Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Johannes 16,5-15

Pastor Heinrich Wienbeuker, (ev.-luth.)

04.06.2017 St. Martins Kirche zu Remels

Abschied ist die innigste Form menschlichen Zusammenseins….

Im Abschied verdichtet sich, was im Alltag leicht Gewöhnung wird: Wie tief die Liebe geht, wie sehr sich der andere in Liebe bei dir eingegraben hat…

er bei dir und du bei ihm… inwendig…..

Abschied ist der Moment, in dem die Liebe schmerzt…

in dem die Liebe leidet…

Man sieht sie direkt vor sich… sie im Zug.. er am Bahnsteig… schwer das Herz…weich das Gemüt… . ….Innig, welch ein schönes Wort für einig… für den anderen innen drin, in sich tragen..ihn immer bei sich haben…auf Schritt und Tritt…der andere ist immer dabei

Liebe überwindet Raum und Zeit……sie im Zug

und fährt davon, er am Bahnsteig und schaut ihr nach

und sind sich beide nah und bleiben es…... 

Wenn Liebende sich trennen, dann zumeist aus höherer Notwendigkeit..betrübt… traurig beide…aber ….sie wissen, dass sie sich wiedersehen…und überbrücken die Zeit und die Entfernung mit Telefonaten…. Kurznachrichten… sie skypen in Bild und Ton….

Das macht die Trennung weniger schmerzlich und steigert die Freude auf das Wiedersehen….

Dann wird er wieder am Bahnsteig stehen und sie aus dem Zug steigen... sie werden sich in die Arme schließen….

Auch das Wiedersehen ist eine innige Form menschlichen Zusammenseins….      

Jesus bereitet seine Jünger auf seinen Abschied vor…

und die können das nicht gut hören…

welcher Liebende könnte das …?

„euer Herz ist voller Trauer, weil ich euch gesagt habe,

dass ich zu meinem Vater gehe“,

sagt Jesus seinen Jüngern…

und spricht über seinen bevorstehendes Sterben….

Die schwerste aller menschlichen Aufgaben….

Den geliebten Menschen endgültig gehen zu lassen

allein sich das vorzustellen, erschreckt zutiefst…

macht dich hilflos und schwach….

Wie soll das gehen… ohne ihn?

„3 Jahre ist mein Mann jetzt tot…. Ich komme nicht darüber weg….am liebsten wollte ich zu ihm…“

sagt sie, die Tag um Tag das Grab ihres Mannes besucht.

Das Herz voller Trauer… wie Jesus seinen Jüngern sagt…

sie waren mehr mit ihm unterwegs als mit der Familie….

Jesus näher als Frau und Kind….

Zur Zeit Jesu war das so.. Lehrer und Jünger lebten so…

Lern- und Lebensgemeinschaft

In der ganzen Zeit sind die Jünger mit Jesus zusammen …

so ist ihr Alltag….Wirklich eine enge Lebensgemeinschaft….

Und jetzt stehen sie am Bahnsteig, weil Jesus geht…..

„es ist gut für euch, dass ich weggehe“, sagt Jesus ihnen

und das kein billiger Trost… er meint das so..…..

es ist ja auch gut, wenn unsere Kinder uns Eltern verlassen

und eigene Wege gehen…. uns Eltern so tief inwendig bei sich tragen wie es nur geht und doch eigene Wege gehen.. und selbstständig werden…

und wir Eltern müssen unsere Kinder gehen lassen können… sie auf immer in uns tragen… wie sollte es anders sein? und sie doch eigene Wege gehen lassen…

Von dieser Art muss der Abschied sein, auf den Jesus seine Jünger vorbereitet….

Trennen, um selbstständig zu werden….

Abschied ist die innigste Form menschlichen Zusammenseins….

Im Abschied verdichtet sich, was im Alltag leicht Gewöhnung wird: Wie tief die Liebe geht..

wie sehr sich der andere in Liebe bei dir eingegraben hat…

wie wahrhaftig diese Liebe ist….

Abschied ist ein Test auf die Wahrhaftigkeit der Liebe

er bei dir und du bei ihm… inwendig….

Wir waren hier auf Erden nicht mit Jesus unterwegs…

sind nicht Tag um Tag mit ihm durch die Orte Galiläas gelaufen bis nach Jerusalem….

Haben ihn nicht reden hören und seine Taten nicht erlebt….Nicht seine Liebe leibhaft gespürt….

sind nicht mit glänzenden Augen und pochendem Herzen

neben ihm gelaufen und haben gedacht, könnten wir doch

ein wenig sein so wie er…so voller Liebe zu den Menschen…so barmherzig und überzeugt, dass Richtige zu tun….So dicht in seiner Nähe zu Gott…..so gottvertraut….

wir haben uns auch nicht von ihm verabschieden müssen…

nicht unter seinem Kreuz gestanden, sein Sterben mit erlitten und seinen Tod beweint….

Und tragen Jesus doch inwendig….

Und doch ist er uns innig….sind wir mit ihm einig

und doch lebt Jesus innen drin, haben ihn  immer bei uns

auf Schritt und Tritt…    er …… immer dabei

Liebe überwindet Raum und Zeit……mehr als 2000 Jahre

und Entfernung zwischen Himmel und Erde…

machen der Liebe keine Grenze….

Wie beim schwersten aller Abschiede auch….

Die Liebe hat den Geliebten immer inwendig……

selbst über den Tod hinaus….aber diesen Geliebten haben wir gesehen, gespürt, gehört und geschmeckt…

bei Jesus macht das der Geist….

Es ist ein Phänomen, Jesus zu lieben und sich von Jesus geliebt zu wissen….. es ist ein Phänomen…

Jesus inwendig in sich zu tragen und sich selbst bei Jesus inwendig zu wissen… du bei ihm und er bei dir……

das macht der Geist….

Und der ist Gottes… und also macht es Gott…

und also ist es Gott, der in seinem Geist nach Dir greift…

und dir Jesus innig sein lässt….

Dass Du das kannst: Jesus lieben…das macht sein Geist… der heilige

Ich muss das ja doch noch einmal erzählen: Als Jesus am Kreuz hängt, sind seine Jünger in Panik zurück in ihre Heimatorte,        die verstehen überhaupt nicht, was mit Jesus passiert… das ist große Verständnisnot… wie sollen sie das Reich Gottes verstehen,    wenn ihr Jesus brutal getötet ist?

Ihre Lebens-und Lerngemeinschaft ist aus.. vorbei… tot…

wie bei uns der Glaube manchmal wie tot ist

wie bei uns Jesus unserem Herzen so unendlich fern

und erst der Geist sammelt die Jünger wieder ein…

wie der Geist unseren Glauben wieder belebt…

Frauke hat das Pfingstwunder gelesen… und diese Geisterfahrung ist so….dass die Jünger sagen…

Jesus lebt… im Geist in uns… inwendig… und wir…

unterschiedlich wie wir sind…. Individuen….

Wir sind eins in Christus…. Und dieser Geist Jesu…

der Geist Gottes…der seine Jünger sammelt,

der lebt in dir….

Und reinigt dich …… von all dem,    was nicht Christus ist…. Hass, Bitterkeit, Streitsucht,, befreit dich von all dem, was Christus entgegensteht… Lieblosigkeit.. Geltungssucht… Egoismus und belebt dich, wenn dein Glaube mutlos ist und Zweifel trägt...

durch den Geist begegnest Du Jesus und Jesus dir….

Deinem Herzen wieder nah…. inwendig

Jetzt ist es doch so als würden wir neben ihm gehen

und hoffen, könnte ich doch ein wenig sein so wie er…

so voller Liebe zu den Menschen…so barmherzig

und überzeugt, dass Richtige zu tun….

So dicht in seiner Nähe zu Gott…..so gottvertraut….

Das überhaupt etwas in uns ist, Jesus lieben zu können

über Zeit und Raum hinweg….

Das überhaupt etwas in uns ist, dass uns danach streben lässt, ein wenig mehr so zu sein wie er…  das macht der Geist…. Sein Geist…. Gottes Geist…..

du und ich… ein fortlebender Christus… so will Gott das… so will Gott Dich… und darum zeigt

uns der Geist die Wahrheit… über uns selbst…

wie viel an Liebe uns noch fehlt….

Wie selbstgerecht wir doch sind…und darum arbeitet Jesu Geist in uns… damit wir jesusähnlicher werden….

Gott will es so, dass wir eigenständig unseren Weg gehen

und seinen Christus in uns tragen…

Gott will es so, dass wir selbstständig unser Leben leben

Ich weiß nicht, wie sie das sehen….

Aber…... was nützen alle geistlichen Worte,

wenn uns die Liebe fehlt? Was predigen wir die Gnade Gottes, wenn wir selbstgerecht sind?

Das einzige, was wirklich zählt…. Was wahrhaftig ist: das ist doch die Liebe….

Darum noch einmal Pfingsten und der Hinweis…

auch das Wiedersehen ist eine innige Form menschlichen Zusammenseins….

Am Bahnhof stehen und auf Christus warten… und in der Zeit des Wartens…. Ihn inwendig dabei haben…

Und in der Zeit des Wartens den Geist Jesu in uns wirken lassen, damit wir jesusähnlicher werden…immer einiger mit ihm wie Liebende, die lange zusammen sind….

sich ja auch immer ähnlicher und einiger werden

und wenn sie sich aus höherer Notwendigkeit

trennen müssen,in Liebe aufeinander warten…

in Liebe und mit großer Vorfreude.

Viel.. sehr viel… wäre gewonnen…wenn wir Christus inwendig hätten…wie wir den Geliebten inwendig tragen…Tag um Tag….

Für Gott und die Welt und für unsere Mitmenschen

und für uns selbst wäre viel gewonnen… sehr viel….     

Eigentlich alles…

Amen