Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Hebräer 4,14-16

Pfarrer Tim Fink (ev.)

14.02.2016 Evangelische Thomasgemeinde Gießen

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, sei mit uns allen. Amen!

 

Liebe Geschwister,

14 Weil wir denn einen großen Hohepriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis. 15 Denn wir haben nicht einen Hohepriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde. 16 Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.

(Hebr. 4,14-16)

 

[Pause]

 

Ich gehe in die Kirche um zu beten,
nur dafür will ich heute deine Kirche betreten.
Ich will alleine sein mit mir und meiner Wut.
Will fühlen und merken, wie gut die Stille mir tut.

 

Doch anstatt allein zu sein, bist du schon da
Behangen mit priesterlichem Gewand stehst du vorm Altar.
Kein Wort ist von dir zu hören und drehst dich nicht mal um.
Ich steh hinter dir und bleibe stumm.

 

Doch ich will nicht stumm bleiben.
Ich will dir klagen mein ganzes Leiden.
Und so stampfe ich auf und lass endlich alles raus!
Meine Stimme soll ins Wanken bringen dieses Gotteshaus!

 

Nein nicht nur das Haus, sondern auch deinen ruhigen Stand,
denn du interessierst dich ja scheinbar nicht für mich, was ich noch nie so wirklich Verstand.
Denn von dir wird gesagt, dass du die Gnade für jedermann bist.
Aber vielleicht war das ja auch nur eine ach zu fromme List.

 

Und so öffne ich meinen Mund und beginne zu Klagen.
Zu Klagen mit einer Millionen von Fragen:
Warum bliebst du stumm als wir begannen uns zu erschlagen?
Hast du nicht gehört von den Müttern das laute Klagen?

 

Warum hast du weggeblickt, als Menschen sich zu Königen krönten?
Bist du nicht der einzige der gekrönt auf ewig über uns herrschen soll?
Nimmst du eigentlich unsere Gebete und Bitten für voll?
Denn manchmal kommt es mir so vor, als wenn wir diese in den Mülleimer schmeißen könnten.

 

Wo warst du eigentlich damals, als ich deine Hilfe brauchte?
Als ich vor Schmerz und Leid deinen Namen hauchte?
Wo bist du gewesen, als mein Kamerad keinen Ausweg mehr sah?
Und sich selbst – viel zu jung – mit dem Lebensende versah?

 

Warst du da, als seine Mutter bittere Tränen weinte?
Warst du da, als jeder es mit ihr nur besser meinte?
Hast du ihr die Hand gehalten?
Oder hast du nur wie jetzt deinen Mund gehalten?

 

Und wo warst du, als ich hinter dem Sarg meines Vaters ging,
und meine Jugend mir endgültig verging?
Hast du auch nur einmal in der Zeit an mich gedacht?
Oder hast du lieber die Zeit am Himmelsaltar verbracht?

 

Wo warst du, als die Züge ineinander rasten?
Wo war deine Gnade und Barmherzigkeit in diesen Sekunden?
Hättest du diese Züge nicht lenken könne, dass sie sich verpassten?
Oder wolltest du, dass die Angehörigen nun Leiden – für ewig lange Stunden?

 

Und wo warst du, in diesen schrecklichen Kriegen?
Ausgelöst von menschlichen Lügen und Intrigen?
Hast du weggeschaut, als wir sagten was ein Mensch sei oder nicht?
Warum kamst du nicht mit deiner Liebe als helles Licht?

 

Und da gibt es noch etwas was ich nicht begreife?
Warum lässt du unschuldig kleine Kinder sterben?
Hast du nicht gesagt, dass sie das Himmelreich erben?
Oder ist dir das was du damals sagtest eh alles nur das gleiche?

 

Warum lässt du die Menschen verhungern?
Während du damals hunderte mit einem Brot und Fünf Fische speistest?
Oder gehst du neuerdings durch das ganze Leid nur ungern?
Weil du dir neuerdings Lieber Ambrosia und Götterspeise leistest?

 

Du warst damals als Kind im Gottesdienst mein Held!
Weil du die ganze Welt erhältst!
Doch schaue ich auf diese ganze Welt!
So scheint es mir, als wenn dein Altar dir den Blick verstellt.

 

Stimmt es etwa nicht, dass du hast Leiden müssen?
Stimmt es nicht, dass die Nägel hingen in deinen Füßen?
Ist es nicht wahr, dass du den Schmerz gelitten,
Damit wir nie wieder müssen um Gnade bitten?

 

Doch was bleibt, nur wirklich davon?
Anstatt zu dir zu kommen, laufen wir lieber davon!
Denn du stehst nur mit dem Rücken zu uns,
und hältst angeblich Fürbitten für uns.

 

Und so klage ich dir mein ganzes Leid,
bis endlich meine Seele von der ganzen Last befreit.
Das alles war in mir und war mir viel zu viel,
Jetzt stehe ich hinter dir und werde ganz still.

 

[Pause]

 

Und du, du schweigst mich weiter nur an.
Als wenn dein Rücken mich noch wirklich entzücken kann.
Doch gerade als ich mich von dir abwende,
sehe ich deine von Nägeln durchbohrten Hände.

 

Ich werde ganz verlegen und schaue dich an.
Und merke du warst da von Anfang an.
Du hast gesehen wie die ersten Menschen sich erschlugen.
Und wie die Mütter es mit Schmerzen ertrugen.

 

Du hast in ihre Augen geschaut,
und hast trotz all dem an uns Menschen geglaubt.
Du hörtest die ganzen lauten und stillen Klagen.
Du hörtest jede der verzweifelten Fragen.

 

Du sahst als die Menschen sich für Könige hielten,
und mit deiner Erde selbstherrlich spielten.
Du hörst zu bei allen aber Millionen gebeten.
Und siehst wie die Menschen sich von dir alles erbeten.

 

Du drehst dich zu mir hin und ich sehe nicht mehr nur dein Kleid,
sondern auch dein Gesicht gezeichnet vom unendlichen Leid.
Denn du hast jeden Schmerz jedes Menschen aus allen Jahrtausenden ertragen.
Und von dir hörte der Mensch nie ein lautes Klagen.

 

Die Stirn von verachtender Gewalt mit Dornenwunden bedeckt,
lässt Ahnen wie viel Schmerz der Menschen in dir steckt.
Du weißt wie bitterlich Mütter um ihre Kinder sich sorgen.
denn deine Mutter hielt deinen Toten Körper dereinst in ihren Armen geborgen.

 

Dein perfekt weißes Kleid an der Seite von Blut verschmiert,
zeugt davon, wie der Mensch das Leid gebiert.
versucht, verfolgt und gelitten warst du dein Leben lang,
Dein Schrei am Kreuz um Gnade bis heute nie verklang.

 

Du hast auch nach all dem auf uns Menschen geschaut,
Du hast all den Mist gesehen, den wir haben so oft gebaut.
Deine Augen sind von Tausenden von Tränen gefüllt,
weil der Mensch dein Gebot der Liebe bis heut nicht erfüllt.

 

Erst jetzt sehe ich, dass du uns damals nicht alleine ließt,
sondern von oben auf alle Menschen siehst.
Du eilst von deinem Hohen Thron um bei uns zu sein,
In den Momenten wo wir sind ganz allein.

 

Du warst damals zu uns gekommen,
damit wir uns nicht mehr alleine vorkommen.
Seitdem hältst du unsere Hand,
und bist da für jeden Menschen, aus jedem Land.

 

Ich fühl wie all mein Leid und Klagen verstummen,
und aufeinmal höre ich deine Stimme wie ein leises summen.
Da wird mir auf einmal schlagartig klar.
Du warst immer für uns Menschen da.

 

Wir hörten nur deine Stimme nie,
weil unser Lärm ihr nie Raum verlieh.
Ich kann nicht mehr und will mein Leid beenden,
und greife schnell nach deinen verwundeten Händen.

 

Ich flüster dir zu, mir tut all dies leid,
Und du sagst: „Dies geschah vor langer Zeit.
Ich habe gelebt um euch zu verstehen,
und hörte schon immer euer Flehen.

 

Auch wenn ihr nicht immer an mich glaubt,
doch bei all dem Leid, was ich durchlitten,
habe ich für euch den Tod durschritten
Damit ihr merkt, dass Gott auf euer Gutes vertraut.

 

Das Kreuz war Gottes dunkelste Stunde,
da er die Verzweiflung der Menschen erspürte,
und durch seinen Tod die Menschen zum ewigen Leben führte
Drum steh ich am Altar und sprech von der Gnade die Kunde.

 

Drum hab nie Angst zu mir zu kommen,
denn mit meiner Gnade sei sie von dir genommen.
Ich will jeden von euch in meine Arme nehmen,
Um die zu trösten, die sich nach Liebe sehnen.“

 

Und so stehe ich in dieser Kirche um zu beten,
denn dafür habe ich diesen Raum betreten.
Ich steh am Altar mit Gottes Sohn Hand in Hand
und bete mit ihm für Gnade und Liebe in jedem Land.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen!