Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Hebräer 10,24

Pfarrerin Mechthild Gunkel (ev.)

04.06.2016 Eltville-Erbach

Trauansprache

 

Trauansprache

 

Liebe Frau x, lieber Herr y,

liebe Gemeinde,

 

die 4 hat eine magische Bedeutung in Ihrem Leben, haben Sie mir erzählt. yyyy, Ihr Vorname, hat vier Buchstaben. Nun sind wir heute hier – am 4. Juni. Ihr Sohn z. ist an einem 4. geboren - am 4. August, ist also heute genau 10 Monate alt.  „Wir machen alles an einem 4.“, sagten Sie, lieber Herr y. halb im Scherz. Vielleicht möchten Sie heute beim Fest noch mehr davon erzählen…

Auch in Ihrem Trauspruch kommt die 4 vor – wahrscheinlich ist das Ihnen selbst gar nicht aufgefallen. Sicherlich ist Ihnen das noch gar nicht bewusst. Sie beide – jeder ein Fan von der 4, jeder und jede auf seine oder ihre Weise.

Der Bräutigam stammt hier aus dem Rheingau, ein Heimspiel für Sie sozusagen an diesem Ort, in dieser wunderbaren Weinregion. Die Braut aus der Region um Frankfurt und Darmstadt und dazwischen.  Im Internet haben Sie sich kennengelernt, vor ungefähr 2 Jahren (also die Hälfte von 4) – darum machten Sie kein Geheimnis. Und ziemlich schnell haben Sie gewusst, dass Sie zusammenbleiben möchten. Ganz pragmatisch – aber auch mit einer großen Herzlichkeit haben Sie davon erzählt. Der ist es, die ist es, das war Ihnen beiden ziemlich schnell klar.

Doch jetzt will ich Sie nicht länger auf die Folter spannen, wie das mit der 4 in Ihrem Trauspruch ist. Für jeden von Ihnen beiden ist eine 4 dabei. Und zweimal vier gibt bekanntlich ACHT. „Lasst uns aufeinander Acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken“ (Hebr. 10, 24)

Lasst uns aufeinander achten, lasst uns miteinander vorsichtig sein … so beginnt der Trauspruch. Lasst uns mit Wohlwollen darauf schauen, dass es dem anderen, der anderen gut geht, dass er oder sie sich entfalten kann, nicht eingeengt wird, er / sie wertgeschätzt wird. Dass man zueinander steht, sich nicht gegenseitig im Weg steht.

Und dass es z. und möglichen Geschwistern auch gut geht und er sich wohlfühlt bei Ihnen.

So wie ich Sie kennengelernt habe, ist dies alles gar nichts Neues für Sie. Darüber haben Sie sicherlich lange diskutiert, wie wollen Sie leben, wie wollen Sie Ihre Partnerschaft gestalten, was ist Ihnen wichtig, wie leben Sie Ihre Liebe,  wo ist die jeweilige Grenze…  Dass das Leben nicht ohne Konflikte sein wird, das wissen Sie beide. Wie Sie miteinander streiten, miteinander ringen wollen, wie Sie sich in Ihrer Unterschiedlichkeit achten wollen, das haben Sie lange hin- und hergewälzt, das macht Ihnen beiden keine Angst, das macht Sie eher neugierig darauf, wie Sie beide, wie sich Ihre Familie entwickeln wird. 

„Lasst uns aufeinander Acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken“ (Hebr. 10, 24)

Auch die „guten Werke“, die Verantwortung für unsere Welt, für unsere Mitmenschen und diejenigen, die uns ferne sind, die Sensibilität dafür, dass die Güter dieser Erde nicht unendlich sind und wir dafür verantwortlich sind, was wir unseren Kindern, und deren Kinder überlassen – auch das ist Ihnen ein Anliegen. Gerechtigkeit im Kleinen wie im Großen, das ist Ihnen beiden nicht fremd.  

Ein hoher Anspruch – das dachte ich mir, als Sie mir manches von sich erzählten. „Lasst uns aufeinander Acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken“ (Hebr. 10, 24). Ein hoher Anspruch – das macht auch der von Ihnen gewählte  Trauspruch deutlich.

Lassen Sie los, lassen Sie sich fallen – in die Liebe Gottes. Lassen Sie sich beschenken von Gott, der selbst die Quelle der Liebe ist. Aus dessen Liebe wir leben, und der Sie auf Ihrem gemeinsamen Weg begleiten. Gott wird Ihnen zur Seite stehen. Wenn Sie gleich Gottes Segen empfangen, dann dürfen Sie gewiss sein: Gott wird mit Ihnen mitgehen, Sie beschützen und Sie an guten und schweren Tagen tragen. Darauf dürfen Sie sich fest verlassen.

Da gibt es vier Dinge, die mir wichtig sind. Die Vier – Ihre Zahl:

1. Gott ist und bleibt Ihnen treu. Gottes Treue geht Ihnen voran. Bevor Sie gleich einander die Treue versprechen - hat Gott Ihnen schon zugesagt, dass er Ihnen treu ist. Bevor Sie gleich einander versprechen, dass Sie einander lieben und für einander da sein wollen – sind Sie schon von Gott geliebt. Das finde ich einen wunderbaren Gedanken. Gottes Liebe und Treue gehen Ihnen auf Ihrem Weg voran.

2. Gott hat uns angenommen. Dazu ist er in Jesus für uns geboren, gestorben und auferstanden. Und weil wir nun von Gott angenommen sind, so möge Gott Ihnen auch helfen, einander in Ihrer Verschiedenheit anzunehmen, jeden Tag neu. "Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat!" (Römer 15, 7)

3.  Gott schenkt uns Vergebung. In Jesus hat er unsere Fehler, unsere Schuld, unsere Versäumnisse, unser Selbstbestimmenwollen auf sich genommen. So empfangt Ihr Tag für Tag Gottes Vergebung. Dann aber möge Gott Ihnen auch immer wieder die Kraft und die Bereitschaft geben, einander zu vergeben.

Und als 4.: Gottes Liebe und Treue gehen Ihnen voran und umgeben Ihre Beziehung zueinander. Da kann man sich wirklich fallen lassen, weil man ja getragen wird. 

So – von diesen vier Gedanken her – hört noch einmal den Trauspruch mit der doppelten Vier, der Acht:

„Lasst uns aufeinander Acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken“ (Hebr. 10, 24)

AMEN.