Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Johannes 4,1-42

Bernd Friedrich, Laienprediger der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK)

27.09.2015 Christuskirche Waiblingen

Jesus und die Samariterin: Gib mir von diesem lebendigen Wasser

 

Liebe Freunde,

Reisen ist eine tolle Sache. Da sieht und erlebt man Dinge, die zwischen Beutelsbach und Bietigheim und zwischen Bittenfeld und Bad Cannstatt einfach nicht vorkommen. Eine andere Welt eben. Und so waren wir im Urlaub vor vier Wochen in Norditalien und bei der Expo 2015 in Milano. Rund 100 Länder haben sich dort präsentiert. Das Thema dieser Weltausstellung lautet: „Feeding the planet –Energy for life.“ Es geht um Nahrung für die Menschen und um Energie für das Leben. Wer Zeit und Lust hat, der kann noch hinfahren bis 31. Oktober und sich einreihen in lange Schlangen – zum Beispiel vor dem deutschen Pavillon: Eines der Themen in diesem Pavillon: „Wasser – Quelle allen Lebens, ein besonders kostbares Gut“, so der Ausstellungsprospekt.

Warum Wasser so kostbar ist, erfahren wir dann im Pavillon von Israel: Nur mit Wasser – genauer gesagt mit Bewässerung - wächst überhaupt etwas. Einst staubig trocknes Land im Nahen Osten wird durch Wasser grün, bringt Blumen und Tomaten hervor. Wir sehen dort: Statt künstlicher Besprengung von oben (so wie wir das manchmal im Sommer in unserem Garten machen), funktioniert es noch besser durch ein Leitung im Boden, mit kleinen Tröpfchen direkt an die Wurzel. Die Idee dahinter ist: Bloß keinen Tropfen des kostbaren Nass‘ verschwenden. Wasser ist Leben. Und damit sind wir schon mitten beim Thema heute: Wasser ist Leben!

1. Jesus überschreitet Grenzen – zu den Menschen

Um Wasser und um Leben geht es bei dieser Begegnung von Jesus mit einer Frau aus Sychar. Jesus macht Rast an einem Brunnen, seine Jünger gehen einkaufen in der nahe gelegenen Stadt. Es ist Mittagszeit. Die Sonne ist heiß. Jesus ist müde von der Reise. Er hat Durst. Er setzt sich am Brunnen hin. Kein Mensch weit und breit. Es ist Zeit für eine „Siesta“. Ist doch klar: Mittags, wenn es heiß ist, da bleibt man zu Hause. Wasser wird morgens geholt oder abends, aber nicht, wenn die Sonne vom Himmel herunterbrezzelt.

Da kommt diese Frau, deren Namen wir nicht kennen. Sie kommt aus der Stadt, die etwa einen Kilometer vom Brunnen entfernt liegt. Sychar ist ein Ort mitten in Samarien. Juden lebten hier nicht, bei diesem Volk mit anderer Kultur und anderem Glauben. Lieber machten die frommen Juden einen Umweg von mehreren Tagen, wenn sie von Judäa nach Galiläa reisten. Lieber nicht den kürzesten Weg nehmen, um nicht mit diesen Leuten in Kontakt zu kommen. Samarien: Nein, danke!.

Die Frau kommt näher. Sie hat einen Eimer dabei. Sie geht zum Brunnen, um Wasser zu holen. Vielleicht hatte jemand das Wasser daheim umgeschüttet. Vielleicht wollte sie aber auch nur niemandem begegnen. Mittags ist man hier allein.

Am Brunnen sieht sie einen Mann sitzen. Er ist nicht von hier. Wohl ein Jude. Vielleicht konnte man dies Jesus an seiner Kleidung ansehen.

Merkwürdig und ungewöhnlich ist diese Begegnung von zwei Menschen, die eigentlich nicht hier sein sollten um diese Zeit. Der eine sollte eigentlich nicht hier sein, weil Juden einen Bogen um dieses Land machen. Und die andere sollte nicht hier sein, weil Siestazeit ist und eine Frau da eigentlich zu Hause bleibt. Darum sind sie hier zu zweit, keine andere Menschenseele weit und breit.

Jesus spricht die Frau an: „Gib mir was zu trinken. Ich hätte gerne einen Schluck Wasser. Kannst du mir etwas davon schöpfen, mit deinem Eimer?“ Die Reaktion der Frau zeigt: Diese Bitte war mindestens genauso ungewöhnlich wie Zeitpunkt und Ort ihres Zusammentreffens. Die samaritische Frau sagt: „Wie bitte?! Ich bin eine Samariterin, und du bist ein Jude. Warum bittest du mich um Wasser?“ Und damit es auch jeder kapiert schreibt Johannes als Berichterstatter es ganz plakativ in sein Evangelium hinein: „Die Juden vermieden jeden Umgang mit Samaritern.“

Diese Samariter hatten einfach den falschen Glauben, eine Sekte, eine andere Kultur. Und was Johannes nicht schreibt aber die Theologen herausgefunden haben ist, ein Mann redet nicht mit einer fremden Frau auf der Straße. Und erst recht macht das nicht ein gläubiger Gelehrter. Ein Rabbi durfte damals auf offener Straße nicht einmal seine eigene Frau oder Tochter ansprechen. Geht gar nicht.

Und dann noch die Geschichte dieser Frau, die Jesus offenbar kannte.  Diese Frau hatte fünf Ehen hinter sich gebracht und lebte unverheiratet mit einem sechsten Mann zusammen. Eine Biografie voller Fragen, Umwege und Widersprüche. Das alles schreit geradezu nach maximalem Abstand, wenn man seine Ehre, Würde und seinen guten Ruf bewahren will. Das schreit geradezu nach stillem Desinteresse und höflicher Distanz. Wie viele Grenzüberschreitungen mutet Jesus sich und anderen eigentlich noch zu?

Mindestens ein „vierter großer Tabubruch“ (so Klaus Douglass) kommt noch hinzu: „Gib mir zu trinken!“, sagt Jesus. Er beginnt ein Gespräch, er bittet um etwas. Du Frau, du weißt was Durst ist. Ich hätte gerne einen Schluck von deinem Wasser. Geht das? Der Rabbi und diese Frau, ganz nah an den elementaren Dingen des Lebens. Wasser als Symbol für alles, was wir benötigen, damit unsere Seele nicht vertrocknet und unser Herz nicht hart wird und unbeweglich.

Ich muss an die vielen Tausend Flüchtlinge denken, die wir in der Tagesschau und in Brennpunkten sehen, am Hauptbahnhof in München und in den Sporthallen unserer Berufsschulzentren. Vielleicht auch hier: Falscher Ort und falsche Zeit. Anderer Glaube, fremde Kultur, eine Sprache, die wir nicht verstehen. Da leben Menschen mit einer Geschichte unter uns, die wir nicht kennen: Ängste, Vertreibung, Flucht.  Hier prallen Welten aufeinander, ein unglaublicher Abstand. Niemals hätten wir uns vorstellen können, dass uns diese Menschen so nahe kommen können, zusammen an einem Ort.

Wenn wir ein bisschen wie Jesus wären, dann müssten wir ein Gespräch beginnen, an der Bushaltestelle oder an der Kasse des Supermarkts. Wenn wir ein bisschen wie Jesus wären, dann könnten wir ruhig den direkten Weg nehmen, den Kontakt suchen, ein Gespräch beginnen:   „Gib mir einen Schluck zu trinken. Erzähl mir, was dich beschäftigt und was du brauchst.“

Und damit bin ich beim ersten Merksatz, was uns diese Geschichte sagt, was Nachfolge Jesu heute konkret bedeuten kann:

Geht ohne Furcht zu den Menschen einer anderen Kultur und eines anderen Glaubens und redet mit ihnen – über den Alltag und über das Leben. Genau so hat es Jesus getan.

2. Jesus schaut hinter die Kulissen

Das Gespräch geht ziemlich lang. Ich habe nicht alles vorgelesen. Und wahrscheinlich ist im Johannesevangelium auch nicht alles aufgeschrieben. Manche Theologen sagen, es ist ein seelsorgerliches Gespräch. Ein Gespräch bei dem Sehnsüchte und letztlich das ganze Leben zur Sprache kommt.

„Wenn du wüsstest“, sagt Jesus, „wer es ist, der dich um einen Becher Wasser bittet, du bätest ihn, und er gäbe dir lebendiges Wasser.“ Die Frau hat keine Ahnung, wer der Fremde ist, der mit ihr redet. Woher sollte sie das auch wissen? Woher sollte sie auch wissen, dass dies der Moment ist, in dem ihr Wahrheit und Zukunft ganz nahe sind?

Manchmal versteht man die entscheidenden Augenblicke des Lebens gar nicht, wenn sie stattfinden. Wie viele Leute gehen regelmäßig in die Kirche, manche arbeiten sogar mit, einfach aus dem Gefühl heraus, dass das wichtig ist und es mehr geben muss als Geld verdienen und Fernsehen gucken. Doch sie kennen Jesus nicht. Wenn sie wüssten!

Die Frau weiß gar nicht, wovon Jesus redet. Es klingt alles wie ein großes Missverständnis. Aber er hat ihr Interesse geweckt. „Lebendiges Wasser“ – das ist ein Ausdruck für frisches Quellwasser. Das ist noch etwas anderes als das Wasser aus dem Brunnen. In dieser wüsten Gegend ist dieser fast 30 Meter tiefe Brunnen von Jakob ein wahres Gottesgeschenk. Das Wasser löscht den Durst, aber es schmeckt auch ein wenig abgestanden und fade. Wie das eben so ist, wenn man sein Wasser aus dem Brunnen der Tradition schöpft.

Und jetzt kam da einer, der behauptet, er hätte Quellwasser zu bieten, mehr als der Stammvater Jakob. Sollte das, was 1800 Jahre lang gut für die Menschen war, nicht mehr gut genug sein? Wer war dieser Mann? War er ein Prophet? Oder gar der verheißene Messias und Retter?

Das Gespräch zwischen Jesus und der Frau ist doppeldeutig. Die Frau redet von realen Wasser. Doch Jesus redet längst über ganz was anderes. Er nimmt den äußeren Anlass auf und spricht über den Durst nach Leben, nach einem Leben, das frisch ist und dauerhaft. Jesus bringt die Frau in Berührung mit ihrem Durst nach Leben.

Und jetzt bin ich bei mir und dir: Wonach sehnen wir uns in unserem Leben wirklich? Was ist wahres Leben, das diesen Namen verdient? Party, Anerkennung, Macht, Geld? Oder eher: Liebe, Geborgenheit, Freiheit, Wahrheit?  Wonach sehnen wir uns? Was befriedigt wirklich und ist nicht nur von kurzer Dauer?

Die Frau aus Sychar versteht kein Wort. Vielleicht ist das auch gar nicht zu verstehen, wenn uns einer unerwartet anspricht auf ein Thema, das nicht auf der Tagesordnung des üblichen Smalltalks steht. Überraschend auch die Aufforderung von Jesus an die Frau, ihren Mann zu holen. Jetzt wird es wirklich ziemlich persönlich oder gar indiskret?

Die Frau hatte eine Biografie, über die man öffentlich eher nicht spricht. Fünf Männer hatte sie gehabt. Dazu müssen wir wissen, dass eine Frau damals überhaupt keine Möglichkeit hatte, sich scheiden zu lassen. Sie wurde begehrt und dann fallen gelassen. Entweder sind ihre Männer gestorben oder weggegangen. Eine traurige Folge von Verlust und Neuanfang, von Seelenschmerz und Lebenskrisen. Jedes Mal stand sie alleine da, ohne Versorgungsausgleich und Versicherung, darauf angewiesen, dass sie wieder einer nimmt, bei dem sie leben kann.

Was ist das für ein Leben? Dieses Auf und Ab, dieses Hoffen und diese Frustration, vielleicht auch mit Schuld und Konflikten und jetzt mit einem Mann, der sie nicht heiratet, sie nur duldet, vielleicht auch ausnutzt.

Jesus hält ihr nicht vor, dass sie so viele Männer hatte. Er erkennt in dieser Frau einen Menschen, der durstig ist nach Leben, hungrig nach Liebe, ein Mensch, der so viele Enttäuschungen im Gepäck mit sich herum trägt, dass sie sich nicht mehr traut, morgens mit den anderen Frauen zum Wasserholen zu kommen. Hier geht es nicht um Moral. Hier geht es um ein Leben, das in der Sackgasse ist. Jesus schaut hinter die Kulissen.

Und damit bin ich beim zweiten Merksatz, was Nachfolge Jesu heute konkret bedeuten kann:

Versucht zu verstehen, was die Menschen wirklich bewegt und umtreibt.  „Small Talk und Tschüss“ reicht nicht. Es geht um mehr. Denkt ganzheitlich. Schaut hinter die Fassade. Genauso hat es Jesus getan

3. Jesus schenkt wirkliches Leben

Und jetzt kommt in diesem Gespräch ein wirklicher Höhepunkt. Jesus sagt: „Bei mir gibt es frisches Quellwasser, das sprudelt für immer und geht niemals aus! Bestes Wasser ohne Ende, immer und ewig!“ Die Frau ergreift die Gelegenheit beim Schopfe und sagt: „Herr, gib mir von diesem lebendigen Wasser. Dann habe ich keinen Durst mehr. Dann muss ich nicht mehr hierher kommen, um Wasser zu schöpfen.“

Nach und nach werden in diesem Gespräch, die tieferen Schichten der Seele freigelegt, all die unbeantworteten Fragen nach dem Sinn des Lebens und dem oft so schwierigen Zusammenleben mit den Menschen, die uns nahe sind. Aus einem Gespräch über Alltagsfragen wird ein Gespräch über Lebensfragen.

An dieser Stelle musste ich an den Psalm 42 denken: „Wie ein Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?“ (Psalm 42, 2-3)

Jeder ahnt, dass es nicht reicht, nur irgendwie seinen Alltag gut zu regeln, dass es mehr geben muss als morgens Stempeluhr und abends ein Pils, als Wohnung aufräumen und einmal im Jahr in den Urlaub, mehr als Maloche und Fete, mehr als mal Was‘n und mal Klinik, mehr als Frust und Rock’n Roll, als Kuss und Crash, als Geburt am Anfang und Abschied am Ende.

Doch was ist Leben? Wirkliches Leben? Ein Leben mit Zukunft? Ein Leben mit Hoffnung? Ein Leben das bleibt? - Und vor allem: Wo und wie bekomme ich es?

Die Antwort ist kurioserweise keine Erkenntnis, keine Theorie, kein Glaubenssatz, keine Religion, keine Pilgerfahrt, keine geistliche Übung – Nichts von alledem.

Die Antwort auf diese Frage hat Johannes – der uns die heutige Geschichte aufgeschrieben hat - an verschiedenen anderen Stellen  explizit und plakativ formuliert – Text 1:

„Jesus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“ (Joh. 11, 25)

oder Text 2:

„Jesus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater (zu Gott), denn durch mich.“ (Joh. 14, 6)

oder Text 3:

„(..) dieses Leben findet sich in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, der hat das Leben.“ (1. Johannes 5, 12)

Das ist die Zumutung des christlichen Glaubens. Eigentlich ist es eine Provokation, schwer verständlich:

Wirkliches Leben gibt es bei Jesus. Im Kontakt mit ihm. Wirkliches Leben ist eine Person. Wenn ich mit ihm verbunden bin, dann reicht sein Leben auch für mich. Jesus ist die Quelle des Lebens, die Chance für einen Neuanfang, die Kraft, die stärker ist als der Tod. Jesus stillt den Durst nach Leben. Er ist die Antwort auf das Woher und Wohin. So sagt es das Neue Testament und Johannes, der das aufgeschrieben hat.

Ich kann die Samariterin gut verstehen. Die Sehnsucht nach Leben kenne ich auch. Aber irgendwie kann ich auch die Missverständnisse verstehen. Die Frau redet über ihren Alltag, über Wasser für ihren Haushalt. Und Jesus redet über ganz was anderes, über die Zukunft und das Leben und Gott.

Und damit bin ich beim dritten Punkt, was Nachfolge Jesu konkret bedeuten kann:

Glaubt und erfahrt, dass Gottes Antwort auf unsere Lebensfragen eine Person ist: Jesus Christus. Und bittet wie diese Frau: Gib mir von deinem lebendigen Wasser.

4. Jesus lehrt Glauben und Gemeinschaft – das hat Folgen

Die Frau ist ganz aufgewühlt. Irgendwie ist ein Groschen gefallen. Sie geht zurück in ihre Stadt. Sie lässt sogar den Krug stehen. Entweder hat sie es so eilig, so dass sie nicht mehr daran denkt oder sie hat vor, in jedem Fall wieder zu kommen. Jedenfalls ist jetzt ganz schön Bewegung in ihr Leben gekommen - bei diesem Gespräch mit diesem Rabbi am Jakobsbrunnen.

Sie hält es inzwischen für möglich, dass er der versprochene Retter und Messias ist. Den Leuten in der Stadt sagt sie:

„Kommt, seht einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe, ob er nicht der Christus (der Messias) sei!“

Und tatsächlich folgen einige Leute der Frau und gehen zum Brunnen. Sie laden Jesus und seine Jünger in ihre Stadt ein: „Kommt, und bleibt doch bei uns in Sychar.“

Wir erinnern uns: Sychar war eine Stadt der Samariter. Fromme Juden machen da einen großen Bogen drum herum. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Jesus die Lösung einiger Fragen und Probleme anders angeht, dann jetzt und hier. Jesus nimmt diese Einladung an. Er schläft in einem ihrer Häuser, er bringt noch seine Jünger mit. Er isst mit den Leuten, er spricht mit vielen und er predigt. Waow! Es steht ausdrücklich im Text drin: Jesus bleibt zwei Tage da.

Jesus ändert seinen Plan. Eigentlich waren sie auf der Durchreise von Judäa (Landesteil im Süden in dem Jerusalem liegt) nach Galiläa (Landesteil im Norden in dem Nazareth und Kapernaum liegt). Aus dem Mittagsgespräch wird sowas wie ein Glaubensgrundkurs.

Und was hat Jesus ihnen wohl gesagt. Das steht hier natürlich nicht drin. Aber das ganze Neue Testament ist bekanntlich voll mit Predigten und Geschichten von Jesus. Und so hat er ihnen vielleicht folgendes gesagt:

Es ist nicht so wichtig, wo ihr Gott anbetet, ob auf dem Berg Gerazim (Heiligtum der Samariter) oder in Jerusalem. Es geht auch nicht um Tradition und Rituale, sondern um eine lebendige Beziehung zu Gott. Gott ist wie ein Vater, der auf euch wartet, wenn ihr euch entfernt habt, verstrickt in komplizierten Beziehungen oder Schuld. Kehrt um. Gott hat seine Menschen nicht vergessen. Keiner ist planlos irgendwie in die Geschichte geworfen. Gott liebt euch. Jeden einzelnen so wie er ist. –

Oder um es mit einer Liedzeile von Jürgen Werth zu sagen: „Ich bin gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur.“

Und diese Zeit mit Jesus in Sychar bleibt nicht ohne Folgen für diese Stadt. Ich bin fast sicher, dass diese Frau einen neuen, einen anderen Platz in der Gesellschaft gefunden. Wahrscheinlich musste sie nach diesen Ereignissen nicht mehr alleine zum Brunnen gehen. Es wird auch wieder miteinander geredet. Beziehungen werden heil.

Am Ende der Geschichte wir die Reaktion der Stadtbewohner berichtet. Da heißt es: Noch viel mehr glaubten Jesus. Und die Leute sagten zu der Frau: „Wir glauben jetzt nicht mehr nur, weil du uns von Jesus berichtet hast. Wir haben (jetzt) selber gehört und erkannt: Dieser Mensch ist wirklich der Retter der Welt!“ (Vers 42)

Und damit der vierte und letzte Merkpunkt, über das, was wir hier darüber lernen können, was Nachfolge Jesu konkret bedeutet:

Dies kann für engagierte Christen bedeuten:  Leute ändert doch mal euren Plan. Greift eine Gelegenheit beim Schopf und organisiert eine „Glaubensschule“ wie in Sychar hier und heute bei uns in Waiblingen

Für Menschen auf der Suche kann es bedeuten: Höre, was Jesus zu sagen hat über das Leben und fange an, ihm zu vertrauen.

5. Finale:

Und damit komme ich zum Schluss. Begonnen hatte alles mit einem Gespräch am falschen Ort zur falschen Zeit. Doch wir sehen, wer Jesus wirklich begegnet und sich auf ihn einlässt, der verändert sich. Der kann anfangen zu glauben. Der kann mit Gottes Hilfe sein Leben in Ordnung bringen. Der schöpft Hoffnung. Der sieht auf einmal hinter dem Menschen Jesus, den Retter und Messias, den Sohn Gottes.

Und das wünsche ich uns allen, dass wir solche Jesus-Momente und Jesus-Begegnungen auch heute haben. Durch sein Wort – im Gottesdienst oder beim Lesen der Bibel zu Hause. Aber auch durch die Musik, die uns berührt. Heute zum Beispiel um 17.00 Uhr – herzliche Einladung zum Gospelkonzert in dieser Kirche. Sagt es weiter und bringt noch ein paar Leute mit. Aus einer unscheinbaren Begegnung kann ein Wunsch und ein Gebet werden: „Herr, gib du mir doch von deinem lebendigen Wasser. Jesus, stille du meine Sehnsucht nach Leben!“

Amen.