Foto von aufgeschlagenen Büchern

Traupredigt über Joh 16,22

Pfarrerin Bettina von Kienle (ev.)

17.05.2014 kath. Nikolauskapelle

Trauung (ökum.)

Liebes Brautpaar,

liebe Festgemeinde,

 

Euer Herz soll sich freuen,

und eure Freude soll niemand von euch nehmen. Joh 16,22

Das ist ein Satz, der fast zu schön scheint, um wahr zu sein.

Denn wir wissen, wie sehr Glück und Freude immer bedroht sind auf dieser unsrer Welt.

Gerade an dem Ort, an dem Sie beide sich kennengelernt haben, ist das bewusster als an anderen Orten hier in Villingen.

In der Kinderklinik in Tannheim, da erfährt man, wie bedroht unser Leben von klein auf ist, durch Krankheit und Tod und wie kostbar jeder Moment der Freude ist, wenn ein Kinderlächeln für einen Augenblick alles andere vergessen lässt.

Dort in der Klinik, machten Sie, Sina Hirneisen, ihr Anerkennungsjahr als Erzieherin

Und Sie, Daniel Maute Ihren Zivildienst.

Und sie waren dabei, als am Weltkindertag am 21.06.2006 den Kindern Freude gemacht wurde, indem Luftballons aufgeblasen wurde.

Sie sagten, die Freude, die man gibt, die bekommt man zurück – manchmal vielleicht in anderer Form.

Doch bei Ihnen beiden stimmt es: Was als Freude für die Kinder geplant war – und es sicher auch war – wurde noch einmal ganz anders zur Freude: da verliebten sich zwei ineinander, die davon vorher gar nichts geahnt haben.

Und es gab noch mehr Freude, aber auch bald die erste Probe für das Glück.

Sina ging für ein Auslandsjahr nach Amerika, in den Staat New York, es gab Kontakt über die Webcam, ein komisches Gefühl war das und es gab einen Besuch in dieser Zeit von Daniel.

Doch die junge Beziehung hielt das aus, nach der Zeit in Amerika zogen Sie beide zusammen in eine Wohnung im Haus der Eltern, die selber neu gebaut hatten.

Sie haben saniert, umgebaut, sich eingerichtet im Jahr 2008 /2009 und seither wohnen Sie dort gemeinsam.

Sie fühlen sich wohl, der Freundeskreis passt, die Eltern von Sina sind nicht zu weit weg – eine Stunde Weg, und jetzt kommt nach sechs Jahren noch ein neuer Schritt:

Wir sagen vor dem Gesetz und vor Gott Ja zueinander, so haben Sie selbst es gesagt.

Ein Schritt, der noch weiter führen soll, in weiteres Glück, auf dass es noch mehr werde.

Euer Herz soll sich freuen und eure Freude soll niemand von euch nehmen.

Jesus sagt das nicht zu Eheleuten.

Er sagt das in den sog. Abschiedsreden an seine Jünger, in denen er seinen Tod vor Augen hat.

Die Freude, die niemand von ihnen, nehmen soll, ist die Freude, wenn man sich jenseits dieser Welt wiedersieht: wenn Christus wiederkommt.

Dann, wenn es keinen Tod und keinen Schmerz, keine Tränen und keine Trauer mehr gibt, dann wird die Freude in der Tat vollkommen sein.

Wie schön, wenn es dieser Freude bereits im Diesseits gäbe!

Eine, die immer bleibt…

So haben Sie beide etwas Jenseitiges zu uns geholt.

Auf der Traumesse wurde die Idee geboren. Da war ein Goldschmied aus der Bodenseegegend.

Der bekam einen besonderen Auftrag – er schmolz in das Gold ihrer Trauringe den Ring von Sinas Großvater ein.

So ist ein Stück unsterblicher Liebe schon jetzt bei Ihnen und erinnert sie an beides:

An die Vergänglichkeit und die Ewigkeit der Liebe:

Euer Herz soll sich freuen und eure Freude soll niemand von euch nehmen.

Amen.