Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Johannes 4,46-53

Pastor Matthias Bochow (ev.-luth.)

22.01.2017 ev.-luth. Petruskirche Osnabrück

Anschluss an Konfirmandentag

Die Predigt wurde von drei Sprechern vorgetragen:
Pastor Bochow (B), einer Konfirmandin (K1) für den Bibeltext und einem
Konfirmanden (K2) für die „Glaubensbekenntnisse“.
B:
Liebe Gemeinde,
liebe Konfirmandinnen,
liebe Konfirmanden
eine Geschichte vom Glauben haben wir eben gehört. Eure Geschichte
vom Glauben und mit dem Glauben haben wir letzten Freitag am
Konfirmandennachmittag besprochen.
Ihr habt das Glaubensbekenntnis, das in jedem Gottesdienst gesprochen
wird, mit ganz vielen Fragen und Ausrufezeichen versehen. Gedanken,
Überzeugungen, Vermutungen eingebracht, daneben geschrieben, darüber
diskutiert.
Und zuletzt habt ihr den Auftrag bekommen aufzuschreiben, was euch am
Herzen liegt, worauf ihr vertraut. Eben: Was ihr glaubt.
Von den Ergebnissen bin ich schwer beeindruckt. Hinten in der Kirche
sind sie ausgedruckt mit euren Fotos zu sehen. Sie sind es wert gelesen zu
werden. So sehr bin ich davon beeindruckt, dass die Predigt heute zum
größten Teil von euch gestaltet wird, euren Glaubensbekenntnissen, die die
Geschichte vom Hauptmann, Jesus und dem Kind kommentieren. Ich
werde nur überleiten.
Hören wir also die Geschichte noch mal von Anfang an:
K1:
46Jesus kam auch wieder nach Kana in Galiläa.
Dort hatte er Wasser zu Wein gemacht.
Da gab es einen königlichen Beamten,
dessen Sohn lag schwer krank in Kafarnaum.
B:
Was mir bei euren Glaubensbekenntnissen aufgefallen ist: Am Wichtigsten
sind euch eure Eltern, die Familie und eure Freunde. Auch wenn es
wahrscheinlich ab und zu mal kracht und rummst bei euch zu Hause: Auf
eure Eltern könnt ihr euch verlassen. Das habt ihr gemerkt. Das ist gut.
Und ich bin mir sehr sicher: Wenn jemand von euch krank wäre, dann
würden eure Eltern Himmel und Hölle in Bewegung setzen, damit es euch
wieder gut geht, ihr gesund werdet. Und das macht auch der Vater, ein
Beamter des Königs, um den sich diese Bibelgeschichte dreht. Er wandert
ungefähr 40 Kilometer, zu Fuß, durch Hitze und Staub, von Kafarnaum
nach Kana in Galiläa. Weil er von einem gehört hat, der auch
hoffnungslose Fälle nicht aufgibt.
K2:
Ich glaube an gute Freundschaft,
weil sich jeder ohne Freunde verlassen fühlen würde.
Ich glaube, dass die Hilfe von Eltern sehr wichtig ist,
denn ohne sie wäre man in den meisten Situationen hilflos.
Ich glaube, dass das Miteinander stärker ist
als das Gegeneinander,
weil man miteinander mehr erreichen kann
und auch stärker ist als alleine.
Ich glaube das man alles schaffen kann,
solange es einen gibt, der dich unterstützt.
Ich glaube das man immer hoffen kann,
auch wenn es sehr aussichtslos ist.
Ich glaube das alle gerecht behandelt werden müssen.
Ich glaube, dass alle Menschen es verdient haben,
eine neue Chance zu bekommen.
Ich glaube, dass alle Menschen
auch gute Taten vollbringen können.
B:
Der Vater hofft, selbst da, wo es sehr aussichtslos ist. Er hofft auf die
zweite Chance, darauf, dass Jesus gute Taten vollbringt.
K1:
47Der Beamte erfuhr,
dass Jesus aus Judäa
nach Galiläa gekommen war.
Da ging er zu ihm
und bat ihn:
»Komm nach Kafarnaum herunter
und mache meinen Sohn gesund.
Er liegt im Sterben.«
B:
Mit dem Tod, mit dem Sterben haben wir uns im November beschäftigt.
Frau Hehemann war hier in der Kirche, hat von ihrem Beruf als Bestatterin
erzählt und ihr habt von euren Erfahrungen mit dem Tod erzählt.
Anstrengend war das - und ernsthaft, und vollkommen offen und ehrlich.
Ich habe gemerkt: Das Thema treibt euch um. Viele - fast alle - haben es
schon miterlebt, wie jemand aus eurer Familie gestorben ist. Nicht mehr da
war von einem Tag auf den anderen. Omas oder Opas, aber auch Onkel,
Tanten, die eigene Mutter… Und einer von euch hat als
Glaubensbekenntnis formuliert:
K2:
Ich vertraue darauf,
dass ich in meinem Alter am nächsten Morgen wieder aufwache.
Ich glaube, dass ich ohne meine Familie und Freunde
nicht jeden Morgen aufstehen würde
und den Tag mehr oder weniger gut meistern würde.
Ich glaube, dass ich trotz einiger Missgeschicke
Glück im weiteren Leben habe.
Ich glaube an Gott und dass er im Notfall helfen wird.
B:
Wird der Beamte Glück haben? Hilft ihm Jesus in diesem absoluten
Notfall?
K1:
48Jesus sagte zu ihm:
»Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht,
glaubt ihr nicht.«
49Der königliche Beamte erwiderte:
»Herr,
bitte geh hin,
bevor mein Kind stirbt.«
B:
Zeichen und Wunder? Ihr Konfis hattet eure Zweifel daran, dass Jesus
tatsächlich die Naturgesetze außer Kraft setzt, wie es in den
Wundergeschichten erzählt wird. Zu Recht. Und ihr würdet wahrscheinlich
kein bisschen schneller zum Glauben finden, wenn ich einfach fantastische
Zaubertricks beherrschen würde. Darum geht es nicht. Darum geht es euch
nicht. Ihr wollt - und ich glaube, alle anderen hier wollen das ebenfalls -
viel mehr als das. Ihr wollt Hilfe, Verlässlichkeit. Oder wie es einer von
euch geschrieben hat:
K2:
Ich glaube an wahre Gerechtigkeit
und an den Zusammenhalt von Freunden.
Ich glaube an die wahre Liebe und an die Familie.
Außerdem glaube ich an die Wissenschaft
und die Große Erkenntnis.
Ich glaube an den Sinn des Lebens
und an das sichere Leben.
B:
Sicherheit gerade da, wo es unsicher ist, unsicher wird. Rettung, wo alles
in Schieflage gerät.
K1:
Und Jesus sagte zu ihm:
»Geh ruhig heim!
Dein Sohn lebt!«
K2:
Ich glaube fest daran, dass man gute Freunde braucht
und dass Gerechtigkeit in der Welt herrschen muss.
Ich denke nämlich,
ohne die richtigen Freunde steht man nicht richtig im Leben
und neigt dazu, auf die schiefe Bahn zu geraten.
Damit ist gemeint,
dass man Freunde besitzt,
die hinter einem stehen,
denen man vertrauen kann.
Genauso wichtig wie gute Freunde ist mir Ehrlichkeit.
Aber auch Freundlichkeit gegenüber Freunden.
Denn so, wie man andere behandelt,
will man auch selbst behandelt werden.
Wichtig finde ich auch,
dass man hilfsbereit ist,
denn es ist gut,
wenn man Menschen,
die etwas nicht verstehen, helfen kann.
B:
Jesus hilft. Aber anders, als sich das der Vater wahrscheinlich gedacht hat:
Keine aufwendige Spezialbehandlung. Kein Zaubertrick. Keine große
Show. Nicht einmal ein direktes Gespräch. Was schon reicht, sind die paar
Worte: Geh ruhig heim. Dein Sohn lebt.
K1:
Der Mann glaubte dem Wort,
das Jesus ihm gesagt hatte,
und ging nach Hause.
51Unterwegs kamen ihm schon
seine Diener entgegen.
Sie riefen:
»Dein Kind lebt!«
52Der Mann erkundigte sich,
seit wann es dem Jungen besser ging.
Sie berichteten ihm:
»Gestern um die siebte Stunde
hat das Fieber aufgehört.«
53Da erkannte der Vater:
Das war genau zu der Stunde,
in der Jesus zu ihm gesagt hatte:
›Dein Sohn lebt!‹
B:
Wie das passiert ist? Ob es dafür eine rationale Erklärung gibt? Ich weiß es
nicht. Aber ich weiß: Manchmal passiert das, dass man keine Hoffnung
mehr hatte. Die Ärzte sagen: Wir können nichts mehr tun. Jetzt können wir
nur noch auf ein Wunder hoffen. Und dann bereitet man sich auf das
Schlimmste vor, weint und wartet - und hofft man auf ein Wunder. Und
das Wunder geschieht. Wunder? Oder doch eher: Zufall? Schicksal?
K2:
Ich glaube an den Zufall.
Ich glaube an das Schicksal.
Ich glaube an die Freundschaft, ohne die könnte man nicht leben.
Ich glaube an Glück.
Ich glaube an Gott.
Ich glaube an Gerechtigkeit.
Ich Glaube an die Auferstehung.
Ich glaube an die Vergebung der Sünden,
denn sonst wären wir schon alle in der Hölle.
Ich glaube an den Schöpfer des Himmels und der Erde,
sonst hätten wir nicht die Erde.
Ich glaube an den Tod, weil jeder stirbt.
Ich glaube an den Himmel.
B:
Für den Vater ist es jedenfalls kein Zufall. Er ist sich sicher: Jesus hilft.
Seine Kraft rettet.
K1:
Er kam zum Glauben
und mit ihm alle,
die in seinem Haus lebten.
B:
Und alle, die in seinem Haus leben, sind natürlich seine Familie: Seine
Frau, seine anderen Kinder. Die „kommen zum Glauben“. Wie man zum
Glauben kommt? Da gibt es ganz verschiedene Wege. Für den Vater ging
der Weg über die Erfahrung: Jesus rettet. Meinen Sohn. Mich. Es gibt noch
viele andere Wege, um zum Glauben zu kommen. Aber eins ist immer
dafür notwendig: Dass man sich auf den Weg macht, so wie der Vater los
gewandert ist, durch die Hitze, durch den Staub, 40 Kilometer oder noch
viel mehr. Dass man aufmerksam hinschaut, nach Hinweisen späht. Und
dass man einen Sinn hat für die Veränderungen im Leben. Für die kleinen
Zeichen: Es geschieht etwas. So wie einer von euch geschrieben hat:
K2:
Ich glaube an Gott und seinen Sohn Jesus.
Außerdem glaube ich an meine Eltern und an meine Familie.
An meine Freunde glaube ich auch,
denn sie helfen mir und sind immer nett zu mir.
Mir ist auch wichtig,
dass ich mich für Dinge wie zum Beispiel meinen Beruf
und meine Nahrung entscheiden kann.
Sehr wichtig ist für mich die Zeit
zum Entspannen, Erholen und Ausruhen.
Ich glaube auch an die Jahreszeiten,
denn zum Beispiel immer nur Hitze wäre einfach zu viel.
Ohne Farben wäre alles nur grau.
Zuletzt finde ich es sehr wichtig,
dass man neue Dinge entdecken kann,
denn wenn immer nur dasselbe wäre,
wäre es einfach nur langweilig.
B:
Nein, mit euch wird es nicht langweilig.
Und mit Gott auch nicht.
Und darum glaube ich an ihn.
Amen