Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Hebräer 13,14

Diakon Dr. theol. Emmerich Beneder (rk)

15.06.2013 in der Pfarre Allerheiligen in Innsbruck

Wir haben hier keine Bleibe (Hebr. 13,14)

Würde uns jetzt ein Fremder beobachten, würde er fragen: „Wer seid ihr? Seid ihr ein abendlicher Leichenzug oder macht ihr einen Abgesang auf die Welt?“ Wir sind weder das eine noch das andere. Wir kommen von Gott und gehen zu Gott. Wir sind Vertreter vieler Religionen und wollen jeden Leichenzug stoppen. Der Geist des Menschen ist unsterblich, macht unsere Würde aus, ist ein Bild von Gott selbst. Der Tod ist die totale Übergabe unseres Lebens an Gott. Daher betete Christus am Kreuz: „Vater, in deine Hände übergebe ich meinen Geist“(Lk 23,46).

Tod – Ende oder Wende?

Der Glaube an ein Fortleben nach dem Tod ist aber nach Umfragen in Europa im Abnehmen. Eine Reihe von Menschen kommt nicht mehr in das Gotteshaus. Aus diesem Grund haben wir uns am Friedhof versammelt. Hierher kann jeder kommen. Wir verlassen die Kirchenmauern und verkünden, dass Gott keinen Menschen aufgibt.

Zugleich bekennen wir, dass auch religiöse Menschen immer Suchende und Fragende sind. Erst im Gehen wird vieles klarer. Erst im Gehen erkennen wir, dass wir geführt werden. Der Tod stellt viele Fragen, aber er gibt keine Antwort. Denn das Geheimnis des Todes ist groß. Es kann mit Worten nicht ausgedrückt werden.

Das Weizenkorn muss sterben, um Frucht zu bringen. Aber das Weizenkorn weiß nicht, wie die Ähre aussieht. Auch wir wissen nicht, wie das Leben nach dem Tod ausschaut. Es übersteigt die Fassungskraft des Verstandes. Weil uns Gott auch im Tode nicht verlässt, lassen wir der Hoffnung Flügel wachsen.

Tod – Heimgang zu Gott

Was ist der Tod im Christentum? Ist er ein Übel? Ist er eine Erlösung? Oder der Heimgang zu Gott? Jesu Tod war ein Heilstod. Er ist für uns gestorben, er hat unseren Schuldschein an sein Kreuz geheftet. So können wir wie der rechte Schächer noch am Todestag im Paradies sein. Wer sich auf Christus einlässt, wird gerecht vor Gott, nicht durch seine Leistung, sondern durch Christi Gnade. Wer auf Christus vertraut, erfährt die Herrlichkeit Gottes, die unsere Seligkeit ist. „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt und ich werde mit meinem (verklärten) Leib Gott schauen“ (vgl. Hiob 19 25f). „Der Herr ist mein Hirt, mir wird nichts mangeln“ (Ps. 23). So wird der Todestag zu einem Geburtstag.

Auch wenn wir im Tod „wie das Wasser ausgegossen sind, unsere Kraft am Ende ist, die Zunge am Gaumen klebt“ (Psalm 22), so fürchten wir nichts. Denn der Stab und der Stock des Guten Hirten führen uns durch den Tod hindurch. Christus führt uns in die ewige Wohnung, die uns von Anbeginn der Welt bereitet ist.

Alle Religionen sagen uns, dass wir nicht im Irdischen aufgehen sollen. Die Welt ist eine Brücke, wir gehen auf ihr hinüber, zu der Heimat, die Gott uns bereitet hat. „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern suchen die zukünftige“ Hebr. 13,14).

Nur wenigen Menschen war bekannt, dass Bischof Reinhold Stecher unzählige Male von seiner Wohnung in Innsbruck aufgebrochen ist, um mitten in der Nacht eine besinnliche Wanderung nach Maria Waldrast zu unternehmen. Das Leben war für ihn eine Wallfahrt zu Gott.

Das ewige Leben hat schon begonnen

Gott will uns an sein Herz ziehen. Daher reicht er uns schon jetzt die Arznei für die Unsterblichkeit. Er sagt mir und jedem von uns: „Fürchte dich nicht. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du gehörst mir. Ich, der Herr, bin dein Gott, dein Retter“ (nach Jes 43,1-3). „Wir wissen, wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, erhalten wir einen festen Bau von Gott, ein ewiges Haus im himmlischen Jerusalem, das nicht von Menschenhand erbaut ist“(2 Kor 5, 1). „Gott hat uns nicht dazu bestimmt, dass wir dem Zorngericht verfallen, sondern dass wir das Heil erlangen durch unseren Herrn Jesus Christus“ (1 Thess. 5,9). Das Herz Jesu wurde für alle Menschen geöffnet. Aus diesem Grund schreibt der Theologe Martin Gutl:

„Wenn Gott uns heimführt aus den Tagen der Wanderschaft, uns heimbringt aus der Dämmerung in sein beglückendes Licht, das wird ein Fest sein. …Wenn Gott uns heimbringt aus den schlaflosen Nächten, aus dem fruchtlosen Reden, aus den verlorenen Stunden, aus der Angst vor dem Tod, aus Kampf und aus Gier, wenn Gott uns heimbringt, das wird ein Fest sein… Ein Fest ohne Ende“.