Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Joh 15,13

Msgr. Dr. Josef Hernoga (kath.)

31.01.2016 Schwabach

Sehr geehrte Frau Liebe!

Über Dich denken und sprechen wir Menschen sogar mehr als über das Wetter.

Lieder besingen Dein Glück, Gedichte beschreiben Deine Schönheit und Romane erzählen vom Happy End oder Dramen liebender Menschen.

Jeder Mensch sehnt sich, vom ersten bis zum letzten Atemzug, nach Dir, liebe Frau Liebe. Jeder will geliebt werden und andere lieben.

Nichts desto trotz wirst Du, liebe Frau Liebe, oft missverstanden, was zu vielen Tragödien führt. Du wirst oft auf Gefühle beschränkt oder, was ich noch schlimmer finde, auf Sex bzw. Befriedigung der Triebe reduziert. Viele Verliebte schalten bei ihrer Liebes-Euphorie ihren Verstand aus und wirken wie verblendet. Einige begreifen Dich, Liebe, als eine flüchtige Gelegenheit, die man nützen muss. Andere übernehmen keine Verantwortung für Dich und sind Dir untreu. So wird die Liebes-Sehnsucht oft zu einer Sucht.

Gott sei Dank, dass die Mehrheit der Menschen, Dich, Liebe, als Herzensangelegenheit versteht. Und das Herz bezeichnet in der Sprache der Bibel das „Zentrum des Menschen“, den „lebenden Mittelpunkt“. In diesem Sinne bist Du, liebe Liebe, eigentlich eine Haltung des ganzen Menschen; eine Haltung, die das ganze Leben des einzelnen Menschen entscheidend beeinflusst: sein Denken, Wollen, Reden und Handeln.

Das größte Bedürfnis eines Liebenden ist, die/den Geliebte(n) glücklich zu machen. Eine solche Liebe hat uns Jesus Christus vorgelebt: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh 15,13).

Darum wünsche ich Dir, liebe Frau Liebe, dass Du Dich in unserer modernen Welt, in unseren menschlichen Herzen, als „agape“ verwirklichst, als selbstlose Liebe, die andere beglückt und dadurch selbst zum Glück findet. Vor allem aber wünsche ich Dir, dass Du, Liebe, einfach geliebt wirst!

Dein
Josef