Foto von aufgeschlagenen Büchern

Traupredigt über Epheser 4,32

Prädikant Dr. rer. nat. Helmut Wehlan

16.07.2016 Pfarrkirche zum heiligen Erzengel Michael in Sibratsgfäll (Österreich)

Trauung

Gottesdienst zur Eheschließung

 

Ablauf: (P Prädikant, L Lektor, Tz – Trauzeugen – Tz1: und Tz2)

Einzug  #  Eingangsmusik  #  Begrüßung     u.a.:

Liebe Gemeinde und insbesondere: Liebes Brautpaar!  Wir begrüßen euch in unserer Mitte und heißen euch herzlich willkommen zum Gottesdienst zur Eheschließung in der Pfarrkirche zum heiligen Erzengel Michael in A-6952 Sibratsgfäll. – Wir danken der Kirchgemeinde hier in Sibratsgfäll, dass sie eine evangelische Trauung in ihrer Kirche ermöglicht.

Liturgie – u.a. Lieder  /  Psalmgebet

P          Wir beten mit Worten des 36. Psalms, einem Psalm Davids:  #  Tz1 und Tz2 im Wechsel 

P          Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch …

L         Wir hören, was in der Bibel über die Ehe geschrieben steht (L):

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Predigt – Trauansprache zu Epheser 4,32 

Kanzelspruch: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt! Amen.

Liebe Gemeinde, liebes Brautpaar – A. und H.,

der Trauspruch, den ihr ausgesucht habt und der euch euer Leben lang begleiten soll, ist ein Satz aus dem Epheser-Brief im 4.Kap., Vers 32:

"Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus."

 

Der Brief an die Epheser wird als ein Rundschreiben des Apostels Paulus aus seiner ersten Gefangenschaft in Rom an die Gemeinde in Ephesus verstanden. Zuvor hatte er sich drei Jahre in Ephesus aufgehalten und dort die christliche Gemeinde gegründet.

Dass dieser Text – zusammen mit dem Kolosser-Brief – später zu einer "Hausordnung" und der "Gemeindetafel“ geführt hat, liegt ziemlich nahe. Auch die Verwandtschaft mit dem alt-testamentlichen BUCH JESUS SIRACH (Sir 7,20-30) – 200 Jahre davor entstanden – wird als ein Beitrag zur antiken Sittenlehre – verstanden,   mit Aussagen wie diesen: - aus Jesus Sir.:

- Einen bekümmerten Menschen verlache nicht; denn es gibt einen, der erniedrigen und erhöhen kann

- Lass die Weinenden nicht ohne Beistand, sondern traure mit den Trauernden

- und lass nicht nach im Almosengeben

- Streu keine Lügen aus über einen Mitmenschen  # - Und gewöhne dich bloß nicht an die Lüge

- Halte dich nicht für etwas Besseres unter der Masse der Sünder.  #  Soweit aus dem Buch Sirach

Und vor unserem /eurem Trauvers aus dem Epheser-Brief steht im Kap.4:

Liest L:

- Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe

- Wir sollen nicht mehr unmündige Kinder sein, ein Spiel der Wellen, hin und her getrieben von jedem Widerstreit der Meinungen, dem Betrug der Menschen ausgeliefert, der Verschlagenheit, die in die Irre führt 

- Vielmehr wollen wir uns, von der Liebe geleitet, an die Wahrheit halten und darin wachsen

- Lasst euch durch den Zorn nicht hinreißen! – Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen

- Über eure Lippen komme kein böses Wort, sondern nur ein gutes, das den, der es braucht, stärkt und dem, der es hört, Nutzen bringt 

- Jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung und alles Böse verbannt aus eurer Mitte!

- dann euer Vers: Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander

 

P: Und nach eurem Vers steht:

Eph. 5,1+2: Ihr seid doch Gottes geliebte Kinder. Euer ganzes Leben soll von der Liebe bestimmt sein.

Denkt daran, wie Christus uns geliebt hat.  #  Soweit der Epheser-Brief  # 

 

Solche Texte gehören zu den ältesten Sozialordnungen des Christentums.  Sie nehmen – so heißt es unter Historikern –  innerhalb der antiken Ethik  eine  "humanisierende " Position  ein (1983 K.Müller*).

 

Liebes Brautpaar:

Ihr seid doch Gottes geliebte Kinder – haben wir eben gehört: Euer ganzes Leben soll von der Liebe bestimmt sein.  - Wirklich ein Spruch zum Beherzigen, ein schöner Vers dazu – und er passt auch nicht nur genau in das christliche Vokabular, sondern – er hat es auch mitgestaltet.

 

Liebe Gemeinde: Für unseren Fall heute:

Wenn wir nun beim ersten Hinhören denken: Alles ziemlich klar, auch dass sie sich lieben, ist nicht zu übersehen. Und schließlich sind sie kein unverhofftes Paar, an das wir uns erst gewöhnen müssten – im Gegenteil: ein jahrelang uns bekanntes und uns vertrautes.

 

Liebes Brautpaar: Zu eurem Vers -

Die Wirkung der Paulus-Briefe auf die schnelle Ausbreitung des Christentums im Römischen Reich in der Folgezeit kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Das Verhalten der christlichen Gemeinden und ihr Vorbildcharakter ist überliefert mit den Worten von Außenstehenden, in denen es heißt: "Seht, wie sie einander lieben". ***

Und nicht (zu) vergessen: Der Eiferer für die Sache Christi, dieser Apostel Paulus, war ja ehedem ein Christen-Hasser, der damals – vor dem Damaskus-Ereignis – noch Saulus hieß, einer, der das Christus-Geschehen nicht wahrhaben wollte und der die Gemeinde verfolgt hat.

Nun ist er Mitbegründer einer neuen Gemeinschaft – einer, in der die Liebe zum Dreh- und Angelpunkt wird. – Das ist eine neue Weltsicht. – Eine mit Liebe - als zentralem Anliegen.

 

– Aber Liebe, was ist denn das ?

Wir alle hier haben sofort Assoziationen bei diesem Wort. – Unsere Sprache ist zu arm, um die verschiedenen Ebenen auseinander zu halten.

Zurecht meinen wir in erster Linie die Anziehung zwischen Mann und Frau – die kennen wir seit Adam und Eva und wissen, dass sie eine wunderbare Gabe Gottes ist. Wir kennen auch die "Verliebtheit", auch mit ihren Auswüchsen (Amantes – amentes: "Verliebte sind Verrückte.").

Doch in anderen Fällen ist es jedes Mal etwas anderes: Die Liebe zu dem einen einzigen Menschen. Schon unterschieden ist die Liebe zu Eltern, zu Geschwistern, zu Verwandten.

Eine ganz andere Kategorie aber ist etwa die Liebe zum Beruf oder zu einem Verein. – Und dennoch: Das sind Fälle, in denen der Liebende etwas zurück erwarten darf.

Das kann er in anderen Fällen nicht:  Bei der Liebe zu allen Lebewesen oder zur Natur; schon gar nicht bei materiellen Dingen (wie der Liebe zum Auto (als liebstem Kind), auch nicht bei der Liebe zum Vaterland (die uns mit dem 2.Weltkrieg ziemlich abhanden gekommen ist).

Wenn wir hier nun gerade Liebe abhandeln, dann darf eine sachgemäße "Definition" nicht fehlen; sie heißt laut Brockhaus: … "die mit der menschlichen Existenz gegebene Fähigkeit, eine intensive gefühlsmäßige,  v.a.  positiv erlebte Beziehung zu einem Menschen zu entwickeln."

Na gut. – Nun wissen wir, wie Liebe definiert wird. Und –

Und die Naturwissenschaften?

– Da hören wir,  noch vereinzelt:  Liebe ist Biochemie – hat mit Hormonen zu tun. (heute sind ja hier überproportional viele Chemiker vertreten) – "Schmetterlinge im Bauch"? – ach was!  – da überschwemmt der Botenstoff Dopamin (ein relativ schlichtes Molekül: ein Hydroxy-phenyl-amin) – überschwemmt Dopamin also das Gehirn # bei romantischer Bindung ist es Oxytocin (ein schon komplexeres Molekül aus 9 Aminosäuren) – das "Kuschelhormon" genannt (das ins Blut ausgeschüttet wird). – Dann sieht die Zukunft so aus: Also – Vor dem ersten Kennenlernen eine Oxytocin-Tablette einnehmen –  Zuneigung da.  #  Warten wir ab. – Es ist schon viel Unsinn vorhergesagt worden.

Der dt. Philosoph Richard David Precht hat ein Buch geschrieben mit dem Titel: "Liebe - Ein unordentliches Gefühl" – "Liebe - Alles nur Chemie?" und will uns darin die Chemie-Theorie der Liebe erklären. – Gönnen wir ihm seine Auftritte.** -

Aber was Paulus über die Liebe zu sagen hat, ist – so meine ich – aufschlussreicher.

Große Reden halten, über die Zukunft sich äußern– wie wir es immer wieder hören, vom Club of Rome bis zu den Klimakatastrophen-Vorhersagen – Prophete rechts, Prophete links: – reicht nicht, sagt Paulus.

Denn er hat uns das "Hohelied der Liebe", das christliche, beigebracht (Kor.13,4ff):

L liest:

"Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört niemals auf".

So hoch also schätzt Paulus die Liebe ein. – 

 

Liebes Brautpaar:

Das ist die Liebe, die zuerst nach dem anderen fragt, die, zu der auch Verantwortung und Treue tritt. Die Liebe, die den anderen und sich selbst ganz gelassen sehen kann und die dann Verständnis hat und Geduld, "behutsam ist" und hilft und schließlich Vergebung bereit hat. –

Wir wünschen euch solch eine Liebe, solch eine, die trägt.

In seiner ersten Enzyklika hatte Papst Benedikt XVI. 2007 ein Anliegen christlichen Denkens zur Sprache gebracht und sie genannt: "Deus caritas est" – Gott ist Liebe. Das ist aus dem 1.Joh.-Brief (4,16), und dort heißt es weiter: Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.  # D.h.: Gott ist da, wo wir Liebe üben. Er leidet da mit, wo wir Menschen die Liebe versäumen und wird dort mitgeschunden, wo die Liebe Fußtritte empfängt.

 

Liebes Brautpaar: Zur Ehe:

In der kath. Kirche ist sie ein Sakrament. – Die Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon haben lange darüber nachgedacht und dann doch entschieden, es bei zwei Sakramenten zu belassen, der Taufe und dem Abendmahl.

 

Als ich in eurem Alter war, machte ein dt. Historiker und Publizist von sich reden, der die Nazi-Zeit in England zugebracht hatte – Sebastian Haffner (1907-1999). Der hat sich auch als Vorher-Sager in Sachen "Ehe" bemüht und von sich gegeben: "Liebe wird zunehmen – Ehe wird abnehmen." – Naja, welche Sorte Liebe? – Aber Ehe auf dem absteigenden Ast – damit hat er Recht behalten. 

Ihr Lieben: Was nun das praktische Leben angeht:

Als Eheleute habt ihr nur noch einen Topf, eine Ehre, vielleicht auch nur ein Konto, aber auf jeden Fall: nur ein – Zeitkonto. Die Zeit vergeht für euch nur noch gemeinsam, sie geht ab von einem Konto.

Dass jeder für sich auch seine eigene Ecke braucht, versteht sich. Auch Eheleute bleiben ja Individuen, Einzelwesen.

Was sie zusammen haben, ist eine gemeinsame Schnittmenge (dieser Ausdruck ist uns geläufig aus der Politik, im Zusammenhang mit der großen Koalition) – eine gemeinsame Schnittmenge, aber jeder behält eine Teilmenge ganz für sich.  (Ich glaube, Ehe ist schon so etwas wie eine große Koalition).  

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Ein trauriges Kapitel, das nun aber auch zu unserem Leben gehört: Die hohen Scheidungsraten. Viele Meinungsforscher schieben sie darauf, dass die jetzige Generation sich in ihren Erwartungen heillos überfordert: Meine Ehe muss vollkommen sein –  und glücklich, mein Partner muss mich ganz erfüllen, ich muss im Beruf absolut aufgehen. – Ein solches Leben ist beherrscht vom Imperativ: Ich muss, Du musst.

Und was ist mit dem Glücklichwerden? Die Antwort heißt: Wenn beide das neue Ziel fest im Auge haben – ist das Glück die Beigabe. Es stellt sich nebenbei ein. Es ist eine alte Erfahrung: Immer da, wo wir uns direkt auf das Glück stürzen, entzieht es sich uns. "Die Jagd nach dem Glück verjagt  es auch  schon", hat der österreichische Psychologe Viktor Frankl (1905-1997) gesagt. Es ist so, als ob wir den Regenbogen erreichen wollten. Er weicht vor uns zurück. Wir hetzen vergeblich hinter ihm her und verpassen dabei den schönen Anblick.

 

Aber ihr beide wisst es ja: Das Leben ist nicht vollkommen, denn wir leben, wie Paulus uns ins Stammbuch schreibt: noch nicht im Himmel, sondern   "jenseits von Eden" --  auf der Erde.

 

                  evtl. streichen bis Liebe Gemeinde – kann zu lang werden 

Untersuchungen von Meinungsforschern zeigen weiter, dass sich ca. ein Drittel der Bevölkerung eine Ehe auf eine bestimmte Zeit vorstellen kann. – Tatsächlich ? – Das entspricht unserem menschlichen Verlangen,  selbst Macher unseres Lebens zu sein, die  Unwägbarkeiten in den Griff zu kriegen und das  Risiko des Scheiterns so weit als möglich auszuschalten. – D.h: ohne Gott auskommen zu wollen.

Die Gemeinschaften von Lebenspartnern nennen sich oft genug schon Lebensabschnittspartner, statt Lebensgefährten also Lebensabschnittsgefährten.

Das alles muss euch, liebes Brautpaar, nichts angehen. Dass Ehe kein Selbstläufer ist, wisst ihr selbst.

Zurück aber noch einmal zu Paulus und zu einem verwandten Wort aus dem Gal.brief.:

"Ihr seid zur Freiheit berufen. So diene einer dem anderen durch die Liebe" (Gal.5,13-14).

"Freiheit", -- neben "Liebe" noch eine von den zentralen Vokabeln.

Freiheit, das ist eines der großen Worte -- nicht nur des Liberalismus, sondern erst recht des christlichen Glaubens und besonders in seiner protestantischen Fassung. Was Martin Luther in Sachen Freiheit wieder neu entdeckt hatte, und zwar an dem besagten Apostel Paulus, das brachte ihn letztlich dazu, mit seinem Leben als Mönch zu brechen und sich ganz und gar auf die Welt einzulassen.

 

Liebe Gemeinde,

wir wissen ja alle aber auch, dass es durchaus gelungene Ehen gibt (aus der griech. Antike: Philemon und Baucis – diese beiden gemeinsam alt gewordenen, die sich der Sage nach als Lohn für eine gute Tat gewünscht hatten, gemeinsam sterben zu dürfen). Es gibt auch heutzutage gelungene Ehen -- einfach deshalb, weil es immer Menschen gegeben hat und bis heute gibt, die in ihrer Ehe die Freiheit  von-einander bewahrt haben – und gerade darum immer wieder die Freiheit  zu-einander finden.

Zu dieser doppelten Freiheit seid ihr, liebe A. und lieber H., berufen: zur Freiheit  von-einander und zur Freiheit  zu-einander.

Abschließend lasst euch sagen – und bestimmt wisst ihr das auch: Eine Garantie für ein Gelingen von Ehe kann niemand abgeben, weil es sie einfach nicht gibt – wohl aber gibt es die Absicht und den Willen, eine Ehe durchzustehen. -

Wir wissen, dass ihr euch beide haben wolltet. Und wir sind heute hier, euch darin zu unterstützen und zu ermutigen, für immer beieinander zu bleiben.

Was also können wir, was könnt ihr tun?

Nehmen wir unseren guten alten Reformator zu Hilfe, den Doktor Martin Luther – und nun, mit ihm, wird es ganz poetisch bei der Frage, was Eheleute füreinander tun können, denn er antwortet: --

-- "Sie sollen zusehen, wie  eins  das  andere  mit sich  in den Himmel ziehe."

 

Dazu möchten wir eigentlich sagen: Ja und Amen.

– Das wollen wir aber hier unseren kath. Schwestern und Brüdern nicht zumuten und verweisen auf einen anderen Martin – den Martin Luther King, diesen amerikanischen Pastor und Bürgerrechtler, der 1968 in Memphis, Tennessee, erschossen wurde  und der in der jüngsten Veröffentlichung von Papst Franziskus im April 2016 – also neulich – mit einem langen Zitat gewürdigt worden ist.

In seinem Apostolischen Schreiben "Amoris Laetitia“ über die "Freude der Liebe“ zitiert ihn Papst Franziskus als Beispiel dafür, wie Feindschaft überwunden soll und Liebe zur wahren Macht werden kann. So heißt es darin:

"Erinnern wir uns an die goldene Regel: »Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen« (Mt. 7,12). Diese Regel weist uns in eine klare Richtung. Behandeln wir die anderen mit derselben Hingabe und demselben Mitgefühl, mit dem wir behandelt werden möchten! –  Denn: (Wort für Wort)

"Der Maßstab, den wir an die anderen legen, wird der Maßstab sein, mit dem die Zeit uns messen wird.“ – Soweit Papst Franziskus. Das würdigt der Papst und das will er auch in seiner Enzyklika ausgedrückt sehen.

Und unter den Ratschlägen des Papstes für eine gute Ehe findet sich tatsächlich doch auch euer Trauspruch, denn es ist wörtlich ausgeführt unter dem Punkt "Vergebung":

"Eine Vergebung, die sich auf eine positive Haltung gründet, die versucht, die Schwäche des anderen zu verstehen, und danach trachtet, Entschuldigungen für den anderen Menschen zu suchen". – Und weiter:

Sie – die Vergebung – verlange – wörtlich: "eine hochherzige Bereitschaft jedes Einzelnen zum Verstehen, zur Toleranz, zum Verzeihen, zur Versöhnung." – Papst-Zitat Ende.  # 

 

Da bleibt uns nun wirklich nur zu sagen: Ja und Amen.

 

 

 

Falls jemand nachfragen sollte:

* Beide Texte stellen die ältesten erreichbaren, explizit häuslichen Sozialordnungen des Christentums dar. Sie nehmen innerhalb der antiken Ethik eine humanisierende Mittelposition (Müller) ein.

Müller, K., 1983, Die Haustafel

 

** Richard David Precht: "Liebe - Ein unordentliches Gefühl" # Malte Dahlgrün, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin, bezeichnete das Buch in einem Verriss in der Süddeutschen Zeitung als „pseudowissenschaftliche Blamage“. Precht habe die von ihm kritisierten Theorien aus der Evolutionsbiologie und der evolutionären Psychologie „nicht einmal ansatzweise verstanden“. Er attestiert ihm weiterhin „Falschaussagen“ und „Halblügen“.[3][4]

 

*** Dass solche Liebe in der Gesellschaft auffällig war, bezeugt Tertullian (150-230) im zweiten christlichen Jahrhundert, wenn er erzählt, dass die Heiden sagten: „Seht, wie sie einander lieben.“

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Dazu kommt das christliche Liebes-Gebot: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst (Mt.22,39). -- Damit und mit einfachen Worten des Briefes an die Galater bringt Paulus auf den Punkt, was gewissermaßen als das "Grundgesetz des christlichen Lebens" bezeichnet worden ist:

"Ihr seid zur Freiheit berufen. So diene einer dem anderen durch die Liebe" (Gal.5,13-14).

 

Glaube, Hoffnung, Liebe...doch die Liebe ist die größte unter ihnen. Das ist wahr und gerade in der Ehe. Ohne Liebe fehlt der Zusammenhalt, ohne sie kann ein Paar schwere Jahre nicht überdauern, ohne sie wäre das Zusammenleben fade.

 

Wichtig ist, dem Anderen die Zeit lassen, die er für sich allein braucht und ihn anders sein zu lassen. Der Andere braucht sein Tempo, seine Geschichte, seine Ideen. Im Anderen mich wieder finden und ihn ganz anders sein lassen, das ist eine große Kunst.