Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Johannes 15,14-16a.18-20

Pfarrer em. Heinrich Bücker (kath.)

05.06.2017 Kirche St. Peter, Recklinghausen

Fest des heiligen Bonifatius

Missionsland Deutschland

 

Museen

Jedes Jahr veranstaltet der Staat einen „Tag des offenen Denkmals“. Auch die Kirchengemeinden werden gebeten, an diesem Tag ihre Gotteshäuser für Besucher zu öffnen.

In einem Gesprächskreis sagte ein Pfarrer, er habe den Eindruck, dass unsere Kirchen für viele allenfalls noch als Museen interessant seien, aber nicht mehr als Orte der Gottesbegegnung.

Schließungen, Umwidmungen und Abbrüche von Kirchen tragen dazu bei, dass die kleiner werdende Zahl von Christen in unserem Land sich fragt, ob Kirche bei uns überhaupt noch eine Zukunft hat.

Schon lange vor unserer Zeit sprachen Geistliche davon, dass Deutschland wieder Missionsland sei. Der Jesuit Alfred Delp, Opfer des Nationalsozialis-

mus, sprach 1941 davon. Sein Ordensbruder Ivo Zeiger wiederholte dies auf dem ersten Katholikentag nach dem zweien Weltkrieg im Dom zu Mainz.

 

Mission

Diese Feststellungen sind auch heute noch aktuell: Der christliche Glaube ist bei uns stark zurückgegangen. Vor allem fehlt häufig die Jugend in unseren Kirchen, ganz gleich ob katholisch oder evangelisch.

Das Wort „Missionsland“ enthält aber auch einen Auftrag, nämlich den, Mission zu betreiben. Wir dürfen es nicht bei den Klagen belassen, müssen vielmehr das Wort Jesu im heutigen Evangelium zum Fest des Heiligen Bonifatius hören: „Ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt.“ (Joh 15,16).

 

Missionar Bonifatius

Es hat über 700 Jahre gedauert, bis das Evangelium zu unseren Vorfahren kam. Es gab viele Gründe für die Verzögerung. Einer lag darin, dass die Germanen hartnäckig an ihren Naturreligionen festhielten und für Neues nicht offen waren. Es mag aber auch am Fehlen von Missionaren gelegen haben. Schließlich gehörte viel Mut dazu, den Schritt zu diesen Völkern zu wagen. Bonifatius wagte ihn und ließ sich geisterfüllt aus seiner Heimat England als Missionar zu den Germanen aussenden.

Seine Kunst bestand vor allem darin, die religiösen Bräuche der Germanen nicht einfach zu zerstören, sondern mit christlichen Inhalten zu versehen. Das Fest der Wintersonnenwende im Dezember, wurde zum Fest der neuen Sonne Jesus Christus, den Maria uns geboren hat.

Die verehrte Donareiche ließ er zum Beweis der Ohnmacht der germanischen Götter zwar fällen, baute aber aus dem Holz ein christliches Bethaus.

Viele andere Beispiele zeigen sein kluges Vorgehen.

Er gründete Gemeinden und Klöster. So festigte er den Glauben der Bekehrten für lange Zeit.

Den Märtyrertod konnte er am Ende nicht verhindern. Aber auch der trug zu einer wirkungsvollen Mission bei. Über Verfolgung darf sich ein Jünger Jesu zu keiner Zeit wundern. Jesus hat sie schließlich vorausgesagt: „Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen“ (Joh 15,20).

 

Mission heute

Mission ist schon länger nicht nur Sache von Spezialisten. Missionsgesellschaften allein genügen nicht, um Menschen zu Jüngern Jesu Christi zu machen. Alle Christen sind gesandt, um das Evangelium zu verkünden. Der Mangel an geistlichen Berufen, den wir heute erleben, kann ein Wink des Heiligen Geistes sein, dass wir alle uns auf die Socken machen müssen, um wie Bonifatius die Botschaft vom Heil durch Jesus Christus an die Menschen von heute weiterzugeben. Das Wort Jesu gilt allen Christen: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet allen das Evangelium“ (Mk 16,15). Wir sind nur dann Freundinnen und Freunde Jesu, wenn wir tun, was er uns aufgetragen hat. Wir sind dazu erwählt, die Offenbarung Jesu weiterzugeben. Was Jesus von seinem Vater gehört hat, das hat er seinen Jüngern mitgeteilt, damit sie es weitergeben. Man könnte von einem Kettenbrief Gottes sprechen.

Dabei können wir vom Heiligen dieses Tages lernen, auf die Kultur unserer Zeit zu achten und sie mit christlichen Geist zu füllen. Vielleicht haben wir in den Kirchen schon zu lange an Formen der Verkündigung festgehalten, die heute nicht mehr tragen.  Das Wort vom „Aggiornamento“ , der Anpassung an heutige Verhältnisse, das Papst Johannes XXIII zur Eröffnung des letzten Konzils ausrief, sollte hier wegführend sein.

Wir haben es in der Hand, zu verhindern, dass unsere Kirchen zu Museen werden.

Wenn wir uns für die Gaben des Heiligen Geistes öffnen, dann ist auch heute ein neues Pfingsten möglich. Dann wird Kirche lebendig und Spaltung überwunden. Der Geist Gottes will Einheit. Es ist Zeit, dass wir sie mit seiner Hilfe vorantreiben, 500 Jahre nach der Reformation. Weder Jesus noch Luther wollten die Spaltung der Kirche. Lasst auch uns, Christen aller Konfessionen, nicht länger daran schuldig sein!