Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Jesaja 40,26-31

Wolfgang Kolnsberg (ev)

30.03.2008 in der Ev. Kirche Bad Sassendorf

Quasimodogeniti 2008

Verabschiedung und Einführung von Presbyteriumsmitgliedern

Hier die Predigt hören

 

Aufstehen, Auferstehen, Durchstarten - Gott lebt!

Kanzelgruß und Anrede
Verabschiedung – wir nehmen Abschied im Blick zurück – ohne Zorn?
Einführung – wir fangen neu an mit Blick nach vorn – im Gottvertrau´n?
„Schau nicht zurück!“ – Eine Lebensweisheit über Raum und Zeit hinweg. In den Vätergeschichten, der Geburtsgeschichte Israels, exemplarisch in der Frau Lots: der sehnsüchtige Blick zurück lässt erstarren, nimmt gefangen, verwandelt zur Salzsäule, leblos, bewegungslos. „Don´t look back!“ ist der Titel des Albums der Musikgruppe “Fury in the slaughter-house” in heutiger Zeit.
Stattdessen: “Mutig voran!” Gegen Resignation und Verzagtheit. Lasst das Jammern sein!
Das Ende der Schwarzmalerei titelte der Autor in der  Osterausgabe von UK: „Ostern – Zukunftsangst. Verlustangst. Schwarzmalerei an allen Ecken und Enden. Wir leben auf hohem Niveau, trotzdem herrscht die Miesepetrigkeit vor.“ -  Welches Kraut ist dagegen gewachsen? Die Botschaft der Auferstehung lautet: Wir können die Furcht loslassen.

Was bedeutet das – über den Tag hinaus? – Nach wie vor arbeiten wir an der Kirche mit Zukunft. Auslöser waren die knappen Finanzen und die Aussicht auf weitere Einbußen.
Der Prozess kam in Gang. Wir machten mit: Auf der Suche nach neuen Wegen. Im Blick auf die letzten vier Jahre, unsere letzte gemeinsame Amtszeit im Presbyterium, hatten wir eine gute 1. Halbzeit mit vielen Ideen und neuen Perspektiven auf dem Weg in die Zukunft. Die 2. Halbzeit verlief anders. Die Ausführungen der Ansätze gerieten in die Kritik, auch in die Selbstkritik, ja den Selbstvorwurf: „Wir haben die Menschen nicht mitgenommen.“ Aber war da nicht auch das Beharren im Traditionellen: Es soll alles so bleiben, wie es ist. Die Angst vor neuen Wegen: Lieber das festhalten und weitermachen, was wir kennen!
„Hebet eure Augen in die Höhe und seht!“ - heißt es im Wort zum heutigen Tage aus dem Trostbuch des Jesaja. Es ist gerichtet an die Menschen im Exil an den Wassern von Babylon. Ihnen eröffnet der Prophet eine neue Perspektive, eine neue Sicht der Dinge. Diesen Menschen im Elend mit Grund zum Jammern und Weinen, vielmehr als wir. Vielleicht vergleichbar mit der Situation unserer Väter und Großväter nach dem Krieg. Ihnen sagt der Prophet: Euer Gott ist so groß, so universal, so viel größer als die Götter Eurer Unterdrücker! Er hat Macht über alle Menschen und Gewalten. Er hat Euch nicht im Stich gelassen. Die irdischen Machthaber sind seine Werkzeuge und Spielbälle. HABT MUT! >  Jes 40,26-31....

Und wo ist unser Babylon? Der Ort der Verzagtheit, der Müdigkeit, der Hoffnungslosigkeit, der Erfahrung: „Gott ist tot“ ? Stehen wir immer noch weinend am Grab wie Maria von Magdala? Sind wir bei Karfreitag stehen geblieben? Kein Glaube, keine Hoffnung, keine Liebe mehr? -   „Gut so!  Ja, gut so!“ sage ich. Wo wir am Ende sind, kann Gott anfangen! Dort kann er seine globale, universale Macht demonstrieren. Aufstehen, Auferstehung, Durchstarten mit voller Kraft – Gott lebt! Das ist die Botschaft des Propheten in Babylon. Die Botschaft der Osterzeit: Aufbruch in Gottes Namen. ER ruft heraus aus dem Grab der Klage! ER ist die Stimme Gottes, die Quelle neuer Kraft. Hier wird deutlich, warum auch Abschnitte aus der Bibel Israels sehr wohl mit Ostern und Auferstehung zu tun haben. Sie befreien aus der Todverfallenheit dieser Welt.

Am Sonntag Quasimodogeniti vor genau 50 Jahren hat Pfr. Krunke  - anderthalb Jahre vor seinem Dienstantritt in dieser Gemeinde – vertretungsweise hier gepredigt. Pfr. Johannsen hatte am Sonntag vor Ostern zur Konfirmation über das Jahresthema gepredigt: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit.“ (Wir haben es bei der Goldenen Konfirmation vor 14 Tagen bedacht.) Was vor 50 Jahren in Zeiten des Aufbruchs galt, gilt auch heute – in anderer Weise: Es geht um neue Kraft, nicht um Vertröstung. „Auf den Herrn harren“ ist tätiges Warten auf die Hilfe Gottes. Die überkommenen Strukturen der Volkskirche und der Gemeinden stecken in der Krise – als wären wir im Exil. Was vor 50 Jahren üblich und normal war, ist es heute schon lange nicht mehr. Sich an gegenwärtige kirchliche Strukturen zu klammern, könnte bedeuten, den Anschluss an Gott zu verpassen, ins Exil, ins Abseits zu geraten. Das Richtige wahrzunehmen, ist eine wichtige und schwere Aufgabe für die Zukunft. Befreit zum Leben können wir unsere Wege als Gottes Wege gehen. Wege des Abschieds am Ende eines gemeinsamen Tuns, Wege des Neuen Lebens am Anfang gemeinsamen Tuns. Es waren vor uns Menschen auf diesem Weg. Es werden nach uns Menschen auf diesem Weg sein.

Am heutigen Sonntag wurde mein erstes Taufkind in meiner Lohner Zeit, Ulrich Behrendts, im schwäbischen Herrenberg als Pfarrer eingeführt, feierte seine Investitur, wie es dort heißt. Es sind nur äußere Zeichen dieses Kommens und Gehens, dieser Behütung und Bewahrung durch die Zeiten. Die Formen wandeln sich mit den jeweiligen Menschen in Zeit und Raum. Die Inhalte aber bleiben. Es sind Licht-Geschenke aus der Ewigkeit: Er gibt den Müden Kraft und Stärke, Glaube und Hoffnung, Liebe und Leben ohne Grenzen!
Amen.