die gleichen identischen Geschichten erzählen. Auch Konfirmanden sollten nie einfach nur nachplappern, was Eltern vorsagen.

L.    Hört, hört....!  Aber dass alle nur durcheinander reden und aneinander vorbei und jeder nur sich selbst gut findet, ist es doch auch nicht..... Oder?

A.     Genau das finde ich das Spannende an der Pfingstgeschichte (und an den Konfis) Die haben wir ja eben noch mal gehört: Da ist Chaos, ein Wirrwarr verschiedenster Sprachen; alle reden aufeinander ein - und doch gibt es was Gemeinsames, ist rauszuhören, dass die Menschen sich von großen Taten Gottes erzählen. Ich finde, wir feiern deshalb Konfirmation und Pfingsten zusammen, weil wir euch nicht nur heute sondern immer genau das zutrauen: dass ihr was zu sagen habt, dass es sich lohnt, den Mund aufzumachen, ...

L.        So wie wir jetzt die Konfirmanden loben, brauchen die gar nicht so viel „confirmare“. Ihr seid doch längst auf guten Wegen unterwegs.

A.     Das kann man immer brauchen, gerade jetzt mit so um die 14. Selbstbewußsein ist eine zarte Pflanze. Eine kritische Bemerkung und jemand heult los oder sagt nie wieder was... Das soll doch eigentlich gerade nicht sein! - Wie hast du eigentlich deine Konfirmation erlebt?

L.          Die werde ich so schnell nicht vergessen! Ich war so aufgeregt. Beim Einlaufen hatte ich so weiche Knie und hab ständig gedacht: „Knick jetzt bloss nicht um. Stolper nicht und immer nett lächeln!“ Und später kurz vor der Segnung hatte ich nur gehofft, dass auch alles so klappt wie bei der Probe. Das hat es dann zum Glück auch.

A.        Weißt du deinen Konfirmationsspruch noch?

L.        Ja, logo, weiß ich den noch: Lukas 18,27 „Was bei den Mensch unmöglich ist, ist bei Gott möglich!“

A.        Der Renner ist ja jedes Jahr: Lass dich nicht vom Bösen überwinden,...

L.        ....sondern überwinde das Böse mit Gutem.  ...ein bisschen sehr allgemein!!!

A.        Das ist doch eine sehr starke Aussage!!

L.        Aber Gut und Böse unterscheiden kann     doch eigentlich jeder!

A.        Sicher, aber es geht doch darum, dass wir uns auch dann noch von Güte und Entgegenkommen bestimmen lassen, wenn es mal nicht so gut für uns läuft. Das ist schwer. Können wir auch dann noch freundlich und fair sein, oder greifen wir auch zu fiesen Tricks und Gemeinheiten? Es bedeutet doch, dass wir gerade nicht mit gleicher Münze heimzahlen! Dass wir nicht beleidigen, weil wir uns beleidigt sehen, dass wir nicht zu Rüpeln werden, weil andere sich rüpelhaft benehmen. Wir verändern die Welt, vor allem wenn wir bereit sind mehr zu geben als wir bekommen...

L.        Und das möchtest du den Konfirmanden mitgeben?

A.        Ja, auf jeden Fall und immer wieder!, und den Eltern und allen anderen auch. Denn das steckt da ja drin! Und es ist auch in der Pfingstgeschichte enthalten, - es ist das was wir an Pfingsten feiern!

L.    Wie meinst du das?

A.      Dass wir gemeinsam an diese Kraft zum Guten glauben, wir uns gegenseitig damit anstecken und uns davon bewegen lassen... Wir auch mal Feuer und Flamme sind, und ganz aus dem Häuschen...

L.    Das ist Pfingsten? (Zweifelnd...)Da warte ich aber noch drauf...

A.        Ein bisschen Heiliger Geist ist aber immer da! Bei unseren Konfirmanden ganz sicher! Oder siehst du das anders?

L.        Naja, das mit dem Heiligen Geist ist doch auch so unkonkret. Die Geschichte habe ich nie so richtig verstanden. Was soll das heißen: Es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer? Brannte denen der Schädel?

A.        An der Stelle muss ich auch ein bisschen passen. Keine Ahnung, was damit gemeint ist, vielleicht ist es ein Bild: Sie hatten Feuer gefangen, waren entflammt und trauten sich was. Schon auch ein bisschen im Rausch. - Sprichst du eigentlich eine Fremdsprache, Lena?

L.          Du meinst außer ,Deutsch‘? Naja, in der Schule hatte ich Englisch und Französisch. Aber ich muss zugeben, ich bin überhaupt kein Sprachgenie. Was glaubst du, warum ich mein freiwilliges Jahr in Wasbek verbringen wollte und nicht in Australien....

A.     Könntest du fremden Menschen auf Englisch eine Jesusgeschichte nacherzählen.

L.          Ich glaub nicht, das muss ich üben, dazu fehlen mir die Vokabeln, und wohl auch etwas der Mut.

A.        Könntest du denn mit eigenen Worten und ein bisschen jugendgemäß deine Lieblingsgeschichte nacherzählen, gerne auch unkonventionell, schnodderig überdreht und übertrieben (so wie Jonna als verlorener Sohn)?

L.     Das krieg ich auf jeden Fall leichter hin!

A.        Ich sag es mal so: Pfingsten ist dies Erlebnis, dass wir auf jeden Fall mehr als nur eine Sprache sprechen! Dass wir uns was zu sagen haben und den Mut es auch zu tun.... Nennen wir es ruhig die Sprache des Glaubens, weil wir ja Worte haben für die tieferen Wahrheiten!

L.        Welche zum Beispiel?

A.        ...dass nicht alles nur Zufall ist, sondern gewollt und geschaffen, - dass nie alles verloren ist, sondern bewahrt, - dass wir beschenkt sind, aber auch Verantwortung haben. Wir begegnen uns in dieser Welt der Worte, können uns schöne Geschichte erzählen, aus denen man das immer heraus hört, und dann auch Träume und Hoffnungen. „Eure Söhne und Töchter sollen weissagen!“ hieß es - (zu den Konfis) DAS SEID IHR!

L.        Dann feiern wir Pfingsten vor allem uns selbst. Das hab ich schon mal gehört: Pfingsten ist der „Geburtstag der Kirche“, so‘ne Art Gründungsfest. Die Jünger halten auch ohne Jesus zusammen....

A.     Zusammenhalten schon, aber das mit dem „Geburtstag“ gefällt mir nicht so, weil wir eben nicht nur uns selbst in den Mittelpunkt stellen, wie toll wir sind, wie stark und überzeugend. Das läuft auf Eigenlob hinaus und ist schnell peinlich. Ich möchte eher sagen, dass Gott uns mutig macht, miteinander zu reden. Was uns bestärkt und bestätigt, dass fliegt uns ja manchmal auch zu. Du machst den ersten Schritt und merkst, da tut sich gar nicht der Boden auf und du versinkst, sondern er trägt und es geht gut voran. Wenn du die Sprache eines anderen absolut nicht sprichst, merkst du doch auch, ob was ankommt, ob man miteinander freundlich ist. Du merkst es an der Stimme, dem Gesichtsausdruck, der Körpersprache, den Gesten.

L.    Aber manchmal liegt man doch auch voll daneben. Es hieß: die haben erst gedacht, die sind voll und besoffen.

A.     Ja, ein Risiko ist dabei. Aber der Punkt ist doch, dies zu erleben, dass man nicht immer nur aneinander vorbei redet, sondern wir in dem, was andere von sich preisgeben, Gott wiederfinden.

L.        Dann sollten wir den Konfis viele Worte wünschen, und Mut sie zu gebrauchen.

A.     Ja, den Mut zu reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist.

L.        Dann musst du aber auch mal den Schnabel halten.

A.        Okay

L.        Wofür wir heute den Mund aufmachen, das wird Gottes Geist auch in sie schon hineinlegen, - hat er schon.

A.     Also bestärken wir sie darin und wollen ihnen öfter zuhören. Wünschen wir ihnen Gelingen!

L.    Gottes Segen

A. Ja! und Amen.