Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Johannes 16,5-13

Pfarrer Helmut Krüger (ev)

12.06.2011 in der Erlöserkirche Mannheim-Seckenheim

Pfingstsonntag 2011

Hier die Predigt hören.

 

 

Mitwirkende:

 

Kantorei der Erlösergemeinde

Leitung Kantor Wolfgang Schaller

 

Posaunenchor der Erlösergemeinde

Leitung Kantor Wolfgang Schaller

 

Orgel

Kantor Wolfgang Schaller

 

Predigt

Helmut Krüger, Pfarrer

 

Liturgie

Claudia Krüger, dipl. rel.päd.

 

Lesung

Bärbel Schwaab, Kirchenälteste

 

 

 

 

 

 

 

Vorspiel

 „Festliche Eröffnung“ – Dieter Wendel

 

Pfingsttext

 

Die sagen,

der Mensch sei ein Wesen aus Fleisch und Blut,

warmherzig,  wehmütig,  schutzbedürftig.

 

Sie übersehen das Wasser,

aus dem er vor allem besteht,

unentflammbar, neutral, geschmacklos.

 

Sie übersehen den Kalk,

der seine Glieder hart macht

und sein Gedächtnis löscht.

 

Bleibt er allein,

hat er die Wahl,

bei aufrechter Haltung

die Fassung zu verlieren,

innerlich zu zerbrechen,

äußerlich zu zerfließen

oder sich zu vergessen.

 

Ecce homo – seht diesen Menschen –

Warmherzig, sanftmütig,

grausam verspottet,

einsam, verraten, getötet.

 

ER sagte,

der Mensch sei ein Wesen aus Geist und Gott

und nannte uns

seine Schwestern und Brüder.

 

 

Quelle: „Jeden Augenblick segnen“, S: 113 Bernd Hebelmann

Lied

EG 229 Kommt mit Gaben und Lobgesang

 

1. Kommt mit Gaben und Lobgesang,

jubelt laut und sagt fröhlich Dank:

Er bricht Brot und reicht uns den Wein

fühlbar will er uns nahe sein.

 

Kehrvers

Erde, atme auf, Wort, nimm deinen Lauf!

Er, der lebt, gebot: Teilt das Brot!

 

2. Christus eint uns und gibt am Heil

seines Mahles uns allen teil,

lehrt uns leben von Gott bejaht.

Wahre Liebe schenkt Wort und Tat.

 

3. Jesus ruft uns. Wir sind erwählt,

Frucht zu bringen, wo Zweifel quält.

Gott, der überall zu uns hält,

gibt uns Wort und Brot für die Welt.

 

 

Votum und Amen

 

Von Gott bejaht sind wir hier.

Menschen aus Fleisch und Blut,

Geist und Gott, Schwestern und Brüder.

 

Wir spüren Gottes Nähe,

atmen auf, kommen zusammen,

teilen Zweifel und Zuversicht.

 

Als seine Gäste feiern wir,

feiern Gottesdienst

im Namen des Vaters und des Sohnes

und des Heiligen Geistes.

                                                         Amen.

Gruß und Antwort

 

Spruch

 

Und so spricht der Herr:

Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist.

Ich nehme das versteinerte Herz aus eurer Brust

und schenke euch ein Herz, das lebt.

Ich will meinen Geist in euch geben

und will solche Leute aus euch machen,

die in meinen Geboten wandeln

und meine Rechte halten und danach tun.

Hesekiel 36, 25f

 

Ehre sei dem Vater

 

Bußgebet

Herr, unser Gott,

so oft leben wir starr,

halten uns stur in selbstgesetzten Grenzen

sehen niemanden und kennen nichts.

Herzensangelegenheiten sind uns fremd

und kühl kalkulierend streben wir selbstgesetzte Ziele an.

 

Daraus entsteht selten etwas Gutes.

Wir werden hart und einsam

und manchmal gehen wir an unseren Erfolgen zugrunde.

 

Das tut uns leid,

und wir bitten dich

um ein neues Herz und einen neuen Geist.

 

Mach aus uns Leute,

die in deinen Geboten wandeln

und deine Rechte halten und danach tun.

 

Erbarm dich über uns.

Kantorei

Kyrie

 

Gnadenzusage

 

Hört den Trost des Evangeliums:

 

Ich will Wasser gießen auf das Durstige

und Ströme auf das Dürre:

ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen

und meinen Segen auf deine Nachkommen.

                                                            Jesaja 44, 3

 

 

Kantorei

Gloria

 

Schriftlesung

 

Die Schriftlesung für den Pfingstsonntag

steht in Apostelgeschichte 2

 

Zum Beginn des Pfingstfestes waren alle Jünger wieder beieinander. Plötzlich kam vom Himmel her ein Brausen wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus.

Zugleich sahen sie etwas wie züngelndes Feuer,

das sich auf jedem Einzelnen von ihnen niederließ.

So wurden sie alle mit dem Heiligen Geist erfüllt

und redeten in fremden Sprachen, jeder so, wie der Geist es ihm eingab.

 

Zum Fest waren viele fromme Juden aus aller Welt nach Jerusalem gekommen. Als sie das Brausen hörten, liefen sie herbei.  Fassungslos hörte jeder die Jünger in seiner eigenen Sprache reden.

 

Bestürzt und ratlos fragte einer den anderen:

"Was soll das bedeuten?"

Einige aber spotteten:

"Die haben doch nur zu viel getrunken!"

 

Da erhob sich Petrus und rief der Menge zu:

 "Hört her, ich will euch erklären, was hier geschieht.

Diese Männer sind nicht betrunken. Es ist ja erst neun Uhr morgens.

Nein, hier erfüllt sich, was Gott durch den Propheten Joel vorausgesagt hat.

 

Bei ihm heißt es: 'In den letzten Tagen, spricht Gott,

will ich die Menschen mit meinem Geist erfüllen.

Eure Söhne und Töchter werden aus göttlicher Eingebung reden,

eure jungen Männer werden Visionen haben

und die alten Männer bedeutungsvolle Träume.

Allen Männern und Frauen, die mir dienen, will ich meinen Geist geben.

 

Hört her, ihr Männer Israels!

Wie ihr alle wisst, hat Jesus von Nazareth in Gottes Auftrag

mitten unter euch mächtige Taten, Zeichen und Wunder gewirkt.

 

Aber Jesus wurde durch Verrat an euch ausgeliefert, und ihr habt ihn ans Kreuz genagelt und umgebracht.

Diesen Jesus hat Gott auferweckt und damit die Macht des Todes gebrochen. Wir alle können es bezeugen.

 

Als die Leute das hörten, waren sie von dieser Botschaft tief betroffen.

Sie fragten Petrus und die anderen Apostel:

"Brüder, was sollen wir tun?"

 

"Kehrt um zu Gott!", forderte Petrus sie auf.

"Jeder von euch soll sich auf den Namen Jesu Christi taufen lassen,

damit euch Gott eure Sünden vergibt und ihr den Heiligen Geist empfangt.

 

Viele Zuhörer glaubten, was Petrus ihnen sagte,

und ließen sich taufen.

 

Etwa dreitausend Menschen wurden an diesem Tag

in die Gemeinde aufgenommen.

 

Kantorei

Veni creator spiritus

 

Glaubensbekenntnis

 

Lied

 

Alle:

Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes,

des Heiligen Geistes empfangen

Kantorei:

Und werdet meine Zeugen sein.

und werdet meine Zeugen sein.

meine Zeugen, meine Zeugen sein.

Alle:

Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes,

des Heiligen Geistes empfangen

 

EG 131 O Heiliger Geist, o heiliger Gott

 

1. O Heiliger Geist, o heiliger Gott,

du Tröster wert in aller Not,

du bist gesandt vons Himmels Thron

von Gott dem Vater und dem Sohn.

O Heiliger Geist, o heiliger Gott!

 

2. O Heiliger Geist, o heiliger Gott,

gib uns die Lieb zu deinem Wort;

zünd an in uns der Liebe Flamm,

danach zu lieben allesamt.

O Heiliger Geist, o heiliger Gott!

 

 

Predigt

 

Unser Predigttext steht in

Johannes 16, 5-13

 

Jesus sagte zu seinen Jüngern:

5 Ich gehe ich zu dem, der mich gesandt hat;

und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin?

6 Doch weil ich das zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer.

 

7 Aber ich sage euch die Wahrheit:

Es ist gut für euch, dass ich weggehe.

Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch.

Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden.

 

8 Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun

über die Sünde

und über die Gerechtigkeit

und über das Gericht;

 

9 über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben;

 

10 über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe

und ihr mich hinfort nicht seht;

 

11 über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist.

 

12 Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen.

13 Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird,

wird er euch in alle Wahrheit leiten.

 

 

Liebe Hörerinnen, liebe Hörer,

liebe Gemeinde,

 

So fröhlich haben wir den Gottesdienst begonnen:

 

„Ihr seid Menschen aus Fleisch und Blut, aber auch aus Geist und Gott, ihr seid Schwestern und Brüder,

 ihr seid Geschwister Christi und ihr seid Kinder Gottes.“

Wir haben vom Aufatmen gesungen, vom Teilen und  vom Ende der Lähmung.

Wir haben uns ermutigt zu  Worten und Taten.

Kein kaltes Herz aus Stein schlägt in uns, sondern als Gottes Geschenk ein Herz, das um Recht und Unrecht weiß, das Anteil nimmt und mitfühlt.

Wir haben in der Pfingstgeschichte von neuer Begeisterung gehört, vom Mut der Jünger Jesu zu neuen und klaren Worten und haben begonnen, den Geburtstag der Kirche zu feiern…

 

Und jetzt das.

 

Ein Abschnitt aus der Bibel, der ganz anders klingt und der einem die Festtagslaune verderben kann.

 

Jesus und seine Jünger waren nach Jerusalem gekommen, um zu feiern.

Passah stand auf der Tagesordnung, ein Fest, das an den Auszug aus Ägypten erinnert, ein Fest,  das für das Ende von Unterdrückung und Fremdbestimmung steht, ein Fest das in die Freiheit und in die Zukunft weist.

 

Und auf einmal, ganz unvermittelt spricht Jesus vom Tod.

 

Plötzlich geht etwas zu Ende - nach Meinung der Jünger

viel zu früh –  ein Abschied steht an. Vielleicht ist noch ist Zeit für letzte Worte,  aber es ist keine Zeit mehr, den Abschied abzuwenden.

 

Wir haben solche Abschiede in unserer Gemeinde in den vergangen Wochen erlebt – mehr als einmal. 

 

 

Abschiede, die nach unserem Empfinden zu früh gekommen sind, ganz plötzlich und unerwartet, Abschiede, die mitten hinein in ganz andere Lebensplanungen gefallen sind. Abschiede, die wehtun, die uns im wahrsten Sinne des Wortes „erschüttern“, weil sie unsere Lebensgrundlagen ins Wanken bringen und Zukunftsplanungen über den Haufen werfen, Abschiede, die das in Frage stellen, was uns bisher als so selbstverständlich und verlässlich erschien, dass wir nicht einmal drüber nachgedacht haben. 

 

Und dann stehen Fragen im Raum: 

Wie soll es weitergehen? Was bleibt? Was kommt?

Ist da noch Platz für Neues? Was wird aus dem Vergangenen?

Ist ‚alles‘ aus und vorbei?

 

„Ich gehe“ sagt Jesus seinen Jüngern, „Ich gehe zurück zu dem, der mich gesandt hat.“

Und für die Jünger ist klar: Das ist das Ende einer Beziehung.

Wir werden ihn nicht mehr sehen, werden nichts Neues mehr mit ihm erleben, können ihn nicht mehr fragen und werden von ihm keine Antworten mehr erhalten.

Wir werden uns unseren Weg selbst suchen und finden müssen…

Dieser Abschied ist - auch das im wahrsten Sinne des Wortes - end-gültig.

 

Und das erfüllt die Jünger mit großer Trauer, wenn nicht sogar mit Verzweiflung.

 

Hätte Jesus nicht einfach schweigen, ihnen das Fest noch unbelastet gönnen können, das Unheil kommt ohnehin früh genug?

 

 

Wir gehen manchmal den Weg des Schweigens.

 

Da verschweigen Angehörige dem Kranken die Diagnose,

da verbirgt eine Kranke wie es wirklich um sie steht.

Man versucht wohlmeinend, sich gegenseitig zu schonen, tauscht merkwürdig Belangloses aus, und lebt  und redet in den letzten wertvollen Augenblicken aneinander vorbei.

 

Jesus geht einen anderen Weg. „Die Wahrheit wird euch frei machen“, lässt der Verfasser des Johannesevangeliums ihn einige Kapitel zuvor sagen - und Jesus hält sich daran.

 

So eröffnet er seinen Jüngern die Chance, Abschied zu nehmen und „letzte Worte“, zu hören, Worte die nur er als Betroffener ihnen sagen kann, weil sie aus dem Mund jedes anderen peinlich und banal, ja sogar verletzend klingen würden.

 

Letzte Worte haben ein besonderes Gewicht.

Sie können belasten, aber auch befreien.

Sie können Zukunft eröffnen, aber auch Zukunft verbauen. 

Sie können uns untröstlich zurücklassen, können aber auch ungemein tröstlich wirken.

 

Bei einer der eingangs erwähnten Beerdigungen – der Verstorbene war erst Mitte 50 – trat die Tochter – ermutigt durch „letzte Worte“ ihres Stiefvaters ans Mikrofon und erzählte liebevoll von ihm.

Sie beklagte seinen frühen Tod, schilderte aber auch, wie viel Lebensklugheit, Weisheit und Lebenskunst sie im Lauf der Jahre von ihm vermittelt bekommen hatte.

Es wurde geschmunzelt, gelächelt und bisweilen sogar gelacht.

Ihre Worte waren traurig und fröhlich zugleich und  sie waren geprägt von der  großen Zuversicht, die ihr Stiefvater auch dann noch lebte, als klar war wie kurz die ihm verbleibende Zeit sein würde – letzte Worte und letzte Taten.

 

Aus meinem Mund hätte vieles von dem, was sie sagte, hohl oder anmaßend geklungen, aber als „letzte Worte“ hatten sie eine große Kraft, weil sie eine große Hoffnung in sich trugen.

 

Auch Jesus gibt seinen Jüngern „letzte Worte“ mit auf ihren weiteren Weg.

„Es ist besser für euch, wenn ich gehe“, lässt er sie wissen, und weil es für die Jünger offensichtlich nicht sehr tröstlich geklungen haben mag, bekräftigt er:

„Es ist wirklich so, es ist die Wahrheit, es ist besser für euch, wenn ich gehe.“

 

„Aber was soll daran schon gut sein?“, die Frage stand dem ein oder anderen der Jünger wohl ins Gesicht geschrieben.

Und vielleicht auch der Widerspruch:

„Es ist doch gut so wie es jetzt ist.

Die Idylle ist perfekt, mehr braucht es nicht.

Wir haben dich, wir haben uns, wir folgen dir, du bist der Lehrer, wir sind deine Schüler,  du bist der Meister, wir sind die Jünger – uns fehlt nichts… was soll da noch besser werden? Wir wollen  nicht mehr, wir wollen nur, dass alles so bleibt wie es jetzt ist.“

 

Aber nun bereitet sie Jesus  auf ihr ganz persönliches Pfingstfest vor:

 

„Es wird einer kommen, der euch an meiner Stelle helfen soll. Er ist unsichtbar, aber dennoch da.

Er wird nicht so bei euch sein, wie ich jetzt noch bei euch bin,

ihr werdet ihn nicht sehen können, aber ihr werdet spüren dass er da ist.

Er wird in euch sein.

Ich werde ihn zu euch senden. Und mit euch zu allen anderen Menschen.“

 

„Und wie werden wir ihn kennen“, fragen sich die Jünger, „oder ihn bemerken, wie werden wir spüren, dass er da ist und dass du mit und  in ihm da bist?“

 

Jesus verliert sich nicht in Einzelheiten.

„Es würde euch jetzt überfordern“, sagt er ihnen,  „aber wenn es so weit ist, werdet ihr es erleben und begreifen.

Wenn ihr getröstet werdet, ist das sein Werk. Wenn euch geholfen wird, hat er seine Hand im Spiel und auch wenn ihr andere tröstet und ihnen helfen könnt.“

 

„Deshalb“, sagt Jesus, „nenne ich  ihn  „den Tröster“,  und „den Helfer  und weil er euch die Augen öffnen wird und ihr dann vieles neu und anders verstehen werdet,  nenne ich ihn auch den „Geist der Wahrheit“.

Er wird zu euch kommen.

Die Traurigkeit und die Angst, die euch jetzt lähmen, werden dann verschwinden und ihr werdet euch „auf – machen“ , euch öffnen für das was er in euch und um euch herum bewirkt.“

 

 

Und dann beschreibt Jesus das Wirken des Geistes Gottes noch einmal mit anderen Worten.

„Er wird euch die Augen öffnen für die Sünde,  für Gottes Gerechtigkeit und für Gottes Gericht.“

Aber er gibt diesen Worten einen ganz anderen Klang als wir es erwarten.

 

Als Sünde benennt er keine einzelnen Taten sondern eine Lebenshaltung, die Gott nichts zutraut, sondern  sich einzig und allein auf das Sichtbare, das Materielle einlässt – den Unglauben.

 

Heute manifestiert er sich in Sätzen wie: „Mit dem Tod ist alles aus“ oder „Ich glaube nur das, was ich sehe“.

Der Unglaube bleibt ausschließlich im Bereich des Beweisbaren.

 

Nur – was ist dann mit der Liebe? Gerade sie entzieht sich allen Versuchen des Beweisens, sie gedeiht dort, wo Menschen einander vertrauen.

„Der Tröster, den ich zu euch sende“, meint Jesus, „wird dafür sorgen, dass Menschen sich „auf“-machen, sich öffnen für die Möglichkeiten eines Lebens das Glauben und Vertrauen mit einschließt.“

Denn wer nicht glaubt, kann auch nicht lieben.

Aber auch umgekehrt wird ein Schuh draus: Wer liebt, glaubt vielleicht mehr als er denkt oder ahnt.

Gottes Geist hilft auch, den verborgenen Glauben zu entdecken.

 

Und dann spricht Jesus von Gottes Gerechtigkeit. „Gottes Geist zeigt euch einen vertrauenswürdigen Gott, einen der zu seinen Worten und zu seinen Zusagen steht, der hängt sein Fähnchen nicht in den Wind hängt.“

 

„Gott ist gerecht“, sagt Jesus, und mit dem Begriff der Gerechtigkeit beschreibt  er - anders als wir es erwarten - eigentlich die Treue Gottes.

Er ändert sich nicht, er bleibt derselbe verlässliche, mit zugewandte Gott, der er schon immer war – ganz egal, was ich auch tue.

 

Bei uns ist das oft anders:

Wir handeln nicht selten nach der Maxime „Wie du mir, so ich dir“

und machen damit unser Verhalten vom Handeln anderer abhängig.

Ich bin nett zu dir, wenn und solange du nett zu mir bist, heißt das dann. 

 

„Gottes Geist lässt euch einen anderen Gott entdecken, einen der sich als gerecht erweist indem er sich selbst treu bleibt - unabhängig davon wie ihr euch verhaltet und unabhängig davon, was geschieht.

Davon könnt ihr ausgehen“, meint Jesus“, „darauf ist Verlass, das  könnt ihr getrost glauben.“

 

Und noch etwas könnt ihr getrost glauben:

 „Der Fürst dieser Welt“ – vielleicht können wir heute auch sagen die Fürsten dieser Welt  - ist schon gerichtet.“

 

„Ganz egal was sie treiben, wie sie euch ängstigen und  verunsichern, sie sind schon gerichtet. Die Macht des Bösen ist nicht grenzenlos, ist nicht für immer, ist nicht end-gültig.

Sondern: Am Ende gilt die Treue Gottes, am Ende bewahrheiten sich die Möglichkeiten des Glaubens, am Ende steht die Herrlichkeit des Gottes, den ich euch mit und in meinem Leben, Reden und Handeln gezeigt habe.“

 

Jesus bleibt bei der Wahrheit, auch wenn sie  weh tut: „Ja, ich gehe zu dem, der mich gesandt hat – und das bedeutet Trennung, Abschied und Schmerz, aber es ist nicht das Ende.

Es ist vielmehr der Anfang von etwas Neuem, Großen, Unbegreiflichen.

Ich gehe, aber der Geist Gottes, der Helfer, der Tröster, der Geist der Wahrheit, er wird neu zu euch kommen – und zu allen Menschen!“

 

 

Noch verstehen die Jünger das nicht, aber am Pfingstfest werden sie es erfahren und begreifen.

Der Helfer und Tröster wird die Türen, hinter denen sie sich verborgen haben, öffnen und sie werden sich „auf“-machen.

 

Der Geist der Wahrheit wird ihnen Gedanken und Worte geben

und sie werden das, was sie erfahren haben, anderen mitteilen.

Sie werden laut werden und öffentlich und das Wunder wird geschehen:

Man wird sie hören und verstehen.

 

Die „letzten Worte“  die sie sich bewahrt haben, werden in ihnen eine ungeahnte Kraft entfalten, werden Menschen bewegen, erfreuen und verändern.

 

Aus Rechtgläubigen werden Menschen, die recht glauben,

aus Ungetrösteten werden Menschen, die ihren Weg getrost gehen.

Der Geist der Wahrheit, der in ihnen und durch sie wirkt, wird

sein Licht und seine Klarheit verbreiten.

Menschen werden mehr sehen und glauben als das was im Bereich ihrer Möglichkeiten liegt. Sie werden unverzagt hoffen, widerspenstig und frei, weil sie wissen, dass etwas anderes „end-“gültig ist, als das was die „Fürsten dieser Welt“ ihnen einreden wollen.

 

Seit jener Zeit hat das Wort – so wie wir es eingangs besungen haben,  immer wieder „seinen Lauf genommen“,

haben Menschen gejubelt und gedankt, miteinander geteilt und gefeiert und im Teilen auf wundersame Weise etwas von der geheimnisvollen Gegenwart  des Gekreuzigten und Auferstandenen in dieser Zeit erfahren:

 

Wir sind Menschen,  nicht nur aus Fleisch und Blut,

sondern auch aus Geist und Gott,

untereinander Brüder und Schwestern,

und miteinander Geschwister Christi und Gottes Kinder.

 

Amen.

 

Lied

Dietrich Buxtehude:  „Nun bitten wir den Heiligen Geist“ Choralvorspiel

EG 124 Nun bitten wir den Heiligen Geist

 

1. Nun bitten wir den Heiligen Geist

um den rechten Glauben allermeist,

dass er uns behüte an unserm Ende,

wenn wir heimfahrn aus diesem Elende.

Kyrieleis.

 

4. Du höchster Tröster in aller Not,

hilf, dass wir nicht fürchten Schand noch Tod,

dass in uns die Sinne nicht verzagen,

wenn der Feind wird das Leben verklagen.

Kyrieleis.

 

 

Dank und Bitten

 

Wir danken dir, guter Gott,

für die vielen Zeichen und Spuren deiner Nähe in unserem Leben.

 

Du hilfst und wir können helfen,

Wir erfahren Trost und wir können trösten.

 

Wo wir Fragen haben und zweifeln,

da gib uns langen Atem auf der Suche nach tragfähigen Antworten.

 

O komm, du Geist der Wahrheit und kehre bei uns ein.

 

Wo wir in alten Mustern feststecken

und uns auf das Sichtbare beschränken,

wo wir der Macht der Liebe nichts halten,

da ermutige uns, dass wir uns immer wieder auf-machen

und den neuen Wegen vertrauen, die du uns weist.

 

O komm, du Geist der Wahrheit und kehre bei uns ein.

 

Wo die Fürsten dieser Welt Menschen das Fürchten lehren,

sie in Abhängigkeit und Fremdbestimmung halten,

sie klein machen und mit Tod und Verderben bedrohen,

da lass Widerstand wachsen, der weiß, dass am Ende etwas anderes gilt.

End-gültig ist das Leben, das du gibst.

 

O komm, du Geist der Wahrheit und kehre bei uns ein.

 

Wo Kirchenfürsten auf Trennung achten,

wo auch bei uns

Ordnung ängstlich über den Frieden gestellt wird,

wo Leben verwaltet, statt gelebt wird,

da gib den Mut zur frei machenden Wahrheit.

 

O komm, du Geist der Wahrheit und kehre bei uns ein.

 

Du bist bei uns und bei allen Menschen guten Willens.

Mit ihnen sehnen wir uns nach Erlösung,

mit ihnen freuen wir uns aber auch schon heute

über die herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.

Wir atmen auf, loben dich

und gehen fröhlich und getrost unsere Wege,

denn du, der Schöpfer alle Lebens,

bist unser Vater und wir sind deine Kinder.

 

So sprechen wir gemeinsam:

 

Vaterunser

 

Friedensgruß

 

 

 

Lied

EG 395 Vertraut den neuen Wegen

 

1. Vertraut den neuen Wegen,

auf die der Herr uns weist,

weil Leben heißt: sich regen,

weil Leben wandern heißt.

Seit leuchtend Gottes Bogen

am hohen Himmel stand,

sind Menschen ausgezogen

in das gelobte Land.

 

2. Vertraut den neuen Wegen

und wandert in die Zeit!

Gott will, dass ihr ein Segen

für seine Erde seid.

Der uns in frühen Zeiten

das Leben eingehaucht,

der wird uns dahin leiten,

wo er uns will und braucht.

 

3. Vertraut den neuen Wegen,

auf die uns Gott gesandt!

Er selbst kommt uns entgegen.

Die Zukunft ist sein Land.

Wer aufbricht, der kann hoffen

in Zeit und Ewigkeit.

Die Tore stehen offen.

Das Land ist hell und weit.

das Heil ihr machen kund.

 

Segen

 

 

Amen.

 

Nachspiel

Gloria (Traugott Fünfgeld)