Foto von aufgeschlagenen Büchern

Traupredigt über Jeremia 29,13

Pastor Ulrich Ranck

22.05.2016 St. Georg-Kirche Jevenstedt

Trauung

Einleitung:
Liebes Brautpaar, der Trauspruch, den ihr euch ausgesucht habt, ist. ein klares, verbindliches Versprechen, getragen von ganzen Herzen, vom Suchen und dann vom Finden!.
Wer Gott sucht, wird Gott finden!
Aber es braucht dazu das Herz. Das ganze Herz – nicht mehr, aber auch nicht weniger!
Eure Entscheidung, sich gegenseitig eure Liebe zu versprechen, zeigt: Es braucht nicht hauptsächlich euren Kopf, weil ihr keine Vernunftehe eingehen wollt.
Es braucht heute nicht im Besonderen euren Geist, weil es für euch nicht das wichtigste ist, eine geistreiche Ehe zu führen…
Es braucht euer Herz – am rechten Fleck!
Keine Einschränkung
keine Vorsicht
keine Hintertür.
In eurem Trauspruch ist vom Suchen die Rede und vom Finden, von Menschen aber eben auch von Gott.
Wir nehmen uns heute eure Geschichte zu Herzen und die Nachdenklichkeit, welche Wege manchmal das Leben mit uns gehen kann. Ihr beide habt erzählt, dass ihr euch gefunden habt – ohne zu suchen.
Biographie:
2008 hast Du _____ (Braut) noch in ________ gewohnt und du hattest so viel Arbeit, dass du wenig Zeit hattest – für dich, für alte Freunde…. Aber Du hattest dich bei „News in town!“ im Internet angemeldet….
Und Du ___________ (Bräutigam) hast dort gewohnt und Kontakte gesucht und als Singel zwischen den bekannten Paaren hast du dich bei „News in town“ angemeldet…..
Irgendwie kam über News in Town zu einer Verabredung für eine große Kulturnacht – aber eigentlich hattet ihr euch verpasst, habt ihr erzählt.
Und über das Verpasste Stückchen Zeit seid ihr ins Gespräch
gekommen seid dann über Weihnachtsmärkte geschlendert, habt Kinos
und Museen besucht und es sollte ein unkomplizierter und runder
Kontakt werden, leicht und doch auch einer mit Tiefgang.
Ende Januar _______ habe es dann gefunkt. Ungefähr so, als wenn „ihr
einen Vollkontakt mit einem LKW gehabt hättet“.
Ein romantische Bild!
Das Ziel war anfangs gewesen: etwas zu unternehmen. Aber dann
wurde deutlich: Ihr selbst wurdet „das Unternehmen“. Ihr habt einander
zugehört und euch verstanden… „Die Prinzipien von Mars und Venus
oder Fisch und Fahrrad“ sind euch unvertraut geblieben.
Und zu „Eurem Unternehmen“ gehörte schnell Norddeutschland,
Wasser, Weite Wind – obwohl die Sache mit dem Wind vorher nicht so
bewusst war. Erfrischend mutig für euch Algäuer und Münchner.
Ihr habt nicht gesucht – und wurdet doch gefunden.
Über Deine Frau hast Du erzählt:
hinter harter Schale liegt der weiche Lebenskern, Du liebst Ihre
Fürsorglichkeit, ihr liebevolles Wesen und ihre Wärme in den Augen.
Und das Lachen - das Lachen sei fröhlich und laut! Und du machst bei
deiner Frau die Erfahrung, dich anlehnen zu können und dich zu stärken.
Diese Beziehung sei für Dich „ein starkes Stück“!
Und Du hast von deinem Mann erzählt, dass er zuhört, dass Du das
Gefühl hast genommen werden zu können, wie du eben bist.
Er kann in deine Tiefe blicken, mit Gespür für Kleinigkeiten. Du erzählst,
er hat die Kraft dich aufzufangen, und er ist bereit, viel von sich zu
geben. Und seine Kreativität und seine Aufmerksamkeit dir gegenüber
macht manches leicht und schön…
Ihr habt euch das alles nicht ausgesucht – und habt es doch gefunden
Verkündigung:
Suchen und Finden taucht in eurer Erzählung immer wieder auf… und
nun auch in eurem Trauspruch: So spricht Gott der Herr: „Wenn ihr
mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch
finden lassen.“
Keine halben Sachen!
Nicht: halbherzig bei der Sache sein!
Man sieht nur mit dem Herzen gut, das wesentliche ist für die Augen unsichtbar, heisst es. Und die Bibel sagt: Menschen sehen was vor Augen ist. Gott sieht tiefer. Gott sieht das Herz!
Gott passt nicht in unsere Gedanken. Er passt nicht in unsere Dogmatik. Gott passt auch nicht in unsere Kirchen-Konfession (dies ist eine Überkonfessionelle Eheschließung). Gott passt nicht in unseren Verstand und doch heisst es: Gott wohnt in unserem Herzen.
[nun liegt der Text von Lothar Zenetti zugrunde]
[Menschen,
die aus der Hoffnung leben,
sehen weiter
Menschen,
die aus der Liebe leben,
sehen tiefer.
Menschen,
die aus dem Glauben leben,
sehen alles in einem anderen Licht]
Gott schenke euch ein weites Herz - füreinander - und einen großen, weiten Horizont - so groß, dass Du _____________ (Braut) mit deinen Vorstellungen und mit deinen persönlichen Entwicklungen auch noch nach vielen Jahren der Ehe hineinpasst. So weit, dass dir __________ (Bräutigam), mit deinen Hoffnungen und Wünschen nicht irgendwann einmal zu eng ums Herz wird.
Und in eurer Liebe schenke Gott euch eine besondere Tiefe, dass ihr euch nicht mit den Oberflächen und Masken des Partners/ der Partnerin abgeben müsst. Gott lasse euren Blick immer wieder in die Tiefe gehen, zum „Grund der Dinge“.
Der Mensch sieht was vor Augen ist - Gott aber sieht das Herz – heißt es in der Heiligen Schrift!
In die Tiefe sehen und in die Höhlen des anderen blicken. Um Hilflosigkeiten und Verletzungen wissen, und lernen, sie zu ertragen und sie mit-zu-tragen. Lernen und sich vergewissern, das ihr selbst getragen seid. Nicht nur durch Entscheidung und Willenskraft – sondern, weil ihr nach seinem Segen fragt.
Ihr sollt eurer Liebe „auf den Grund gehen“, so wie Gott euch auf den Grund der Seele geht - und dass ihr mit dem, was ihr findet, behutsam und vorsichtig umgeht:
Um zu lösen, was verhärtet ist
Um zu bewahren, was wertvoll ist
und um zu lassen, was nicht Liebe meint.
Wenn ihr gleich gesegnet werdet, dann wünschen wir euch, dass ihr euch vom Versprechen von Gottes Nähe tragen und berühren lassen könnt.
Der Segen ist mehr als eine Geste.
Segen ist mehr als die gesprochenen Worte.
(Fulbert Stefensky) „Sich segnen lassen kommt einem Sturz in ein Versprechen gleich“.
Offen dafür sein – oder sich bewusst zu öffnen, heißt nicht: Erringen müssen, nicht: leisten müssen, nicht erarbeiten oder verdienen –
nicht einmal
denken
begreifen
verstehen - sondern:
vertrauen,
glauben,
hoffen,
lieben – dass Gott in eurem Leben wunderbare Kraft sein möchte.
Und wenn das liebes Brautpaar, liebe Gäste auch eure Hoffnung und euer Vertrauen ist, dann sagt mit mir zusammen Amen
Amen