Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Johannes 3, 16-18

Pfarrvikar/Pastor Rein Ounapuu (kath.)

10.06.2017 Filialkirche Hl. Dreifaltigkeit in Hämelerwald

Dreifaltigkeitssonntag

Die Bibelstelle ist zu diesem Anlass, wie gehabt, aus dem katholischen Mess-Lektionar, hat aber keinen direkten Einfluss auf Predigttext. In Mittelpunkt steht Dreifaltigkeit als Begriff und die Erklärungsmethode "Edutainment"(zusammengestellt aus Education und Entertainment.)

 

Einführung

Liebe Schwestern und Brüder, warum dreht der Mond sich um die Erde und nicht umgekehrt? Ganz einfach: die Erde ist schwerer als der Mond – und zwar 81 Mal! Könnte man sich aber einen ganz anderen Grund vorstellen, warum die Erde den Mond umkreisen sollte…? Zum Beispiel: der Mond ist so schön, dass die Erde sich von ihm verzaubern lässt und rund um ihn kreist…?

Nun ja, wenn Physik und Poesie sich treffen, führt das meist weder zu guten noch zu schönen Ergebnissen. Wenn wir die genaue Formulierung wörtlichen nehmen, dass die heilige Maria die Gottesmutter ist, würde das bedeuten, dass sie sowohl Gott Vater, Gott Sohn wie auch den Heiligen Geist geboren hat. Folglich wären dann Marias Eltern Joakim und Anna als Großeltern Gottes zu bezeichnen, und wären damit noch größer und wichtiger als alle Obengenannten. Also darf unsere Gottesbeziehung nicht zu poetisch aufgefasst werden, sonst laufen wir Gefahr die Tatsachen falsch zu interpretieren. Wir sprechen...

 

Predigt

Liebe Schwestern und Brüder, heute feiern wir das Dreifaltigkeitsfest. Dreifaltigkeit – hm – wie viele Götter gibt es eigentlich? Warum ausgerechnet drei? Als ich das erste Mal das Wort "Dreifaltigkeit" hörte, dachte ich bei mir: "Dreifaltigkeit - das ist Gott Vater, Gott Sohn und Gott Mutter." - Und worin unterscheiden sich die drei? Gott Vater hat einen grauen Bart, Gott Sohn einen schwarzen Bart und Gott Mutter hat überhaupt keinen Bart. Angesichts des erweiterten Eheverständnisses stellt sich für einen heutigen modernen Theologen allerdings die Frage, ob Gott Mutter wirklich keinen Bart hat…

 

Wer weiß, wie alles im Himmel aussieht, aber wenn wir hier auf Erden an Gott denken, dürfen wir mit der Poesie nicht zu weit gehen und auch nicht mit der menschlichen Vernunft das Göttliche ganz zu verstehen suchen.

 

Denn können drei Personen wirklich das repräsentieren, was wir "Gott" nennen? Gott – unbegrenzt und allmächtig, nicht fassbar in Raum und Zeit - warum sollte er ausgerechnet in seiner Zahl begrenzt sein?

 

Hätte Gott damit ein Problem? Nein, nicht Gott, sondern wir Menschen! Denn unser Verständnis ist begrenzt, und in unserer Welt begegnen wir keinem höheren sichtbaren Lebewesen als uns selbst. Daher sind wir auch nicht in der Lage, uns etwas Höheres vorzustellen. Eine Person steht für einen Menschen, aber Gott ist nicht nur Mensch. Daher können wir nicht prüfen, ob der Begriff "Person" auch nur einen Bruchteil des Wesens Gottes beschreibt.

 

Eines können wir allerdings glauben: Gott hat sich uns in Gestalt der Dreifaltigkeit offenbart. Für uns ist er Vater, der uns geschaffen hat, er ist der Sohn, der Mensch geworden ist und uns durch sein eigenes Vorbild gezeigt hat, was der Himmlische Vater von uns erwartet. Und der Heiliger Geist repräsentiert die unsichtbare Allgegenwart Gottes.

 

Liebe Schwestern und Brüder, an unserer christlichen Religion ist bewundernswert, dass der reine Glaube nicht auf Drohungen, Gewalt und Manipulation setzt. Die Gestalt der Dreifaltigkeit will uns nicht einschüchtern und zu einem bedingungslosen Gehorsam aufrufen, sondern zur Zusammenarbeit mit Gott in einer Welt voller Widersprüche.

 

Wir sind nicht dazu berufen, in blinder Wut als Selbstmordterroristen Andersdenkende in den Tod zu reißen. Gott braucht uns nicht als Krieger, sondern als Mitbewohner seiner Ewigkeit. Unsere Aufgabe besteht darin: möglichst vielen einen Lebensraum zu schaffen - einen Lebensraum für Tiere und Pflanzen und für menschenwürdiges Dasein aller Menschen. Alles andere liegt in der Hand Gottes. Amen.