Foto von aufgeschlagenen Büchern

Traupredigt über Hoheslied 8,6-7

Pfarrerin Katrin Berger (ev.)

10.07.2016 Stiftskirche Levern

Trauung

Hinweis: Namen durch "Frau" und "Mann" anonymisiert.

 

Liebe Frau, lieber Mann, liebe Hochzeitsgemeinde!

Wenn zwei sich verlieben, dann verlieren sie die Welt aus den Augen und sehen nur noch den anderen. In der Stadt vor zwei Jahren zum Beispiel.
Wenn zwei sich verlieben, dann guckt die Welt trotzdem auf die Uhr und sagt: „Wir schließen aber gleich.“

Ach hätten die Ladenbesitzer doch auf die Bibel gehört!

Im Hohelied der Bibel, im 8. Kapitel steht es doch: „Ich beschwöre euch, …, dass ihr die Liebe nicht aufweckt und nicht stört, bis es ihr selbst gefällt.“ (Vers 4)

Vor zwei Jahren in Lübbecke hat das Personal Sie zwar rausgeschmissen, aber Ihre aufflammende Liebe hat das nicht gestört.

Das, was da begann, war nicht so leicht auslöschen, wie das Licht in einem Restaurant.
Wenn Liebe entflammt, dann brennt sie.

Und so sind Sie einfach weitergezogen, weiterspaziert, durch die Stadt, in die Eisdiele, immer weiter, bis auch der letzte Laden sie rauskomplimentierte.
Da waren sechs Stunden vergangen und Ihr Leben war ein anderes.

„Das war das beste Date meines Lebens,“ haben Sie Ihrer Schwester erzählt und es deshalb einfach wiederholt. Sich am nächsten Tag sofort wieder gesehen.

Und fünf Tage später gleich ihre ganze Familie kennengelernt.


Schnell kann es gehen.
Schnell, wenn da Flammen sind und Feuer,
Wärme und Hitze,
Licht und Funken,
Leidenschaft und Liebe.
Schnell standen Sie zusammen im Leben,

waren Sie mit in der Familie,

in ihrem Dorf und ihrem Haus.

 

Weil die Liebe stark war. Und Sie selbst auch.
Ich helfe dir beim Umzug. Juni 2014
Ich zieh bei dir ein. Dezember 2014.
Weil die Chemie stimmt, Moleküle sich verbinden, etwas Neues entsteht, wenn Sie umeinander kreisen.
„Denn Liebe ist stark wie der Tod
und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich.“ (Hoh 8,6b)

So steht es im Lied der Lieder, in Ihrem Trauspruch.

Für Ihre Ehe soll gelten, was da steht:

„Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm.“ (8,6a)

 

Wie ein Siegel lege mich auf dein Herz und in deinen Arm.
Mach es amtlich. Beglaubige, es ist wahr.
Ich liege dir am Herzen und oft im Arm.

„Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich.“ (8,6b)

 

Leidenschaft das heißt – nur du. Nur mit dir. Leben schaffen.

Nur für dich. Nur dich und dich zuerst in schweren Zeiten nicht allein lassen.
Nur du liegst mir so nah am Herz.
Nur du liegst mir so im Arm.

Nur mit dir, all das.
Das Studium, die Selbstständigkeit,
den Alltag mit den vollen Mülleimern,
der Anspannung, den Rückschlägen und den Erfolgen.

 

Nur mit dir, all das.
Den einzig wirklich freien Tag in der Woche verbringen,
dein bester Freund sein und deine beste Freundin,
dein Mann und deine Frau, denn wir passen zusammen.
Wir ergänzen einander: Du pragmatisch rational ich emotional.
Wir können streiten und uns lieben.
Wir passen aufeinander auf, achten uns und achten auf uns
in Levern, in der Türkei, auf Mallorca oder den Seychellen, überall.
Wir passen uns einander an.
Wir sind bereit, wir gehen aufeinander zu.


Nur mit dir, sagt Frau zu Mann.
Nur mit dir, sagt Mann zu Frau.
Ich nehme deinen alten neuen Namen und dieses Haus,
in dem sich die Wünsche deiner Oma erfüllen, die deine geworden sind.


Nur mit dir, all das.
Nur du liegst mir so nah am Herz.
Nur du liegst mir so im Arm.

Ok, vielleicht auch noch EINE andere.
Schöne Hundeschnauze, Laika, immer dabei, mit im Arm, auf der Picknickdecke auf dem Foto von dem Tag, als Sie ihn gefragt haben, im Garten vor einem Jahr. Ihr Hund war sozusagen erste Trauzeugin, Zeugin, dass Sie sich beide das trauen, eine große lange Liebe, eine Familie, Sie zwei zusammen. Laika Ihr Hund – zweite große Liebe und erstes gemeinsames Wesen, um das Sie sich kümmern.

Wer weiß, welche kleinen Wesen Gott ihren Armen noch hinzufügt.

 

Nur mit dir, all das.
Nur wegen dir, all das.
die Hände dreckig machen,
die Füße müde laufen,
vor Glück explodieren.
Mein Herz riskieren,
manchmal auch den Kopf verlieren.

„Leidenschaft ist wie Glut, sie ist feurig und eine Flamme des HERRN so daß auch viele Wasser die Liebe nicht auslöschen und Ströme sie nicht ertränken können,“ steht im Hohelied (8,7) und besingt die Liebe zwischen Menschen.

 

Wir Christinnen und Christen haben Leidenschaft nicht nur von unseren Liebhabern und Geliebten gelernt, sondern auch von Jesus Christus, dem Siegel Gottes Liebe.
In ihm wurde uns Gott der Mensch, den wir gebraucht haben, als es ernst wurde.

Als die Realität des Lebens und des Leids nicht mehr abzustreiten war, hat Jesus hat sich die Hände dreckig gemacht und die Füße müde gelaufen, um bei uns sein, für uns zu sein, für uns und unser Leben einzustehen.
Jesus ist aus Liebe und Leidenschaft für uns gestorben, damit wir glauben:
Liebe ist wirklich so stark wie der Tod.
Leidenschaft ist wirklich unwiderstehlich wie das Totenreich. 

Jesus ist für uns von den Toten auferweckt worden, damit wir hoffen:
Gottes Liebe und Leidenschaft sind stärker als die lebens- und liebesfeindlichen Gesetze dieser Welt.

Denn das heißt: Unsere Liebe und Leidenschaft können auch stärker sein als alles, was unsere Liebe ertränkt und auslöscht.

 

Nur für dich, all das.

Nur wegen dir, all das.

Wenn wir einander die Menschen werden, die wir brauchen, können unsere Liebe und Leidenschaft auch immer wieder aufleben und entflammen, wo vorher nur noch Asche zu sehen war.

Das ist gut zu glauben und zu hoffen für unsere Herzen.

Denn in unseren Herzen sind nicht nur Liebe und Leidenschaft, sondern auch Klugheit.

Unsere Herzen können nicht nur entscheiden, was sie glauben und hoffen, sondern auch was sie tun.

Kluge Herzen wissen, Liebe und Leidenschaft drohen zu erlöschen durch Alltag, durch fehlendes Interesse aneinander und sind gefährdet, ertränkt zu werden, wenn man den anderen für seinen Schwächen zu verachten beginnt.

Kluge Herzen wissen, Liebe und Leidenschaft entflammen neu, wenn man die Stärken des anderen wieder wahrnimmt und durch gemeinsame Zeiten wieder merkt:

Wir passen doch zu einander, du und ich.

Nur du bist, was ich brauche.

 

So hat es einmal angefangen bei Ihnen, mit sechs Stunden in Lübbecke, mit Liebe und Leidenschaft.

So kann es immer wieder neu anfangen und weitergehen, sagt Gottes Liebesgeschichte mit den Menschen.

Dazu gibt er Ihnen Segen.

Und Sie sich Ihren Trauspruch aus dem Lied der Lieder:

„Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm.

Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich. 
Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des HERRN, so daß auch viele Wasser die Liebe nicht auslöschen und Ströme sie nicht ertränken können.“

Amen.